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8 Seiten

Das Licht der Hajeps Band 4 / Entscheidungen Kapitel 3 u. 4

Romane/Serien · Spannendes
© Palifin
Kapitel 3

Puh, selbst zwei Beutel waren noch mächtig schwer! Margrit musste sie kurz absetzen, um für einen Moment die schmerzenden Schultern zu entlasten. Sie hob die Arme in die Höhe, um sie ein wenig auszuschlenkern, damit sich die Muskeln besser entspannten, als sie plötzlich einen Ast oder etwa Finger an ihrem Rücken zu spüren glaubte! Entsetzt behielt sie erst mal die Hände oben, denn sie hörte nun auch die typisch heisere Stimme hinter sich.
„Pist aba mäschtisch langzaam Lumanti!“
Sie keuchte. Verdammt! Wieso hatte sie der Hajep so schnell eingeholt? „Na ja, ich trage ja auch schwer!“, brachte sie möglichst ruhig hervor, doch der Puls hämmerte in ihren Schläfen.
„Trotzdämm langzaam!“, sagte er ziemlich überheblich. „Kippt ja auch altiss Sprechwört bei eusch Lumantis, heißert: Geschwintischkait iiis Hexeraiiii!“
Sie dachte fieberhaft nach. Komisch, er schien gar nicht böse zu sein, dass sie weggelaufen war.
„... ist keine Hexerei!“, verbesserte sie ihn möglichst ruhig und senkte die Arme. Dann ergriff sie mit zitternden Fingern die Beutel. Weshalb hatte er sie eigentlich in diesem Häusermeer finden und vor allem so schnell einholen können? Das war ihr wirklich ein Rätsel. „Du hast dieses Sprichwort nicht ganz korrekt gelernt!“, setzte sie in gleicher Tonlage hinzu, dabei Acht gebend, dass ihre Stimme nicht bebte.
Vielleicht gab es ja eine Chance, wenn sie ihm einen der Beutel blitzartig gegen seinen Dickschädel knallte! Gleichzeitig fiel ihr jedoch ein, was man ihr über Hajeps erzählt hatte und daher drehte sie sich langsam und vorsichtig zu ihm um. Sie blinzelte unsicher zu ihm hinauf. Wie der schon dastand, breitbeinig und die Arme vor der mächtigen Brust verschränkt, als ob er etwas Besonderes wäre.
„Habbe isch gelärnet nisch ganselisch korrekt?“, fragte er und hielt den Kopf schief. Er hatte sich zwar die Schirmmütze tief ins Gesicht gezogen, doch sie konnte trotzdem erkennen, dass das eine seiner roten, schrägen Augen noch nicht ganz abgeschwollen war. Aber ansonsten hatte sich dieser Hajep leider recht gut erholt.
„Gänzlich!“, verbesserte sie ihn etwas atemlos. Du meine Güte, wenn sie jetzt jemand von den Maden sehen würde, wie sie einem hochgefährlichen Hajep Deutsch beibrachte, der würde das gewiss für einen irren Traum halten.
Er nickte und danach hatte er die Nase wieder ziemlich hoch erhoben, als er sagte: „Verständer, gänselisch komet nix von Gans sondern vonne Gänse!“
Seltsam, trotz aller Angst konnte sie ein kleines Kichern nicht unterdrücken. „Nein, nein, mit diesen Schnatter¬tierchen hat das nichts zu tun“, quiekste sie. Verdammt, er starrte wieder mit diesem gewissen Blick auf ihren Mund. „Sondern“, schwatzte sie deshalb einfach weiter, „mit so etwas Ähnlichem wie total, restlos, verstehst du?“
Er nickte.
„So, ich werde jetzt mal sehen, wie wir am besten aus dieser Stadt hinaus kommen!“
Sie kramte dabei aus ihrer Hosentasche den ziemlich erbärmlich aussehenden Plan. Der Hajep hob die ohnehin schon sehr hoch geschwungenen Brauen, trat hinter sie, blickte interessiert über ihre Schulter, während sie das Papier entfaltete, und betrachtete die Skizze mit den Straßen der Stadt, die ihr Martin aufgezeichnet hatte. Ihr Finger fuhr all die Linien suchend entlang, um einen möglichst kurzen Weg zur Stadt hinaus zum Händler zu finden.
„Plann kack is!“, murrte der Hajep.
„Aber ich kenne mich hier leider nicht so richtig aus, weißt du!“, erklärte sie ihm unsinnigerweise.
„Isch misch auch nisch! Trotzdäm kack!“
„Na fein!“ Sie lachte heiser, hielt sich aber diesmal die Hand über ihre Lippen und er guckte deshalb enttäuscht.
„Da werden wir beide ja ungemein gut klar kommen.“
„Akir, gut und gemein ... ha, ha, ha, ha!“, hörte sie ihn. Das klang sehr seltsam, da er offensichtlich nicht wirklich lachen konnte. Margrit starrte verdutzt auf diese reichlich verkniffenen Mundwinkeln.
„Aber das Straßenschild“, ächzte sie und schaute dabei immer noch auf seinen Mund, „kommt mir bekannt vor!“
„Mir auch!“ Er nickte abermals ganz majestätisch.
„Wieso dir auch?“, fragte sie verblüfft.
„Wenn du täuschen willigst bei din Handeler, din meiner isch, dann isch meiner, wirr musen da lange!” Der Hajep wies mit einer königlichen Geste nach rechts in eine kleinere Straße.
Sie schüttelte den Kopf. „Da laufen wir ja ewig!“
Er schüttelte den Kopf. „Nö, nö!“, sagte er.
Komisch, aber womöglich gab es hier noch einen Schwarzhändler? War ihr allerdings neu.
„Wie heißt denn dein Händler?“
Er verschränkte wieder die muskulösen Arme vor der Brust. „Heißert Pomatteachsel!“
Margrit prustete los und er fuhr nicht nur zusammen sondern seine Hand tastete wieder nach seiner Tjumo, seiner kleinen, praktischen Laserwaffe, denn solch ein Lippengeräusch hatte er noch nie gehört.
„Du meinst wohl eher Pomadenmaxe!“ Sie wischte sich die Lachtränen weg und gluckste dabei noch immer in sich hinein. Er starrte sie deshalb mit weit aufgerissenen Augen an und keuchte unauffällig.
„Wir nennen ihn übrigens Pommi!“, ächzte sie.
„Rischtik!“, bestätigte er und achtete darauf, dass er endlich aufhörte zu schnaufen. Und dann tat er so, als ob er nur irgendetwas an seinem Gürtel gesucht hätte. „Hinterhaltiger Fatusa und verraterischer Metowan warin mitte miiir bei Kolläge vonne Ponni und bei Feddi und habben dort bekommen grässlische Jacke und schracklische Schimmutze!“ Er tippte beides kurz mit den Fingern an.
„Ach, und da lebt er noch?“, entfuhr es ihr verblüfft, während sie den Zettel in ihrer Hosentasche verschwinden ließ. „Oh, uh, Verzeihung!“, stammelte sie und schlug sich mit der Hand auf den Mund. „Wollte ich natürlich nicht gesagt haben!“
„Hast aber gezagt!“, stellte er fest. „Pomatteachsel ... hm ... Ponni lebt, doch Feddi nisch mehr, ama, kleina Feddi, schnüpf!” Er rieb sich die roten Augen, die sich inzwischen leider völlig erholt hatten.
„Du brauchst dir gar keine Mühe zu geben!“, rief sie fassungslos. „Du kannst gar nicht weinen, da deine Augen nicht tränen können.“
„Ach nein?” Er schob seine Mütze aus der Stirn und schaute sie jetzt richtig fies an. „Handelerer wischtick for Hajeps, darom er lebt ... noch!“ Er streckte die Hand aus und berührte ganz leicht Margrits Kinn. „Du auch wischtick ... vielleischt!” Er hielt wieder fragend den Kopf schief. „Wer weissis?“ Er lehnte den Kopf nun zur anderen Seite. „Isch nischt! Hm, hast etwa ... Moment, Moment, guckser glaisch nach.“ Er ließ zu ihrer Überraschung ein kugelförmiges Gebilde aus dem Ärmel in seine Handfläche rollen. „Isch übersetzerer Zeit for disch.“ Er wedelte angespannt mit dem Zeigefinger. „Hich!“, rief er überrascht. „Schonn so viel ruhm? Sex und halb Minüten nach ungenauig menschlichter Zeitenrechnerung.“
„Wie? Ich habe sechs Minuten Zeit?“, keuchte sie. Verdammt, was kam denn nach diesen Minuten? Bestimmt nichts Gutes, so wie der jetzt dreinschaute?
„Akir, und nöch eine halbe!“, bestätigte er möglichst freundlich und warf den Kopf wieder zur anderen Seite.
„Nur?“, ächzte sie zu Tode erschrocken.
„Noch!“, verbesserte er sie, hob den Fingerstumpen und wedelte damit. „Zei nisch zo mistig ... hm ... pessimistig!” Nun stand er wieder völlig gerade da. „Sei Ottimist!“
„Nein ... nein!“, keuchte sie.
„Doch ... doch! Essis bekannt, dass eine ottimistige Denkinnnsweise verlangert das Lebinn!“, betonte er sehr professoral.
„Hirnrissiges Gequatsche!“, fauchte sie.
„Was du zacktis?”
„Ach, nichts!” Margrit traten Tränen in die Augen und er sah es.
Hiat Ubeka, er hatte soeben die kostbaren, jetzt waren es nur fünfeinhalb, Minuten seiner Zeit sich selber verkorkst! Wie konnte er nur alles wieder schnell zurechtbiegen? Dabei hatte er an diesem Geschöpf hart gearbeitet, in dem er richtig nett gewesen war, sich reizend eingeschmeichelt hatte! Er hatte sogar mit Schmutz hantiert und wäre daran beinahe schwer erkrankt. Xorr, warum mochte er nur so ehrlich geworden sein? Lag sicher an dem Beruhigungs- und dem Aufputschspray, von dem er bestimmt zuviel inhaliert hatte, um das anstrengende Geschöpf einzufangen.
Er fletschte wieder freundlich die Zähne, rieb diese zusätzlich ein bisschen hin und her, sodass dieses typische, anheimelnd schabende Geräusch entstand. Xorr, etwas anderes fiel ihm in diesem Moment nicht ein. Hajeps und Trowes beruhigte das jedenfalls ... vielleicht auch Menschen?
Aha, er grinste also, sollte das zumindest darstellen. Wenigstens kam Margrit mit seinem ausgesprochen knap¬pen Mienenspiel endlich klar und das gab ihr irgendwie Mut. Sie riss sich zusammen, atmete tief durch, wisperte trotzdem viel zu leise: „Hast du etwa vor, mich nach diesen ... äh ... sechseinhalb Minuten ...”
„Jitzt sinds nür nöch draii und vierzicke Zekundinnen!” Er hob wieder gemahnend den Zeigefinger und blickte dabei auf seine merkwürdige Kugel.
Der Kerl war völlig korrekt, das musste man ihm lassen!
„Also ... wirst du mich dann ...”, sie brach plötzlich ab. Verdammt, sie hatte plötzlich keine Spucke mehr im Mund und ihre Zunge klebte am Gaumen. ‚Töten?’, hatte sie eigentlich sagen wollen, aber das brachte sie einfach nicht über die Lippen, denn vielleicht war es besser, wenn man einfach weiter so tat, als wäre nichts Besonderes. Hatte doch bisher ganz gut geklappt, oder?
„Ja, was?“, fauchte er wieder mal ausgesprochen ungeduldig und wippte auf den Zehen. „Warüm du sprechst nisch mehr weitererer?” Er brach ab und schluckte, weil ihm zuviel Spucke im Munde zusammengelaufen war und Margrit merkte, dass sich seine roten Augen ganz erheblich weiteten und heftig zu glänzen begonnen hatten. „Loss, isch will hörin Ende diesiss Satziss!” Xorr, er wollte jetzt ihre Angst sehen, wenn sie stotterte: ‚Mi ... mich töten?’, Ihren gebrochenen Blick genießen, wenn sie diese Worte hinauskrächzte, sich daran ergötzen, wie sie die totale Hoffnungslosigkeit flüsternd preisgab, beobachten, wie sich dabei dieser typische Schleier über ihre elenden Menschenaugen legte! Ja, es überkam ihn also endlich wieder dieses langersehnte Gefühl, das Erbe seiner Gattung, die Lust daran, ein Lebewesen zu quälen und zu vernichten!
Verdammt, diese außerirdische Bestie schien ihre Angst zu spüren, sie förmlich zu riechen, denn sein Gesicht hatte sich mehr und mehr in eine widerwärtige, blaue Fratze verwandelt. Himmel, die negativen Gemütsäußerungen beherrschten Hajeps aber perfekt! Sie musste wohl oder übel diesen Satz zu Ende bringen, darum riss sie sich zusammen und sagte mit fester Stimme: „Mich streicheln?“ Sie wagte ein kleines Lächeln. „Vielleicht so.“ Sie hob ihre Hand und berührte die enorm tiefe Narbe an seiner Wange. „Wer hat dir das angetan?“, sagte sie und strich sanft darüber.
Er schlug auf diese Menschenhand und war erschrocken, nein, eher verwirrt, ja, er tappte sogar einen Schritt vor ihr zurück und starrte die Lumanti heftig schnaufend an. Bei Ubeka, dieser Kreatur war es tatsächlich geglückt, ausgerechnet ihn zu überraschen. Sämtliche Grausamkeit wanderte aus seinem kalten, außerirdischen Gesicht und die roten Augen begannen, obwohl er es nicht wollte und sich alles in ihm dagegen sträubte, warm, fast zärtlich den kleinen Menschen anzufunkeln. Bei den Göttern des Alls, das hier war wirklich kein uninteressantes Geschöpf! Es lohnte sich doch, noch etwas mehr Zeit dafür zu investieren.
Margrit sah nun, dass sich zwar die Miene des Hajeps wieder verhärtet hatte, als wäre nichts weiter gewesen, jedoch senkte er dabei ganz leicht den Zeigefinger auf das kleine, lilafarbene Sensorenfeld seiner weichen, kugelförmigen Uhr.
„Isch werrde deiner Frager nischt beantwörten“, brummte er ziemlich beiläufig. „Und du bräuschst dafür meiner Frager auch nischt merr beantwörten. Pisst du damit einverständen? Poko?“
„Poko!“, sagte Margrit mit fester Stimme, auch wenn ihr das Herz dabei bis zum Hals schlug.

Kapitel 4

Plötzlich winkte Boktafton erleichtert Gulmur und den anderen zwei Jisken zu. Er wedelte schließlich so hektisch mit der Hand, dass sie neugierig zu ihm hinüber gerannt kamen, während er das große Tor vor der alten Villa aufriss.
Ihnen entgegen stolzierte Xuraduton und sie schauten nun doch ziemlich enttäuscht drein, als dieser ihnen erklärte, dass der Agol schon lange fort wäre. Der Agol wäre mit einem Molkat der Lumanti hinterher geflogen, den Altinhag, Bonor der Ajora, vorhin auf einem der Dächer in der Nähe des Hotels geparkt hatte.
Aus und vorbei! Gulmur knirschte mit den Zähnen! Dabei hatte er doch die Entführung des Agols geplant, um damit seine Familie freizupressen, die gewiss heute noch in Zarakuma zum Tode verurteilt werden würde, weil sie Danox entwendet hatten.
So trotteten die vier Jisken und der Trowe tief enttäuscht schon eine halbe Stunde durch die Straßen der Stadt, um endlich irgendwie nach Hause zu kommen. Plötzlich stieß Nobajapal Oktikilta in die Seite und wies mit dem Finger nach oben zu einem der Baumwipfel. Gulmur und die anderen zwei Jisken schauten ebenfalls hoch. Sie schnauften überrascht durch ihre drei Nasenlöcher. Der Molkat des Agol schimmerte grünlich-silbern zwischen den Herbstblättern der mächtigen Baumkrone einer alten Linde.
Bei Ubeka und Anthsorr, der Agol hatte diesen nicht gerade gut versteckt, wie leichtsinnig! Die Götter schienen wohl diesmal auf der Seite der Jisken zu sein. Doch wem konnte es gelingen, nach oben in den Baum zu kommen?
Alle blickten auf den Trowe und der ließ es sich nicht zweimal sagen. Von Atimok, einem kirtifischen Wissen¬schaftler, der wegen staatsfeindlicher Gedanken in das trowische Sklavenlager strafversetzt worden war, hatte er ja gelernt, wie man die Codes der Ninitis (Autopiloten) von Kleinstflugzeugen- und -gleitern knackte, um sie manuell steuern zu können. Mit diesem hoch technisierten Molkat würden sie rasch den Agol gefunden haben. Gewiss war dieser ganz in der Nähe!
Um von dem Agol nicht überrascht zu werden, hielten die vier Jisken am Fuße des Baumes aufmerksam nach allen Seiten Ausschau, während Gulmur den breiten, mit Moos bewachsenen Stamm der Linde empor kletterte. Oben angekommen balancierte er sich erst mal vorsichtig über drei mächtige Äste, und dann hatte er das kleine, elegante Flugschiff erreicht.
Im Nu waren sämtliche Abwehrmechanismen und Warnanlagen, die er kannte, ausgeschaltet und auch die Fahrertür geöffnet. Doch als er sich am Steuersystem zu schaffen machte, hörte er plötzlich vom Rücksitz her ein Rascheln, als würde jemand von hinten nach ihm langen wollen. Jedenfalls hatte Gulmur das so empfunden und sich reflexmäßig geduckt.
Irgendetwas Langes, Dünnes schnellte nun wie ein Lasso knapp über seinen Kopf hinweg, griff suchend ins Leere und klatschte wieder zurück hinter den Fahrersitz. Es hatte ausgesehen wie der Fühler eines Auleps, eines Wasserwesens, nur sehr viel länger. Aber hier gab es doch gar keine Sümpfe! Und wieder war es völlig still!
Gulmurs Herz pochte, als er sich vorsichtig aufrichtete, um zu schauen, was es denn sonst gewesen sein könnte. Seine gelben, gesprenkelten Augen blinzelten unsicher ins Dunkel hinter sich, aber da war nichts zu sehen. Der mit weichen, grünen Haaren bewachsene Rücksitz schien völlig leer zu sein.
Hatte er Tagträume? Er schüttelte verwirrt über sich selbst den Kopf und wandte sich wieder der Steueranlage zu. Doch kaum hatte er sein Messer angesetzt, um die Metallpatte, die den Niniti schützte, zu lüften, als er abermals dieses merkwürdige Rascheln und dann das typische Zischeln hinter sich zu hören glaubte.
Irgendetwas schien nach seinem Nacken zu haschen. Er warf sich vom Sitz, riss entsetzt die Tür auf und konnte knapp dem ellenlangen, rosa schimmernden Ding entkommen. Schnalzend zog sich die Schlange, oder was es auch immer sein mochte, hinter ihm wieder zurück.
Er kroch auf allen Vieren über die schwankenden Äste und wäre beinahe hinunter gefallen, als er diesmal sogar zwei von diesen langen, rosa Gebilden nach ihm suchen sah. Er konnte sich überhaupt nicht erklären, wie der Agol zu solch einer ausgezeichneten Abwehranlage gekommen war.
Selbst die vier Jisken unter dem Baum, die einiges an verrückter Technik gewöhnt waren, stoben entsetzt auseinander, kaum dass sie die seltsamen Schlangen gesehen hatten, die von Mal zu Mal länger zu werden schienen.
Nun haschten sie nach Gulmurs Fuß, dann nach seinen Handgelenken und immer, wenn der Trowe mit dem Messer nach diesen dünnen Strippen stechen wollte, waren sie wieder fort, nur um von Neuem, noch länger geworden, hervor zu sausen. Gulmur war noch nie in seinem Leben so schnell von einem Baum hinunter wie dieses Mal.
Als die beiden Strippen schließlich auch noch den Baumstamm bis zur Wurzel hinab wanden, begann Boktafton mit seiner Akramar, die einen Schalldämpfer besaß, einfach auf diese Dinger zu feuern. Das schien ihm notwen¬dig, auch wenn er dadurch den Bauch des Fluggeräts ziemlich stark beschädigte. Dann flitzten die vier Jisken am ganzen Körper bebend davon, hinter Gulmur her, der bereits in die nächste Straße eingebogen war.
„Schade“, meinte Boktafton zu Gulmur, als er diesen endlich eingeholt hatte. „Nun müssen wir wohl unseren Plan aufgeben. Xorr, wir wissen ja noch nicht einmal, wohin der Agol will!“
Zu seiner Überraschung blieb der Trowe plötzlich stehen und dessen kleine, gelbe Augen funkelten sonderbar.
„Ganz verloren ist noch nicht alles, Kameraden!“, knurrte der.
„Wieso? Lass hören, zottiger Weggefährte!“, ermunterten die vier Jisken ihn neugierig.
„Der Agol hatte schon im Niniti seines Molkats die Route gespeichert“, begann Gulmur, „die er fliegen wollte, und ich habe sie mir angesehen ...“
„Und wohin will er?“, fragte Xuraduton.
„Zu einer Tankstelle am Stadtrand. Den Weg können wir auch zu Fuß schaffen.“
„Warum möchte er denn ausgerechnet da hin?“, wollte nun auch Nobajapal wissen.
Die vier Jisken sahen einander verwundert an. „Merkwürdig!“, meinte schließlich Oktikilta. „Wirklich sehr merkwürdig! Wisst ihr, dass der Agol plötzlich ohne Helm durch die Gegend läuft?“
Gulmur zuckte nur die Achseln, denn ihm und seiner Spezies hatte fremdes Klima eigentlich nie besondere Schwierigkeiten bereitet. Sein Volk war sehr robust und konnte sich in kurzer Zeit anpassen.
„Bei Ubeka, ich wage das jedenfalls nicht!“, stieß Boktafton schaudernd aus und die anderen stimmten ihm zu.
„Er war schon immer ein bisschen seltsam, der Agol. Da ist unser Kaskan aber ganz anders!“, behauptete Oktikilta nach einer nachdenklichen Pause.
„Ob wir wohl schnell genug sind?“, gab nun Xuraduton zu bedenken. „Nachher ist er bereits weg!“
„Wir müssen uns eben beeilen!“, knurrte Gulmur.
„Na, dann los!“

Fortsetzung folgt:
 
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Vielen Dank, ihr Lieben für eure Treue. Dazu möchte ich euch sagen, dass ich immer Sonntags und Montags bei Amazon abwechselnd einen Hajepband gratis zum lesen für den Kindl veröffentliche. Es gibt dort einen Kindl für den PC, den man ganz umsonst hierfür nutzen kann. Näheres müsst ihr euch erlesen. Auch sehr hübsche Leseproben mit schönen Bildern gibt es dort von mir. Also, wer Lust hat kann ja da mal reinschauen.
Liebe Grüße an alle


Palifin (12.11.2018)

Und nun geselle ich mich auch noch hinzu. Tolle Fortsetzung und ich hoffe, dass ich bald die nächsten Teile lesen kann.

Marco Polo (09.11.2018)

Auch ich habe mich sehr gefreut, dass es hier weitergeht. Hat sich wie immer sehr schön lebendig und flüssig gelesen. Vor allem mag ich deinen Humor. Der Dialog zwischen Margrit und Oworlotep ist einfach köstlich.

Evi Apfel (03.11.2018)

Danke, danke, danke! Das nenne ich prompte Bedienung. Ich werde mich gleich auf diese Fortsetzung stürzen.

axel (02.11.2018)

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