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Auszüge aus den Pfarrchroniken bzw. der vertraulichen Personalakte von Pater Paulus

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
Eintrag in die Personalakte vom 20.10.2016:
Grusel-Clown-Fall

Das für Pater Pauli zuständige Domkapitel wurde vor 2 Tagen davon unterrichtet, dass gegen den Glaubensbruder Pauli ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren läuft.

Die für seinen Gemeindebereich zuständige Staatsanwaltschaft beschuldigt Pater Pauli am 17.10.2016 um 02 Uhr früh, einen als sogenannten Grusel-Clown verkleideten Mann tätlich angegriffen zu haben.

Nach Aussage von Bruder Pauli sei der Grusel-Clown mit einer Langaxt bewaffnet gewesen und hätte in den frühen Morgenstunden (gegen 02:00 Uhr) heftig gegen die Tür seiner Pfarrwohnung getreten.

Der offensichtlich schwer alkoholisierte Clown hätte dabei schrill psychopathisch gelacht und geschrien (Zitat Anhörung Pfarrer Pauli):,,Pauli komm raus Du Teufel! Der Tag der Abrechnung ist da!"

Bruder Pauli, zu dieser Zeit noch im Halbschlaf und nach seinen eigenen Aussagen "ohne jedes
Interesse" sich mit diesem Clown Soziopathen weiter zu beschäftigen, hätte sich zunächst das Kopfkissen über den Kopf gezogen und versucht weiterzuschlafen. Der Grusel-Clown hätte daraufhin aus dem Vorgartenbereich der Pfarrwohnung einen Kaktus aus dem Erdreich gerissen und diesen im hohen Bogen durch das geöffnete Schlafzimmerfenster direkt auf Paulis Bett geworfen. Begleitet wurde dieser Wurf noch durch das nächtliche Gebrüll des Clowns (Zitat Anhörung Pfarrer Pauli):,,Hier kommt eine Gabe des Herrn Du Feigling! Komm raus!“

Daraufhin sei Pater Pauli im Schlafanzug zur Haustür gegangen und hätte den innen neben der Tür an der Wand angebrachten Feuerlöscher ergriffen und entsichert. Danach hätte er die Tür aufgestoßen und dem (Zitat Anhörung Pfarrer Pauli) ,,Idioten eine volle Ladung Löschpulver verpasst.“ Der Grusel-Clown wäre von der Attacke so überrascht gewesen, dass er rückwärts, lautstark dabei nach Luft röchelnd, mit seiner Langaxt in das Kakteenbeet im Vorgarten gefallen sei. Dies sei (Zitat Anhörung Pfarrer Pauli) ,,sicherlich sehr schmerzhaft für sein Hinterteil gewesen“.
Da dem Clown dabei die Maske vom Kopf gefallen sei, hätte Pauli in der Dunkelheit erkannt, dass es sich hier wohl um den stark angetrunkenen Bruder Litfaß (Anmerkung: An unserem Bischofssitz auch als "Bruder Dionysos" bekannt) handelte, welcher mit schmerzverzerrtem Gesicht nun in der Kakteenzucht lag. Dieser hatte sich wohl, was sich aus der Anhörung seiner Person am folgenden Tag ergab, mit Pater Pauli einen Spaß erlauben wollen und sich deswegen als Grusel-Clown verkleidet. Bruder Pauli erklärte zu Protokoll, dass er sich den Spruch ,,Bruder Dionysos,warum hast Du Dir eine Maske aufgesetzt? Ohne Maske kannst Du die Leute viel mehr erschrecken" wohl in dieser Situation besser gespart hätte.

Trotz Vermittlungsversuch durch das Domkapitel hätte sich dann Bruder Litfaß letztendlich doch dazu entschlossen, Strafanzeige wegen Körperverletzung gegen seinen Glaubensbruder Pauli zu erstatten. Die Frage von Dr. T. Abernakel, ob durch diese Strafanzeige vielleicht auch gleich ,,alte Rechnungen mitbeglichen werden sollten“ hatte Pater Litfaß verneint.

Pater Pauli wurde vom Unterzeichner darauf hingewiesen, dass Selbstjustiz eines Pfarrers nicht würdig sei.

Schon alleine aus diesem Grund käme eine Übernahme seiner Strafverteidigerkosten durch die Rechtschutzversicherung des Domkapitels nicht infrage. Pater Pauli wurde es freigestellt, sich im Rahmen einer Mediation mit Bruder Dionysos schon im Vorfeld besser außergerichtlich zu einigen.Vielleicht wäre ja auch eine Compositio, also ein freiwilliges Sühnegeld vereinbar. Auf die Frage des Unterzeichners, warum Pfarrer Pauli „nicht die Polizei gerufen hätte“, erwiderte dieser (Zitat Anhörung Pfarrer Pauli): Immer wenn ich mal die Polizei in der Vergangenheit als Opfer um Hilfe gerufen habe, war ich hinterher der Schuldige! Im Übrigen solle sich der Litfaß nicht so anstellen, sondern froh sein, dass er als einziger Geistlicher auch den vierten Aggregatzustand kennengelernt hätte, nämlich erstens BibelFEST, zweitens AlkoholFLÜSSIG, drittens WeihrauchGASFÖRMIG und viertens nun PULVERBESCHICHTET.Sicherlich wären Dionysos Freunde, also die Typen von der aktuellen Reichsclownbewegung, nun mächtig stolz auf ihren Kumpel.Ohnehin hätte Litfaß im Kaktusbeet viel zu sehr gestrampelt. Das letzte Mal hätte er bei einer Prisjadka Kasatschok Tanzeinlage, in einer Aufführung des Donkosakenchors, jemanden mit so seltsam zuckenden Bewegungen gesehen.“

Der Unterzeichner ermahnte Bruder Pauli solche zynischen Bemerkungen in einer eventuellen Mediation besser zu unterlassen, da diese wenig friedensstiftend wären.

gez. Bischof Dr. T. Abernakel





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Kommentare  

Hallo Mike,
mein breites Schmunzeln hat meinen beiden Ohren einen kurzweiligen Besuch meiner Mundwinkel beschert und mein Gemüt fühlt sich wunderbar unterhalten. Ein sehr aktuelles und leider sehr leidvolles Thema hast du vortrefflich behandelt und sicht- und spürbar gemacht.
Wie hat es schon immer so schön geheißen:
Wer Andern eine Gräbe grubt,
sich selber in die Hose pubt. ;-)
Gekonnte Satire in einer leicht zu lesenden und verständlichen Form dargeboten. Hab Dank für die gute Unterhaltung.
VG von Rolf


Siehdichfuer (05.11.2016)

Mehr Clown als Grusel, aber auf jeden Fall eine sehr bildlich geschriebene und echt witzige Geschichte. Habe ich gerne gelesen.

Christian Dolle (24.10.2016)

Ich habe Tränen gelacht. Hochaktuell und sehr gelungen!

doska (23.10.2016)

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