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4 Seiten

Robin Hood - LESEPROBE -

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
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"Einen Armen hassen auch seine Nächsten; aber die Reichen haben viele Freunde" (Sprüche 14,20)
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Ich erinnere mich noch an die schöne vergangene Zeit, wo sonntäglich, am Tag einer Bundestagswahl, der fromme Gläubige früh morgens zunächst in den Gottesdienst ging und dann erst an die Wahlurne. Hier blieb den Oberhirten unserer Konfession noch eine letzte Gelegenheit ihren Schäfchen, mittels eines von den Kanzeln verlesenen Hirtenbriefes, klar zu machen, wo das Kreuzchen auf dem Wahlzettel, der Gottwohlgefälligkeit willen, zu machen sei und wo nicht. Das war damals sozusagen ein spiritueller WAHL-O-MAT. Leider ist diese schöne Tradition stellenweise aus der Mode gekommen, was nicht ohne gefährliche Folgen bleibt, wie aus nachstehender Beichte deutlich zu erkennen ist.


Es begab sich an einem Montag, nach einer Bundestagswahl, dass eine ältere, mir langjährig wohlbekannte steinreiche Unternehmerwitwe, zu mir in den Beichtstuhl kam um mir ihre Sünden kund zu tun.


Paulus:“Meine Schwester, was führt Dich zu mir ?“


Witwe:“Vater, ich habe gesündigt !“


Paulus:“Wann war Deine letzte Beichte ?“


Witwe:“Ich erinnere mich nicht mehr an den Termin“


Paulus:“So sprich ! Ich höre zu !“


Witwe (leise):“Ich habe mich wie Judas verhalten“.


Paulus:“Wie Judas ? Hmm? Wen hast Du verraten ?“


Witwe:“Das Vertrauen unseres Herrn, habe ich verraten“.


Paulus:“Etwas genauer bitte, liebe Schwester,was ist vorgefallen ?“


Witwe:“Ich habe vor der Bundestagswahl zum ersten Mal in meinem Leben, meiner kleinen Nichte aus einem Buch vorgelesen, was ich selbst noch nicht kannte“.


Paulus:“Was für ein Buch ?“


Witwe:“Robin Hood“.


Paulus (aufseufzend):“Auch das noch....., wie kann man so etwas Kindern vorlesen ? Das ist Extremistenliteratur ! Schämst Du dich nicht ? Heute würde man Robin Hood als Terroristen per Steckbrief suchen...“.


Witwe (schuldbewusst und kleinlaut):“Ja, aber ich kannte den vorher doch gar nicht...“.


Paulus:“Na gut, viele Menschen haben dieses Buch schon mal gelesen und auch zahlreiche dümmliche Filme über diese zweifelhafte Gestalt gesehen und dennoch sind viele von Ihnen gute Gläubige und Staatsdiener geworden“.


Witwe:“Ja, aber beim Lesen ist es nicht geblieben. Ich habe mich vom Buch beeinflussen lassen“.


Paulus:“ Wie das ?“


Witwe:“Nun, Robin Hood nahm den Reichen das Geld und gab es den Armen. Daran habe ich kurzfristig sündhaften Gefallen gefunden“.


Paulus:“Dir ist schon klar, dass die vorherbestimmte traurige Wirklichkeit weltweit seit Jahrtausenden anders aussieht, nämlich, dass den Armen genommen wird und den Reichen gegeben wird ? Wie anders hätte Dein Mann, der Herr habe ihn selig, so viel Reichtum anhäufen können ? Wohlstand und Reichtum, hart erarbeitet, von dem Du nun im Alter als Witwe profitierst“.


Witwe:“Ja, aber mir sind beim Lesen plötzlich Zweifel gekommen ob das alles so richtig ist. Ich bin nun schon betagt. Und wenn ich mein Leben lang mich diesbezüglich vertan habe, dann wartet in Kürze das schlimmste Fegefeuer auf mich. Ich habe dann noch sicherheitshalber in die heilige Schrift geschaut und erschreckt festgestellt, dass da in 5 Mose 23.20 tatsächlich steht......

....."Du sollst von deinem Bruder nicht Zinsen nehmen, weder Geld noch mit Speise noch mit allem, womit man wuchern kann......."...,

..ja und das hat mein gestorbener Mann doch ein Leben lang getan“.


Paulus (kopfschüttelnd und mit fester, sicherer und belehrender Stimme):“Du musst die Schrift an den richtigen Stellen lesen ! In Sprüche 13.8 steht zum Beispiel:....„Mit Reichtum kann einer sein Leben erretten“....und in Sprüche 8.18 geht es weiter mit....“Reichtum und Ehre ist bei mir, währendes Gut und Gerechtigkeit.“.....
Es gibt unzählige andere Stellen, die man nur richtig interpretieren muss, wie auch in Sprüche 13.11 ….“Reichtum wird wenig, wo man's vergeudet, was man aber zusammenhält, das wird groß.“
Da steht es doch klipp und klar, dass hoher Besitz zusammengehalten werden muss und nicht zum sinnlosen verteilen da ist. Auch 2 Chronik 32.27 sagt es überdeutlich...…..“und Hiskia hatte sehr großen Reichtum und Ehre und machte sich Schätze von Silber, Gold, Edelsteinen, Gewürzen, Schilden und allerlei köstlichem Geräte.......“.

Witwe:“Hochwürden, aber was ist mit Pediger 5.9......“Wer Geld liebt, wird Geldes nimmer satt und wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben“......und dann las ich noch in Lukas 18.25...... „Es ist leichter, dass ein Kamel gehe durch ein Nadelöhr, denn dass ein Reicher in das Reich Gottes komme..... ?“
Da ist es mir beim Lesen eiskalt den Rücken runter gelaufen. Eindeutiger kann diese 2000 Jahre alte Warnung für mich doch nicht gewesen sein ?“


Paulus (nun leicht verärgert):“Also, liebe Schwester, welche Schriftstellen und Gleichnisse der heiligen Schrift nun für Dich zutreffend sind, dass überlasse getrost den Schriftgelehrten, also mir ! Aber, was ich immer noch nicht recht verstanden habe ist, was ist denn Deine Schuld, welche Du auf dich geladen hast und für welche du Lossprechung erbittest ? "


Witwe (einen Seufzer von sich gebend):“Ich habe im Wahllokal mein Kreuz zum ersten Mal in meinem Leben für eine soziale Partei abgegeben, wobei mir nicht ganz klar war, ob diese nun wirklich sozial ist, muss ich zugeben. Das weis man ja heute nicht mehr so genau, die erzählen immer so viel im Fernsehen.....“.


Paulus:“Doch wohl für eine Partei mit einem „C“ vor dem Sozial !?“


Witwe (kleinlaut):“Nein ! Hinter dem Sozial stand etwas von demokratisch auf dem Wahlschein“.


Paulus (laut und mit geschockter Stimme):“Ich fasse es nicht ! Warst Du von Sinnen ? Du hast Deine Stimme linken Socken gegeben ? Rote Füchse, von denen jeder zweite keinen Glauben hat und die ständig neue Steuern erfinden, oder ersatzweise CD`s aus der Schweiz ankaufen, mit denen Sie redlichen Menschen, wie Dir, das Leben schwer machen ?“


Witwe:“Ja !“


Paulus:“Das wird hart !“


Witwe (mit ängstlicher Stimme):“Was"?


Paulus:“Alles hätte ich Dir verzeihen können, aber das....das..., also das geht wirklich nicht !“


Witwe (nun mit verzweifelt flehender Stimme):“Und nun, wie soll es mit mir weiter gehen ? Soll ich der Kirche etwas großzügiges spenden ? Wäre das eine Möglichkeit ?“


Paulus (nach einer Minute des Schweigens):“Das wird als Sühne nicht reichen !!.....Deine Tat hat eine üble politische Dimension !“


Witwe (nun völlig verzweifelt):“ Aber etwas wird es doch geben, was ich als Sühne tun kann ?! Ich flehe Sie an Hochwürden !“


Paulus:“Okay,...was soll`s.....Du musst spenden !“


Witwe (nun voller Hoffnung):“Wie viel ?“


Paulus:“100.000 Euro !“


Witwe (erleichtert und voller Hoffnung):“An wen ?“


Paulus:“An den örtlichen Arbeitgeberverband !“


Witwe (voller Freude): „Ich bin einverstanden ! Ist die Sache damit endgültig vom Tisch ?“


Paulus:“ Ja ! EGO TE ABSOLVO ! Und mach so etwas nicht noch einmal !“


+++++ ENDE DER LESEPROBE ++++++++++


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ISBN: 978-3-7396-1864-7 Beichtstuhlgeschichten (Satire-Pauli-Reihe)
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ISBN: 978-3-7396-8323-2 Beichtstuhlgeschichten 3.0 "Lumen Pauli" (Satire-Pauli-Reihe)
ISBN: 978-3-7438-8079-5 Beichtstuhlgeschichten 4.0 "Opus Pauli" (Satire-Pauli-Reihe)
ISBN: 978-3-7396-5902-2 Irgendwo in Mexiko (Satire-Pauli-Reihe)
ISBN: 978-3-7396-2478-5 SOM Supermarkt der Barmherzigkeit (Satire-Pauli-Reihe)
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Kommentare  

Man sollte mit Superlativen zwar ein bisschen
sparsam umgehen, aber diesbezüglich sage ich
klipp und klar: Eine großartige Geschichte! Wo
christlich draufsteht, ist kaum noch christlich
drin. Und auch wo man den Oberbegriff "sozial"
lesen kann, hat dies kaum noch etwas mit
"sozial" zu tun. Hierbei handelt es sich um
reinste Etikettenschwindel. Toll finde ich, wie
gekonnt du die Szenen der Bibel mit der Realität
unserer Gegenwart assoziiert hast. Dabei konnte
ich mir das Schmunzeln nicht verkneifen,
obwohl die Sache beim Blick auf die aktuellen
Meldungen natürlich hochbrisant ist. Diejenigen,
die die schreckliche Armut am lautesten
angeprangert haben, tragen eine wesentliche
Mitschuld diese erst vom Zaum gebrochen zu
haben.
LG. Michael


Michael Brushwood (30.08.2015)

Wenn ich in meiner Bibel lese, dann verurteilt sie Gier eindeutig als Sünde, dann macht sie eindeutig klar, das Geld an sich keinen Wert hat. Viel schwerer fällt es mir hingegen, die Partei mit dem "C" und die mit dem "S" am Anfang auseinander zu halten. Da bin ich immer froh, dass ich nicht farbenblind bin, denn anders kann ich sie kaum unterscheiden.
Schöne Geschichte, die zum Nachdenken anregt.


Christian Dolle (29.08.2015)

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