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Das Licht der Hajeps Band 1 Die Flucht - Kapitel 1 u. 2

Romane/Serien · Spannendes
© Palifin
"Blut, überall Blut!“ Margrit warf ihren Kopf zurück gegen die Metallwand, drehte ihn verzweifelt hin und her. Das, was sie da sah, war zu entsetzlich, zu furchtbar, um es wirklich begreifen zu können. Bis an die Wand der halbzerfallenen Kirche war der klebrig-rote Lebenssaft gespritzt. Zum Teil war er schon braun, an anderen Stellen noch feuerrot. Auf dem Boden hatte sich eine riesige Lache gebildet. Dunkel, fast schwarz war dort all das Blut – das Blut ihrer Freundin Marianna.
Etwa zweieinhalb Meter entfernt von dem nackten, aufgeschlitzten Körper auf dem Gang zwischen den Holzbänken lag zusammengekrümmt Armin, Mariannas große Liebe. Ihm war der Schädel aufgesägt worden.
Margrits Herz krampfte sich zusammen. Sie keuchte. Nicht einmal Kirchen scheuten diese Bestien! Zuerst hatte sie weglaufen mögen, so schrecklich war der Anblick gewesen. Nun aber sah sie in die weit aufgerissenen Augen Mariannas. Sie starrten sie an, als hätten sie stumm eine wichtige Nachricht weiterzugeben, nur ein einziges Wort: „Hoffnungslos!“
War jede Flucht wirklich sinnlos? Würden diese gefühllosen Wesen, die anscheinend nur lebten, wenn sie töteten, eines Tages auch sie - Margrit - mitsamt ihrer Familie bekommen und mit ihren Leben spielen?
Angstschweiß trat auf ihre Stirn. Vielleicht waren ja die Bes-tien noch in der Nähe? Da … Schritte! Und nun … Schatten!
„Die Hajeps!“ Dieses Wort entrang sich gellend ihren Lippen.
Margrits Kopf fuhr hoch, weg von der Metallwand des alten Zuges, an welcher sie im Schlaf gelehnt hatte.
„Nanu?“, vernahm sie Pauls vertraute Stimme.
Sie fühlte erst jetzt, dass er sie an ihrem linken Arm gepackt, ihren mageren Oberkörper nach vorn gezogen hatte.
Sie musste mit den Tränen kämpfen, keuchte, das Herz häm-merte bis hinauf zu ihren Ohren, doch ihr erster Blick galt Juliane, dem dreijährigen Mädchen auf ihrem Schoß. War die Kleine durch den Schrei und den furchtbaren Ruck, der durch ihren Körper gegangen war, etwa geweckt worden? Julchen brauchte doch so dringend Schlaf, denn seit Tagen waren sie schon auf der Flucht. Aber nein, welch eine Erleichterung, das Kind schlief noch und, sie sah prüfend zur Seite, Tobias, er war nur ein Jahr älter als seine Schwester, Gott sei Dank ebenfalls. Der Junge atmete gleichmäßig, behaglich an Margrits rechten Arm gekuschelt.
Ihr Blick flog nun zu den Fahrgästen. Hoffentlich hatte das Schreckenswort diese armen Leute nicht allzu sehr geschockt! Dicht gedrängt standen sie in dem engen Gang des kleinen Abteils, während der uralte Zug durch die graue Herbstlandschaft schunkelte. Sie starrten nur aus großen, traurigen Augen teil-nahmslos vor sich hin, schienen an Schreie ihrer Mitmenschen gewohnt zu sein.
Vorbei war die Zeit einer einst sehr hohen Kultur, in welcher man sorglos und kaum von Arbeit belastet leben konnte, denn die Hajeps hatten seit 2042 den Menschen alles zerstört. Inzwischen waren etwa 22 Jahre der Hölle vergangen. Es gab keine Lebensfreude mehr, es regierte nur noch die Angst und die Lebensbedingungen waren schrecklich. Überall stank es nach Lumpen und ungewaschenen Leibern. Jeder war auf der Flucht, hielt sich irgendwo fest, auch an der Hoffnung, ihnen doch noch entkommen zu können … den Hajeps!
Diese hatten die Einwohner Berlins aufgefordert, die Stadt zu verlassen, weil sie von ihnen besiedelt werden würde. Dazu hatten die Menschen eine Woche Zeit, danach würde die Stadt dem Erdboden gleichgemacht werden, um neue hajeptische Gebäude zu errichten. Die Leute durften für ihre Flucht die verbliebenen Verkehrsmittel benutzen, denn alles, was den Hajeps gefährlich werden konnte, hatten sie ohnehin schon zerstört. Die meisten Menschen glaubten dieser Warnung und verließen die Stadt, so auch Margrit mit ihrer Familie.
„Schon wieder ein Albtraum?“, fragte Paul leise. Margrit war mit ihm nun schon seit über sechs Jahren fest verbandelt. Die Kriegswirren hatten sie zusammengeführt und fest zusammen geschweißt. Das Paar konnte sich ein Leben ohne einander gar nicht mehr vorstellen.
In großer Sorge hatte er seinen Platz außen auf der gegenüber-liegenden Bank verlassen. Es gab nur wenige der alten, mit Kunstleder überspannten Bänke in den einzelnen Abteilen. Paul hatte über Rucksäcke, Taschen und zusammengerollte Decken steigen müssen. Die Leute besaßen kaum etwas, was sie ihr eigen nennen konnten und hatten ihre gesamte Habe auf den Boden gelegt, da die Gepäcknetze zum Teil zerrissen waren.
Margrit nickte Paul stumm zu. Ein Kloß saß ihr immer noch im Hals. Sie schluckte, wischte sich die Tränen hinter ihrer dreckigen Brille weg und wagte ein kleines Lächeln.
„Wird schon noch!“, wisperte sie und zupfte sich den Kragen ihrer Jacke höher. Sie fröstelte.
Pauls wettergegerbtes Gesicht war faltig. Zwar war er erst achtundvierzig, aber die Strapazen des Krieges ließen ihn um einige Jahre älter erscheinen. Er schüttelte den Kopf. Die Worte seiner Lebensgefährtin trösteten ihn wenig.
„Du musst daran arbeiten, dieses Erlebnis endlich zu vergessen!“, meinte er besorgt. „Wir haben auf unserem Weg schon so viele zerfetzte Menschenleiber gesehen, da verkraften wir wohl auch noch diese, hm?“ Paul tätschelte ihr ein wenig unbeholfen die Wange. „Bleibe nur ganz ruhig und versuche einfach wieder zu schlafen, denn du weißt, welche Anstrengungen wir noch zu erwarten haben!”
„Und wenn ich nicht mehr schlafen kann?“ Margrits grau-blaue Augen im schmalen Gesicht wirkten unendlich müde.
„Du meine Güte, das musst du ganz einfach“, knurrte er, „wenn du vernünftig sein willst!“ Er manövrierte sich schwan-kend an den Gepäckstücken vorbei und ließ sich mit einem Seufzer wieder in die Bank fallen. Neben ihm saß ein hagerer Mann mit einer billigen Plastikbrille auf der spitzen Nase, der ängstlich seinen Rucksack auf dem Schoß behalten hatte. Obwohl die Mitreisenden gerne Pauls Platz eingenommen hätten, hatte es doch niemand von ihnen gewagt. Paul war zwar nicht sonderlich groß, aber recht kräftig gebaut.
„Wir werden Berge erklettern, Wälder durchstreifen, Äcker und Wiesen überqueren“, erklärte Paul weiter und es störte ihn nicht, dass man ihm dabei zuhören konnte. „Wie willst du das überstehen? Möchtest du dabei krank werden?“
„Will ich natürlich nicht!“ Margrit blickte durch das trübe Fenster, schob sich mit der freien Hand eine ihrer langen- schon ergrauten - Haarsträhnen aus dem Gesicht. In den Ohrläppchen blitzten je ein silberner Stern - der letzte und einzige Schmuck, den sie noch besaß. Eine trostlose Landschaft zog dort draußen vorbei. Seit Tagen hatte es nichts als geregnet und die Wiesen waren matschig. Das Dämmerlicht machte Margrit schon wieder ganz schläfrig.
„Na also!“ Paul schmunzelte erleichtert, als er sie mit kleinen Augen blinzeln sah. „Kuschele dich schön zurecht und penn!“
Da musste sie nun doch lachen. „Du bist gut, mit einem Kind auf dem Schoß und dem anderen am Arm, wie soll ich da großartig kuscheln?“
„Beschwere dich nicht“, schimpfte er unlustig. „Das ist alleine deine Angelegenheit! Du wolltest ja diese wildfremden Bälger unbedingt haben!“
„Bälger?“, wiederholte sie leise und wieder huschte ein Tränenschleier über ihre Augen.
„Ja, Margrit, ich habe dir von Anfang an gesagt, dass ich kein großartiger Kinderfreund bin.“ Paul rieb seinen struppigen Bart. „Darum hat es mich auch nie sonderlich gestört, dass du keine gebären konntest! Aber du, was machst du plötzlich? Entgegen unserer Abmachung nimmst du dich einfach dieser Geschwister an. Ich habe protestiert, ich habe geschimpft … nichts hat genutzt!“ Er wedelte hilflos mit den breiten Händen. „Du musstest sie ja unbedingt mitnehmen, nur weil sie uns zufällig begegnet sind und …“
„Psst, nicht so laut, nachher wachen sie noch auf!“, flüsterte sie aufgeregt. „Zerstöre ihnen nicht diesen Traum, denn sie halten mich inzwischen schon für ihre leibliche Mutter …“
„... und merken nicht wie alt du bist!“, fiel er ihr grinsend ins Wort. „Du könntest ihre Großmutter sein!“
„Na, soo alt bin ich doch gar nicht - fünfundvierzig ist kein Alter!“
„Oh doch, oh doch!“ Er lachte sarkastisch und zeigte dabei ein paar große Zahnlücken, denn man kümmerte sich nicht mehr um den Zahnerhalt.
„Paul, wie oft willst du mir das noch auftischen?“ Sie schob trotzig ihr spitzes Kinn vor. „Ich liebe diese Kinder. Sie sind mir ans Herz gewachsen und haben niemand anderen auf der Welt. Da ist es ganz egal wie alt man ist. Außerdem ist es schon ein ganzes Jahr her, seit uns diese Kinderbande begegnet ist …“
„… die uns bestehlen wollte!“, vollendete er wütend ihren Satz.
„Na schön, sie wollten deine Uhr klauen, aber …“
„Da gibt’s kein aber, Margrit! So, wie diese Kinder aufgewachsen sind, werden sie nie lernen, vernünftige Menschen zu werden!“ Er strich sich über seine Halbglatze. „Du bildest dir wohl ein, alles hinkriegen zu können, nur weil du früher Psychotherapeutin gewesen bist. Dabei ist es dir bis heute noch nicht geglückt, dem Bengel wenigstens seine ordinäre Sprechweise abzugewöhnen!“
„Aber Julchen gefällt dir doch, und an Tobias wirst du dich auch noch gewöhnen!“
„Julchen ist schnippisch! Ich hatte ein Jahr Zeit und werde mich weder an sie noch an Tobias gewöhnen können, meine liebe Margrit! So einfach ist das!“
„Das ist zwar gar nicht einfach, aber das ewige Gemeckere über die Kinder bin ich ja von dir gewohnt!“, erklärte sie resignierend.
Paul schüttelte verärgert den Kopf, dann beruhigte er sich und wollte gerade eindruseln, als der Zug stoppte. Die altertümliche Tür des Abteils wurde geöffnet. Sie quietschte entsetzlich. Sechs, sieben Leute stiegen aus, in der Hoffnung, dort draußen doch noch irgendwo ein gutes Versteck vor den Hajeps zu finden. Sie schoben sich mitsamt Gepäck durch die wartende Menge.
Der Bahnhof war eigentlich eine Ruine. Nichts wurde mehr repariert und wenn, dann nur notdürftig. Die Menschen hatten einfach aufgegeben.
Im Inneren des Zuges war es bald noch enger als vordem. Der Zug fuhr mit einem Ruck an, bewegte sich schaukelnd an Mauerresten und dachlosen Gebäuden vorbei.
Margrits Blick huschte suchend über die neu hinzu Gekommenen. „Paul“, wisperte sie, „jetzt muss ich immerzu an Muttsch denken! Ach, könnte sie doch unter diesen Leuten sein!”
„Muttsch!”, äffte Paul sie nach und sein Bein zuckte nervös. „Wie sich das schon anhört! Na, ich werde sie einfach weiter Elfriede nennen.“
„Sie ist ja auch nicht deine Mutter!“
„Stimmt“, meinte er grinsend. „Elfriede wird inzwischen schon eine sichere Unterkunft gefunden haben und gar nicht daran denken, sich an unserem verabredeten Ort zu zeigen. Wie sollte sie da auch hinkommen und wie sollte sie erfahren haben, dass wir gerade jetzt unterwegs sind? “
„Paul, die alte Morsetechnik funktioniert noch und morsen mit Blinklicht ebenfalls. Unsere Organisation hat versprochen, wenn ...“
„Pssst“, gemahnte er sie und schaute sich ängstlich um, „du musst hier nicht alles gleich breittreten.“
„Ach Paul, manchmal nervt mich deine Geheimnistuerei! Es ist doch schon ein halbes Jahr her, dass ich Muttsch gesehen habe. Seitdem habe ich nichts von ihr gehört. Klar, dass ich in Sorge bin. Ich hoffe, man hat inzwischen ihre Adresse herausgefunden.“ Margrit schob sich die Brille auf ihrer Nase zurecht. „Wirklich, das ist schon alles sehr beängstigend. So langsam frage ich mich ...”
„Leider fragst du nicht nur dich!“, unterbrach er sie gereizt. „Das ist ja das Schlimme!”
„Aber womöglich haben die Hajeps damals nicht nur Marianna und Armin geschnappt, sondern auch sie ...”
„… und ihren treuen, alten Munk!”, feixte Paul. „Den solltest du dabei nicht vergessen!”
„Ja, du Witzbold, vielleicht auch den!”
„Aber Margrit, was sollten Außerirdische denn schon mit so einem alten Kater anfangen wollen, hm?“
„Weiß ich es?”
„He, genauso wenig wird die Hajeps eine alte Dame von 82 Jahren interessiert haben, das glaube mir mal!”
„Paul, woher willst du das so genau wissen?”
Er schraubte die haselnussbraunen Augen nach oben. „Liebe Margrit, das weißt du so gut wie ich. Hajeps suchen sich meist Kinder oder Erwachsene mit besonderem kindhaftem Gemüt für ihre verrückten Experimente aus.“ Er grinste bei diesem Gedanken plötzlich merkwürdig. „He, da fällt mir was ein, es ist zwar verrückt, aber das könnte doch stimmen, wer weiß?“
„Was?“
„Na, womöglich sind deine adoptierten Kinder in Wahrheit gar keine, sondern nur in Kinder verwandelte Hajeps. Es sind außerirdische Spione, die uns später umbringen werden und ...“
„Pfui! Jetzt wirst du aber gemein, Paul! Gut, dass die Kleinen dich nicht gehört haben.“ Sie schaute besorgt von einem Kind zum anderen.
Er kicherte und die Fahrgäste, die dabei zugehört hatten grinsten nun auch. „Wieso? Das ist doch gar nicht so abwegig. Schon oft genug haben uns Hajeps mit allem möglichen gefoppt …“
„Nun hörst du aber auf! Außerdem, Armin und Marianna waren weder besonders jung noch gebärdeten sie sich irgendwie kindisch.”
„Dann haben sie die Beiden halt ohne irgendeinen besonderen Grund ermordet. Weiß ich, was Hajeps so denken! Margrit, ich habe im Gegensatz zu dir schon lange aufgehört, mich zu diesem Thema auch nur irgendetwas zu fragen. Ich versuche zu überleben, das ist alles! Im Übrigen hattest du damals keine weitere Leiche in der Kapelle gefunden ...”
„Ich hatte keine Zeit, mich genauer umzusehen!” Eine Träne lief ihr nun die Wange hinab. „Und das weißt du ganz genau!”
„Ach, jetzt sind wir gleich am Weinen! In letzter Zeit eigentlich immer! Schon gut, lieber Himmel!“ Er seufzte. „Ich kann doch für den Tod deiner Freunde nicht! Also wirklich, gerade du mit deinem Studium solltest doch eigentlich wissen, was du am besten gegen ein Schockerlebnis tun musst, dann wirst du auch nicht mehr so viel Schlechtes träumen.”
Wieder entdeckte Margrit hier und da ein Grinsen unter den Fahrgästen. Sie lehnte den Kopf zurück, dann atmete sie tief durch.
„Paul, das sagt sich so einfach ... aber du hast Recht!“
„Also ehrlich”, er kicherte ein bisschen verlegen. „Wann habe ich das mal nicht?”
„Stimmt! Ich werde mich bessern … aber die Beiden hatten ein solches Ende wirklich nicht verdient, gerade die nicht! Huch?”
„Wieso huch?“, schreckte er hoch.
„Na, es kribbelt plötzlich so komisch im Handgelenk!” Marg-rit bewegte vorsichtig ihren Arm, an welchem Tobias lehnte. „Bis hinauf zu den Fingern! Ach, wenn nur alles so gut bei mir einschlafen würde!”
Leider wurde durch diese, wenn auch sachte Bewegung nicht nur Tobias sondern auch sein Schwesterchen geweckt. Beide begannen sich zu rekeln und der Kleine gähnte.
„T’schuldigung, Tobias“, keuchte Margrit betroffen, „aber ich musste jetzt einfach dein Kissen ausschütteln!“ Margrit schlenkerte den Arm hin und her.
„Daaas macht nichts, Mamms!“, krächzte das Kerlchen. „Es war wieso zu dünne!“
„Das heißt sowieso, Tobias!“ Sie strich ihm zärtlich über das dunkelbraune Struwwelhaar, das ihm ziemlich wild vom Kopfe abstand. Der Junge war zwar größer als seine Schwester, doch dafür schlanker. Julchen sah immer ein wenig rundlicher aus, vor allem im Gesicht, obwohl eigentlich beide Kinder unternährt waren.
„Willst du damit etwa andeuten, dass dieses hervorragende Kissen nicht bequem genug war?“, fragte Margrit
Tobias krauste die sommersprossige Nase und seine wasser-blauen Augen strahlten. „Es kann eben nich jeder solche guten Kissen haben wie ich!“ Er spannte den Arm an, sodass sich am Oberarm mühsam ein paar schwache Wölbungen in seinem Hemd zeigten. „Naaa - ah? Was sagst du dazu, Mamms, daas sind saugute Muckis, stümms?“, keuchte das Bürschchen mit knallrotem Kopf.
„Alle Achtung!“, wisperte Margrit und machte eine ehr-furchtsvolle Miene.
„Und hier“, er krempelte die Hosenbeine seiner Pluderhosen hoch, „sind auch welche!“
„Ach, lass nur gut sein, Tobi!“, murmelte sie, dabei einen prüfenden Blick auf die dickliche Frau werfend, welche neben ihnen in der Bank saß und die sich anscheinend gestört fühlte.
„Ich hab auch Muckis!“, meldete sich Julchen. Im Gegensatz zu Tobias hatte sie samtbraune Augen und hätte eigentlich auch ansonsten gut als Pauls Kind durchgehen können.
„Du bist ein Mädchen!“, mischte sich Paul ein.
Julchen schaute an Paul vorbei als ob er gar nicht vorhanden wäre. „Ich bin ein Mädchen und hab trotzdem Muckis! Viel mehr als Tobias, so!”
„Haste nich!“, fauchte Tobias.
„Hab ich doch!”
„Mädchen sind dafür hübscher!”, versuchte Paul einzulenken.
Niemand schien ihn zu hören. Die Kinder schnitten Paul deutlich, da ihnen seine lautstarken Proteste, dass er sie nicht haben wollte, nicht entgangen waren.
„Du liebe Scheiße!“, ächzte Tobias plötzlich.
„Tobias!“, gemahnte ihn Margrit. „So etwas wolltest du doch nicht mehr sagen!“
„Aber ich hab ihn verloren!“, protestierte er.
„Wen? Etwa einen deiner Muckis?“, feixte Paul.
Doch der Kleine meinte es ernst. Er war käseweiß geworden. Wie ein Wilder kramte er in sämtlichen Taschen seiner zerfledderten Kleidung. Er schien nach irgendetwas äußerst Wichtigem zu suchen. Er war dabei so hektisch, dass er mit dem Ellenbogen abwechselnd gegen die Hüften der dicken Frau oder gegen die Tasche, in der eine lebende Ente saß, stieß. Die Ente fauchte empört, die Frau bekam einen roten Kopf und Paul kochte innerlich. Traumatisierte Kinder hin oder her – sollte er deswegen vielleicht selbst noch eine Macke bekommen? Wie der Bengel sich wieder aufführte! Margrit ließ Tobias zu viele Freiheiten.
Der Kleine war nun vollends aufgesprungen, weil er hoffte, dadurch tiefer in seine Hosentaschen hineingreifen zu können.
Die Leute sahen Tobias zu, denn sie hatten ja sonst nichts zu tun, und Paul bekam Schweißausbrüche.
„Wen hast du denn verloren?“, fragte Julchen, sich dabei das blonde, verfilzte Haar zausend, denn seit die Hajeps auch die Kanalisationen und Wasserwerke beschädigt hatten, stand es mit der Hygiene nicht gerade zum Besten.
„Na, wen wird Tobias wohl suchen, Julchen, naaa?“ Paul war es nämlich eingefallen und deshalb lehnte er sich seufzend in die Bank zurück.
Da Julchen nichts von sich gab und nur nach wie vor erstaunt dreinschaute, half er ihr etwas.
„Sicher seinen heißgeliebten ‚Putti‘!“
„Aber Paul“, kicherte Margrit, „dieser Hartgummiball heißt nicht ‚Putti‘, sondern ‚Knuddi‘!“
„Ist mir doch Wurst!”, knurrte Paul eingeschnappt.
„Ich kann ihn nicht finden, ich kann ihn nicht …!“, kreischte Tobias jetzt mit hochrotem Kopf.
Oh Gott, wie peinlich! Paul schaute zur Nervenberuhigung wieder mal aus dem Fenster. Die alte Lok fuhr noch mit Diesel und so zuckelten Wiesen und Wälder ziemlich gemütlich am kleinen Abteil vorbei. Paul runzelte die Stirn. Auch die Fabriken waren von den Hajeps dem Erdboden gleich gemacht worden. Es gab kaum noch Busse, geschweige denn Autos. Möglichkeiten zu tanken existierten so gut wie gar nicht. Wer von all diesen Menschen hier hätte sich je träumen lassen, eines Tages mit solch einem museumsreifen ´Ding´ durch die Gegend kutschieren zu müssen.

Kapitel 2
Nicht nur Paul, auch die Fahrgäste wurden inzwischen unruhig, als sie die beiden Kinder zwischen ihren wenigen, aber für sie lebenswichtigen Habseligkeiten suchen sahen, und einige murrten sogar, denn sie hatten Angst, es würde ihnen dabei etwas weggenommen.
„Was habe ich euch gesagt, was man als erstes tun soll“, griff Margrit zur Pauls Erleichterung endlich ein, „besonders, wenn etwas ganz Schreckliches passiert ist?“ Sie machte ein ernstes Gesicht.
Paul seufzte. Ganz schrecklich nannte Margrit so etwas, oh Gott, oh Gott!
„Hast was Wicht’ges du verloren, schwitz nicht gleich aus al-len Poren, bleibe ruhig, denk’ erst mal nach!“, kam es, wie aus der Pistole geschossen, von den Kindern.
„Richtig“, sagte Margrit, „also?“
Es raschelte, die Ente fauchte, die dicke Frau neben Tobias schüttelte verärgert den Kopf und Paul bekam rote Ohren, denn gleich beide Kinder hatten einfach in der engen Bank Platz genommen, um nachzudenken.
„Ohmannnohmannohmann!“, quiekte plötzlich Julchen auf-geregt. „Du hast den ‚Knuddi‘ doch in deinen Rucksack getan, bevor du eingeschlafen bist, stümms?“
„Stümmt!” Der Kleine schaute sofort in den halb zerfetzten Beutel, den er stets vor sich auf dem Boden liegen hatte.
„Du liebe Scheiße!” Der Junge klatschte sich erleichtert gegen die Stirn.
„Tobias!”, rügte ihn Margrit schon wieder und wurde nun auch ein bisschen rot.
„T’schuldigung!” Er lachte so heiser und befreit auf, dass die Ente in der Tasche einen gehörigen Schrecken bekam und mit den Flügeln zu schlagen begann. Die Bäuerin hatte Mühe, sie in der Tasche zu behalten und warf wieder wütende Blicke auf den Jungen.
Paul konnte nur stumm und fassungslos sein Haupt über Tobias schütteln, denn der holte nun die durchsichtige, in ihrem Inneren marmorierte Hartgummikugel mit solch einer gewichtigen Miene hervor als wäre sie ein Diamant.
„Oh, du mein gutes Gummi-Flummichen!“, schniefte Tobias gerührt und streichelte die Kugel, welche einen Durchmesser von etwa fünf Zentimeter hatte, ungelenk aber zärtlich.
Dann hielt er den schimmernden Ball gegen das spärliche Herbstlicht, welches durch ein kleines Fenster kam.
„Stümms, der ist hübsch?“, fragte Tobias seine Schwester. „So schön wasserblaurichblau?“
„Stümmt!“, bestätigte Julchen in ebenso hingebungsvoller Tonlage.
„Wasser kann auch grün sein!“, murrte Paul.
„Oh, ich glaub“, schwärmte Tobias trotzdem weiter, „ich nenn ihn jetzt anders … ‚Blaulilli‘ nenn’ ich den! Oder lieber doch nich? Nee! Lilli hört sich nach einer ‚Sie‘ an, stümms?”
„Stümmt!“, erwiderte Julchen nachdenklich.
„Und er ist doch ein ‚Er‘ und …“
„Oh Gott, oh Gott, ist das dämlich!“, stöhnte Paul.
„Er heißt ´Blaui`“, sagte Tobias jetzt fest entschlossen und wandte sich dabei an die Fahrgäste, da er nun auch bemerkt hatte, dass sie seinen kleinen Darbietungen gefolgt waren, „und er ist unsere Erde!“
„Darf ich dich darauf aufmerksam machen, dass die Erde ei-ne ‚Sie‘ ist?“, erklärte Paul etwas spitzzüngig.
Der Junge dachte daraufhin angestrengt nach. „Er ist ein ‚Er‘!“, beharrte Tobias. „Er heißt nämlich der Planet und darum ist er ein ‚Er‘!“
Die Passagiere kicherten und Paul schraubte seine braunen Augen hilflos nach oben.
„Und das sind seine Erdenteile … Hajeps nennen sie jetzt ‚Obaitis‘!“ Tobias schwarz geränderter Fingernagel wies auf die merkwürdig geformten Teilchen, die sich tief im Inneren der Kugel abzeichneten.
„Und das Durchsichtige drum rum ist unsere Lufthülle. Hier liegt ‚Rikarja‘, Afrika, seht ihr, seht ihr, seht ihr?“, krächzte der Kleine aufgeregt und hielt sie den Fahrgästen entgegen. Diese nickten freundlich.
Paul hob überrascht die dichten Brauen, hatte doch der Junge inzwischen wohl über die Lautsprecher und Sender, worüber die Hajeps den Menschen ihre – oft nur zum Teil übersetzten – Anordnungen erteilten, deren komische Bezeichnungen für einzelne Erdteile auswendig gelernt. Das war recht beachtlich für so einen kleinen Kerl. Außerdem wies dieses eine seltsame Stückchen in dem verrückten Ball tatsächlich die Form Afrikas auf. Er fragte sich insgeheim, weshalb er Tobias noch nie richtig zugehört hatte, sobald der von seiner Kugel erzählen wollte.
„Und das Stückchen dort unten“, erklärte Tobias weiter, und die Fahrgäste, die hinten standen, machten deshalb lange Hälse, „ist ‚Kabajak‘, der Südpol. Von daaa kamen die meisten Außer-irdischen, die unsere Erde vorher Jahr raus und Jahr rein vom All aus beobachtet haben. Sie landeten daaa und hielten sich daaa tief unten in Schnee und Eis für lange Zeit versteckt, bis genug von ihnen daaa waren … und daaa ist ‚Dara-Tori‘ der Stille Ozean, von daaa aus den tiefsten Stellen dieses Meeres kamen auch wieder die Außerirdischen, weil das auch wieder keiner von uns Menschen sich so gedacht hat!“
„Tja“, meinte Paul, „dort ist das Meer an einigen Stellen über achttausend Meter tief. Wer nimmt schon an, dass jemand dort im Laufe von Jahren still und heimlich Städte und Raumhäfen bauen kann.“
„Einige Seefahrer haben sich früher über die komischen Fischwesen dann ganz Scheiße erschreckt…“
„TOBIAS!“ Margrit errötete schon wieder.
„T’schuldigung! Aber die sind manchmal vor ihnen so richtig in echt aus dem Wasser aufgetaucht, die Fischwesen, stümms, Mamms?“
„Iiiiih, ich mag keine Fische“, rief Julchen ungefragt dazwi-schen und ihre blauen Augen wurden noch größer als sie es oh-nehin waren, „wenn sie verwesen! Menschen verwesen auch immer und das stinkt dann immer so ekelig!“
„Aber Julchen, das meint Tobias doch nicht! Ich glaube, dass diese Fischwesen harmlos sind”, wandte sie sich weiter an Tobias. „Diese Geschöpfe haben niemandem etwas getan und tun uns auch heute nichts!“
„Ich … ich tu denen auch nix!“, mischte sich Julchen schon wieder ein. „Auch nich heute … die … die sind bestümmt ganz schön … ganz schön … schuppig!“, sagte Julchen sehr leise. „Stümms, die, die Fischverwesen? Ich mein, so ganz und gar und am ganzen Körper!“ Julchen knabberte jetzt an ihrem Ärmel.
„Verzeiht, wenn ich mich da einmische“, ließ sich plötzlich ein recht groß gewachsener, junger Mann vernehmen, der ebenso wie alle anderen die ganze Zeit aufmerksam zugehört hatte und sich nun durch die Menge der Fahrgäste schob, „aber ich habe den Eindruck, die junge Dame fürchtet sich trotz aller Tapferkeit ganz schrecklich vor ‚Auleps‘!“
Er schob sich eine Strähne des schwarzen, dichten Haares aus der Stirn und Margrit merkte nebenbei, dass ihm die alte Lederjacke viel zu klein war, denn er konnte kaum den muskelbepackten Arm heben.
„Kein Grund zur Sorge, Julchen!“, murmelte er. „Oft schaut alles schlimmer aus als es in Wahrheit ist. Wir Menschen sollten uns“, sein Blick blieb an dem zerfransten Ärmel, aus dem das Mädchen gerade mit den Zähnen einen Faden zog, haften, „viel weniger fürchten und dafür mehr beobachten, das wäre besser!“
„Ööööh … m … meinst du mit fürchten etwa mich?“ Julchen nahm den Ärmel noch etwas fester zwischen ihre Zähne.
„Könnte vielleicht sein!“ Er nickte ihr grinsend zu.
„Stümmt nich … ich fürcht mich nie!“ Julchen ließ den Ärmel los und verbarg ihn hinter ihrem Rücken. „Au … auch nich vor Wasserwesen!“
„Auleps!“, wiederholte er.
„Also, nich vor Auleks! Ich find ihre Schuppen nur so ein ganz kleines winziges bisschen ekelig, weiter ist nich´s … so!“
„Auleps nennst du diiie?“, mischte sich Tobias ein, den Burschen mit skeptischen Blicken beäugend.
„Ich nenne die nicht so, sondern so heißen die! Und zwar in der Sprache der Hajeps“, erwiderte der ruhig. „Es sind Kreaturen, die von den Hajeps für Unterwasserarbeiten gebraucht werden. Tja, unsere außerirdischen Eroberer haben verschiedene Skla-venvölker mitgebracht, so zum Beispiel die ´Trowes`, ein derbes, muskelbepacktes Volk, oder die ´Senizen`, schmal und feingliederig gebaut, oder die ´Kirtife`, kleine, kräftige Wesen, die sie immer dann einsetzen, wenn sie nicht sofort alles so technisieren können, wie sie es für ihre Lebensweise unbedingt brauchen. Drähte, Sensorenfelder und Kabel von Robotern sind offensichtlich reparaturanfälliger als Muskeln und Hirnzellen. Sie haben wohl noch nicht genügende Fabriken gebaut. Außerdem pflegen Hajeps Energien, die sie für ihre gewaltigen Maschinen brauchen, ausschließlich der Natur zu entnehmen. Das trauen sie sich aber zurzeit noch nicht. Sie wollen den hochempfindlichen Erdenhaushalt wohl schonen.
„Woher wissen Sie das alles?“, warf Margrit plötzlich ein. „Mir ist in diesen zehn Jahren noch kein Mensch begegnet, der ein solches Wissen über unsere Feinde hat.“
„Sehr richtig, uns auch nicht!“, ließ sich einer der vier jungen Kerle, die vorhin neu hinzugestiegen waren, aus der Menge der Passagiere hören. Sie waren zwar ebenso unterernährt und schmutzig wie alle anderen, doch sie hatten noch Kraft und da-her ein kämpferisches Funkeln in den Augen.
„Tja, da haben Sie dann wohl allesamt Pech gehabt!“, entgeg-nete der Bursche keck und nun schauten ihm sämtliche Fahrgäste verwirrt, ja fast misstrauisch ins Gesicht, denn sie wussten, dass Hajeps Menschen ‚umdrehen‘, ja sogar zu Halbrobotern um-funktionieren konnten und dass sich diese dann unter die Menge der Flüchtenden zu mischen pflegten. War diesem Jungen nicht zu viel herausgerutscht, um noch Mensch zu sein?
„Nein! Diese Antwort genügt uns nicht!“, antwortete ihm Margrit. „Um so genau informiert zu sein, müssten sie wohl die Sprache der Hajeps beherrschen und die ist bekanntlich zu kompliziert um sie derart gut zu begreifen.”
Der Hüne lachte leise und die vier Burschen flüsterten des-halb wütend miteinander. Einer von ihnen schob sich nun an den Fahrgästen vorbei, um diesem Riesen näher zu kommen. Der schien den nicht zu sehen.
„Nun gut“, sagte er nur. „Ich war halt neugierig und habe es von anderen Leuten erfahren!“
„Erfahren?“, wiederholte Margrit verdutzt. „Das müssen ja vielleicht Leute sein! So etwas erfährt man nicht so einfach.”
„Es ist ‚djepato‘, verboten!“, rief der Bursche, der sich dem großen Kerl genähert hatte. Er blickte zu ihm hinauf und ein kampfeslustiges Glimmen funkelte in dessen Augen. „Niemand darf über Hajeps mehr wissen als sie uns freiwillig zukommen lassen!“ Der Typ war zwar nicht sonderlich groß, dafür aber recht stämmig gebaut. Einige Narben im Gesicht, zeigten, dass er wohl Raufereien gewohnt zu sein schien. Seine Kameraden, die ihm inzwischen gefolgt waren nickten aufgeregt.
„Stimmt, Neugierde wird mit dem Tode bestraft!“, brummte nun auch Paul nachdenklich.
„Ohne Scheiß?”
„TOBIAS! Du hörst jetzt endlich damit auf!“, fauchte Margrit.
„Es wird nicht bestraft, wenn wir die ‚Kutmats‘ Untervölker der Hajeps beobachten!“, beharrte der Hüne.
„Kutmats?“, wiederholte Margrit.
„Ich … ich … hab keine Angst vor ‚Kumast‘!“, fauchte Jul-chen zornig, mit einem kurzen Blick auf den großen Kerl, der sie wieder im Auge hatte, und ihre Zähne ließen ihren Ärmel los.
„Warum müssen wir denn immer vor Hajeps weglaufen, Mamms?“, wandte sie sich an Margrit.
„Ja, warum eigentlich?“, kam es auch von Tobias. „Können wir nicht maal irgendwo bleiben?“
„Das tun wir auch bald”, erklärte Margrit und musste dabei erheblich lauter werden, weil die Passagiere entspannter geworden und miteinander zu plaudern begonnen hatten, „sobald wir in der Nähe von …“
„Schscht!”, unterbrach sie Paul. „Das braucht ja nun nicht jeder zu wissen, oder?”
„Sind wir dann sicher?“, meldete sich nun auch Julchen und kroch sicherheitshalber wieder auf Mamas Schoß.
„Sicher sind wir nie!“, murmelte Paul. „Die Hajeps können uns mit ihrer phantastischen Technik völlig unter Kontrolle bekommen, wenn sie nur wollen! Deswegen konnten wir Menschen sie ja auch nie besiegen, auch wenn wir tapfer gekämpft haben. Die sind ganz einfach weiter als wir!“
„Sch … Schade!”
„TOBIAS!”
„Hab’s ja nicht gesagt!”
„Können wir Menschen echt nichts gegen die Hajeps machen, Mamms?“ Julchen wandte sich um und schaute prüfend ihrer Mama ins blasse Gesicht.
„Ach, das wird schon noch!“ Margrit warf Paul einen bitter-bösen Blick zu, der ihm sagen sollte: Warum verrätst du so etwas? Du machst den Kindern damit nur unnötige Angst, und sie fuhr laut fort: „Außerdem werden wir für einige Zeit dort erst einmal vor Hajeps in Sicherheit sein. Sonst hätten wir uns ja gleich all die Strapazen der Flucht ersparen können. Wir werden doch nicht etwas tun, was völlig sinnlos ist, Julchen!“
„Nach meinen Beobachtungen”, meldete sich der Hüne wieder und zupfte sich die offene Lederjacke etwas mehr über seine breite Brust, „können Hajeps auch nicht alles!“
„Oh, daas dürfen Sie aber auch nicht so laut sagen“, wisperte Margrit erschrocken und spähte dabei ganz besonders den drei jungen Burschen prüfend ins Gesicht, die sich rechts und links von dem großen Mann postiert hatten, „denn es könnte ja sein, dass …“ Sie brach beklommen ab.
„Ich finde es ganz reizend, dass Sie immer wieder so um mich besorgt sind“, erwiderte dieser schäkernd, die drei Jungs dabei überhaupt nicht beachtend, „aber auch die Geschichten mit den ‚Pajoniten‘, die überall grassieren, halte ich für reichlich über-trieben.“
„Meinen Sie mit ‚Baji-“
„Pajoniten“, half er ihr.
„Also, meinen Sie mit Pajoniten etwa jene Halbroboter, in welche die Menschen den Gerüchten zufolge manchmal umgewandelt werden, um für Hajeps zu spionieren oder gar zu töten?“
„Genau!“ Er nickte. „Vieles ist davon erstunken und erlo-gen!“
„Sie sind sehr mutig“, murmelte Margrit anerkennend, „um nicht zu sagen frech, denn Sie stellen hier einfach Behauptungen auf, die einen … also, die regelrecht verblüffen!“
„Und die Mut machen, nicht wahr?“ Er zwinkerte ihr zu. „Das haben Sie vergessen hinzuzufügen!“
„Pah!“, knurrte Paul missmutig. „Das ist doch alles nur Ge-quatsche. Die Wahrheit ist, dass die Menschheit ganz allmählich zu Grunde gehen wird und …“
„Das is´ doch nich schlümm, wenn die Menschen ab und zu Runden dreh’n, stümms, Mamms?“, schmetterte Julchen aufge-regt dazwischen. „Ich drehe auch manchmal ’ne Runde und der Tobias auch und die Oma … die hat auch manchmal ’ne Runde gedreht und der Munk, der hat auch und …“
„JULCHEN!“, bremste Margrit ihren Eifer.
„Gemeint ist, du blöde Göre, dass die Hajeps uns tot machen werden, weil sie alle Teufel sind“, mischte sich die Bäuerin neben Tobias ein und die Ente schnatterte ebenso laut wie die Frau und deshalb drückte die Bäuerin die Öffnung der Tasche einfach zu.
„Unter den Hajeps leben bestimmt genauso wenig oder viel Teufel wie bei uns Menschen“, erklärte Margrit tapfer.
„So, meinen sie tatsächlich, dass diese riesigen Blechwesen leben?“, quiekte die Bäuerin zynisch lachend.
„Ja, das meine ich auch!“, gab der junge Bursche einfach Margrit Recht.
„Woher wollen Sie das wissen?“, keifte die Bäuerin noch ein Stückchen lauter. „Haben Sie die denn je von Nahem gesehen, haben Sie je persönlich mit ihnen gesprochen?“ Sie öffnete etwas die Tasche, damit die Ente wieder atmen konnte.
„Ich für meinen Teil bin der festen Überzeugung“, beharrte sie, „dass es ferngesteuerte Teufel aus Metall sind, weiter nichts, die gnadenlos mit unseren Leben spielen, weiß der Himmel, warum!“
Margrit sah zu Boden, wo all die Kisten und Rucksäcke stan-den, denn insgeheim musste sie dieser Frau Recht geben. Vor allem, wenn sie dabei an ihre Freunde dachte, die dermaßen qualvoll ermordet worden waren. Trotzdem sagte sie laut: „Hajeps sind zwar grausam aber …“
„Was – aber?“, hakte die Bäuerin nach, der Zug machte wie-der mal eine Kurve und so wankten alle Insassen ein wenig nach rechts.
„Seltsamerweise töten nicht alle, obwohl sie das durchaus könnten. Ich habe gehört, dass kleinere hajeptische Einheiten und erst recht einzelne Soldaten”, Margrit keuchte aufgeregt, „mitunter Menschen entkommen lassen! “
Komisch, jetzt schlug Margrits Herz sogar bis zum Halse. „Und ich frage mich“, fuhr sie trotzdem so ruhig wie möglich fort und versuchte gleichmäßiger zu atmen, „weshalb handeln die so anders?”
Margrit schob sich die Brille zurecht, denn das tat sie immer, wenn sie nervös wurde, und blickte geradeaus, einfach irgendwo hin.
Die Bäuerin machte ein verdutztes Gesicht, und Paul sagte leise und in beruhigender Tonlage zu Margrit: „Hast du nicht das Gefühl, dass du unbedingt willst, dass es auch gute Hajeps geben könnte? Wer weiß, was an diesen Geschichten, die überall herumerzählt werden, Wahres dran ist? Mir kommen sie jedenfalls ziemlich märchenhaft vor. Ich glaube, du kannst nur nicht die Vorstellung ertragen, dass eine sadistisch oder ähnlich krankhaft veranlagte oder ferngesteuerte Macht, gegen die wir Menschen nichts, wirklich absolut nichts tun können, uns eines Tages alle brutal ausrotten wird … auch dich! “
„Ohne Scheiß? Nein!“, kreischte Tobias. „Nich die Mama, die nich!“, und er legte beschützend seine Ärmchen um die Mutter und Julchen tat es ihm nach und die beiden Kinder begannen stumm vor sich hin zu weinen.
„Aber natürlich kommt eure Mama auch dran!”, mischte sich die Dicke wieder ein. „Und du frecher Bengel bestimmt an erster Stelle!”
„Sag, dass ‚Schweinchen Dick‘ aufhören soll, solch einen Scheiß zu reden, Mamms!“, heulte Tobias wütend drauflos.
„Schw … Schw … Schweinchen Dick!“, stotterte die Frau und ihre runden Backen röteten sich vor Empörung.
„Margrit, warum klebst du ihm nicht endlich eine?!“, schimpfte Paul, ebenfalls rot im Gesicht.
„Hach, was redet ihr denn alle!“, zürnte Margrit. „Nimmt denn heutzutage keiner Rücksicht auf Kinder! Es kommt niemand von uns dran, das verspreche ich euch!“
Julchen kroch erleichtert von Mamas Schoß herunter und sagte zu der Bäuerin: „Siehste!“
Diese schüttelte unwirsch den Kopf. Margrit hingegen ballte ihre Hände zu Fäusten, damit die nicht allzu sehr zitterten.
„Das wollte ich nicht!” Paul tätschelte schuldbewusst Margrits Hände. „Tut mir leid, ehrlich! He, vielleicht gibt es ja auch wirklich irgendwelche … na ja, gute Hajeps”, er schluckte, „auf die wir Menschen bauen könnten. Wer weiß? Tja, womöglich über-legen die inzwischen sogar heimlich, wie sie die gesamte Menschheit vor den eigenen Artgenossen retten könnten? Wissen wir das?”
„Ach, Paul, du brauchst uns gar nicht so albern zu trösten …”
„Doch, doch, ihr müsst jetzt irgendetwas haben, an das ihr euch klammern könnt, das sehe ich ein!”
„Und wenn es nun wahr wäre?” Sie schob seine Hände mit einer unwirschen Geste von sich fort. „Selbst ein einziges gutes Korn birgt die Hoffnung auf Brot.”
„Haha! Das ist wieder mal typisch klein Margrits Philosophie. Ach, werfe doch bitte, bitte, endlich dein komisches Heftchen weg, sonst versaut`s dich noch eines Tages ganz!“ Er lehnte sich wieder nach hinten in die Bank und lachte sie aus … ziemlich künstlich, wie Margrit fand.
„He, das war aber richtig gut!“, wandte sich der Bursche trotzdem wieder an Margrit. „Sie müssen mir mal bei Gelegenheit dieses Heft borgen!”
„Sofern wir uns wiedersehen!”, kam Paul seiner Margrit ein-fach zuvor und lachte weiter.
„Oh, ich habe auch so Einiges über diese guten Körner gehört“, empörte sich der junge Bursche und sah zu Pauls Überra-schung derart strafend hinüber, dass dem buchstäblich das Lachen im Halse stecken blieb.
„Es soll sie tatsächlich geben! Hatte mir allerdings bisher darüber noch nicht den Kopf zerbrochen“, räumte er ein.
„Mich interessiert so was auch nicht”, tönte die Bäuerin und tippte sich aufgeregt an die üppige Brust und die Ente schnatterte deshalb, „denn die meisten Menschen werden doch von den Hajeps von einem Ort zum anderen gescheucht.”
„Richtig, weil die Hajeps für sich selbst Land brauchen!“, bestätigte der Bursche.
„Sie zerstören unsere Städte …”
„… weil sie sich dort neue bauen wollen …“, erklärte er wieder.
„… jagen uns immer wieder auf verschiedene Art und Weise Angst ein und …“
„Tjaaaaa, manche sind halt wie Kobolde!“, lachte der Kerl.
„Also, ich habe keine Angst vor … vor Koboldse!“, schimpfte Julchen. „Mammaaaa-ah? Was sind Koboldse?“ Sie schob sich den Ärmel tief in ihren Mund. Doch ihre Frage fand keine Antwort, da sie von der Bäuerin fast gleichzeitig übertönt wurde.
„Hören Sie mal, Sie junger Schnösel!“, keifte die. „Sie haben wohl nicht genügend Schlimmes mit Hajeps erlebt, sonst würden sie nicht dermaßen grinsen können. Ich habe meine ganze Familie durch Hajeps verloren, jawohl, meine ganze Familie!“
„Oh, das tut uns aber leid!“, krächzte Margrit Anteil nehmend. „Ich kann Sie sehr verstehen, denn auch ich habe erst kürzlich“, ihre Stimme wurde unbeabsichtigt viel zu leise, „Furchtbares durch Hajeps erlebt.“
„Sehen Sie, sehen Sie“, tönte die Bäuerin, „daher fällt es mir schwer, mir auch nur irgendetwas Witziges bei dem Gedanken an Hajeps vorzustellen. Hat denn keiner mitbekommen, dass sich die Hajeps einzelne Menschen herauspicken und ihnen …“, sie japste nach Luft, „… an Ort und Stelle Organe entnehmen?“
„Schei … ich muss kotzen, Mams!” Tobias hielt sich den Bauch.
„Uuuh”, ächzte Julchen, „ich glaub, ich auch! Was sind denn Orbane, Tobi?”
„Orrgh, weiß nich, aber bestümmt irgend so was ganz doll Ekeliges, ooorgh!”
„So beruhigt euch doch Kinder”, Margrit warf wieder einen strafenden Blick auf die Bäuerin, die jedoch ungerührt weiter plapperte.
„Ich frage mich dabei”, erklärte die, „warum machen Hajeps das? Wozu brauchen sie diese Organe?“
„Ja, das frag ich mich eben auch!“, keuchte Tobias. „Und noch etwas ... wo ist ein Napf, Mama?”
„Es sind überwiegend Gehirnzellen!“, stellte der junge Mann richtig. „Bestimmt nichts zum Essen!“ Er kicherte.
„Woher wollen Sie das wissen?“, konterte die Bäuerin. „Ich für meinen Teil finde zum Beispiel, dass Entenleber ganz besonders gut schmeckt …“
„Nicht alle sind so!“, entgegnete Margrit. „Ich könnte nämlich dieser Ente nicht den Hals umdrehen!“
„Dennoch essen Sie alle Fleisch!“, konterte das dicke Weib böse. „Sogar Entenfleisch … geben Sie’s ruhig zu! Ha, die meisten Menschen tun’s! Besonders in diesen schlimmen Zeiten.“ Sie sah sich herausfordernd nach allen Seiten um und alles nickte verstohlen.
„Tja, da haben Sie Recht“, gestand auch Margrit ein, „ich es-se, was ich bekommen kann, alles Mögliche ... auch Fleisch.“
„Ich auch!“, warf der junge Mann ungefragt dazwischen. „Es ist nur dabei wichtig, dass wir …“
„Und mein Verhalten ist inkonsequent!“, gab Margrit kleinlaut zu. „Ich sollte deshalb …“
„Finde ich gar nicht mal!“, bemerkte der Bursche. „Denn wenn man bedenkt, dass …“
„Aber nichts ist nur!“, erklärte Margrit weiter. „Auch unter uns gibt es bestimmt Leute, die lieber verhungern als ... und ein ganzes Volk“, sagte sie jetzt mit fester Stimme, „kann daher nicht nur aus Bestien zusammengesetzt sein. Es wird auch unter den Hajeps Ausnahmen geben, die momentan vielleicht nicht zu Worte, eventuell noch nicht an die Macht gekommen sind. Auch bei uns hat es schon verbrecherische Despoten gegeben, die ganze Völker quälten und unterjochten und …“
„Das ist sehr richtig!“, bestätigte der Bursche aufgeregt. „Hajeps haben nämlich eine …“
„Heee Sie!“, empörte sich Margrit. „Sind Sie aber unhöflich! Fallen mir ja ins Wort!“
„Papperlapapp, jetzt bin ich endlich dran!“, rief er frech. „Also, die Lage ist so: Hajeps halten uns wohl für eine minderwertige Spezies, die es zu vernichten gilt, wie etwa schädliche Insekten, ohne deshalb den Haushalt der Natur durcheinander zu brin-gen. Deshalb brauchen sie so viele Jahre, bis sie uns wirklich vollständig ausgerottet haben. Zu viele Leichen würden nämlich, wenn sie verwesen, der Natur schaden, deshalb lassen sie sich Zeit. In der Regel töten sie schnell, zum Beispiel mit ‚Zagama-strahlen‘ einer besonderen Gasfeuermischung, die uns Men-schen noch unbekannt ist. Dabei haben sie kein Erbarmen mit unserer Spezies. Haben wir denn Erbarmen mit zum Beispiel einem Floh?“
„Ich mag keine Flöhe!”, sagte Julchen. „Weil … die jucken immer so dolle!” Sie rieb sich dabei eine Pobacke.
Der Hüne räusperte sich und fuhr einfach fort. „Hajeps wis-sen zwar, dass Menschen nicht dafür können, dass sie so sind, wie sie eben sind!“ Er lachte plötzlich merkwürdig. „Dennoch geben sie ihnen überhaupt keine Chance. Sie glauben, die Menschen zu kennen, obwohl nicht ein einziger von ihnen je persönlich mit ihnen reden durfte. Es ist in der Regel sogar so, dass derjenige, der einem leibhaftigen Hajep begegnet, kaum Zeit hat den Mund zu öffnen, so schnell wird er getötet. Hajeps haben eben eine bestimmte Meinung über Menschen, die …“
„Aber sie töten nicht nur!“, warf Margrit ein. „Oft haben sie auch Männer, Frauen, Kinder, ja, sogar Greise lebend gefangen, um …“
„Ha ... erwischt! Diesmal sind Sie mir ins Wort gefallen! So´ne Leute haben wir gerne!“ Er grinste breit.
„Oh, tschuldigung!“ Margrit errötete betroffen. „Aber weshalb konnten denn diese Menschen keinen engeren Kontakt zu den Hajeps aufbauen?”
„Keine Ahnung!” Der Bursche hob hilflos die Schultern an. „Wir wissen nicht, was in den ‚Wranos‘, Wohngebieten der Hajeps passiert, in die sie ihre Gefangenen hineinschleppen, denn die ‚Ygonen‘, Zäune und Mauern sind unüberschaubar. Kein Mensch, der je in solch ein Gebiet verschleppt worden ist, kehrte lebend zu uns zurück. Es ist verboten, Hajepgebiete zu überfliegen.”
„Die Mama hat mir auch was verboten …“
„Hach, Julchen!“, ächzte Margrit erschöpft.
„Und die aller-allermächtigsten von den Hajeps heißen ‚Mon-tios‘, stümms?“, fragte Tobias.
„Sie sind ziemlich mächtig, aber nicht die aller – allermächtigsten!”, erklärte der Hüne und schmunzelte. „Es herrschen fünf ‚Montios‘ über unsere Erde.”
„Für jeden Erdteil einen“, brabbelte Tobias und starrte dabei andächtig auf seine Kugel, die er wieder hervorgeholt hatte. „Und wer ist nun der aller mächtigste?“
„Der ‚Undasubo‘! Er herrscht über diese ‚Montios‘, berichtete der Bursche.
„Der Unda … was?”
„… subo!”
„Der ist dann ihr König, stümms?”
„Ein bisschen. Er muss sich aber schon mit den fünf ‚Montios‘ abstimmen.”
„Und wo wohnt der, der ‚Unda … hm … subo‘?”
„In ‚Scolo‘!”
„Scolo? Was ist das für ein Erdenteil? Aber es gibt doch nur fünf stümms?”
„Stimmt! ‚Scolo‘ ist die Zentrale der Hajeps. Niemand weiß, wo sich die befindet!”
„Was ist denn eine Zerale?“, erkundigte sich Julchen.
„So etwas wie eine Spinne mit Netz, weißt du?”
„Iiiihgitt! Ich mag keine Spinnen! Auch nich welche mit Netz!“
„Ich auch nich, neee. Spinnen sind echt Kacke!“
„Tobias!“
„Und die Spinne, die mit dem Netz, will uns tot machen, stümms?” Julchen nagte schon wieder an ihrem Ärmel.
„Ach Kinder, davon lassen wir uns doch nicht bange ma-chen!“, griff Margrit wieder beherzt ein. „In Amerika wüten die Hajeps aber nicht derart brutal unter den Menschen wie bei uns?“, fragte sie einfach den Hünen.
„Soviel ich erfahren habe, hat unsere Armee erst kürzlich drei Sprengköpfe mit Nervengas in ein ‚Wrano‘ gejagt“, sagte der Bursche.
Margrit schwieg betroffen, sie atmete schwer. „Und einem … einem dieser schrecklichen Racheakte der Hajeps sind dann meine Freunde zum Opfer gefallen?“, hakte sie weiter nach.
Der junge Kerl nickte. „Vermutlich!“
„Hoffentlich konnte sich wenigstens Muttsch retten!“, keuchte Margrit.
„Sie wissen nicht, ob ihre Mutter damals davongekommen ist?“, erkundigte sich der Bursche Anteil nehmend. „Und machen sich Sorgen?”
Margrit nickte stumm und mit großen Augen.
„Ach, das ist nur so ein Tick von ihr!“, wehrte ihn Paul ab, dann wandte er sich in beruhigender Tonlage an Margrit: „Sicher hat deine Mutter sich irgendwo anders versteckt als in der Nähe der Kirche. Deine Mutter ist eine patente Frau. Sie wird sich schon gerettet haben und ist ganz gewiss auch auf den Weg nach Magdeburg, so wie wir es damals mit ihr besprochen hatten, sollten wir uns einmal aus den Augen verlieren.”
„Meinst du, sie wartet am Bahnhof?“ Margrits Stimme klang halb erstickt. „Aber auf welche Weise soll sie dort hingekommen sein?“
Paul zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, vielleicht hat sie irgendjemand mitgenommen? Schließlich existieren noch ein paar Verkehrsmittelchen! Du weißt, manch einer hat schon die verrücktesten Dinge zu einer Art Solarauto umfunktioniert!”
„Ja, das stimmt!” Margrit musste bei diesem Gedanken nun doch ein wenig schmunzeln. „Aber es ist trotzdem gefährlich für diese Leute, denn die Hajeps erlauben uns keine anderen Fortbewegungsmittel als die, welche sie für uns bestimmt haben.”
„Ach, Margrit! Was ist denn heutzutage nicht gefährlich!”
„Genau!“, mischte sich wieder der Hüne ein und zwinkerte dabei Margrit zu.
Diese stellte plötzlich fest, dass er nicht nur schöne, sondern auch grüne Augen hatte und errötete ein wenig.
Paul zog daraufhin die dichten Brauen zu einer tiefen Falte zusammen. Was mischte sich dieser Aufschneider eigentlich immerzu ein? Er warf einen verärgerten Blick auf den jugendlichen Schwätzer. Doch der nahm plötzlich von niemandem Notiz, sondern starrte nur verzückt auf die Landschaft, die draußen vorbeischaukelte.
Auch die Leute im Abteil stutzten. Verwunderte Ausrufe wurden augenblicklich laut. Selbst Julchen und Tobias quiekten begeistert im Duett und Margrit schob sich bei all der Aufregung immer wieder ihre Hornbrille auf der schmalen Nase zurecht, um besser nach draußen spähen zu können.

Fortsetzung folgt:
 
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Kommentare  

Dem kann ich nur zustimmen. Eine ungewöhnliche Geschichte - spannend!

Dieter Halle (13.09.2018)

Das erste Kap. spannend wie die Einleitung. Mein Lob.

Evi Apfel (26.06.2018)

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