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Die Stalker-Hotline

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
Einen schönen guten Tag, mein Name ist Robert Zobel von der Stalker-Hotline. Habe ich dort Frau Hader?

Ich möchte nichts kaufen.

Aber Frau Hader. Sie haben doch vor einiger Zeit beim Sorgentelefon angerufen.

Woher…

Jetzt fragen Sie sich sicher, woher wir das hier wissen!

Ja.

Sie haben sich dort automatisch in eine Kartei eintragen lassen, auf die wir virtuell zugreifen.

Und das dürfen Sie einfach?

Einfach ist es nicht, aber wir dürfen.

Das sind ja Sachen.

Es wird sich gleich herausstellen, dass es nur zu Ihren Gunsten ist.

Ich bin gespannt.

Dürfen Sie sein. Laut der Unterlagen hatten Sie damals ziemlichen Liebeskummer wegen Ihres Exmannes.

Aber…

Beruhigen Sie sich. Wir geben das ja nicht weiter. Sie meinten damals, dass er sich nicht melden würde und so weiter.

Ja, das stimmt. Aber..

Denken Sie noch oft an ihn?

Ja!

Sind Sie oft traurig?

Ja!

Wollen Sie wieder durchstarten?

Ja.

Frau Hader, dann ist heute Ihr persönlicher Glückstag. Ganz speziell auf Sie haben wir ein Stalkingprogramm zugeschnitten. Sie können schon morgen am Telefon total fertiggemacht werden.

Hallo?

Frau Hader?

Was soll das?

Eine wirklich gute Frage. Sie haben ja moniert, dass sich Ihr Mann nicht gemeldet hat!?

Ja!

Und wir können Sie davon heilen. Frau Hader, Sie werden froh sein, dass er sich nicht mehr meldet oder sich nicht mehr gemeldet hat.

Aber..

Wollen Sie einmal testen, wie wir das meinen.

Ja, ähh

Wie heißt Ihr Exmann?

Jürgen.

Legen Sie bitte auf Frau Hader.


In diesem Moment legt Frau Hader mit offenem Mund auf, fühlt sich irgendwie weltfremd, überlegt gefühlte acht Stunden ob sie bei der Verbraucherzentrale anrufen soll, aber verwirft das, damit sie in keiner weiteren Kartei landet. Sie starrt noch immer auf das Telefon, der Brustkorb hebt und senkt sich in ungleichmäßigem Rhythmus. In dem Moment, in dem sie sich umdreht, klingelt das Telefon erneut.


Anna?

Ja?

Ich bin es.

Wer ich?

Jürgen.

Sie sind doch nicht der Jürgen. Sie sind doch der Mann von eben.

Nein, ich bin Jürgen.

Welcher Jürgen?

Dein Jürgen!

Quatsch, Jürgen würde niemals so durch die Nase sprechen.

Ich hab eine OP gehabt. Deshalb konnte ich mich auch nicht melden.

Sie sind doch der Mann von der Hotline!

Bin ich das?

Ja!

Ich gebe es zu, Frau Hader.

Was soll das?

So verdiene ich mein Geld. Für jeden Vertrag bekomme ich halt meine Provision.

Und was hab ich damit zu tun? Was hat Jürgen damit zu tun.

Sehr viel. Ich biete Ihnen ein monatliches Stalkerpaket für 50 Euro und dieser Service wird Sie diesen Jürgen vergessen lassen.

Indem Sie als dieser anrufen?

Ja.

Wie das?

Legen Sie auf Frau Hader und lassen Sie mich kurz Ihr Jürgen sein. Auch wenn es weh tut.

Aber..

Legen Sie auf.


Anna?

Jürgen?

Ja, ich bin es.

Schön.

Finde ich auch schön.

Wie geht es Dir denn?

Schlecht. Du hast Dich so lange nicht gemeldet.

Du Dich doch auch nicht.

Doch, habe ich.

Hast Du gar nicht.

Doch, Jürgen. Ich hab Dir einen Monat lang jeden Tag einen Brief geschickt und so lange auf deinen Anrufbeantworter gesprochen, bis Du ihn ausgeschaltet hast oder er kaputt ging.

Halt die Fresse.

Wie bitte?

Du hast mich schon verstanden, Du Scheißstück.

Stopp. Hier will ich das beenden.

Aber Frau Hader. Ich war noch nicht fertig. Spüren Sie nicht, wie sich eine Art Hass aufbaut?

Doch.

Sehen Sie, und diesen Hass bauen Sie unterbewusst schon jetzt gegen Ihren Jürgen auf.

Nein.

Doch, tun Sie.

Gegen Sie baue ich Hass auf.

Ja, und ich bin gerade Jürgen.

Das ist mir jetzt zu blöd.

Was spricht denn für Sie dagegen?

Alles.

Sagen Sie mir nur einen Grund und ich lege auf und wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Ich möchte mich nicht beschimpfen lassen.

Das ist gar kein Problem. Wir haben auch „Pervers“ zur Auswahl.

Wie bitte?

Ich würde als Jürgen anrufen und nur ganz obszöne Sachen hecheln.

Das würde mich auch verletzen.

Sie sind aber auch keine leichte Kundin. Probieren Sie das doch einfach mal einen Monat und wenn Ihnen das nicht gefällt, können Sie immer noch Nein sagen.

Ich sage jetzt Nein.

Dann wünsche ich Ihnen einen schönen Tag.

Danke.



Sieben Tage später. Das Telefon klingelt und Frau Hader geht ran.


Hallo, Hier ist Jürgen. Du geiles Stück Scheiße.
 
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Kommentare  

muahahaaaaaa..obskure Storie..gelungen

wenn du da mal nicht sogar eine Marktlücke entdeckt hast :-O


anonym (08.07.2008)

Lol! Eine Mischung aus seltsam und lustig. Zobel halt. Lg Sabine

Sabine Müller (23.07.2007)

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