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Der Täufer

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
Am Wochenende war ich Gast einer katholischen Taufe. Zuschauer hört sich unpassend an und Mitsegnender trifft es nur indirekt, wenn man es aus der Sicht eines Gläubigen sieht. Dieses Ritual lief anhängend an einem ordentlichen Gottesdienst ab, und immer wieder kam der Priester zu dem kleinen Kind und malte ihm mit dem Daumen ein Kreuz auf die Stirn. Danach mussten das dann auch die Taufpaten und die Eltern machen. Die Gemeinschaft wurde aufgefordert, das Kind in seinem Leben zu unterstützen, weil es ja nun auch zur Gemeinde gehört und Gott passe ja sowieso auf.
Nun bin ich ja kein strikter hasserfüllter Gegner, sondern ein Mensch der den Grundgedanken aller Religionen sozusagen im Kopfe, im Herzen und auf der Zunge trägt, aber es sind gerade die Konstrukte um die verschiedenen Glaubensrichtungen, die das Wesentliche schmälern. Ich würde mein Kind zum Beispiel niemals vor der katholischen Kirche taufen, weil ich damit nicht Friede, Freude, Eierkuchen verbinde, sondern eher die dunklen Kapitel, die Raffgier und die Widersprüche an sich. Da würde ich heucheln, wenn ich mein Kind von Jemandem segnen lasse, der vorher Hexen verbrannt hat, „Wilde“ getötet hat die den „falschen“ Glauben hatten und lange, lange Zeit das Volk unterdrückt hat. Die guten Taten der Kirche sind nur ein Tropfen auf einem Stein, der eigentlich geworfen werden müsste.
Warum ich trotzdem Gast dieser Taufe war? Weil man alles im Leben einmal miterleben muss, damit man nicht auf einer Meinung festhängen bleibt.
Die Zeremonie mit vielen Ausnahmen war sehr schön und der Grundgedanke ein Kind zu taufen, ihm liebe Menschen an die Seite zu stellen und auch eine höhere Macht zu beschwören ist ja kein unfeiner Gedanke und sogar recht schön, aber wünschen würde ich mir eher so was:

Liebe Eltern,

auf dieser schönen Wiese haben wir uns heute alle hier versammelt um Euren Sohn Tim in unsere große Gemeinschaft aufzunehmen. Ich begrüße die Verwandten, Kinder und Freunde und bitte Sie nun, Ihrem Nachbar die Hand zu reichen, dass Sie um uns herum einen Kreis bilden. So, dass keine Liebe an diesem heutigen Tage entweicht und der kleine Tim sie ganz intensiv um sie spürt, wie ein paar Tage zuvor in Dir Julia. Ich habe hier eine Liste mit den Lebenspunkten, die die Taufpaten, Freunde und Bekannten übernommen haben. Jeder Einzelne wird Tim auf seinem Lebensweg begleiten und ihn gerade das lehren, was seine beste Eigenschaft ist. Was er am besten kann.
Dies sei ihm so lange zu geben, bis er es selbst nicht mehr möchte und auch dann noch sollten sie immer mit ihrer Fähigkeit Tim zur Seite stehen.
Wir werden jetzt leise summen, einen gemeinsamen Grundton finden und dann jeder an sein schönstes Erlebnis in diesem Leben denken. Konzentrieren Sie sich darauf, bündeln Sie den Gedanken und nun löst sich der Kreis und jeder geht mit seinem Lächeln an dem Kind vorbei und küsst oder streichelt es.

Wäre so etwas in der Art nicht viel schöner? Vielleicht sollte ich meine Dienste als neuer Täufer anbieten und dafür nichts verlangen um den Menschen zu zeigen, dass so etwas noch möglich ist oder ich lasse mich in Liebe von der hübschen Mutter bezahlen. Alles ist möglich. Haben Sie Ihr Kind getauft? Hätten Sie es lieber vor Jemand anderem getauft als der katholischen Kirche oder sehen Sie das nicht so eng? Oder sind sie wirklich gläubig und leben vor dem Mond, aber mit einem Nebel der schön viel abnimmt und Hoffnung gibt?
 
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Kommentare  

Danke. Ich bin ex-katholisch und muss bei Taufen immer an den Friedhof für die ungetauften Kinder (Heidenkinder) denken, ganz am Rande der Friedhofsmauer.
Religion ist nichts weiter als das Band, was Individuen zusammenhält, solange sich alle an die Regeln halten und alle anderen ausschließt.
LG Dublin


anonym (29.10.2008)

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