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3 Seiten

Die glorarmen Sieben

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
Es waren einmal sieben Freunde, die äußerlich und innerlich nicht viel für die Frauenwelt hermachten. Erste Dates blieben erste und einzige Dates und nie nahm eine Frau sie mit auf ihr Zimmer, ins Bett oder in ihr Geschlechtsteil auf.
Alle Sieben schauten neidisch auf die anderen Männer und versuchten ihnen nachzueifern. Sie wollten Muskeln aufbauen und scheiterten an ihrer Faulheit, wollten charmant sein, aber wussten nicht wie. Nicht einmal Geld für gutes Parfüm hatten sie und so kamen sie auf den einen einzigen möglichen Weg.
„Wir müssen alle anderen Männer beseitigen. Dann werden die Frauen uns lieben“ sagte Hannes eines Tages. Er trug immer ein Kopftuch um so wenigstens mit türkischen Frauen ein wenig Worte zu wechseln. Dies befriedigte ihn aber schon lange nicht mehr und er hatte Wochen hin und her überlegt. Er war sozusagen der Wortgeber des Siebenerteams. Erstens weil er der hässlichste Mann unter allen war und zweitens, weil er schon einmal eine Frau (seine Schwester) geküsst hatte.
Patrick hatte einmal einen Unfall gehabt und hatte deshalb einen kleinen Sprachfehler. Immer wenn sich eine Frau ihm näherte, musste er automatisch nach ihr treten.
Heinrich Husmann war einfach viel zu eifersüchtig. Bevor er eine Frau kennen lernte hasste er erst einmal ihr Vorleben, alle Bekannte und alle Verwandte. Einmal warf er sogar einen Hund aus einem Fenster, weil eine Frau ihn streichelte, die er ganz toll fand.
Franziska hieß einmal Franz und hat sich umoperieren lassen. Nur um einer Frau nahe zu sein. Was für eine traurige Gestalt. Er will an sich rumspielen, wenn er an sich rumspielt, aber es geht ja nicht mehr. Franziska hegt den Plan sich wieder operieren zu lassen und dann frauenmäßig durchzustarten. Natürlich nur wenn alle anderen Männer tot sind.
Der Fünfte im Bunde muss für Sex immer Unmengen bezahlen. Mehr als übliche Freier, weil die Hugenutten immer noch einen Gefahrenzuschlag wollen. Er hat im Gesicht und am ganzen Körper Rattenschwänze. Warum das so ist weiß keiner, aber das es so ist, sieht jeder.
Manfredo wird von allen nur „Zement“ genannt. Einen Grund gibt es dafür nicht. Irgendwer hat angefangen und alle haben mitgemacht. So einfach sieht’s aus. Manfredo ist sehr cholerisch und sieht aus wie Klaus Kinski, nur verrückter. Wenn er aufgeregt ist schielt und speichelt er ein wenig. Frauen finden das nicht nur unerotisch, sondern auch unmenschlich. Deshalb steht auch er in der Frauenwelt auf der schwarzen Liste.
Genau wie Johannes. Der hat eigentlich einen tollen Job und auch genug Geld, aber auch dies angelt nicht, wie sonst von selbst, eine Frau. Dafür hat er keine Ausstrahlung. Auch keine Geldausstrahlung. Er sieht aus wie ein armer Schlucker und wenn er dann noch schluckt, dann dringt aus seinem Rachen eine Art Seufzen, das nach Selbstmitleid klingt.
Mit Hannes sind all einer Meinung. Es gibt keinen anderen Weg zu Frauenherzen als diesen Plan zu verfolgen. Jeder erträumt sich seinen eigenen Gegenpart und jeder weiß, dass er diesen auch bekommen wird wenn alle Sieben gründlich arbeiten.
„Auf der Erde gibt es 2,9 Milliarden Männer“ rechnete Heinrich vor. „Jeder von uns muss 414 Millionen Männer umbringen“. Alle gaben sich die Hand, umarmten sich und prosteten sich zu.
In den nächsten Tagen versuchten Manfredo ein AntiMannVirus zu erzeugen, aber es klappte nicht und so ging er abends mit einem Messer aus.
Hannes warf aus seinem Segelflugzeug Bollersteine auf männliche Passanten und Franziska lockte die Männer zu sich nach Hause ein und vergiftete sie dann. Die anderen Vier arbeiteten auf ihre Weisen. Diese ganzen Mordopfer in ein und dergleichen Stadt waren natürlich ziemlich auffällig und die Polizei näherte sich den Siebenen immer weiter. Um dem entgegenzukommen richtete man sein Augenmerk nun auf die männlichen Polizisten und schon bald gab es in der Stadt keinen einzigen männlichen Polizisten mehr. Und die weiblichen Hüter weinten nur noch und wurden depressiv und hatten keine Nerven für eine Fahndung oder Untersuchung.

Wieso erzählen Sie das eigentlich als Märchen?

Mach ich gar nicht. Ich hab nur angefangen mit „Es war einmal“ weil es einmal war.

Und ich soll Ihnen das alles glauben?

Sie wissen doch, dass sehr viele Männer umgekommen sind und immer noch umkommen.

Ja, aber der Beweggrund scheint mir weit hergeholt.

Haben Sie denn eine andere Theorie?

Bandenkriege.

Bandenkriege?

Ja, das war bis jetzt unsere Erklärung.

Aber jetzt haben Sie einen Täter und glauben mir nicht.

Wir sollten vielleicht erst einmal ein psychologisches Gutachten von Ihnen machen.

Gerne. Kann ich dann mein Kopftuch wieder haben?

Nein.

Sie haben jetzt nur die Vornamen der Mittäter genannt. Mit einer Ausnahme.

Zement?

Nein, Heinrich Husmann.

Oh.

Wir werden diesen Heinrich Husmann ausfindig machen.

Wenn er nicht Sie vorher ausfindig macht. Verraten Sie mir wie viele Polizisten noch am Leben sind?

In dieser Stadt?

Ja.

Fünfzehn.

Ich würde die Zahl überprüfen.
 
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