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Das Beratungsprotokoll

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
Brief des Bischofs Dr.T.Abernakel an Pater Pauli anlässlich der landesweiten Einführung des Beratungsprotokolls für durchgeführte Beichtgespräche ab 01.01.2018

Lieber Bruder Pauli,

mit Entsetzen habe ich Dein nachstehend eingereichtes erstes Beratungsprotokoll 0001-Pauli-2018 gelesen. Es ist klar zu erkennen, dass es Dir beim Ausfüllen desselben an der richtigen Freude und erforderlichen Disziplin fehlte.

Ich möchte noch einmal, wie schon im letzten Rundbrief der Publikation KLERIKER 2000+ geschehen,darauf hinweisen, dass wir nach 2000 Jahren nun durch die europäische Rechtsprechung mehr oder weniger dazu gezwungen werden uns haftungsrechtlich abzusichern. Ich verweise hier auch auf das bekannte Urteil des EU-Gerichtshofes zur grundsätzlichen Mitverantwortung des Beratenden, bei vertraulichen Vieraugengesprächen j e d e r A r t, welche mit Therapiestunden bei einem Psychologen vergleichbar sind. Die Rechtsprechung differenziert hier immer weniger und nimmt auf unsere bisherige jahrtausendalte Tradition keine große Rücksicht.

Zur vereinfachten Erfassung der Rückläufe, im Rahmen der elektronischen Datenverarbeitung des Bistums, ist ebenfalls folgender Vorweghinweis zum Protokollformular zukünftig genau zu beachten:

„Zur besseren elektronischen Erfassbarkeit ist die individuelle Antwort des Beichtvaters je vorne (am Anfang) und hinten (am Ende der Stellungnahme) mit jeweils einem Stern des Formats „*“ zu kennzeichnen bzw. einzuhegen.“

Ich möchte Dich ausdrücklich darauf hinweisen, dass das Gesprächsprotokoll zukünftig im sachlichen Tonfall auszufüllen ist. Jegliche Art von subjektiv emotionalen Missmutsäußerungen des Protokollanten ist zu unterlassen!

Gez.Bischof Dr. T. Abernakel

Beanstandetes Beratungsprotokoll von Pater Pauli Nummer 0001-Pauli-2018:

1. Name Berater?: *Pauli*

2. Berufsstand des Beraters?: *Auserwählter des Herrn*

3. Tag der Beratung?: *01.01.2018*

4. Ort des Gesprächs?: *Beichtstuhl. Wo sonst?*

5. Wer war am Gesprächsort anwesend (Zeugen?): *Nur Pauli, unser Herr, eine lästige Taufliege und der Beichtende selbst*

6. Wer hat das Protokoll ausgefüllt? *Auch Pauli*

7. Wurde vor dem Gespräch überprüft, ob der Sünder Kirchensteuer zahlt (z. B. durch Vorlage der letzten Steuererklärung)? *Natürlich! Kenne meine Pappenheimer!*

8. Wünsche des Beichtenden: *Wunsch nach Verschwiegenheit, Erlösung, Barmherzigkeit unseres Herrn und das seine Frau bloß nichts erfährt*

9. Was wurde gebeichtet?: *Schlimme Sünden. Da Beichtgeheimnis, hier keine weitere Angabe möglich.*

10. Vertrauliche Risikobewertung des Beichtenden durch den Berater (nur für die Statistik):*Egozentrischer, triebgesteuerter Soziopath und Taufscheingläubiger*

11. Welcher Rat wurde dem Beichtenden vor der Absolution durch den Berater gegeben: *In die Ecke stellen und sich schämen. Und das stündlich!*

12. Ist zu erwarten, dass nach dem Beratungsgespräch der Beichtende seine Sünden zukünftig vermeidet? *Nein, bei dem bestimmt nicht! Ganz im Gegenteil, der legt bestimmt gleich wieder los*

12.1 Wenn „Nein“, wie begründet der Beichtvater seine negative Einschätzung: *Optimismus ist das Produkt mangelhafter Information. Der Kerl hat mich leider ausreichend informiert.*

12.2 Wenn „Nein“, welche Alternativen zur zukünftigen Lebensführung wurden dem Sünder aufgezeigt?: *Keine! Da völlig sinnlos! War kurz davor den Typen aus dem Beichtstuhl zu werfen!*

13. Welche Buße wurde auferlegt (nur für die Statistik)?: *Besuch einer geschlossen psychiatrischen Abteilung, anlässlich des nächsten dortigen Tages der offenen Tür.*

13.1 Was ist das Ziel dieser Buße? *Vielleicht hat die Menschheit Glück und die behalten den gleich da.*

14. Wünschte der Beichtende eine Kopie des Beratungsprotokolls per E-Mail, Post, Fax: *Nein, landet ohnehin bei dem in der Tonne.*

15. Wird der Beichtende wiederkommen?: *Hoffentlich nicht!*


Hiermit erkläre ich (Pauli) durch meine Unterschrift, dass ich den Sünder nach besten Gewissen und Wissen beraten habe.

Unterschrift 1 Beichtender:*Unterschrift verweigert, Pfarrer wurde übel beschimpft und meinen Kugelschreiber hat er auch noch geklaut!*

Unterschrift 2 Beichtvater:*gez. Pauli*
 
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