103


2 Seiten

Margarete gibt euch die Knete

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
Margarete betrachtete ihren Schatz: Alles war da, um für ihre Gesundheit zu sorgen. Da konnte nix schiefgehen:
Vitamin B - Folsäure war gut fürs Herz und den Kreislauf.
Vitamin D - brauchte man unbedingt in den dunklen Wintermonaten, baute außerdem die Knochen auf.
Q10, das beste Mittel gegen Erschöpfung und äußerlich angewendet verschaffte es einem strahlende Schönheit.
Zimt, dieses preiswerte Gewürz sollte ein wahres Wunder sein, wenn's um Herzangelegenheiten ging.
Herz war immer gut, Margarete musste lachen - und suchte weiter im Internet, sie hatte ja zu hohen Blutdruck und außerdem zuviel böses Cholesterin, da gab es doch bestimmt was gegen. Natürlich wurde sie fündig:
MSM, ein wahres Wundermittel, soll gegen alles Schlimme sein, kann man äußerlich und innerlich anwenden, es schützt vor Entzündungen, vernichtet Bakterien und freie Radikale (außer politischen).
Äpfel sollen den Blutdruck senken, ferner Nüsse und Mandeln und Rote Beete auch.
Grapefruits lassen das böse Cholesterin schmelzen.
WAHNSINN! So einfache Sachen! Leider gab es noch sooo viele Gesundheitstees, die sie nicht probiert hatte. Und auch die Bachblüten versprachen Potential. Gut, eins nach dem anderen...
Es war natürlich schwierig, den Überblick zu behalten. Auch war es sehr lästig, sich rote Beete reinzuwürgen. Sie mochte den Geschmack nicht. Auch nicht den von dem Lachsöl, das ja sowas von gesund war, Omega Dingsbumms - sie hatte einmal aus Versehen auf eine Kapsel gebissen, und die volle Ladung entlud sich in ihren Mund, das war nicht schön....
Die Nüsse und die Mandeln, och ja, die schmeckten lecker, aber ihre Zähne wollten beim Kauen nicht mitmachen. Parodontitis... Aber sie hielt tapfer durch, weil Nüsse und Mandeln gerade diese bekämpfen sollten.
Und von den vielen Äpfeln bekam sie Sodbrennen. Noch widerlicher war der Grapefruitsaft, so bitter...
Manchmal vergaß sie, wichtige Dinge einzunehmen. Der Tag war zu kurz dafür. Oder sie wurde dement. Aber... welch Wunder, sie hatte es im Internet gefunden: KOKOS-ÖL! Gegen Vergesslichkeit und Demenz ein wahres Wundermittel. Sie bestellte es. Nicht gerade billig, für ein Pfund davon könnte man ein senegalesisches Dorf ein paar Tage lang ernähren, aber die Gesundheit war es ihr wert. Leider wusste sie nicht, wie sie es runterwürgen sollte, das war nämlich kein Öl, das war festes Fett!
Apropos Öl: es gab noch eine andere Empfehlung: Ölspülungen... Die sollten gut gegen Parodontitis sein. Nur eine halbe Stunde lang das Öl zwischen den Zähnen hin und herbewegen, aber um Himmels Willen nicht hinunterschlucken wegen der Bakterien - und nach ein paar Monaten schon konnte man einen Erfolg feststellen. Vom Preis her handelte es sich zwar um von Jungfrauen handgepresstes Öl, aber warum nicht? Ausprobieren!

Sie mochte den Zimt nicht, sogar harmlose Zimtsterne waren ihr zuviel, dazu kam die Säure der Äpfel und der Omega Fischgeschmack. Einfach widerlich! Auch die Mischung aus Rote Beete und Mandelmus war ekelig. Und die Ölspülung? Das war zuviel, sie musste nach zehn Minuten würgen und schluckte somit jede Menge Bakterien hinunter.

Der im Magen gesetzte Deckel aus Kokosfett schmolz dahin, ein Art Lavaausbruch fand statt, zimtgebräunter bitterer MSM, gepaart mit Fischöl, Nüssen und Mandeln in roter Beete quollen unaufhaltsam aus ihr heraus.

Okay, Anfangsschwierigkeiten. Irgendwann wurde sich ihr Organismus an die neue gute Kost gewöhnen. Es gab doch sicher Hilfsmittel dafür. Margarete setzte sich an den Computer und tippte als Suchbegriff ein:
"Natürliches Mittel gegen Kotzen"
 
Wenn du registriert und angemeldet bist und selbst eine Story veröffentlicht hast, kannst du die Stories bewerten, oder Kommentieren. Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diese Story kommentieren.
Weitere Aktionen
Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diesen Autoren abonnieren (zu deinen Favouriten hinzufügen) und / oder per Email weiterempfehlen.
Ausdrucken
Kommentare  

... es wird immer mehr angepriesen, das ist einfach nicht mehr zu bewältigen. mist!
danke rosmarin, auch für das sonnige osterfest, es scheint, als würde im moment die sonne scheinen. ;-)
liebe grüße von mir


Ingrid Alias I (05.04.2015)

lach, lach, lach. einfach zuviel des "guten". ein treffender seitenhieb auf die werbung und unsere dummheit.
ich wünsche dir ein unbeeinflussbares sonniges osterfest.
liebe grüße von


rosmarin (05.04.2015)

Login
Username: 
Passwort:   
 
Permanent 
Registrieren · Passwort anfordern
Mehr vom Autor
DER HIMMEL UEBER ROM, Teil 24 - DER HIMMEL IST ÜBERALL  
DER HIMMEL UEBER ROM, Teil 23 - WAHRHEITEN  
DER HIMMEL UEBER ROM, Teil 22 - OHNE DICH  
DER HIMMEL UEBER ROM, Teil 21 - DER BESTE VATER  
DER HIMMEL UEBER ROM, Teil 20 - FLIEGEN  
Empfehlungen
Andere Leser dieser Story haben auch folgende gelesen:
DER HIMMEL UEBER ROM, Teil 17 - IN DER FREIHEIT  
Damals 5. Kapitel  
Das Geschenk  
Iggy inda house - part 1 - Wie es begann-ein Bericht  
DER HIMMEL UEBER ROM, Teil 4 - DIE FREIGELASSENE  
Das Kleingedruckte | Kontakt © 2000-2006 www.webstories.eu
Counter

Counter Web De