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5 Seiten

Andacht Nr. 64 Ich bin der ich bin

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
Andacht 64

Ich bin Der ich Bin


Ihr Lieben


Ab und an spaziere ich durch Buchläden ohne etwas bestimmtes kaufen zu wollen, so auch kürzlich, um einem heftigen Regenschauer zu entkommen. In diesem Geschäft gab es sogar ein Cafe. Im dritten Stock befand sich neben den Philosophen, die Esoterik – und Lebensberatungsabteilung. Ganze Regale weit boten unterschiedlichste Denker, Therapeuten und „Spezialisten“ Hilfe bei der Suche nach dem ICH an. Irgendwann wurde mir schwindlig und ich ging ins Cafe.
Auch ich habe lange Zeit meines Lebens regelmäßig solche Abteilungen aufgesucht und mir dort Hilfe zur Antwort auf meine vielen Fragen erhofft. Eine der drängendsten Fragen eines Menschen ist, da bin ich mir sicher,immer noch „WER BIN ICH?“ Philosophen, kluge und nicht ganz so kluge Leute haben sich schon vor tausenden von Jahren an dieser Frage die Zähne ausgebissen und versucht eine Formel darauf zu finden. Hätten sie ´s rausbekommen; die Regale für Lebenshilfe wären deutlich geschrumpft – das Gegenteil ist der Fall. Also die Frage nach dem WER UND WAS BIN ICH treibt den Menschen heute noch genauso um wie damals.

ERKENNE DICH SELBST, WERDE DER DU BIST, FINDE DICH SELBST … WER WILLST DU SEIN …, etc.
Die Konsumenten dieser Ratgeber erkennen nach geraumer Zeit, dass ihre eigenen Bücherregale zu Hause immer länger und voller werden. Wenn dann das Leben sie in gewisse Situationen treibt und womöglich mit entsprechend schwierigen Menschen konfrontiert, das heißt, sie „ins Gericht bringt“ kommt die Wahrheit oft erbarmungslos ans Licht, nämlich, dass die immer wieder durchgelesenen Ratschläge und im stillen durchtrainierten Situationen in der Realität oft nicht den gewünschten Erfolg bringen.
(Dafür ist ein Gericht übrigens da, nämlich etwas zu beleuchten, ans Licht zu bringen – im biblischen wäre das ein „Gottes Gericht“ - er bringt die Tatsachen ans Licht – ob das was sich der Mensch ausgedacht hat, wirklich Bestand hat, zum Guten, zum schlechten oder zu gar nix taugt.)
Wenigstens finanzieren sie den Verfassern dieser Ratgeber deren Nerzmäntel ...

Mich faszinierte immer die knappe Antwort Gottes an Mose als dieser ihn nach dessen Namen fragte. Er sagte: „Ich bin der ich bin.“ Menschen, die gern schreiben, können mit dieser knappen Antwort übrigens Spaß haben und beim schreiben experimentieren, indem sie ein Komma an verschiedene Stellen setzen und so die Aussage, den Schwerpunkt verändern.
Ich glaube dass wir, die wir uns diese Frage verständlicherweise stellen, innerlich überzeugt sind, hoffen und meinen, dass wir im tiefsten Grund jemand „ganz bestimmtes“ sind, eine nur uns eigene, einzigartige „kosmische Schwingung“ besitzen – (so drückte sich einmal ein Gesprächspartner mir gegenüber aus). Eine interessante These und bestimmt wert, darüber nachzudenken! Das enttäuschende daran ist nur, dass wir im Laufe unseres Lebens immer wieder erfahren, dass dem nicht so ist. Wir können in unserer Jugend laut und vehement unsere Ansichten vertreten, ein lautes und selbstsicheres Auftreten haben und mit vierzig oder fünfzig erkennen uns alte Schulkameraden womöglich nicht wieder, wenn sie erleben, wie still, nachdenklich und unsicher wir uns mittlerweile verhalten. Im jungen Erwachsenenalter sind wir so eingestellt, dass wir auf jeder Demo mitlaufen und „Toleranz für alle“ rufen und zwei Jahrzehnte später verachten wir diese Leute für ihre Ansichten die wir einst selbst vertraten und finden uns auf einer Demo zur Wiedereinführung der Todesstrafe ...


Die Bibel fängt mit dem „Bereschit“ an, der Genesis. Im zweiten und dritten Buch Mose lernen wir einen Gott kennen, der offensichtlich Schlacht - u. Sühneopfer fordert. Dieser gleiche Gott widerspricht „offensichtlich“ ein paar Kapitel weiter bei Jesaja 1/11 vehement dieser Aussage.
Jesaja 1/11
10Höret des HERRN Wort, ihr Fürsten von Sodom! Nimm zu Ohren unsers Gottes Gesetz, du Volk von Gomorra! 11Was soll mir die Menge eurer Opfer? spricht der HERR. Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fetten von den Gemästeten und habe keine Lust zum Blut der Farren, der Lämmer und Böcke. 12Wenn ihr hereinkommt, zu erscheinen vor mir, wer fordert solches von euren Händen, dass ihr auf meinen Vorhof tretet?…

so auch beim Propheten Jeremia im folgenden Kapitel
Jeremia 7/22

…21So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Tut eure Brandopfer und anderen Opfer weg und fresst Fleisch. 22Denn ich habe euren Vätern des Tages, da ich sie aus Ägyptenland führte, weder gesagt noch geboten von Brandopfer und anderen Opfern; 23sondern dies gebot ich ihnen und sprach: Gehorchet meinem Wort, so will ich euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein; und wandelt auf allen Wegen, die ich euch gebiete, auf dass es euch wohl gehe.…

ein Sprung zurück ….
Im 2. und 3. Buch Mose wurden knallharte Gesetze aufgestellt für Ehebruch, sexuell unerlaubte Handlungen, Übertretung des Shabbat Gebotes etc.

ein ganz weiter Sprung jetzt nach vorn ...
Im neuen Testament nun setzt sich Jesus prompt über das Shabbat Gesetz hinweg und argumentiert, ebenfalls mit Wissen aus der Schrift (Markus 2/25.- Lukas 13/10-17) steht einer Frau bei, die beim Ehebruch ertappt wurde - Johannes 8/7 …
und ganz verwirrend wurde es, als die strengen Speise - und Beschneidungsvorschriften, die für Juden „heilig und absolut unumstößlich sind“ auch noch gekippt wurden für diejenigen, die von außerhalb zum Glauben an den Gott Israels hinzukamen.

Die großen Charaktere der Bibel, Abraham (der bei seinem Weggang aus seiner ursprünglichen Heimat noch Abram hieß, David, der als Hirtenjunge anfing und dem nun wirklich keiner eine Königsrolle zutraute, die einst großen Reiche Babylon, Ägypten – alle durchliefen Änderungen, Verwandlungen und wo bzw. was sind sie heute, (die einstigen Weltreiche?) alles unterlag damals schon ständigen Verwandlungen, Auf – und Niedergang, An – und Abtreten.

Der Apostel Paulus ist bekannt dafür, dass er sich nicht gerade zimperlich und höflich ausdrückt wenn es um d i e Sünder und die Sünde geht. Und doch kommt er bei der Niederschrift des Römerbriefes zu einer, wohl auch für ihn, demütigenden, bitteren Erkenntnis:

Röm 7,14-25:14 Wir wissen ja, dass das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich, verkauft unter die Sünde. 15 Denn was ich vollbringe, erkenne ich nicht. Denn nicht das, was ich will, führe ich aus, sondern das, was ich hasse, tue ich. 16 Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, gestehe ich dem Gesetz zu, dass es gut ist. 17 Nun aber vollbringe (eben) nicht ich es, sondern die in mir wohnende Sünde. 18 Ich weiß nämlich, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Denn das Wollen liegt mir [zwar] nahe, das Vollbringen des Guten aber nicht. 19 Denn ich tue nicht, was ich will, Gutes, sondern was ich nicht will, Böses, das führe ich aus. 20 Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, dann vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde. 21 Ich finde also das Gesetz, dass mir, der ich das Gute tun will, (mir) das Böse nahe liegt. 22 Ich stimme nämlich dem Gesetz (des) Gottes dem inneren Menschen nach freudig zu, 23 sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern dem Gesetz meiner Vernunft widerstreiten und mich gefangen nehmen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. 24 Ich elender Mensch! Wer wird mich aus diesem Todesleib erlösen? 25 Dank aber sei (dem) Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. Also nun: Ich, als ein und derselbe, diene mit der Vernunft [dem] Gesetz Gottes, mit dem Fleische aber [dem] Gesetz der Sünde.

Der Römerbrief wird zwar als erster der Paulusbriefe aufgeführt, ist es aber nicht. Auch der stürmische Paulus ging wohl durch bittere, eigene Erfahrungen.

Unser Leben, unser ganzes Sein wird vom Tag unserer Geburt bis zur Bahre hin und her geworfen, an der Schöpfung erkennen wir, dass nichts fest war, ist und bleibt, ja ganze Kontinente wanderten, zerrissen, Meere bildeten sich oder verschwanden.

Wir wünschen uns Festigkeit, Ruhe, Frieden, besonders Beständigkeit, auch und vor allem für unser „Selbst“ und bekommen doch immer nur Pausen geschenkt. Die den Gläubigen versprochene „Ruhe Gottes“ (Psalm 62) (Matthäus 11/28 – 29) muss anders interpretiert werden, nämlich Zuversicht, Kraft und Hilfe die von Gott in schweren Zeiten bei Umbrüchen im eigenen Leben oder ganzer Gesellschaften geschenkt wird, denen, die eine aktive, geistliche Beziehung zu ihm haben und ihn darum bitten.

Ich bin seit 55 Jahren auf diesem Planeten und mir wird ganz anders, wenn ich an die vielen gesellschaftlichen und gesetzlichen Änderungen denke, die in dieser Zeit stattfanden. Lange Zeit hielt ich das Grundgesetz für „in Stein gemeißelt“, bis ich eines besseren belehrt wurde.

Es ist schwer und andererseits befreiend zu erkennen – nichts ist ein und für alle mal fest, gleich, regelmäßig – und wir Menschenseelen eingeschlossen.

Wir verändern uns vom Tag der Geburt an, werden geformt von den Umständen, von Einsichten die uns zwingen althergebrachtes zu überdenken, aufzugeben, zu revidieren. Unser Selbst ist nichts festes. In Zeiten des Krieges, in Krisenzeiten muss man anders agieren und denken als in friedlichen Zeiten, sonst geht man unter. Ist man an gewissen Orten in der Welt muss man sich den dortigen Gegebenheiten anpassen.


Ihr Lieben, quält euch nicht mit dem ständigen Suchen nach „euch selbst.“
Ihr seid nicht Gott und dennoch: IHR SEID WER IHR SEID! Jetzt, in diesem Augenblick!
Gottes Frieden, Schutz und Segen für die kommende Woche!
 
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Kommentare  

Dem kann ich nur zustimmen. Tolle philosophische Gedanken.

Marco Polo (07.05.2018)

Eine deine besten Predigten. Da kann man Christ sein oder Atheist, man ist einfach begeistert.

Dieter Halle (05.05.2018)

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