218


16 Seiten

Das Licht der Hajeps Band 4 / Entscheidungen Kapitel 7 u. 8

Romane/Serien · Fantastisches
© Palifin
Kapitel 7

„Bei Ubeka!“, knurrte Gulmur. „Nun sind der Dieb Georgo und die gelbhaarige Lumanti uns doch wieder entwischt!“ Und er stampfte dabei mit seinem nackten, haarigen Fuß auf den Asphalt der Straße, die sie gerade entlang liefen. „Wir hätten eben doch die gefährlicheren Waffen einsetzen sollen, Boktafton!“
„Mein bester Gulmur, dann wäre aber das Fahrzeug auch futsch gewesen! Ein sterbender Fahrer fährt so ein primitives, menschliches Fortbewegungsmittel meist zu Bruch! Du vergisst immer wieder, wie rückschrittlich diese Spezies ist. Die Fahrzeuge der Lumantis sehen nicht nur sonderbar aus, sie sind auch hochempfindlich und ...“
„Xorr, und was haben wir nun davon?“ Gulmur fletschte die langen Zähne. „Gar nichts. Dieser verdammte Georgo mit seinem jungen Weib lebt immer noch. Die beiden kommen mit diesem Fahrzeug gut voran und wir müssen uns weiterhin zu Fuß abplagen!“
„Gulmur hat Recht!“, meldete sich nun auch Oktikilta. „Ich verstehe das auch nicht, wie die Lumantis es schon wieder schaffen konnten uns zu entkommen!“
„Die sind eben erstaunlich tapfer“, knurrte Boktafton, „geistesgegenwärtig und außerdem hatten wir Pech, weil sie genügend Decken in ihrem Wagen hatten, um damit das Feuer sofort wieder zu löschen. Aber der eine Reifen eierte ziemlich. Wir werden ihnen bestimmt wieder begegnen und ...“
„Ach, mein bester Boktafton und woher willst du das wissen?“, meinte nun auch Xuraduton ziemlich genervt.
„Bist du taub? Dieses eine Auto kann man bei der Stille noch aus weiter Ferne hören und irgendwann einmal müssen sie anhalten und dann sind wir da und locken sie weg.“
„Pwi, erst mal bis dorthin kommen und, xerr, wie willst du das komische Gefährt denn reparieren?“, fauchte jetzt auch noch Nobajapal. „Wir haben keine Ahnung von Menschenautos!“
„Stimmt, bei Ubeka! Ke, Nobajapal, daran habe ich gar nicht gedacht! Aber wir könnten die Lumantis zwingen, das Auto zu reparieren und später könnte es auch einer von ihnen für uns fahren!“
„Zai, bis wir bei denen sind, das dauert alles zu lange. Ich habe eine bessere Idee“, sagte jetzt Xuraduton. „Wie wäre es, wenn wir über unsere Kontaktgeräte einfach die Kameraden zu Hilfe holen würden?“
„Bei Anthsorr, keine schlechte Idee, Xuraduton, doch dann würden die sich natürlich die Schädel der beiden Lumantis holen und nicht nur das, auch die Kostbarste aller Trophäen würden sie uns wegschnappen, den Kopf des Agol.“
„Furchtbarer, schrecklicher Gedanke!“ Die vier Jisken schüttelten verzweifelt ihre Köpfe.
„Ich will den Agol lebendig als Geisel für mich haben!“, rief Gulmur aufgeregt dazwischen. Er zitterte bei diesem Gedanken am ganzen Körper. „Mit ihm kann ich vielleicht meine Familie freipressen. Ich hoffe, dass euch das klar ist!“
„Ist es doch Kamerad, werde doch nicht gleich derart unruhig“, meinte Boktafton sanft. „Aber was haben wir davon, wenn wir zu spät kommen. Das Brummen eines kleinen Fluggerätes kann man bei dieser Stille, die über der Stadt lastet, bis hierher vernehmen und mir ist so, als hörten wir es schon seit einem Weilchen nicht mehr.“
„Stimmt!“, meldete sich Nobajapal. „Schade, dass wir es nicht genügend beschädigt haben, sonst hätten wir es leichter gehabt. Gerumpelt hat es nirgendwo, also ist der Agol leider nicht abgestürzt, was bedeuten könnte, dass er hier in der Nähe gelandet ist.“
„Du hast Recht, Boktafton!“, stimmten ihm jetzt auch die übrigen Jisken zu. „Es ist völlig egal, wer von uns den Kopf des Agol kriegt. Viel wichtiger ist es doch, dass unser Volk diesen grässlichen Herrscher endlich in die Hände bekommt.“
„Nein, das ist es eben nicht!“, knurrte Gulmur noch aufgebrachter. „Ich persönlich habe ein Anrecht auf ihn und zwar lebendig, denn er hat mir und meiner Familie sehr viel Leid zugefügt und niemand sonst hat ihn zu bekommen!“
„He, Kamerad, du verspielst hier wertvolle Zeit“, fauchte Oktikilta. „Was hast du davon, wenn ihn niemand von uns bekommt. Den Agol ohne seine Spezialeinheit zu treffen, ist wirklich eine einmalige Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte.“
„Aber ich denke“, knurrte Gulmur, „eure Geräte sind so defekt, dass die Reichweite stark eingeschränkt ist?“
„Jedes unserer Geräte hat eine andere Macke, Gulmur. Hajeps pflegen immer, die Kontaktgeräte zu zerstören und auch die Ladegeräte. Bei Ubeka, man könnte aber aus unseren vier Geräten ein einziges bauen, das funktioniert und uns schon genügen würde.“
„Seid ihr denn dazu geschickt genug?“, brummte Gulmur missmutig.
„Nun, wir haben da an jemanden gedacht, der dieses Geschick und auch die Kraft dazu besitzt.“
Boktafton und auch die übrigen Jisken warfen nun Gulmur einen unmissverständlichen Blick zu.
Gulmurs Mundwinkel zuckten. „Meine Schule bei Atimok was?“, knurrte er sarkastisch. „Ich weiß nicht, ob jiskische Geräte ähnlich gebaut sind wie hajeptische, außerdem ...“, er machte nun ganz bewusst eine Pause, ehe er weiter sprach und sah dabei der Reihe nach jeden Jisk scharf an, „was springt für mich dabei heraus?“
Ehe sie noch etwas dazu sagen konnten, sprach er zu ihrer Überraschung einfach schnell weiter. „Xorr, ich meine zu wissen, dass sich euer Volk auch Sklaven hält, nicht viel anders als die Hajeps.“ Er schwieg wieder für einen Moment und seine kleinen, gelben Augen blickten dabei trüb. „Trowes genießen bei euch ebenso wenig Achtung. Ihr habt auch einen gottähnlichen Kaiser und ...“
„Kontriglus, wir sollten schnell machen, damit es hier nur so von Jisken wimmelt“, rief Xuraduton auf einmal erregt. „Wir müssen ihn umzingeln! Bei Ubeka, es wird die Hajeps schwächen, keinen Agol mehr zu haben.“
„So ein Unsinn!“, knurrte Gulmur und schüttelte wild seinen klobigen Kopf. „Eure Kameraden haben sich inzwischen bestimmt sehr weit zurück gezogen, denn hier ist nicht ihr Gebiet. Doch ganz in der Nähe befindet sich die Lotekenstadt Askonit“, setzte Gulmur nun mit großer Begeisterung hinzu. „Was haltet ihr davon, wenn wir ein¬fach diese Rebellen herbeiordern. Sie sind auf unserer Seite, sie hassen ebenfalls das Hajepsystem!“
„Diiiie?“, kreischte Boktafton aufgebracht. „Die sind doch auch nicht viel anders als die Hajeps. Weder die Loteken noch die Hajeps gönnen uns irgendein Plätzchen auf dieser Erde. Aber wir werden uns genügend Raum erkämpfen. Ke, warum sollte es nicht möglich sein, dass gleichberechtigt drei verschiedene Völker auf diesem herrlichen Planeten nebeneinander leben könnten?“
„Dazu gibt es aber immer noch zu viele Menschen“, ächzte Gulmur nachdenklich.
„Es sollte doch nicht zu schwierig sein, die Lumantis völlig auszurotten“, meinte Xuraduton. „Bei Ubeka, die sollen sich ja vor Angst verstecken wie die Ameisen, sich bis in die Erde hinein verkriechen.“
„Ja, es ist nicht nur ein dummes, sondern auch ein feiges Volk!“, schimpfte nun auch Nobajapal. „Ich verstehe nicht, weshalb die Hajeps so etwas nicht schon längst restlos vernichtet haben! Xorr, wenn wir den Agol erst einmal haben, werden die Hajeps völlig verwirrt sein. Sie werden nicht mehr so großspurig auftreten, als wären sie etwas Besseres als die übrigen Völker Raik-tai-hotas!“
„Kontrigluisa, sie müssen diese Erde endlich mit uns teilen“, rief Oktikilta begeistert dazwischen.
„Das wollen wir erreichen!“
„Und meine Familie?“, krächzte Gulmur. „Ich will, dass meine Familie frei kommt! Werdet ihr wirklich dafür sorgen, wenn ich euch die Kontaktgeräte repariere? Ich bin nur ein Trowe, niemand sonst kann bei eurem Kaskan für mich ein gutes Wort einlegen als ihr. Werdet ihr das auch wirklich für mich tun?“
„Aber sicher doch, Kamerad.“ Boktafton legte den Arm um dessen breite Schulter. „Weißt ja, du kannst dich auf uns verlassen!“
„Xorr“, rief mit einem Male Nobajapal. „Seht ihr, was ich gerade sehe?“ Sein behandschuhter Finger wies nach rechts zum gegenüberliegenden Bürgersteig. Dort lehnte unter einem herabhängenden Zweig an einem mächtigen Stamm ein altes, aber wohl noch funktionstüchtiges Rennrad.
„Da haben wir also endlich ein Fortbewegungsmittel“, knurrte Gulmur erleichtert, „mit dem wir schon mal ein Stückchen schneller sein könnten.“
„Ja, aber nur eins“, schnauften die Jisken. „Ke, was nutzt uns das?“
Gulmur wollte gerade nach der Lenkstange greifen, um das Fahrrad zu überprüfen, als sein kräftiger Arm festgehalten wurde. „Du willst uns doch wohl nicht davon fahren“, schnaufte Boktafton bedrohlich, „um dir allein die leichte Beute zu holen?“
„Willst du mich einschüchtern?“, knurrte Gulmur und fletschte dabei seine überlangen Zähne. „Wir Trowes sind zwar ein Volk von Vegetariern, aber sowas kann sich durchaus ändern.“ Und er blickte dabei mit seinen gelben, gesprenkelten Augen genau auf jene ungeschützte Stelle von Boktaftons Hals, die unter dem Helm gut zu sehen war. „Das ist mein Ernst“, setzte er hinzu. „Wir haben auf unserem langen Fluchtweg frisch gekochtes Hühnerfleisch genascht.“ Seine Augen blitzten gefährlich. „Es hat uns hervorragend geschmeckt und so haben wir es aufgegessen, ebenso das Scheinefleisch, beinahe noch leckerer, sehr nurrfi!“ Gulmur schnalzte dabei genießerisch mit seiner giftgrünen Zunge.
„Im Ernst?“, rief die Meute erschrocken, schüttelte sich voller Ekel und Boktafton ließ Gulmur sofort los. „Blutiges, wabbeliges, sehniges Fleisch soll schmecken?“
„Es war doch gar nicht mehr blutig!“ Gulmur schluckte, weil ihm plötzlich wirklich Spucke im Mund zusammen gelaufen war. „Es war wunderbar gekocht oder lecker gebraten ... hmmm!“ Und dann schob er das Rad ein wenig vor und zurück. Es schien wirklich in Ordnung zu sein.
„Ke, weißt du denn, wie ein Hühner oder ein Schwein lebendig aussieht?“, riefen nun die Jisken neugierig, denn sie stellten fest, dass sie ebenfalls ziemlich hungrig waren.
„Vielleicht laufen ja noch einige davon hier herum?“ Gulmur machte ein gewichtiges Gesicht. „Ein Hühner ist ein großer Vogel und bestimmt halten sich Lumantis einige davon zumindest außerhalb dieser Stadt, so auch Schweine!“, erklärte Gulmur. „Schweine sind, glaube ich, leckerer, sie sind ohne Fell, rosafarben, aber es gibt auch ganz schwarze, die sind etwas kleiner und schwarz weiß gescheckte ...“
„Nackte Tiere also?“
„Richtig!“ Gulmur schwang sich nun auf das Rad. Das hätte er lieber nicht tun sollen. Etwas braunes, Schlangengleiches würgte ihn plötzlich am Hals und riss ihn zu Boden. Er keuchte, versuchte wenigstens noch ein kleines bisschen Luft zu bekommen und seine gewaltigen Pranken mühten sich gleichzeitig, das gummiartige Tau ein wenig zu lockern, aber vergeblich. Wild hämmerte der Puls in seinen Schläfen und in den Gehörgängen. Er wusste, in wenigen Sekunden würde er erstickt sein.
„Du unterschätzt unsere noch funktionstüchtigen Waffen Gulmur“, zischelte Boktafton erbost, vor dem Gulmur am Boden lag. „Was nützt dein scharfes Gebiss gegen diese hochelastische Tabruka, Gulmur?“ Die Tabruka zog sich dabei noch fester zusammen und Gulmur zuckte, krümmte sich vor Schmerzen. „Du kannst stolz auf dich sein, Gulmur, denn du hältst lange aus. Ein anderer wäre längst erstickt. Du hast einen starken Körper! Aber stell dir vor, wir sind gnädig mit dir.“
Boktafton stellte nun die peitschenartige Waffe mit einer kurzen Fingerkrümmung so ein, dass sie sich etwas lockerte. Gulmur rang jetzt verzweifelt nach Atem, trotzdem bekam er nur sehr wenig Sauerstoff in die Lungen.
„Sei dankbar, dass wir dich nicht alleine wegfahren lassen, denn auch die Waffen des Agol scheinst du gewaltig zu unterschätzen.“ Er lockerte nun die Schlinge so weit, dass Gulmur wieder normal Luft holen konnte. „Kraft ist nicht mehr angesagt, Gulmur! Die Technik ist das, was zählt! Du wirst uns jetzt unsere Ladegeräte reparieren, poko?“
„Poko!“, schnaufte Gulmur, als er endlich wieder einigermaßen denken konnte. „Aber ...“, er krächzte, da die Kehle erst einmal durchblutet werden musste, „... aber das ist euer Fehler, dass ihr zu sehr auf die Technik baut!“ Und er bewegte vorsichtig den schmerzenden Nacken. „Irgendwann sollten wir wieder zurück zur Natur.“ Und abermals drehte und wendete er den Hals.
„Du sprichst sehr lotekisch, Gulmur“, bemängelte Boktafton und ließ die Tabruka sich wieder einrollen. „Dabei haben euch doch unter der Führung Chiunatras sogar Loteken verfolgt!“
„Ja, es ist leider so, dass alles auf die Hajeps hört und Trowes überall verachtet werden“, stöhnte Gulmur und versuchte sich wieder aufzurichten. „Da machen selbst Rebellen keine Ausnahme.“ Endlich gelang es ihm, sich mit trauriger Miene wieder aufzurappeln. „Ich weiß, mein Vater hält nicht viel von Rekomp Chiunatra.“ Er musste sich erst einmal am Baumstamm festhalten, so schwindelig war ihm, aber er hütete sich, dabei das Rennrad zu berühren. „Ich meine, die Hajeps verwirren bisweilen die Sinne der Loteken. Doch ihre Idee, wieder zum natürlichen Leben zurück zu finden, ist einfach gut! Ihr solltet ihnen daher vertrauen und ich glaube, Chiunatra würde inzwischen mir eher Gehör schenken als euer Jefnatin! Nun gut“, fauchte er, „dann werde ich eben eure Ladegeräte reparieren, aber mir ist noch etwas eingefallen, falls euch das interessiert?“
Die Jisken nickten neugierig.
„Hier in der Nähe müssten noch zwei Motorräder mit Anhängern sein, die meine Familie und ich benutzten, als wir von den Hajeps überfallen wurden.“
„Mach dir keine zu großen Hoffnungen Kamerad“, wandte Oktikilta mit wegwerfender Handbewegung ein. „Es ist anzunehmen, dass die Hajeps eure motorisierten Dinger längst zerstört haben.“
„Dem kann auch ich leider nur zustimmen!“, meinte Nobajapal. „Das machen sie nämlich sehr häufig!“
„Ke, ich weiß, war ja nur so eine Idee!“, brummte Gulmur.
„Es sei denn, die Hajeps sind durch irgend etwas Überraschendes davon abgebracht worden!“, bemerkte nun Xuraduton nachdenklich.
„Wo habt ihr sie denn liegen lassen?“, erkundigte sich Boktafton.
„Ich kann euch hinführen, aber wird sich das denn lohnen?“ Gulmur machte ein missmutiges Gesicht.
„Nur nicht verdrießlich werden, Kamerad.“ Boktafton legte den Arm um Gulmurs kräftige Schulter. „Du versuchst, während wir weiter laufen, unsere Geräte zu reparieren und weist uns den Weg zu diesen seltsamen Mo ... Mott ... xorr ... wie heißen die doch gleich?“
„Motorrädern!“, wiederholte Gulmur.
„Ach ja, richtig, Motorrädern den Weg, poko? Nobajapal, du darfst übrigens das Rad schieben!“
„Poko!“, knurrten Gulmur und Nobajapal.
„Und sollte irgendjemandem von uns ein Hühner oder dieses leckere, haarloses Tier auffallen, dann gebt Bescheid, chesso?“
„Chesso!“, erwiderte die Meute und setzte noch laut und kräftig hinzu: „Lang lebe Kaskan Jefnatin, lang lebe das Volk der Jisken!“

#

Munk schleppte sich nur noch mühsam vorwärts. Er war ja so traurig. Die ganze Zeit war er gelaufen, ohne ein Nickerchen zu machen, das doch längst dran gewesen wäre, und hatte darüber nachgegrübelt, weshalb der nach ekeligem Parfüm stinkende, aber sonst immer so nette Zweibeiner ihn nicht ins Auto gehoben und zu seinem alten Frauchen und den beiden kleinen Zweibeinern gebracht hatte. Was war nur plötzlich los? Nichts stimmte mehr!
Die Pfoten taten ihm weh. Ach, wie oft hatte er sich die schon geleckt. Außerdem war er schon wieder hungrig. Aber wie konnte man leckere, trippelnde Quietschebällchen verspeisen, wenn man keine Zähne mehr im Maul hatte? Der letzte, es musste ein dicker, schon etwas verbrauchter Backenzahn gewesen sein, war ihm, als die Sonne noch höher am Himmel gestanden hatte, einfach aus seiner Schnauze gefallen wie ein lästiger Kieselstein. Und Fell hatte er jetzt wirklich gar keines mehr. Er musste sich bei dieser schrecklichen Feststellung erst einmal setzen und dabei kurz über die nackte, schwarz rosa gescheckte Haut lecken. Ach, er bekam dabei einen Schauer vom Kopf bis zum Schwanz. Mauuu! Entsetzlich kalt war es so ohne Fell.
Er erhob sich wieder. Zudem wehte, weil es auf die Nacht zuging, bereits ein recht kühles Windchen. Blätter segelten leise rauschend dicht neben ihm zu Boden. Er blinzelte mit seinen gelben Katzenaugen traurig in die Bäume hinauf. Wo genau befand er sich eigentlich? Er hatte sich zu allem Pech wohl auch noch verlaufen, völlig die Orientierung verloren. Aber er musste doch einen Unterschlupf finden, eine gemütliche Stelle, wo es zumindest ein bisschen warm war, ehe die Nacht herein brach. Eine Nacht grässlich bibbernd im Freien zu verbringen, war eine ganz schlimme Vorstellung. Er schüttelte sich, wie er es immer machte, doch kein Fell knatterte freundlich dabei um ihn herum. Er machte einen Buckel und dehnte und streckte dabei jeden Muskel. Das ging erstaunlicherweise ohne jene Schmerzen, die er sonst immer kannte, und dann gähnte er langsam und sehr gründlich.
„Määäuuh?“, jammerte er nach einem Weilchen wieder, obschon er ganz heiser geworden war. Ach, wo sollte er nur hin? Selbst diese stinkenden Fellwesen wären ihm plötzlich Recht gewesen, denn die hatten doch zumindest eine kleine, tragbare Schlafstätte für ihn bereit gehabt. „Määäuuuh?“, krächzte er deshalb noch lauter und ziemlich schrill durch diese beklemmende Stille. Also, eigentlich war das ja richtig empörend. He, vielleicht fand sich endlich jemand, der ihn hoch nahm, ihn streichelte und ein warmes Deckchen um ihn legte!
Da sah er plötzlich etwas in der Ferne, denn sehen konnte er seltsamerweise auch immer besser, das ausschaute wie ein, na ja, Tier mit langem Schwanz. Sah aber irgendwie seltsam aus! Munk versagte vor Überraschung vollends die Stimme.

Kapitel 8

Pommi vermochte sich das hier wirklich nicht zu erklären, außerdem war es im Flur schrecklich finster. Die verdammten alten Leuchtkörper, ständig gingen sie kaputt! Er hatte aber den Lärm gehört und so tastete seine Hand sicherheitshalber nach den zwei Pistolen, die er im Gürtel trug, während er zögernd durch den Türspalt blin¬zelte.
Das plötzliche Quietschen der Tür und Pommis harte Stimme hatte die beiden dermaßen irritiert, dass sie zusammengestoßen waren und sich nun aneinander festhielten, damit sie nicht hinfielen.
Und wieder empfand der Hajep zu seiner Verwunderung den weichen Menschenkörper als nicht gerade unangenehm. Er machte daher keinerlei Anstalten Margrit loszulassen, hatte dabei sogar die Möglichkeit, dass diese Mülltonnenlumanti gesundheitsschädlich für ihn sein könnte, völlig vergessen. Er bekam lediglich ganz kleine, behagliche Augen.
Margrit hingegen war immer noch am Grübeln, wie sie schleunigst die grässliche Zange los werden konnte, obwohl sie ihre Arme ebenfalls noch immer um ihn gelegt hatte.
„Zened dus!“, wisperte der Hajep, nachdem er bemerkt hatte, wie Margrit hinter seinem Rücken mit ihrer Hand wedelte und schon fiel die Zange leblos zu Boden.
Verrückt, Margrit konnte es nicht fassen. Hatte die Zange etwa wirklich auf ihn gehört? Nein, so was konnte es doch gar nicht geben.
„Danke!“, ächzte sie dennoch erleichtert und dann schaute sie zu ihm empor, direkt in diese seltsamen Augen, in denen sie einen sanften, warmen Glanz zu erkennen glaubte. Aber hier war es ja dunkel und sicher irrte sie sich, und so machte sie sich nur stumm von ihm frei.
Er schaute ihr dabei zu, denn es machte ihm Spaß, wie sie seine schweren Arme nahm und jeden einzeln von ihren Schultern hob.
„Aha, jetzt ist alles klar“, knurrte Pomadenmaxe verärgert und stemmte dabei die Fäuste in die fetten Hüften. „Ein Liebespärchen!“
„Diebesplärrschin?“, wiederholte der Hajep verdutzt.
Anscheinend hatte der Händler ihn nicht gehört, denn der sprach einfach weiter: „Und ihr habt hier ein bisschen herumgemacht, was?“
Die roten, schrägen Augen des Hajeps schauten den Händler immer noch nicht klüger an.
„Und dabei nicht nur meine Klingel sondern auch noch die Beleuchtung lädiert. Na, das hab ich gerne!“
„Do you like that?“, fragte der Hajep ungläubig.
„Ehemaliger amerikanischer Footballspieler, richtig?“ Pomadenmaxes Blick wanderte nun doch ein bisschen anerkennend über die riesige, muskelbepackte Schattengestalt hinter Margrit.
Margrit nickte verwirrt. Na ja, was sollte sie schon dazu sagen.
„He, he“, Pommi kratzte sich nun behaglich an seinem Stiernacken, „und erst hatte ich schon einen kleinen Schrecken bekommen.“ Er grinste breit und sein kleines Schnurbärtchen wölbte sich dabei über der Oberlippe. „Dachte schon, das wäre ein, na, sprechen wir das lieber nicht aus! Tja, so dumm wird man in diesen schrecklichen Zeiten!“
„Tja, richtig dumm!“, krächzte Margrit etwas heiser, denn sie war sehr aufgeregt.
„Aber, auch wenn ihr zwei hier nur ein bisschen herumtanzen wolltet“, plapperte der Händler einfach weiter, „was ihr kaputt gemacht habt, macht ihr auch wieder ganz.“
„Poko!“, brummte der Hajep.
„Netter Kerl!“, raunte Pomadenmaxe Margrit zu. „Ja, ja, die lieben Amis! Na, kommt erst mal herein, dann gebe ich euch Hammer und Nägel.“
Der Hajep nickte eifrig und viel zu übertrieben, wie Margrit fand.
„Äh, wir wollten eigentlich“, Margrit schluckte, weil sie der Hajep jetzt derb in den Raum hinein schob - ob sie dem mal kräftig auf die hochempfindlichen Zehchen treten sollte? „auch etwas eintauschen“, beendete sie ihren Satz.
„Habe nichts dagegen.“ Pomadenmaxe kicherte und die dunkelblauen Wimpern des Hajeps unter der Schirmmütze flatterten deshalb etwas schneller, denn der Händler hatte eine recht merkwürdige Lache. „Na, was habt ihr denn so Schönes?“
„Och, so einiges Interessantes!“, machte Margrit Reklame und keuchte dabei leise, da sie kurz nach hinten, aber leider ins Leere getreten hatte.
„Und wo sind die Sachen nun?“, fragte der Händler und rieb sich in stiller Vorfreude die dicken Händchen. Er musterte skeptisch Margrits heruntergekommene Kleidung und dann suchte sein Blick erstaunt nach den Waren, denn Margrit hatte nichts in den Händen.
„Äh, tja ... wo?“ Sie wendete sich nach dem Hajep um, der gerade von der Tür zurück kam, den Beutel in großem Abstand von sich haltend.
Pommis kleines, rundes Gesicht leuchtete kurz, aber dafür umso erfreuter auf, als er den ziemlich großen Beutel sah, und als der Hajep direkt vor ihm stand wanderte sein Blick höher bis zu dessen Gesicht und er taumelte käseweiß zurück, hatte den Mund geöffnet, brachte aber keinen Ton hervor. Er schnaufte so heftig, während er sich das Herz hielt, als würde er augenblicklich einen Infarkt bekommen.
Der Hajep hatte wohl eben die Tür abgeschlossen, denn nun warf er den Schlüssel spielerisch in die Luft, um ihn anschließend in seiner großen, breiten Pranke wieder aufzufangen.
„Hallo, Ponni!”, erscholl die eigenartige Stimme des Hajeps von oben herab, während er ziemlich interessiert auf den kleinen, dicklichen Mann hinabschaute. „Are you ready?” Der Hajep warf den Beutel in irgendeine Ecke, mit der anderen Hand aber noch immer den Schlüssel hoch und nur dieses Geräusch war zu hören, das Klatschen des Schlüssels in der Handfläche und dann sah der Händler, wie der Hajep nach irgend etwas zu suchen schien, denn der öffnete nun seine Jacke und ein waffenbespickter Gürtel offenbarte sich Pomadenmaxes weit aufgerissenen Augen.
Der Dicke trat jetzt noch zwei, drei Schritte vor dem Riesen zurück, stieß dabei einen Stuhl um und der Hajep stellte diesen wieder ordentlich auf, während er dem Händler geschmeidig wie ein Panther weiter hinterher schlich, dabei das eine oder andere der merkwürdig ausschauenden Dinge an seinem Waffengürtel wählerisch begutachtend.
„Oh, äh, yes, I am … hm … feel good!”, entschloss sich Pommi schließlich, dem Hajep zu antworten und seine Finger arbeiteten sich, wenn auch bebend, zu den beiden Pistolen in seinem Hosenbund vor. „I`m gl … glad to see you, wirklich!“, ächzte Pommi und dann hatte er die beiden Pistolen gezogen.
Als er aufschaute blickte er direkt in die kleine, spitze Mündung eines zu einem Teil aus Metall zum anderen Teil aus Gelee bestehenden, sackförmigen Gebildes, an dem zwei grüne und rote Zellen im Rhythmus von Pommis Herzschlag blinkten.
Der Hajep visierte damit die breite, knubbelige Nase des Händlers an, nickte aber freundlich und wies mit dem Kinn neben sich zur Ladentheke.
Pommis buschige Brauen hoben sich verblüfft. „Okay, okay“, keuchte er, „hab` schon verstanden!“ Und er stolperte mehr als dass er ging hinüber zur Ladentheke und legte die beiden Pistolen darauf.
Er guckte wieder in diese mandelförmigen, roten Augen und erkannte, dass der Hajep den Kopf schüttelte und auf die Leiter neben dem Händler blickte.
„D ... diese hier?“, keuchte der Dicke.
Der Hajep nickte machte mit den Fingern eine kletternde Bewegung und schaute dabei zum Wandbord hinter dem Händler.
„Ach so, sch ... schon verstanden!“ Es quietschte, als der Händler die Leiter vor dem Bord aufstellte. Pomadenmaxe war vor Schreck so taumelig geworden, dass er es kaum die Sprossen hinauf schaffte. Schon entdeckte er den Hajep neben der Leiter.
„Yeah!“, rief dieser, Margrits Beutel dabei scheppernd auf die Ablage werfend. „That`s fine, hä?”
Pomadenmaxe stöhnte, als er die Pistolen endlich oben auf dem Bord hatte. „Oh, äh ... ja! Das ist es! Indeed, indeed!“ Der Händler wischte sich mit fahrigen Fingern den Schweiß von der Stirn
„Der kann deutsch!“, half Margrit Pomadenmaxe. „Lassen Sie sich nichts vormachen!
„Oh ... äh ... der kann?“, vergewisserte sich der Händler, noch immer durcheinander, denn der Hajep schien plötzlich mit dem Einkaufsbeutel von Margrit zu sprechen.
Jedenfalls wisperte er diesem irgendetwas Sonderbares zu und reichte dem Händler, sehr zu Margrits Leidwesen, die Thermoskanne hoch, die Pomadenmaxe ebenfalls auf das Bord stellte.
Kaum hatte der Händler die Leiter wieder zusammengeklappt und in die Ecke gestellt, öffnete der Hajep eine Seite seine sonderbaren, beutelförmigen Waffe, mit welcher er Pomadenmaxe bedroht hatte, packte mit einem Seufzer Pommis Schlüssel hinein, schob sich dicht an ihm vorbei, ergriff mit einer Hand die Leiterund, sagte, „Thanks!“, und klopfte Pomadenmaxe beim Zurücklaufen so schwungvoll auf die Schulter, dass der fasst in die Knie sackte.
Als Pomadenmaxe sah, dass der Hajep sich entfernt hatte, die Leiter irgendwo hinstellte und nun ein Regal gründlich in Augenschein nahm, winkte er Margrit zu sich heran.
„He, der hat mich angeschmiert!“, ächzte er fassungslos. „Das war nur eine Schlüsseltasche. Himmel, ich Idiot habe mich die ganze Zeit vor einer stinknormalen Schlüsseltasche gefürchtet.“
„Die sah aber auch zum Fürchten aus!“, versuchte ihn Margrit zu trösten. „Irgendwie außerirdisch!“
„Irgendwie?“, wiederholte der Händler verdutzt. „He, wissen Sie überhaupt, was das für einer ist, mit dem Sie hier hereingeschneit sind?“ Offenbar hielt er Margrit für völlig ahnungslos.
„Der da?“ Margrit wies mit dem Kinn nach dem Hajep, der sich nun eine der Kisten aus der zweiten Etage hervorgezerrt hatte und darin sehr interessiert herumzukramen begann.
„Oh Gott! Brüllen Sie doch nicht so!“, wisperte der Mann und schaute sich ängstlich nach dem Hajep um.
„Tschuldigung!“, krächzte Margrit schuldbewusst.
„Aber ... hm ... merkwürdig“, Pomadenmaxe fingerte nun eine reichlich zerknautschte Packung Zigaretten aus seiner Hosentasche, während er den Hajep weiter im Auge behielt, der gerade die nächste Kiste hervorgeholt hatte. „Der trägt ja meine Jacke“, stutzte er, „die ich doch so günstig ... aber das ist ja auch meine Schirmmütze“, setzte er wispernd und sehr aufgeregt hinzu. „Das alles muss er wohl heute Vormittag von Freddi gekriegt haben, als ich nicht da gewesen bin, komisch und seitdem ist Freddi weg!“ Er bekam kaum die Zigarette zwischen seine zuckenden Lippen. „Na ja, war ja eigentlich schon immer kein besonders zuverlässiger Bursche, der Freddi!“ Die Zigarette wippte in seinem Mund auf und nieder. „Aber, weshalb trägt der hier keinen Helm, keine Uniform?“ Er suchte nun nach seiner Streichholzschachtel.
Margrit hatte mächtige Gewissensbisse. „Aber, ich trage doch auch keinen Helm!“, mühte sie sich deshalb, ihn irgendwie zu beruhigen. „Und wie ich sehe, Sie ebenfalls nicht? ” Sie versuchte ein zuversichtliches Gesicht zu machen.
Der Händler seufzte und wedelte ziemlich umständlich das Streichholz aus. „Man sieht es Ihnen an, Sie sind viel zu arglos oder ist irgendetwas mit Ihrer Brille nicht in Ordnung?” Er saugte an seiner Zigarette, krauste die buschigen Brauen, während er ihre Brille etwas gründlicher in Augenschein nahm. „Ich habe da übrigens einige ...“
„Nein! Ich trage eine gute, na ja, ziemlich gute Brille!“
„Und wie konnte Ihnen dann das passieren?“, fragte er ziemlich laut und ein Blick wanderte, nachdem er sich vergewissert hatte, dass der Hajep immer noch mit den Kisten beschäftigt war, dabei ziemlich aufgeregt zum Bord hinauf, wo die beiden Pistolen lagen.
„Was? Mir ist doch gar nichts passiert!“, sagte sie ebenso laut und schaute nun auch empor.
„Kommt noch!“, sagte der Händler, verstaute die Streichholzschachtel in seiner Hosentasche und nahm einen Besen, der hinten an der Theke gelehnt hatte. „So was ist typisch für Frauen“, murrte er, während er mit dem Besen zum Bord ging und Margrit mit ängstlichen Blicken signalisierte, dass sie dabei nach dem Hajep Ausschau halten sollte. „Kaum steht etwas Großes und Muskelbepacktes in einem dunklen Flur neben ihnen“, sagte er jetzt so laut, dass der Hajep es hören konnte, „greifen sie zu, ohne richtig hinzuschauen.“ Er hob dabei den Besen hoch, drehte ihn so, dass die Borsten nach oben wiesen. Der Stil zitterte mächtig in seiner Hand. Er warf Margrit einen fragenden Blick zu.
„Ich habe doch gar nicht zugegriffen“, verteidigte sie sich und nickte blinzelnd Pomadenmaxe zu, „der hat mich doch ...“
„Ist doch scheißegal!“, zischelte der Händler hinter seiner Zigarette hervor. „Jedenfalls haben sie mir da etwas Ordentliches einbrockt!“ Und dabei hatte er auch schon die beiden Handfeuerwaffen heruntergefegt und aufgefangen, jedoch nicht die Thermoskanne, obwohl ihm Margrit dies durch Zeichensprache verständlich zu machen versuchte.
„Habe ich gar nicht, denn der wird uns nichts tun!“, sagte sie laut und blinzelte verzweifelt noch immer nach oben, doch der Händler verstand nicht.
„Ach, und woher wissen Sie das so genau? Himmel, diese vielen Spinnenweben“, keuchte der Händler und wollte ihr den Besen nicht geben. Ehe er sich umdrehen und auf den Hajep anlegen konnte, sah er, wie Margrit erbleichte und mit dem Finger nach hinten wies. Schnell steckte er sich auch die zweite Pistole in den Gürtel. Er wendete sich um.
Der Hajep hatte gerade eine Suppenkelle gefunden, mit der er offensichtlich nichts anzufangen wusste, denn er kam damit zurück und schwenkte sie dabei ziemlich unschlüssig zwischen zwei Fingern hin und her. „Hammer is okay?“, fragte er den Händler und die Suppenkelle in der Hand des Hajeps blieb für einen Moment still, weil sein Blick schon wieder auf den Pistolen ruhte.
Pomadenmaxe sah außerdem, dass der Hajep ein ähnlich sonderbares Ding wie vorhin in der anderen Hand hielt. Es erschien Pomadenmaxe wie eine Dose, blinkte und blitzte aber ähnlich wie eine Taschenlampe mit einer schwachen Batterie. Und wieder wusste der Händler nicht, was er davon halten sollte. Seine Augenbrauen zuckten und schließlich begann er hysterisch zu lachen.
„Und diesmal haben wir wohl eine Salbendose?“, quiekste er, zog blitzschnell die Pistolen und richtete die beiden Läufe mutig auf den Hajep. „He, he, noch einmal lasse ich mich nicht foppen!“
Die sonderbaren Augen verengten sich zu zwei schmalen, kleinen Schlitzen und in einem Sekundenbruchteil sauste ein feiner, weißer Strahl aus der Mitte der funkelnden Scheibe hervor, noch ehe der Händler es geschafft hatte abzudrücken.
Pommadenmaxe zuckte zusammen, denn es wurde ihm plötzlich heiß über dem rechten Ohr und außerdem roch es komisch nach versengtem Haar und nun tat es dort auch weh, brannte irgendwie wie ...
„Feuer!“, brüllte Pomadenmaxe nun entsetzt. „Feuriooooh!“ Nur mit Mühe konnte er die kleinen Flämmchen mit seinen Händen ersti¬cken.
Der Hajep schlug indes mit der Suppenkelle mehrmals schwungvoll auf einen Tisch, der in der Nähe stand. „Hammer is shit!“, stellte er fest und warf sie hin. Dann heftete sich sein Blick wieder auf Pommi, der mit verkohltem Haar hinter der Ladentheke stand.
„Äh, that wasn’t a hamm …” Der Dicke schüttelte den Kopf und brach dann ab. Er starrte nur in dieses eiskalte, blauhäutige Gesicht und legte beide Pistolen auf die Ablage. „I thought it`s better to put them into this box, eh … ehrlich!“ Er hielt sich an der Theke fest, so schlecht war ihm geworden, denn der Hajep näherte sich ihm, ihn immer noch mit der verrückten Scheibe avisierend.
„Poko!“, knurrte der nun und nickte zu Pomadenmaxes Erleichterung.
Der Händler hielt sich das Herz und atmete erst einmal tief durch, dann zog er das Schubfach auf und packte die beiden Pistolen dort hinein.
Der Hajep begab sich wieder hinter die Ladentheke, schob den Händler ziemlich derb beiseite und begann zu Pomadenmaxes Verwunderung sich abermals mit den Einkaufsbeuteln zu unterhalten, die noch immer auf der Ladentheke lagen. „Wun sanna!“, raunte der Hajep in einen der beiden Beutel hinein und dann holte er ein kleines, Margrit gut bekanntes, zangenähnliches Gerät daraus hervor und packte es ordentlich zu den Waffen ins Schubfach.
Er befestigte die eigenartige Scheibe wieder an seinem Gürtel, nahm Margrits beide Beutel an je einem Zipfel und schüttete den Inhalt einfach auf die Ablage. Es schepperte mächtig, und der Hajep sah erstaunt zu, wie die Hälfte davon vom Bord fiel.
Der Händler eilte um die Ladentheke herum und bemühte sich, die Töpfe aufzuheben, wohl um dem Hajep zu gefallen.
Wie der Blitz war der Hajep ebenfalls um die Ladentheke herum und knurrte dem Händler auf halbem Wege zu: „Do you want troubel?“
„Oh ... sorry!“ Der Händler war wie erstarrt, hielt die Hand noch immer ausgestreckt, wagte sich weder vor noch zurück.
„That`s mine!“, fauchte der Hajep und fletschte die Zähne wie eine Raubkatze.
Der Händler erbleichte und seine ausgestreckte Hand zitterte.
„Nö, nö!“, mischte sich Margrit erregt ein. „Das ist immer noch meins! Ich habe das alles zuerst gefunden!“
Sie tippte sich dabei energisch an die Brust und der Händler starrte nun, immer noch mit ausgestreckter Hand in der Hocke, völlig entgeistert mal auf Margrit und mal auf den Hajep. „Außerdem wollte dir Pommi bloß helfen und nichts wegnehmen!“, fügte sie noch erklärend hinzu.
Pomadenmaxe schüttelte nun vorsichtig zu Margrit hin den Kopf, biss fast auf die Zigarette und glotzte bang auf den Hajep.
„Pok … okay!“ Der Hajep ging zwei, drei Schritte zur Ladentheke zurück und lehnte sich bequem gegen die Ablage. „He can do it!“
Doch der Händler regte sich noch immer nicht. Er keuchte nur. Verdattert starrte er wieder von einem zum anderen und dann, als er endlich Anstalten machte, zumindest den Topf, der vor ihm lag, zu ergreifen, kauerte sich auch schon die Frau neben ihm hin um zu helfen.
„Ich war immer der Meinung, dass jeder seine Suppe selbst auslöffeln muss“, fauchte sie Richtung Hajep, während sie ebenfalls einen der Töpfe ergriff, „und wenn ihm jemand dabei hilft, sollte der wenigstens Dankbarkeit kennen!“
„Hat keinen Zweck, dass Sie dem das so erklären!“, wisperte der Händler ängstlich, nachdem er auch eine Pfanne auf die Theke zurückgestellt hatte. „Selbst wenn Sie es nicht glauben wollen, der versteht nur ihre Tonlage, aber kein Deutsch!“
„Und ob er Deutsch versteht, nicht wahr?“
Der Hajep lehnte noch immer mit dem Rücken an der Ablage und zuckte mit keiner Wimper. „I don`t know, what you’re talking about“, beeilte er sich schließlich doch, Margrits verärgerten Blick zu beantworten.
„He, du lügst ja richtig!“, fauchte sie und stellte dabei noch ein kleines Töpfchen neben den Hajep auf die Ladentheke.
„Xorr! Hat schonn geloggen jemand falsch?“, rief er ihr über seine Schulter hinweg zu.
Die Augen des Händlers quollen vor Erstaunen hervor. „He, d ... das war ja ein richtiger kleiner Witz!“, keuchte der und dann lachte er erleichtert, leider zu lange, denn er hörte gar nicht mehr damit auf!
Margrit konnte das ja verstehen, denn die Nervenanspannung war einfach zu viel für ihn gewesen und entlud sich nun auf diese Weise.
Nicht so der Hajep. Der hatte zwar das quietschige Geächze zunächst ziemlich interessiert beobachtet, den Kopf dabei skeptisch hin und her werfend, doch dann war er hinter die Ladentheke gewandert, hatte sich den nächstbesten Stift ergriffen und mit diesem bei jedem weiteren Lacher so heftig vor sich auf die Gummiauflage gehämmert, dass der Stift sich dort festgehakt hatte. „Hich!“, rief der Hajep verwundert und versuchte nun den Stift aus der Gummiauflage zu ziehen.
Pomadenmaxe schaute auf, war darüber dermaßen verdutzt, dass ihm der letzte Gluckser buchstäblich im Hals stecken blieb.
„Zukunftisch du nür lacherst zoo langer und lauter wie ich dir befelle, chesso?“, schnaufte der Hajep, während er den Stift wieder aus der Auflage zog und dann einfach hinter sich warf.
„Chesso!“, keuchte Pommi.
Der Hajep nickte beruhigt. „Und nunni wirr gerrn hätten etwas getäuscht - haute!“, erklärte er schon etwas freundlicher und trommelte dabei mit zwei Fingern auf einige der Töpfe.
„Was sagt der?“, wandte sich der Händler erschrocken an Margrit. „Ich muss ihn wohl zu sehr gereizt haben, denn er will mich täuschen und, wenn ich Recht gehört habe, anschließend verhauen!“ Bei den letzten Worten hatte er die muskelbepackten Arme des Hajeps gründlich gemustert, der immer noch die Töpfe der Reihe nach betrommelte.
Margrit kicherte: „Tja, so kann man andere erschracken, wenn man nicht dautlicher sprächt?“
Der Hajep hielt inne, dann runzelte er die Stirn und begann, die Töpfe der Größe nach ordentlich auf der Ablage zu sortieren. Schließlich rieb er sich nachdenklich das tätowierte Kinn, während er all diese Dinge betrachtete. „Kippt alltiss Sprischwörd bei eusch, heißert: Blindis Huhn hat seininn Prreis!“
„Nein! Alles hat seinen Preis!“, korrigierte Margrit ihn, während sie den Zettel hervorholte, auf dem alles stand, was die Spinnen von ihr haben wollten. „Und das mit dem Huhn ist ein ganz anderes Sprichwort, das du damit vermischst hast.“
Der Hajep nickte und dann schaute er den Händler erwartungsfroh an.
„Nun?“, fragte Margrit und machte dabei eine aufmunternde Bewegung. „Wollen Sie uns jetzt nicht bedienen?“
Pomadenmaxes buschige Brauen zuckten nervös. „Be ... bedienen?“, ächzte der ungläubig und seine kleinen Augen huschten wieder verwirrt von einem zum anderen. „Wirklich? Ich meine, in echt jetzt? Aber wozu? Na, egal!“ Er holte tief Atem. „Verrückt zwar, aber warum nicht?“
Er ging hinter die Ladentheke und baute sich nun, wesentlich mutiger geworden, zur Linken des Hajeps auf, während sein Blick begehrlich über das viele Stahl glitt. „Jetzt werden wir hier mal alle vernünftig Deutsch miteinander reden, gelle?“ Er rieb sich die kleinen dicken Händchen.
„Geld!“, knurrte der Hajep und machte ihm Platz.

Fortsetzung folgt:
 
Wenn du registriert und angemeldet bist und selbst eine Story veröffentlicht hast, kannst du die Stories bewerten, oder Kommentieren. Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diese Story kommentieren.
Weitere Aktionen
Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diesen Autoren abonnieren (zu deinen Favouriten hinzufügen) und / oder per Email weiterempfehlen.
Ausdrucken
Kommentare  

Danke ihr Lieben, bald kommen die nächsten Kapitel.

Palifin (10.12.2018)

Da kann ich Marco nur zustimmen, denn auch ich konnte mir einen Kichern nicht verkneifen.

Evi Apfel (09.12.2018)

Eine tolle Fortsetzung, amüsant und spannend zugleich. Wirklich sehr gelungen.

Marco Polo (07.12.2018)

Login
Username: 
Passwort:   
 
Permanent 
Registrieren · Passwort anfordern
Mehr vom Autor
Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma - Kapitel 13, 14, 15 u. 16  
Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma - Kapitel 8, 9, 10, 11 u. 12  
Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma - Kapitel 3, 4, 5, 6 u.7  
Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma - Kapitel 1 u. 2  
Das Licht der Hajeps 6. Band - Zarakuma - Inhaltsangabe  
Empfehlungen
Andere Leser dieser Story haben auch folgende gelesen:
Die Belfast Mission - Kapitel 11  
Falaysia - Fremde Welt - Band1: Allgrizia; Kapitel 11  
Mission Titanic - Kapitel 11  
Das Licht der Hajeps Band 4 Entscheidungen - Kap. 9 u. 10  
Bloß nicht lächeln! (Halloween)  
Das Kleingedruckte | Kontakt © 2000-2006 www.webstories.eu
Counter

Counter Web De