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Das Licht der Hajeps Band 4 / Entscheidungen Kapitel Rest 10

Romane/Serien · Fantastisches
© Palifin
Oha, sie hatte bei der Aufregung vergessen, sich die Bluse wieder zuzuknöpfen! Echt peinlich!
Nun huschte sein Blick - das allerdings betroffen - über die eigene nackte Brust, denn auch er hatte nicht mehr daran gedacht, sein Hemd zu schließen.
Wie tröstlich! „Und nun?“ Margrit errötete, wegen ihrer vorwitzigen Worte und ließ die beiden Beutel wieder sinken. Fast zeitgleich tat er es ihr nach und dann sorgte jeder erst einmal dafür, dass das eigene Hemd geschlossen wurde.
Der Hajep war zuerst fertig, obwohl er sich noch einen weiteren Lutscher aus einem seiner Beutel geholt und und mit seinen kräftigen Zähnen vom Cellophanpapier befreit hatte, doch Margrit fingerte noch erstaunlich lange an ihrer Bluse herum. Verdammt ... hupps ... sie konnte sich nicht entsinnen, dass Knopflöcher schon immer so klein gewesen waren!
Nachdem der Hajep prüfend an dem neuen Lutscher gesaugt und diesen auch für gut befunden hatte, waren zwei Stile zwischen seinen Lippen zu sehen. Er griff sich nicht nur seine Beutel, sondern - ehe, sie sich recht versah- auch noch ihre und bewegte sich auf jene Bank zu, die sich genau in der Mitte zwischen den übrigen Bänken befand, auf denen die Waffen lagen.
„Neutrale Bank, for Waffinschtillstand!“, befand er, kaum dass er sich in diese geworfen hatte, und dann nuckelte er hingebungsvoll an den Lutschern, während er in einen kleinen Bildschirm blickte, den er wie eine Uhr am Handgelenkt trug. Margrit sah auch, dass er seine langen Beine quer über alle vier Beutel gepackt hatte und fand das richtig unverschämt.
Sie taumelte zu dem Hajep hinüber. „Zwei davon sind aber meine!“, zischelte sie zwar mit schwerer Zunge aber doch erbost.
„Nischt mehr!“, erwiderte er folgerichtig, ließ den Ärmel wieder über den winzigen Bildschirm rutschen und betrachtete danach kritisch jenen Lutscher, den er schon über längere Zeit im Munde gehabt hatte, denn der war wesentlich kleiner als der andere. „Isch bin stärkerrer als du„ erklärte er so nebenbei, „und darum sind aller Bautel meine!“
„Also, das ist jetzt wirklich unfair.“ Margrit nahm neben ihm Platz. „Eh ... nur weil ich weniger Muckis habe als du, nutzt du das so richtig aus!“
„Du hast wenigerer Mückis?“ Und wieder betrachtete er ihre Brüste, die er immer noch recht gut sehen konnte, da sie sich die Bluse schief zugeknöpft hatte.
„Das sind keine!“ Sie hielt sich die Bluse jetzt einfach zu. „He Mann, das sind die Dinger da an deinen Oberarmen.“ Sie streckte die Hand aus und tippte auf die betreffenden Muskeln.
Er schaute auf ihren frechen Finger und hielt diesen fest. „Hiat Ubeka, du findest alszo, dass es nischt gut iss, wenn einer mehr Mückis hat als der anderere, weil der anderere weniger Mückis hat, als der, der mehr Mückis hat?“
„Genau!“ Sie zog an ihrem Finger, doch er ließ nicht los.
„Aber isch finde das gut, dass isch mehr Mückis habere als du und was machen wir jitzt?“ Er hielt weiterhin ihren Finger fest.
„Dann hätte ich ja meine Waffen ... upps … auch behalten können!“ Sie griff sich einfach mit ihrer freien Hand den behandschuhten Daumen seiner anderen Pranke. Zu ihrer Schadenfreude zeigte er sich verblüfft.
„Akir“, schnaufte er und zog an seinem Daumen, aber sie ließ genau wie er nicht los. „Du hättest deine Waffin behaltin könnin, hast du aber nischt gemacht. Pech for disch!“, schimpfte er. „Hich, da fällt mir ein, habbe nür nöch einer halbä Stünde zeitick und in diesär müssisch endeschaidänn, ob isch disch nach Zarakuma mitnämme oder ...“
„Nach ... upps ... Zarakuma?“, wiederholte sie entsetzt.
Er ließ ihren Finger los und griff sich stattdessen ihr Handgelenk, fast gleichzeitig hatte er den Handschuh der anderen Hand ausgezogen. „Rischtick!“
‚Verdammter Mist!’, dachte sie. „S ... soll das etwa heißen, wir fliegen wieder mit diesem blö ... äh, seltsamen ...“ ihr war das Wort entfallen, darum zog sie nur stumm an ihrem Gelenk. War ja klar, der ließ nicht los, also wedelte sie hilflos mit dem leeren Handschuh Richtung Tankstelle, wo er das verrückte Fluggefährt geparkt hatte.
Sein Blick folgte dem ihren. „Molkat“, vollendete er ihren Satz und dann zog er Margrit an ihrem Handgelenk so nahe zu sich heran, dass sie ihm tief in die roten Augen schauen musste. „Heißert Zuita!“ Er hatte sich beide Lutscher in den einen Mundwinkel geschoben und konnte deshalb erstaunlich deutlich sprechen. „Ninschinn, du seherst nischt nur schlempisch aus, du bist auch nöch besiffen! Peinlisch vor misch, wenn vor allim die Kaste derr Jastra sehert, was isch nach Zarakuma bringerere. Die Auswirkungsen einis Besuffnis werdin besserer, habe isch gerade über meininn Sochant erfahrinn, wenn man Alkoheul auskötzt.“
„Ach, nein!“, jammerte sie erschrocken.
„Ach, ja ... oderr aberrr du isst etwas, zum Beispielt Brrrot.“
„Das gefällt mir dann schon besser!“ Margrits Magen rumpelte erleichtert.
„Poko!“ Er griff mit der freien Hand in einen der Beutel, brach ein Stück von dem Brot ab, das oben lag und legte es Margrit in jene Hand, die er noch immer gepackt hielt. Nun ließ er sie erst los.
Margrit starrte auf diese knusprig gebackene Kostbarkeit, aber rührte sie nicht an. Sie schluckte nur und ihr Magen meldete sich abermals, denn allzu viel zu essen hatte sie in letzter Zeit bei den Maden nicht bekommen.
„Worauf wartest?“, fragte er unlustig. „Iss entelisch und es würd dir besserer gehinn!“
Sie schüttelte wild den Kopf. „Nein, nein!“, sagte sie jetzt entschlossen, denn sie hoffte trotz allem noch, die Beutel den Spinnen zum Tausch für die Freilassung ihrer Kinder bringen zu können und angebrochene Brote würden die bestimmt nicht mögen.
„Doch, doch!“, knurrte er und die zwei Stile der Lutscher zuckten bedrohlich zwischen seinen - irgendwie erotischen - Lippen.
Der leckere Duft des wunderbaren Backwerks stieg Margrit derart aufdringlich in die Nase, dass ihr die Spucke im Munde zusammenlief. „Aber, dieses Stück ist ja ...“ sie schluckte und legte den Arm über ihren Bauch, in der Hoffnung, der Hajep würde das Rumoren nicht hören, ´viel zu groß` hatte sie eigentlich sagen wollen, aber er kam ihr zuvor.
„Zu klain?“, befand er und legte ihr ein weiteres in die andere Hand, aus der er zuvor seinen Handschuh entfernt hatte.
Oh Gott, sie konnte sich kaum bremsen, nicht gleich beide Brotstücke auf einmal in ihren Mund zu stopfen. „Aber das geht doch nicht, denn wie sieht das Brot jetzt aus!“
„Hm, wie einer anbebochenenes Brot, denkere isch?“ Er holte es ganz aus dem Beutel hervor und betrachtete es von allen Seiten.
Sie kam nicht umhin ihm Recht zu geben. Vielleicht war ja auch der Hunger der Vater des Gedankens, dass sie nachgeben wollte, denn hatte sie nicht von Pommi viel mehr bekommen als die Spinnen verlangten, und das nur, weil der Hajep so unverschämt gewesen war? Bei diesem Gedanken angekommen, hatte sie auch schon das erste Stück Brot im Mund - ach, war das köstlich! Schon kam das nächste hinterher. Der Magen rumpelte freudevoll, angenehme Wärme breitete sich in ihrem Bauch aus. Sie atmete tief durch. Es ging ihr tatsächlich gleich ein bisschen besser. Dann sah sie, dass der Hajep sie die ganze Zeit beobachtet hatte – oh, wie peinlich!
„Pisst serr hungerisch!“, stellte er fest und ein warmes Leuchten huschte über seine roten Augen.
Vielleicht bekam er ja auch Appetit auf solch eine Lumantikost! Das Kerlchen hatte eine neugierige Natur und womöglich gelang es ihr, ihn für eine Weile mit dem Brot derart zu beschäftigen, dass sich eine Gelegenheit für sie fand, sich heimlich davonzuschleichen. Gut, alle Beutel würde sie nicht mitnehmen können, aber vielleicht die Wichtigsten? ‚Wer nicht wagt, der nicht gewinnt’, dachte sie, wenn auch noch ein wenig benommen und schwerfällig. Er hatte eben etwas von einer halben Stunde Zeit gefaselt. Das war nicht gut. Das war sogar ganz und gar nicht gut. Sie musste ihn also erst einmal in ein Gespräch verwickeln. Er schwatzte doch ganz gerne, hatte sie den Eindruck.
„Also ... äh ...“ Sie schob sich das nächste Stück, das er ihr gab, nicht gleich in den gierigen Mund. „Willst du nicht auch einmal probieren?“, und sie wedelte damit dicht vor seiner Nase herum. „Das duftet doch lecker oder nicht?“
„Nicht!“, entgegnete er kühl.
„Nicht?“, wiederholte sie verdutzt. Tja, was machte sie nun? War ja ruckzuck vorbei, dieses mühsam herbei gesuchte Gesprächsthema. Sie sah aber, wie er den einen fast leeren Stil seines Lutschers einfach neben sich Gebüsch ins Gebüsch schnipste – ganz schön unordentlich der Typ - und den anderen, an welchem noch fast der ganze Lolly vorhanden war, in ein Stück Papier wickelte, das er sich zuvor vom Brotpapier abgerissen hatte – also, sparsam war das Kerlchen, das musste man ihm lassen - und sorgsam in dem vordersten Beutel verstaute.
Dann nahm er zu ihrem Glück den Gesprächsfaden selber auf. „Hajeps könnin kaum etwas riechern!“, hörte sie ihn rau und sein Blick wurde trüb.
„Ach nein, wieso?“, fragte sie scheinheilig, denn sie hielt aus dem Augenwinkel schon mal Ausschau nach einem günstigen Fluchtweg. Er schob den Ärmel hoch und blickte abermals in einen kleinen Bildschirm. Ja, sollte er doch, so konnte sie getrost die ganze Umgebung absuchen. Sie wagte aber auch einen schrägen Blick in den Bildschirm. Diverse Brote waren zu sehen und eine leise Stimme verriet dem Hajep wohl, ob Mehl seinem Magen bekommen würde oder nicht. Er seufzte erleichtert und brach sich sofort ein großes Stück ab. Viel zu groß, wie Margrit fand, aber der Kerl war ja schon immer unverschämt gewesen, und so schnell wie der jetzt kaute, konnte es gut möglich sein, dass er das ganze Brot auffraß, noch ehe sie einen klaren Gedanken fassen konnte und gerade die Sache mit dem Denken fiel ihr leider immer noch etwas schwer.
„Ist deine Nase denn verstopft?“, erkundigte sie sich deshalb und versuchte, ihrer Stimme eine Anteil nehmende Tonlage zu verleihen.
Er nickte mit immer noch betrübtem Blick, während er sich schon das nächste Stück in den Mund packte. „Das is nischt die einzicke Alchemie ... hm ... allerdings, allgemein, allwissend ...“
„Allergie?“, half sie ihm.
„Rischtick ... Allergie“, nuschelte er undeutlich, da das Brot seine Backen ausfüllte. Wirklich, der Kerl hatte erstklassige Zähne, das musste ihm der Neid lassen. „Bei Ubeka, je mehr Krankhaiten unsere Wissenschaftler und Ärzte bekämpften, je mehr Allergien, wie ihr das nennert, entstanden pötzisch. Seltsamme Pu .. Pusteln und Schru ... xorr ... Schrundinn quälten zum Beispielt unsrere Haut. Wirr bekaminn zogar Seh- und Hörstörungen. Die Ärzte standinn vor einimm Rääsel und warinn dageginn machtlos!“
Donnerwetter, konnte der aber reinhauen, kaum war der Mund leer, hatte er sich schon das dritte Stück zwischen die Beißerchen gepackt. Sicherheitshalber brach sie sich auch noch ein Stück von dem Brot ab. Naja, vielleicht half das wirklich ein bisschen gegen den Alkohol!
„Oh Gott“, ächzte Margrit, während sie extrem langsam kaute, um ihn darauf aufmerksam zu machen, dass man Brot so viel besser genießen konnte. „Jetzt wird mir einiges klar! Nämlich eure Heiserkeit und das Sprechen durch die Nase, die Atemmasken. Ihr habt also fürchterlichen Heuschnupfen, vielleicht sogar Asthma, nicht wahr?“
„Doch wahr!“ Blitzartig hatte er eine kleine Safttüte in der Hand, die er Margrit ebenso rasch reichte. „Öffnin!“, befahl er. „Du würst es nisch glaubinn, aber wir habbin ähnlisches Immunsystem wie ihr! Unsereres is nüüür im Gegensätz zu eurimm inzwüschen völlig kapelle ... hm ... kapiert ... nein ... Kapsel, Kappung, Kaplan, Kapitel, Kapland?“, zählte er hektisch weiter auf und rieb sich dabei das tätowierte Kinn. „Ha .... kapudding!“ In seinen Augen blitzte es dermaßen erleichtert, endlich das rechte Wort gefunden zu haben, dass Margrit es nicht wagte ihn zu verbessern. Sie hielt sich lediglich die Hand vor dem Mund, damit er das Zucken ihrer Mundwinkel nicht sah.
„Vor allim unserer Schnüpfen“, redete er daher ziemlich ruhig weiter, „worde zo fuschtbar, dass wir wohl einiss Tagiss daraan gestorbinn wärrin, hätte die nächste Generätion nischt drai Nasinnloscher erhaltinn!“
Mann, war das gut, dass er nun etwas trank und ins Schwatzen kam. So konnte er wenigstens nicht mehr so schnell essen. „Erhalten? Wie denn das?“, fragte Margrit möglichst verwundert und reichte ihm die geöffnete Safttüte. Er hatte wieder in seinen Bildschirm geblickt, der wie eine Art Holografie über seinem Handgelenk schwebte. Die Holografie verschwand und er nahm gleich einen großen Schluck. War ja klar, dass er gleich die ganze Safttüte leeren würde, ohne ihr etwas davon abzugeben.
„Du solltest wissen, dass wir eine nach besonderen Kriterien gezüchtete Spezies sind, die ...“
„Huch?“, unterbrach sie ihn entsetzt und ihr Blick fiel dabei auf seine Stirn, wo er ein kleines, pferdeähnliches Motiv tätowiert hatte. „Ihr seid also gezüchtet?“
„Warom Huch? Das is doch gut!“ Seine Hand berührte dabei instinktiv das kleine, grüne Pferd inmitten seiner Stirn. „Isch binne zwar ein Hajep aberr auch ein Olatau und gehörere zu derr Kaste der Jastra!“
„Na, dann könnte man ja gleich irgendwelche Roboter herstellen!“
„Darin könn isch disch berüiginn. Wirr zind leiber, leiber keinä Roboter!“ Er senkte den Kopf und so fielen die vielen kleinen Zöpfchen seines Haarkammes nicht nur über diese Tätowierung, sondern auch über die Augen.
„Aber das wäre doch schrecklich!“
„Denda, denn dann hättinn wir überhäupt keiner Gefülle mehr und somit würdinn wirr auch nischt mehr lebbinn!“ Er warf das Haar auf die andere Seite und nahm noch einen Schluck.
„Na, ist euer Leben denn sooo schrecklich?“ Sie machte ein skeptisches Gesicht.
Da legte er plötzlich wortlos das restliche Brot beiseite und stellte die Safttüte auf den Boden. Er zog sich die Handschuhe aus und ergriff zu ihrer Verwunderung ihre Hand und packte sie zwischen seine Pranken. „Nunni ... was fühlerst du?“
Eisig umschlossen seine Finger die ihren. „Kälte!“, stellte sie fest. Er nahm ihre beiden Hände und legte sie an seine Schläfen. „Hier ist es sehr heiß!“, kommentierte sie. „Und ... komisch“, Sie zuckte jetzt ein wenig von ihm weg. „Hier fühle ich Strom!“ Er nickte und legte ihre Hände zurück in ihren Schoß.
„Anders sind unsere Nerven und anders is unser Blut!”
„Die Hände eines Menschen können auch manchmal recht kalt sein und der Kopf viel wärmer!“, protestierte sie.
„Aber ihr habt nischt derart kalte Hande“, schimpfte er, „und eurer Kopfe sind nisch voller Strom!“
„Das stimmt, eure Finger sind tatsächlich ... na ja ...ein bisschen eisig“, gab sie zu.
„Außerdemm haben Hajeps die Fähigkeit verlorinn Ge .. Gefühle zu entwicklen! Das Volk der Schoughs, von dem wir abstammen, habinn eusch Menschinn heime¬lisch beobachtelt, lange bevor ihr wusstet, dass es Außerirdische gibt, habinn eusch studiirt, zugeschaut, wie ihr eusch gebt, habinn eusch nachgemacht, aber sie habinn nicht das gleiche empfinden können, was ihr empfandet. Die Schoughs waren ein Volk von Wissenschaftlern, deren Läbensinhalt darinn bestand, ferne Galaxien zu bereisen und zu erforschen. So habinn sie auch eure Nachrischten empfanginn, die Radio- und Fernsehprogramme, eure Botschaftinn, die ihr einander zusandtet, und die bis zu ihren empfindlischen Minisonden, wie ihr das nennt, empor dringen konntinn. Sie erfuhrinn dabei viel über eusch und sie nannten euch Lichter! Auch isch und die weisen Gelehrten Pasuas wollten wissen, wer ihr Menschinn seid. Anfanglich gefielet ihr mir serr, doch dann merkte isch, dass Lumantis zwar lachinn könnin, aber sie lachinn selten miteinander, viel eher anderere aus. Sie könninn zwar weininn, aber sie wei¬ninn nur über sich selbst und kaum ernsthaftig um andere. Sie sprechin vonne Mittelheit ... Mitteid, orrn ... Mit¬kleid ... Mitleid ... kontriglus! Aber richtick helfinn tun sie einander trotzdäm nisch! So kam Pasua zu dem Ergebnest ... niss, dass die Menschinn mehr lügen als wir, denn sie gebrauchinn schöne Worte, mit denninn sie hässliche Dinge tun. Auch wissen Menschinn offinbar nicht, wie abhänglig man ist von einander.”
„Das heißt abhängig!“, verbesserte sie ihn. „Du hast das mit anhänglich durcheinander gebracht.“
Er fuhr trotzdem fort: „Alzo, wie abhängig man auch ist von seinem Land, wie abhängig man auch ist von zeiner Welt, von samtelicher Natur, die man zu schutzen hat, damit sie einen schutzt!“
„Sehr richtig!”
„Aber, was habt ihr getan?” Er schaute ihr plötzlich zornig und erbarmungslos in die Augen. „Ihr habt eure schönne Natur, so etwas Kostbares, was nicht jeder Planet besitzt, schlescht behandellt. Sie rächte ziich. Es gab viele Naturkatastrophinn. Ihr hättet die Erde vollig zerstört, wenn wir nicht gekommen wären! Seid ihr wirklich die Lichter, von dennen ainst die Schoughs gesprochen hatten?“
Margrit schnappte nach Luft. Sollte sie dem Feind sagen: Ja, tötet uns, denn wir Menschen haben in den letzten Jahrtausenden nichts als Kriege geführt, weder aufeinander noch auf die Natur Rücksicht genommen! Das konnte sie nicht. Dann war ja alles verloren!
„Äh, das sind kluge Gedanken!“, stieß sie leise und ziemlich kläglich hervor. „Aber ich glaube, ihr habt noch keinen von uns Menschen wirklich näher kennen gelernt, sonst würdet ihr nicht so schlecht von uns denken!”
„Is es denn schlescht? Sind Gene schlescht? Das sind eure Gene! Ihr wolltet immer mehr und mehr habbin. Es war nie gennug. So seid ihr! Es is im Gründe nur zo, wie es is! Mehr nischt!”
„Aber unsere Gene geben uns die Möglichkeit uns zu verändern!“, beharrte sie unter Tränen. „Wir hatten keine Chance, weil ihr gekommen seid!“
Er ging nicht darauf ein. „Was is gut, was is böse?“, fuhr er nur weiter fort. „Leischte, kürze Frage, doch langer, schwererer Antwört, nisch wahr?“ Er betrachtete nun nachdenklich seine verkrüppelten Klauen. „Hajeps zum Beispielt sind gut, mit den Augen ihres Volkes besähinn, jedoch böse mit deninn der Menschin! Naah? Du die Antwört weißt?“
Seine seltsamen Augen verankerten sich in ihrem unsicheren Blick. Sie funkelten und glitzerten dabei. Er schien genau zu wissen, was er da fragte und erwartete totsicher eher ein verwirrtes Gestotter als eine vernünftige Äußerung.
„Die Antwort erscheint mir ebenso kurz wie die Frage!“, sagte sie bedachtsam.
„Kurz?“
Margrit glaubte, eine amüsierte Ungläubigkeit aus seiner Tonlage herauszuhören. „Wenn ich alles Leben mit Respekt behandele, bin ich gut”, fuhr sie dennoch mutig fort, „und ich bin böse, wenn ich es aus Spaß zerstöre!“
Sein Gesicht zuckte boshaft. „Nein, allis lebt nach dem Gesetz der Stärke und Macht!” Er breitete schwärme¬risch die gewaltigen Arme aus. „Macht bedeutert Energie, Macht is das Lebinn!“
Hatte sie zuviel Brot gegessen oder was? Ihr war jetzt wirklich schrecklich übel!
„Und zo is Tama, die Natur, das Lebinn! Zo wollinn es die Gene! Wer gesiegert hat, darf tötinn, darf herrschinn und tun, was immer er will. Die Stärke hat über die Schwäche zu siegern, das alleinig ist der Sinn!“
„Tama?“, unterbrach ihn Margrit nachdenklich. „Ich habe gehört, eure Gesetze wären grausam?”
„Xorr, so müssen sie sein, sonst wäre unsere Spezies für immer verlorinn. Wir habinn zu große Aggressionen und dazu leider eine zu hohe und zu gefahrlische Technik. Ein Fehler darinn nür und die größten Katastrophen könnetinn passieren. Nischt nür unserer Maschinen, auch wir selbser mussen perfekt funktionieren! Darum brauchinn wir Gesetze Tama, wenn wir gegeneinander Kriege führinn. Unsrere Waffinn könntinn verheerender Auswirkungen habinn auf weite Strecken des Alls.” Er schluckte. „Ganze Galaxien würden womöglisch dadurch zerstört werdinn, verstehst du?”
„A ... aber warum führt ihr dann überhaupt Kriege?“ Sie war ziemlich wütend, denn eben noch hatte sie sich dafür geschämt, ein Mensch zu sein, aber die hier waren ja noch viel schlimmer!
„Essiss ein Spiel!“
„Ihr sp ... spielt, indem ihr tötet?“, entfuhr es ihr fassungslos. Oh, sie war so wütend, dass sie ihm am liebsten an den Hals gesprungen wäre.
„Rischtick! Xorr, zunächst spieltin wir nur in einer künstlich erzeugtinn Welt, indem wir vor dem Computer saßen, doch unsere Gliedmaßen verkümmertinn. Also tatinn wir das auf rein sportelischer Basis, idem wir entsprechende Geräte dazu erhieltinn! Doch du kannst nischt immer nur spielen und spielen und spielen ... du willst das Ganze entelisch real habinn! So weitete sich das irgendwann einmal in kleinere Kriege, zunächst gegen Nachbarplanetinn, aus, was dann eines Tages doch in einen ganz großen Krieg mit diesen Völkern mündete! Gesetze, von uns Tama genannt, retteten uns schliesslisch davor, nischt nur uns selbser sondern auch die Völker Raik-tai-hotas völlisch zu zerstörinn!“ Er hielt beinahe andächtig inne. „In einem gewissen Zeitabstande im Laufer des Tages lobinn und preisinn wir darüm Ubeka, unsere Göttin der Natur, die Wächterin über `Tama´, weil uns das vor Augen führen soll, wohin wir kommen könntinn, wenn wir den strengen Gesetzen nischt gehorschten!“
Margrit lachte ungläubig. „Aber was ist das für ein verrücktes Spiel, wenn der andere völlig unterlegen ist, so wie wir? Das ... das ist doch nicht fair?“
„Wassis schon fair!“, schnaufte er verächtlich. „Ubeka, die Natur will die Ausbreitüng der stärkstinn Gene, weiter nischtz! Außerdäm wolltin wirr schon langer eurer Erde habinn!“
„Aber, warum?”
„Essis einer winderbarerer Planet mit solsch einer abwechslüngreischen Botanik wie nirgends. Außerdemm lastet ein Geheimness auf eusch! Es gibt Saginn, Geschichtinn über eusch und eure Entstehung, welche die Schoughs auf ihren Reisinn seit Ewigkeitinn herumerzähltinn! Einige haltinn diese for wahr, anderere wiederüm nischt! Wie es eben immer zo is! Wir alle sind Spieler, wir haben eine neugierige Veranlagung! Und dieser Charaktererzugg is wohl der Gründ, dass wir trotz unserer hohen Technick noch lebinn konntinn und könninn!“
„Ist das denn so schwer?“
„Aba zischer, wir habinn allis, was wir nür wollinn. Es gibt nischts, was man sisch noch wunschinn könnte. Wir habinn keiner Ziele, keiner Ideale, verstehst du, um eininn Sinn in unserem endlos langimm Lebinn zu sehinn! Nüür wenn wir andere besieginn, könnin wir for eininn kurzinn Moment gültig ... hm ... günstig, güldisch ... gückisch?“
„Meinst du vielleicht glücklich sein?“
„Akir, es gillt, eininn Schätz ... hm ... Schatz auf euerer Erde zu findinn, den Schatz der Schoughs, denn dieses Volk ist schon seit vielen Jahrinn ausgestorbinn, durch welschinn wirr entelich glücklich werdinn könntin!“
„Oho!“, quiekste Margrit ungläubig. „Die Erde ist groß. Auf welche Weise wollt ihr ihn finden?“
„Mit Hilfe von Danox!“ Seine Augen blickten sie mit einem Male seltsam an.
„Danox?“ Sie wich seinem prüfenden Blick aus. „Kenn ich nicht!“ Und dann lenkte sie rasch ab. „Was es doch immer wieder für verrückte Geschichten gibt, aber wenn man Glücksritter ist, lohnt es sich vielleicht, irgendwie danach zu suchen.”
„Zisch ... sicher, wenn dir jediss Probläm abgenomminn würd, musst du dir halt welsche machinn, moglichst welsche, die dir nischt mehr abgenomminn werdinn könninn, damitte du selbser etwas zu tun bekommest! Damitte das Leben wenigstinns irgendeininn Sinn for disch bekomminn hat!” Er atmete tief durch. „Ställchen dir vor, diesis Geheimnes konntinn nischt einmal die bestin Kasuks, heissert Computer bei euch, bisher lösen!”
„Und wenn nun die Jisken und Loteken das gleiche wollen?“
„Warum nischt? Tama sagt uns: Krieg is Spiel, ein Spiel mit dem Tod! Ubeka, die Natur, erlaubt diesis Spiel. Es trainieret uns alle, wenn wirr bei diesem Spiel überlebinn und es gibt uns somitte die Stärke zum weiterläbinn!
„Meinst du wirklich, dass der Sinn allen Lebens der ewige Kampf ist?“
Er nickte sehr eifrig und sie schüttelte den Kopf.
„Schau dich um“, sagte sie leise und sanft. „Auch du besitzt Augen, mit denen du die Kronen dieser uralten, hohen Bäume oder diese nachtschwarzen Wölkchen, die wie kleine Schiffchen hinter den dunklen Zweigen dahinsegeln, genießen könntest! Auch du hast eine Haut, mit welcher du den Abendwind, diesen erfrischenden Hauch verspüren kannst. Wenn das Volk der Hajeps in diesem Strudel des stetigen Kampfes einfach stehen bleiben und dies alles genießen würde, könnte es aufhören zu kämpfen, die Ruhe genießen und glücklich sein“, krächzte Margrit leise, „denn die Ruhe gehört zum Leben wie der Sand, über den ihr lauft! Dieser Sand kämpft nicht, er gibt sich einfach nur dem Wasser und dem Wind hin.” Sie sah ihn dabei sehr warm an. „Du hast Teile des Sandes dieser Erde in dir, aber auch die Teile der Pflanzen deiner Welt“, sie tippte ihn dabei an die Brust, „und auch Teile von uns, obschon das nicht zu erklären ist und du es vielleicht nicht wahrhaben möchtest, denn dein Volk ähnelt dem unserigen. Das alles ergibt einen Sinn, findest du nicht?”
Er hatte seinen rätselhaften Blick noch immer nicht von ihr gelöst. Margrit wusste nicht, was sie davon halten sollte. War er wütend oder gar verstört, oder war er einfach nur etwas nachdenklicher geworden?
„Okay!“ Sie war von der Bank aufgesprungen. „Wir treffen uns morgen Mittag wieder an dieser Stelle und diskutieren dann weiter über dieses wirklich interessante Thema!“ Schon war sie an ihm vorbei, um die Bank herumgelaufen, hatte sich die wichtigsten Beutel gegriffen und wollte gebückt weitergehen, da hier ein Busch seine Zweige weit ausgebreitet hatte, als sie hörte, dass auch er aufgesprungen. Leider kam sie nicht rasch genug vorwärts. Dummerweise hatte sich ein Zweig in ihrem Haar verfangen und dann spürte sie von hinten seine Hände, die sich fest um ihre Finger schlossen. Sie blickte erschrocken nach hinten. Die Glut in seinen Augen war noch nicht verglommen, ganz im Gegenteil leuchtete es dort umso mehr.
„Du gehst nicht!“, knurrte die eigenartige Stimme dennoch ausgesprochen ruhig, sehr deutlich und grammatikalisch völlig richtig.
„Aber das ist doch unlogisch”, brachte sie geistesgegenwärtig hervor, „du bist ein Mann mit Verstand und das müsste dir daher auch einleuchten!”
„Was ist hier unlogisch?“, fragte er sanft, doch sie spürte sehr wohl, welche Mühe er hatte, sein Temperament zu zügeln.
„Na, mir erst eifrig zu helfen, die vielen Waren von diesem Pommi zu erhalten“, wisperte sie, „wenn ich damit gar nicht fort darf!” Das fand sie recht schlagfertig und so krümmte sie ihre Finger umso fester um die Henkel der zwei Beutel.
„Spaß bedarf keiner besonderen Logik!“, konterte er kühl und lockerte seinen Griff nicht.
Verdammt, sie hätte ihn nicht dauernd unterrichten sollen, denn wenn sie so weitermachte, würde er ihre Muttersprache bald besser beherrschen als sie selbst.
„Es ... es war alles nur ein ... ein Spiel?“, keuchte sie atemlos und auch sehr vorwurfsvoll.
„Selbstredend!“, erklärte er. „Und ich hatte viel, sehr viel Spaß dabei! Spaß ist wichsig.”
Sie konnte nicht umhin, ihm nun doch ihr hämischstes Grinsen zukommen zu lassen und verbesserte ihn auch nicht.
„Hm ... wichtig!“, korrigierte er sich leider selbst. „Sowohlig .. quatsch, sowohl für die geistige als auch für die körperliche Gesundheit.”
„Du hast die seelische vergessen!“, warf sie ein, ließ aber immer noch nicht die Beutel los.
„Es gibt keine Seele!“, kommentierte er und drückte ihre Finger ein bisschen. „Es gibt nur ein Gehirn, das sterben kann.“
„Ja, das meinst vielleicht du”, ächzte sie, denn es tat recht weh. „Aber ich sage, es ist nur ein organischer Computer, den unsere unsterbliche Seele steuert, sofern dieser Computer keinen Schaden hat und der Seele die falschen Befehle sendet.“
„Ninschinn“, brummte er jetzt fast feierlich und verstärkte den Griff. „Du hast nur eine Meinung, isch aber weiß es!“
„Aaach ... auooooh! Und woher? Du kannst mit deinen Augen doch auch nur begrenzt sehen, selbst wenn du ... aaargh .... durch das beste aller Mikroskope blickst! Es ist dein organischer Computer, mit dem du dieses Leben erfassen kannst und ...“
Er sagte nichts, quetschte ihr dabei aber so sehr die Hände, dass sich ihre Finger ganz automatisch öffneten. Donnerwetter hatte der vielleicht eine Kraft in diesen hässlichen, verkrüppelten, dämlichen Pranken!
„Keeh, wer am besten von uns beidinn dieses Spiel beherrscht wird heute gewinnen!“, sagte er lüstern.
Verdammt, sie hätte ihm eine scheuern können! Denn was sollte das jetzt? Sie hatte längst losgelassen, doch er behielt weiter seinen dummen und blöden Griff um ihre Finger bei. „Darum setz dich Ruuig ... hm ... ruhig sehr schön und nett wieder neben misch hin!“
Gott sei Dank! Er ließ sie endlich los ... boah! Sie schüttelte die immer noch schmerzenden Finger aus und fuhr leise ächzend mit dem Oberkörper wieder hoch. Sie zerrte die mit Blättern verwickelte Strähne mit einer unwirschen Geste vom Ästchen, bog ihr steifes Kreuz durch und nahm dann widerstrebend neben ihm Platz.
„Nanu?“, ächzte sie, denn sie merkte plötzlich, dass ein kleiner, glänzend schwarzer Käfer in ihrem Haar verblie¬ben war.
Sie holte ihn geschickt mit ihren schmalen Fingern aus der Haarsträhne, die sie sich ins Gesicht gezogen hatte und ließ ihn dann in ihre Handfläche fallen, um ihn genauer zu betrachten. „Ist er nicht schön?“, rief sie verzückt aus.
„Nurrfi, nurrfi!“, bestätigte er Kopf nickend. „Was is das for eine Sorte?“
„Keine Ahnung ... hi, hi, wie das kitzelt!“, quiekste sie, denn schon krabbelte der Käfer in Margrits Handfläche herum.
Der Hajep zog, wohl sehr neugierig geworden, wieder die Handschuhe aus. „Gib ihn miir!“, befahl er. „Ich will, dass der auch bei mir kizzellt!“
„Ich weiß nicht, ob er das will!“, meinte Margrit nachdenklich. Der Käfer hielt indes auf Margrits Fingerspitze an, stellte wohl fest, dass er da zu Fuß kaum weiterkonnte. Eiskalte Fingerstumpen griffen einfach zu. „Huch, nicht so doll!“, rief Margrit erschrocken. „Du musst vorsichtig sein.“
„Bin isch ja!“, fauchte er und legte den kleinen, schwarzen Kerl in seine Handfläche, auf dass er krabbeln sollte wie bei Margrit, doch der regte sich nicht. Der Hajep gab dem verstörten Käfer mit dem Finger einen kleinen Schubs, damit er endlich lief, aber der verharrte nun erst recht. Nun stupste er den Käfer abermals an, jedoch etwas härter.
„He, du solltest nicht so ungeduldig sein!“
„Ach nein?“, fragte er, denn der Käfer hatte bereits einen weiteren derartigen Schubs erhalten, dass er auf den Rücken geplumpst war und nun kläglich mit den Beinchen zappelte.
„Weißt du, du musst dich nur in die Lage des Käfers hinein versetzen!“
„Muss isch das denn?“, krächzte der Hajep unwillig. „Xorr“, setzte er wütend hinzu, denn der Käfer krabbelte nicht weiter, obwohl er ihn zurückgedreht hatte. „Boldona! Maststück, dammeliges!“ Und er schob ihn einfach auf seiner Hand vorwärts.
„Bleib doch bitte ruhig, ja?“, ächzte Margrit.
„Bin isch ja!“, brüllte der Hajep. „Käfer nur kack is!” Seine Augen wurden wieder zu kleinen, gefährlichen Schlitzen und er legte eine Pranke über die andere.
„Was hast du vor?“, rief Margrit deshalb erschrocken.
„Xorr, isch mache nur dem Käfer ein wenig Axt ... Arzt?“
„Angst?“
„Rischtick. Ke, ke!“, zischelte er zufrieden. „Jeder muss tun, was auch immer isch will! Hinji!“, wisperte er dem Käfer zu und rollte dabei hämisch mit den Augen. „Kontriglus, so haben wir wohl nicht gewettettet, chesso? Nunni würd es immer änger und änger“, seine Augen leuchteten weiterhin grimmig, „in diesem Handschinn ... Häändchen!“ Er rollte die beiden Pranken nun zähnefletschend zu einer einzigen Faust zusammen, bis es knirschte.
Margrit machte ein entsetztes Gesicht. „Ich hoffe, du hast ihn jetzt nicht ...“ das Ende des Satzes war nur ein leises Keuchen.
„Geketscht?“, vollendete er zögernd ihren Satz.
„Ja - nein ... gequetscht meinte ich eigentlich!“, erklärte sie.
Er hielt nachdenklich den Atem an und musste schlucken. „Das meinte isch eigentlich auch!“, erwiderte er gedehnt, während er nicht ohne Skepsis seine beiden zusammengeballten Pranken betrachtete. „Nunni?“
„Was ... nunni?“
„Nunni is nischt schlümm, toter Käfer kommt in meine Sammlung!“ Er beleckte sich ziemlich nervös die blauen Lippen.
„Sammlung?“, keuchte sie. „Du sammelst tote Käfer?“
„Akir … und Köpfe!“
„K ... Köpfe?“ Oh Gott, warum war ihr nur schon wieder kotzübel?
„Naja, fängt ja auch beides mit ´K` an!“, versuchte sie sich zu trösten.
„Aber nür, wenn ... saginn wir, dass dieser Käfer ... sowas kann doch sein, dass er nischt mehr sein kann, chesso?“ Er blickte sie irgendwie hilflos an.
„Puh ... tja … öffne doch einfach mal die Hände!“, verlangte Margrit sehr gefasst.
„Soll ich würgelisch?“, ächzte er mit großen Augen.
Sie nickte beklommen.
„A - akir!“ Vorsichtig und mit immer länger werdendem Gesicht öffnete er seine beiden entsetzlichen Pranken. Drinnen lag der kleine Schelm jedoch unbeschädigt. Der Hajep wollte schon aufatmen, aber da bemerkte er, dass der Käfer die Beine steif an den dicken Körper gezogen hatte. Er regte sich nicht mehr. Zögernd tippte der Riese ihn an. „Tot!“, keuchte er und dieses Wort klang überraschenderweise enttäuscht, fast erschrocken. Er hob den Blick, sah jedoch Margrit dabei nicht an, streckte ihr die Arme mit dem Käfer entgegen. „Kontriglus, da siehst du“, sagte er und sie glaubte, ein feines Zittern in seiner Stimme zu hören, „wie es uns Hajeps geht. Hier“, er kam mit seinen mächtigen Pranken Margrit noch näher, „ist der Beweis, dass wir einzick dafor geborinn wurden, zu töten. Siehst du, kein Lebinn kann sich in diesen Händen halten. Wir habinn keine Seele. Das“, er schloss seine rätselhaften Augen und krächzte sehr langsam, „ist unser Programm, nach dem wir alle funktionieren, Hajeps und alle anderen Völker Raik-tai-hotas kenninn deshalbig nür ein Ziel: Die Frai ... Freude am Tod des Besiegten!“
Margrit schüttelte wild den Kopf. „Ach, ist ja gar nicht wahr!“, fauchte sie energisch. „Auch du könntest dein Programm unterbrechen, ein anderes aufrufen oder neu erfinden, würdest du es wirklich wollen. Ihr könntet alles verändern. Mit Hilfe eurer enormen Technik, eurer Forschung ist euch viel mehr möglich als es für uns Menschen jemals gewesen ist. Der Sinn allen Lebens ist nicht der Tod sondern die Freude an allem Leben!“ Und sie ergriff seine kalten Hände, umschloss sie mit den ihren und hauchte den kleinen Käfer mit ihrem warmen Atem an. „Ich will es“, sagte sie dabei leise, „will das Leben, alles zum Guten verändern“, und sie gab nicht auf, hauchte immer wieder in diese Kälte hinein und der Feind spürte die Wärme, sah mit großen Augen dabei zu und plötzlich geschah es! Der Käfer bewegte zuerst nur ein Beinchen, aber schon bald folgte das nächste und dann regten sich auch die Fühler! Schließlich war er völlig aus seiner Kältestarre erwacht, drehte sich herum und trippelte in der erwärmten Handfläche des Hajeps umher, der nicht wagte, sich zu rühren, und er kletterte hinauf bis zur Spitze seines verkrüppelten Daumenstumpens. Dort verharrte er einen Augenblick, war ganz ruhig und voller Vertrauen und dann breitete er weit die Flügel aus und mit einem Male hatte er sich erhoben und flog dem Abendlicht entgegen.
Blinzelnd schaute der Feind ins Licht, dem Käfer hinterher. „Lumantis!“, sagte er. „So habinn eusch die Schoughs vor etwar achtzigtausend Jahren genannt. Ihr Menschin seid würklich Lichter! Und wir Hajeps sind wie diesere Käfer. Wir sind gekammen, weil wir uns von eurem Licht und eurerer Wärme angezoginn fühlten.“

Fortsetzung folgt:
 
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Kommentare  

Schon gut, ihr Quengeltassen, ich leg`ja gleich nach.

Palifin (19.12.2018)

Ein wunderschönes Kapitel teils witzig, teils aber auch nachdenklich machend und jetzt die nächsten Teile, bütte? (Ganz lieb guckt)

Evi Apfel (19.12.2018)

Dem kann ich mich nur anschließen. Das war ja viel zu wenig.

Marco Polo (18.12.2018)

Danke, Danke, aber auch das habe schon verschlungen. Wie geht`s weiter?

axel (18.12.2018)

Hier ist ja schon das nächste. Jedenfalls der Rest, ihr neugierigen Hasen.

Palifin (17.12.2018)

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