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Europäische Richtlinie zum Verhalten von Würdenträgern am Nikolaustag -Leseprobe -

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
Kennen Sie auch die EU-Richtlinie zum Nikolaus? Nein?
Ich bis vor ein paar Jahren auch nicht.

Ich ahnte damals nichts Böses und wollte mir gerade des Morgens einen Tee mit Rum aufgießen, als es an der Tür klingelte. Ungewaschen, ungekämmt und noch müde von einer langen zünftigen Jungesellenvornachtsfeier schlurfte ich mit meinen Filzpantoffeln durch die Sakristei zur Kirchentür und öffnete diese einen Spaltbreit.

Vor der Tür stand ein kleinwüchsiger gelblich gekleideter Paketbote mit einer Gelben Schirmmütze auf dem Kopf, die er sich keck tief ins Gesicht gezogen hatte.

Bote (freundlich): „Haben Paket für Pauli!”

Pauli (unfreundlich, da übermüdet): „Ich nix bestellt haben!”

Der Bote sah mich verwundert an und begann sofort nervös auf seinem Hand-PC herumzudrücken. Ich wollte die schwere Kirchentür schon wieder vor dessen Nase zuwerfen, als dieser eine neue These ins Gespräch brachte.

Bote: „Moment, hier eindeutig Pauli Name stehen. Ist doch für Dich!”

Pauli: „Woher kommen Sendung? Du wissen?”

Bote: „Vom Bischof kommen. Stehen hier auf Zettel.”

Pauli (witzelnd): „Okay, geben her. Können meine Kündigung, meine Papiere ja sein, wenn vom Bischof kommen.”

Bote (amüsiert): “„Oder Geschenk Nikolaus.”

Pauli: „Neeee! Bestimmt nicht. Mir schenkt keiner was.”

Bote (mit mitfühlender trauriger Stimme): „Auch kein Geschenk von Freunde?”

Pauli: „Ich habe keine Freunde! Nur Leidensgenossen! Und nun, mein Sohn, gib mir endlich das Paket, ich habe nicht ewig Zeit.”

Bote: „Habe auch Zeit nicht. Müssen heute noch 300 Pakete ausliefern. Alles Nikolaus.”

Der Bote drückte mir das Paket in die Hand, drehte sich auf dem Absatz um und rannte zu seinem im absoluten Halteverbot parkenden Logistikwagen, mit dem er Sekunden später mit quietschenden Reifen zum nächsten Kunden davonraste.

Ich schleppte das gefühlt 3 kg schwere Paket in die Sakristei und öffnete es neugierig. Im Innern dieser Warenlieferung befand sich eine ca. 2.000 Seiten starke DIN-A-4 Loseblattsammlung, welche notdürftig in Art eines Ringbuches zusammengehalten wurde. Auf dem umschlagähnlichen Cover-Pappdeckel stand:

„Einführung in die Europäische Richtlinie zum Verhalten von Würdenträgern am Nikolaustag mit ergänzendem Ausführungskommentar von Dr. theol. Hubert Gruppenspecht. Gültigkeit: Ab sofort!”

Ich blätterte mit ungläubigen Augen die ersten Seiten davon durch.
Was da stand, konnte nur ein verspäteter Aprilscherz sein.

Sämtliche Nikolausfeiern waren bereits eingestiehlt und konnten zu diesem späten Zeitpunkt nicht mehr geändert werden. Noch nicht einmal an einer Übergangsregelung hatte man anscheinend gedacht.

U. a. wurden in der EU-Richtlinie allein 50 Verhaltensanweisungen dazu gegeben, wie die Qualifikation eines Nikolausfiguranten vom diensthabenden Pastor zukünftig zu überprüfen sei.
Ich konnte es nicht glauben, aber tatsächlich hatte mein Bischof damals auf der letzten Seite diese Arbeitsanweisungen auch noch persönlich mit dem Vermerk unterschrieben: „Diese Arbeitsanweisungen sind streng genau zu beachten. Ausnahmen hiervon in Einzelfällen sind nicht vorgesehen. Von telefonischen Rückfragen bitte ich abzusehen.“

Zum Glück war damals ein Stuhl in der Nähe, auf den ich mich erst einmal setzen konnte. Nachdem ich ca. 5 Minuten lang apathisch auf das Bücherregal der Sakristei gestarrt hatte, spürte ich wie der Widerstandswille und der Blutdruck in mir stieg.
Ich musste unbedingt etwas Stichhaltiges finden, was mich begründet davon abhalten konnte, diesen zweitausendseitigen Unsinn auch noch lesen bzw. befolgen zu müssen. Nur wo war hierzu etwas zu finden? Das war die Frage.

Ich stand vom Stuhl auf und ging festen Schrittes zum Bücherregal. Irgendwo musste dort eine Informationsschrift zum Nikolaus sein, mit der ich mein Wissen erst einmal auffrischen konnte.

Zum Glück musste ich nur kurze Zeit suchen. Dann hatte ich das Werk „Heilige im Spiegel der Zeit“ gefunden. Ich blätterte unter „N“ wie Nikolaus und fand dort folgende Information:

Grundsätzlich muss wohl zwischen dem historischen Nikolaus und dem Weihnachtsmann unterschieden werden.

Also, der Nikolaus hieß eigentlich „Nikolaus von Myra“, war Bischof und lebte vor über 1.500 Jahren in Kleinasien (in der heutigen Türkei). Er gilt heute noch als heiliger Mann und Schutzpatron der Seemänner, Kinder, Schüler und Bäckereifachverkäuferinnen. Verehrt wird er seit Urzeiten als selbstloser Gönner, sozial engagierter und von tätiger Nächstenliebe erfüllter Mensch. Seine äußerlichen Kennzeichen sind sein roter Umhang, seine Mitra, sein Ring und sein Bischofsstab.
Schon im jungen Alter teilte er sein Hab und Gut mit den Wegelagerern, Witwen, Waisen und Bettlern, wenn diese ruppig an seiner Haustür klopften. Wobei gerechterweise darauf hingewiesen werden muss, dass damals in der gesamten Ortschaft seine einsame aber begüterte Wohnsituation bestens bekannt war und das es in der „NO GO AREA“ in der er damals kontrastreich prunkvoll zunächst alleine wohnte nicht angesagt war, bettelnde Menschen an der Tür abzuweisen. Denn wahrlich wahrlich, es war eine Zeit damals, an der diese morgens an der Tür abgewiesen, des Nachts oft auch noch bewaffnet zurückkehrten um mit vermögenden Menschen noch einmal über die Abgabe einer Spende handfest zu diskutieren. Dies ging Nikolaus damals so sehr auf den Geist, dass er sein Haus verkaufte und, sozusagen ähnlich einem gemeinnützigen Bauverein ohne Gewinnausweisung, Armen- und Waisenhäuser baute. Auch ein Seniorenzentrum für Seeleute, welche aufgrund von Krankheit und Alter, oder weil diese noch nicht einmal das Seepferdchen geschafft hatten, nicht aufs Meer schippern konnten, baute er damals. Natürlich erzählen die Überlieferungen auch von Wundern, die dieser obligatorisch damals vollbrachte. Zu Recht gibt es heute sogar ein Fußballstadion, welches nach diesem benannt wurde.

<<<<<<<<<ENDE DER LESEPROBE>>>>>>>>>>>>>


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