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Das Licht der Hajeps Band 5 / Unglaubliches/ Kapitel 1 und 2

Romane/Serien · Fantastisches
© Palifin
Kapitel 1

Margrit mochte nicht genauer diesen blutigen, zermatschten Ball betrachten. Erstaunlich große Gesteinsbrocken ruhten in den dichten Zweigen des Vogelbeerbusches, an welchem sie noch immer klammerte. Die hatten sie davor bewahrt, erschlagen zu werden. Nun ächzte er ganz erbärmlich unter der ungewohnten Last und neigte sich bereits gefährlich immer tiefer hinab.
Es war Margrit nicht möglich loszulassen! Da gewahrte sie etwa einen Meter unter sich an der Felswand einen Felsvorsprung. Er war etwa einen Meter breit. Sollte sie jetzt loslassen? Was war, wenn sie ihn verfehlte? Oder wenn sie beim Aufprall auf diesen nach hinten kippte? Vermochte sie dort, die Balance zu halten? Sie atmete tief ein, schloss die Lider und öffnete die Hände!
Sie hatte die Augen weit aufgerissen, kaum dass sie den harten Felsen unter ihren nackten Füßen spürte. Doch dann kippelte sie, ruderte mit den Armen und fiel nach vorn! Normalerweise wäre sie jetzt mit Kopf und Schultern gegen die harte Felswand geprallt, aber vor Margrit befand sich gar keine Wand, sondern nur herbstlich vertrocknetes Buschwerk, das an allen Enden knicksend und knacksend ihrem heftigen Stoß nachgab. Margrit sauste der Länge nach in einen dunklen, höhlenähnlichen Spalt hinein.
Keuchend blieb sie dort für eine Weile liegen. Fast gleichzeitig hörte sie, wie eines der Trestine nun direkt über dem Abgrund schwebte. Das andere schien sich inzwischen wieder auf den Heimweg zu begeben. Das riesige Felsloch war von dem eigenartigen Summen des Trestines erfüllt.
Die Hajeps im Inneren des Schiffes riefen wohl einander aufgeregt etwas zu. Wortfetzen drangen aus den geöffneten Fenstern bis zu Margrit hinab. Sie meinte dabei Diguindis sanfte Stimme herauszuhören und hatte das Gefühl, er würde alle beruhigen wollen.
„Tschüß, Diguindi!“, wisperte sie jetzt und dann zog sie vorsichtig erst den einen, dann den anderen Fuß in die Höhle hinein, richtete sich auf den Knien auf, drehte sich zum Höhleneingang herum und zupfte von innen mit zitternden Fingern die herab hängenden Zweige und Ästlein wie einen Vorhang zusammen, so dass es aussah, als wäre hier nie jemand hindurch geschlüpft. In der Höhle war es furchtbar eng. Vor allem war sie sehr niedrig.
Nur weil Margrit so mager war, konnte sie sich genügend ducken und überhaupt bewegen. Vorsichtig spähte sie wieder durch die Zweige hindurch nach draußen und entdeckte, dass das hajeptische Trestin inzwischen ein etliche Meter langes, schlauchartiges Gebilde in den Abgrund hatte hinab ¬gleiten lassen. Das Gerät schnüffelte mit seiner rüsselartigen, trichterförmigen Schnauze zwischen all den herabgestürzten Felsbrocken.
Es bewegte sich dabei wie ein riesiger Regenwurm, grub sich dann und wann tief ein und kam nach einem Weilchen wieder schnaufend und prustend hervor. Nun tastete das Ding die Felswände ab, stöberte raschelnd mal hier und mal dort mit seinem Rüssel zwischen den Zweigen der mageren Büsche und Bäume, die an den Berghängen wuchsen. Laub, vertrocknete Gräser und vor allem viel Staub wirbelten dabei empor.
Margrit ahnte, dass dieses schlaue Gerät sie auf diese Weise schnell gefunden haben würde. Was konnte sie nur dagegen tun? Sie schaute sich in der Höhle um. Sollte sie mit etwas werfen und das technische Ungetüm damit abzulenken versuchen? Würde solch eine grandiose Erfindung überhaupt auf einen derart simplen Trick hereinfallen? Egal, sie durfte nichts unversucht lassen. Hier lagen erstaunlich viele Felsbrocken herum!
Die Höhle war zwar schmal, ging aber noch weiter in den Fels hinein, wurde dort aber noch niedriger und so robbte sie auf allen Vieren dort hin, wo ein ganzer Steinhaufen lag und wo es leider auch am Dunkelsten war. Je näher sie dieser Finsternis rückte, desto deutlicher erkannte sie, dass sich da eine weitere Felsspalte befinden musste. Ihre Hände ertasteten nun die Öffnung, die breit genug für Margrits Körper war, um sich dort tiefer zu verkriechen.
Würde der ´Wurm´ sie hier finden können? Der schien ähnlich wie ein riesiger Sauger zu funktionieren und würde wohl Margrit einfach ansaugen! Sie kroch deshalb noch tiefer in den Berg hinein. Der Spalt durchlief den Felshang anscheinend einige Meter und war inzwischen so schmal, dass man ihn nur auf der Seite liegend durchrobben konnte.
Margrit bekam zwar Platzangst, weil es immer enger wurde, aber die Furcht, von den Hajeps entdeckt zu werden, war viel größer! Schließlich begann sie sich doch mit klopfendem Herzen zu fragen, was geschehen würde, wenn sie weder vor noch zurück konnte, denn sie hatte sich inzwischen mindestens zehn Meter weit in den Felsen geschoben, oder kam ihr das nur so vor? Angst überflutete sie schließlich wie eine Welle, als sie tatsächlich feststeckte. Die Luft wurde knapp und ihre Lippen begannen zu zittern.
„Hajeps!“, brabbelte sie vor sich hin. „Sind hier ... halten mich fest ... wollen mich ... Versuche mit mir machen ... Arm ab ... neiiin!“ Während sie sich weiter nur mit den Knien und Füßen vorwärts zwängte, plumpste sie schmerzhaft gegen das kalte Gestein in eine Lücke und versuchte nun, ihren Arm nach vorne zu quetschen, holte wimmernd mit ihren zerschundenen Fingern, die sie kaum bewegen konnte, die zwei kleinen Stücke von Danox aus ihrer Bluse und warf diese nach vorne. Es schien dort etwas abschüssig zu sein, denn die beiden Teile rutschten und rollten weiter und dann hörte Margrit es dort unten plumpsen.
Diese Hoffnung ließ Margrit ihre letzten Kräfte mobilisieren. Sie schlängelte sich mit aller Macht vorwärts und da das Gestein wohl durch die Explosion gelockert worden war, gab es nach, und Margrit bekam genügend Platz um weiter zu kommen. Einiges prasselte dadurch zwar von oben auf Margrit hinab und sie glaubte, im vielen Staub zu ersticken, doch sie spürte, dass sie immer mehr rutschte und so gab sie trotz schwerer Hustenanfälle nicht auf und dann rutschte sie einfach hinunter.
Sie musste für ein Weilchen unten auf dem harten Felsboden liegengeblieben sein, jedenfalls erwachte sie mit ganz erheblichen Kopfschmerzen und irgendwie war ihr schwindelig. Dennoch genoss sie erst einmal dass Glücksgefühl, immer noch am Leben, nicht erstickt und von aller Enge befreit zu sein. Seltsamerweise war es hier nicht mehr so finster. Immer noch blieb sie liegen, wo sie war und schaute sich nur vorsichtig um. Sie glaubte jetzt sogar, in der Ferne den hellen Tag schimmern zu sehen!
Ihr Herz pochte hoffnungsfroh und schon begann sie, ihre Glieder zu bewegen. War auch nichts gebrochen? Sie hielt dabei den Atem an. Puh, wirkliches Glück gehabt. Alles in Ordnung! Ganz langsam richtete sie sich auf und schon drehte sich alles um sie. Oh Gott, der Kreislauf! Außerdem taten ihr alle Knochen und Sehnen weh und - oh nein - ihre Haut pellte sich ja immer noch ganz entsetzlich! Verdammter Hajep!
Besonders schlimm stand es plötzlich mit ihren Ohren. Sie versuchte sich einen der vielen feinen Hautlappen aus dem Gehörgang zu pulen, was ihr misslang. Na egal, das war ja wohl das kleinste Übel, denn irgendwie schien das Felsmassiv, wenn auch nur ganz schwach, zu erzittern und feine Steine und Staub lösten sich dabei von der Felsdecke. Margrit war sich sicher, dass die Loteken dies alles mit der Kappung der Bergspitze ausgelöst hatten.
Sie musste also schnellstens von hier fort. Nachher stürzte hier noch alles ein! Als sie wieder auf den Beinen war, taumelte sie schon wieder mächtig. Sie war total fertig! Hoffentlich irrte sie sich nicht und bildete sich diese feine Helligkeit dort hinten nur ein! Doch, das helle Loch musste wohl der Ausgang sein - hoffentlich!
War das etwa jenes alte Bergwerk, zu dem sie hin wollte? Viel zu schön um wahr zu sein! Als sie sich im Dämmerlicht weiter umschaute, lächelte sie zum ersten Male wieder, denn sie sah die Schatten von Holzstempeln, mit denen die Decken abgestützt waren. Das hier musste wirklich der große, unterirdische Stollen sein und dort, wo das Licht war, würde sie auf die Landstraße kommen, die nach Würzburg führte.
Aber wo waren nun die beiden kleinen Stücke von Danox? Sie musste sich beeilen, denn schon wieder schien die Erde unter ihren Füßen zu beben und sie wollte wegen der Verschüttungsgefahr auf keinen Fall diesen wertvollen Roboter hier zurück lassen. Ihre Hände suchten daher ziemlich unruhig den Boden ab. Eine Menge Felsbrocken aller Art lagen hier im Staub herum. Woran konnte man sie nur von den ande¬ren unterscheiden?
Immer noch taumelnd und den Kopf gesenkt versuchte Margrit weiter zu gehen, stützte sich hier und da an den Wänden ab. Doch sie war zu schlapp, schließlich kroch sie nur noch auf allen Vieren hin und her, tastete verzweifelt den Boden nach Danox ab, hob dabei jeden kleineren Gesteinsbrocken auf, betastete ihn genauer, um ihn dann doch kopfschüttelnd in hohem Bogen fort zu werfen und ständige Hus¬tenanfälle quälten sie dabei.
Dann meinte sie trotz ihrer verstopften Ohren plötzlich Stimmen von draußen zu hören, von dort, woher das Tageslicht kam. Sie stocherte wieder hilflos in ihrem Ohr herum.
Hajeps? Alles hallte so komisch. Die Wände hatten kaum Nischen. Wo konnte sie sich jetzt nur verstecken? Wo genau war eigentlich Georges Höhle?
Entsetzt stellte sie fest, dass sie wohl abermals gehustet hatte, denn jetzt hoben sich die drei Schatten von dem kreisrunden Tageslicht ganz deutlich ab. Komisch zwei von ihnen liefen aufrecht, der andere hingegen war merkwürdig zusammengekrümmt und kam nur sehr langsam vorwärts.
Die Vordersten stoppten mitten im Schritt, als würden sie erst mal in den dunklen Tunnel hineinhorchen. Margrit wagte nicht mehr sich zu bewegen. Sie hielt den nächsten Hustenanfall mit aller Macht zurück, lehnte sich bibbernd an die kühle Wand zu ihrer Linken. Verdammter Mist, jetzt pellte sich auch noch ein feiner Lappen von ihrem inzwischen völlig wimpernlosen Augenlid.
Da war es schon wieder geschehen, krachend verließ der Husten ihre drangsalierten Lungen. Wie auf Kommando rannten nun die vordersten zwei Männer in den großen Haupttunnel. Das Blut hämmerte in Margrits Ohren, als sie sich von der Wand löste und ebenfalls zu laufen, nein, eher vorwärts zu schleppen begann.
Aber sie war viel zu schwach, die bebenden Knie wurden weich wie Butter und gaben schließlich nach. Kaum auf den Boden gestürzt, versuchte sie, auf allen Vieren weiterzurobben.
„Hajeps!“, stammelte sie leise, während sie dumpf die Schritte der Männer näher kommen hörte. „Hajeps kommen! Ja, sie kommen!“ Merkwürdigerweise wurde Margrit immer lauter. Sie merkte jetzt, dass sie gel¬lend schrie. Ihr Körper gehorchte ihr nicht mehr, machte anscheinend, was er wollte.
„Du, das kann sie aber nicht sein!“, erklang eine dunkele Männerstimme recht energisch, nur etwa zwei Meter von Margrit entfernt. „Sieht ja reichlich seltsam aus!“
„Meinst du? Na, es wird doch wohl ein richtiger Mensch sein oder?“, fragte die andere Stimme stockend und wohl auch verunsichert. „Und es ist wohl ein Mann!“
„Klar, hat doch eine Glatze und ... nanu?“
„Ja, ich bin ein Mann!“, schnaufte Margrit und kroch dabei trotzdem noch ein kleines Stück vorwärts.
„Hat aber eine ziemlich helle Stimme für einen Mann!“, meinte der etwas dickere Typ skeptisch zu seinem Kumpel.
„Bin trotzdem ein Mann!“, ächzte Margrit, sich immer noch dabei weiter schiebend. „Ein Mann mit Stimmbruch!“
„Nee, nee, das ist eine Frau! Irgendwie eine kahlköpfige Zigeunerin! Sieh nur, die hat doch so eine komische Bluse an und dann dieser weite Rock. He, verdammt dunkel hier!“
Taschenlampen strahlten Margrit plötzlich direkt in die Augen.
„Neiiiin!“, schrie sie deshalb gellend und schlug sich die Hände vors Gesicht. „Ich bin ein Mann, ihr ... ihr Arschlöcher!“
„Ziemlich ordinäres Mundwerk!“, brummte der eine. „Und deswegen wohl doch ein Mensch!“
„Du meine Güte, kann das Weib aber kreischen!“, murrte der andere. „Ist arg verstaubt, daher das komische Aussehen, und dann kommt noch diese Kahlköpfigkeit hinzu! Wirklich eine arg seltsame Pflanze! Hat wohl einiges durchgemacht! Reinstes Nervenbündel! Mann, wie die zittert!“
„Du, diese Pflanze scheint krank zu sein! Verdammt krank sogar! Sieh nur, hier und da ... wie sich ihre Haut pellt! Uuuups, lass uns abhauen, ehe wir uns anstecken!“
„Ja, ja, ich stecke euch alle an ... ihr Scheißhajeps!“
„Hajeps?“ Verwirrt wurden die Lampen wieder ausgeknipst. Margrit entspannte sich erleichtert und atmete etwas ruhiger. Diese beiden Kerle, wer sie auch immer waren, würden also gleich wieder verschwinden. Das war ja schon mal etwas Positives! Schade, dass sie jetzt alles so dumpf hörte. Sie hatte nur mit Mühe verstanden, was gerade gesprochen worden war. Konnte diese plötzliche Hörschwäche vielleicht durch den vielen Staub verursacht worden sein? Wieder stocherte sie völlig entnervt in ihrem Ohr herum.
Gerade als sie weiterrobben wollte, meinte sie ein scharfes ´nein´ aus ziemlicher Nähe zu hören.
„Wir kehren nicht um“, vernahm sie diese neue Stimme wie in Watte gepackt. „Selbst, wenn das hier nur irgendein Geschöpf sein sollte, was wir nicht kennen! Es ist mit ihm gewiss etwas Schlimmes passiert und wir werden erst einmal versuchen ihm irgendwie zu helfen!“
„Du immer mit deinem Helfersyndrom! Dann mach es doch gefälligst alleine!“, mokierte sich einer der beiden.
Das sah plötzlich wieder brenzlig für Margrit aus! Hatte nicht auch Owortep gesagt, dass er ihr nur helfen wolle? Und was war dabei herausgekommen? Nur Schaum!
Margrit versuchte sich aufzurichten, um weglaufen zu können, sackte aber sofort in sich zusammen. Alles drehte sich wieder um sie. Verdammt, immerzu vergaß sie, wie erschöpft sie im Grunde war. Erneut fiel der grelle Strahl einer Taschenlampe auf sie.
„Das ist wirklich ein weibliches Geschöpf!“, stellte jener Mann klar, den sie nun als großen Schatten direkt vor sich wahr nahm. Er schien deswegen so gekrümmt dazustehen, weil er sich auf irgendetwas stützte. Oder war das nur der Hautlappen der Margrit dauernd über dem Auge wackelte?
„Hab keine Angst, wer oder was du auch sein solltest, ich werde dir nichts tun!“, sagte der riesige Kerl nun zu Margrit und setzte dann noch hinzu: „Jelso ir tor! Nenelonto? Kor wan nanjuan!“
Kaum hatte Margrit diese ekelhafte Hajepsprache gehört, war es vorbei mit ihrer anfänglichen Zutraulichkeit. „Von wegen nichts tun!“, krähte sie verzweifelt. „Dich kenn ich doch! Willst dich wieder bei mir bedanken, was? Aber das lasse ich nicht noch mal zu, nie mehr!“
„Margrit“, hörte sie den Riesen erleichtert. „Bist du das etwa? Das ... das ist doch Margrits Stimme! Sie ist es doch!“, rief er den beiden anderen Kerlen zu, die vor dem Ausgang gestoppt hatten und sich nach ihm umschauten.
„Nein“, brüllte Margrit und versuchte in seine Hand zu beißen, welche ihr tröstend über den Arm streicheln wollte. „Das ist eine völlig andere Stimme! Du hast dich ausnahmsweise mal geirrt, Owortep!“
„Äh ... Margrit? Ich bin nicht dieser ... na, wie soll der doch gleich heißen?“
„Owortep. Ach, Diguindi, du alter Süßholzraspler bist doch im Grunde auch nicht viel anders!“ Aus dem Augenwinkel sah sie, wie nun die anderen beiden Kerle leider doch zurückkamen.
„Margrit, komm zu dir! Was ist denn mit Diguindi?“, versuchte die irgendwie recht sympathische Stimme nun herauszufinden. „Bist du ihm etwa begegnet? Was ist passiert?“
„Ach, tu doch nicht so!“, kreischte sie erbost. „Das weißt du doch ganz genau!“ Und sie bemühte sich, nach ihm zu treten. „Ihr ... ihr habt mich noch lange nicht, bildet euch das nur ja nicht ein!“ Wieder sah sie aus dem Augenwinkel, dass der eine von den beiden, es war der dickere, jetzt etwas schneller lief, um diesem Riesen hier zu helfen, der andere hingegen zögerte, hielt sich noch zurück.
„Mensch Margrit, erkennst du uns denn nicht mehr?“, ertönte die Stimme des rundlichen Kerls schnaufend, da er so rannte.
„Klar erkenn ich dich, Nireneska!“, fauchte sie zurück.
„Nire ... was?“, echote die kräftige Männergestalt verwirrt.
„Tut nicht so überrascht!“, fauchte sie weiter. „Ich kenn euch doch inzwischen sehr genau, ihr ... ihr komischen Biester! Arm ab ... Berge ab ... und ...“
Da kauerte sich die große Gestalt schließlich zu Margrit hinunter und zog das bebende, hustende Häuflein Haut und Knochen vorsichtig und sanft an sich.
„Du brauchst wirklich keine Angst mehr zu haben, Margrit! Was dir auch widerfahren sein mag“, hörte Margrit die sympathische Männerstimme direkt an ihrem Ohr, „wir Menschen haben dich hier gefunden und wir werden dich nie mehr den Hajeps überlassen! Deine fürchterlichen Verbrennungen sind bestimmt durch die Feuerbälle verursacht worden, welche die Hajeps herabgeworfen haben. Das geschieht nie mehr! Das verspreche ich dir.“

Kapitel 2

Margrit hatte zunächst mit aufgerissenem Mund und mit angstvoll flackerndem Blick die Worte dieses Riesen in sich aufgenommen, doch dann kam ihr die Stimme so bekannt vor. Sie drehte sich deshalb zu diesem Gesicht herum und erstarrte vor Freude.
„George?“, kreischte sie fassungslos. „Oh Gott, was bin ich doch dämlich!“ Sie schlang ihre Arme um seinen Hals. „Ach, du Lieber, du Treuer du! Du hast gewiss lange nach mir gesucht, nicht wahr? Aber ich habe mich nicht verbrannt, das war nur Schaum, durch welchen ...“
Er schüttelte begütigend den Kopf. „Nein, nein, arme Margrit, das bringst du nun wirklich ein wenig durch¬einander. Ist ja verständlich wegen des Schocks!“ Und es gelang ihm sogar, noch mehr Sanftheit in seine Stimme hineinzulegen, als er fortfuhr. „Weißt du, mit diesem Löschschaum haben dich gewiss keine Hajeps sondern eher Zigeuner bearbeitet, nachdem sie gesehen hatten, dass du lichterloh branntest und daher ...“
„Aber?“, warf Margrit etwas verwirrt ein. War das wirklich so gewesen? Hatte sie sich alles nur eingebildet?
„Kein aber“, sagte George noch einen Tick sanfter. Es war schon erstaunlich, was der so alles mit seiner Stimme fertig brachte, darin ähnelte er wirklich Diguindi. „Du darfst dich bei den Zigeunern bedanken, die Gesine ...“
„Waas? Gesine hat dich gefahren?“, keuchte sie. „Aber die kann mich doch gar nicht leiden!“
„Och, das habe ich einfach nicht beachtet!“ George grinste. „Jedenfalls sind uns die Zigeuner gerade in dem Moment begegnet, als wir uns entschlossen hatten, nach Hause zu fahren. Wir kamen mit ihnen ins Gespräch und dabei verrieten sie uns, dass wohl ein paar Menschen auch den Fluchtweg durch das alte Bergwerk genommen haben könnten. Na ja, und dabei fiel mir auch jene Höhle ein, die ich dir einmal gezeigt hatte!“
„Genial! Ach, George, ich danke dir, dass du nicht aufgegeben hast!“ Margrit schniefte und küsste ihn stürmisch auf die rauen stoppeligen Wangen. Doch dann fuhr sie erschrocken vor ihm zurück. „Oh nein, oh nein, was habe ich denn jetzt gemacht? Ich ... ich könnte mich ohrfeigen!“
„Wieso?“ George hielt ihre Hand fest, mit der sie sich ins Gesicht hatte schlagen wollen.
„Na, sicher habe ich dich jetzt angesteckt!“, keuchte sie.
„Aber Margrit, das geht doch gar nicht! Es sind Verbrennungen, glaube es mir!“, sagte George ganz ruhig und seine Finger strichen dabei sacht ihre Wange entlang, die sich gerade wieder pellte. „Ich habe schon oft solche Verbrennungsopfer gesehen! Tut es sehr weh?“, hakte er besorgt nach.
„N ... nein!“, erwiderte sie verstört.
„Was heißt hier Verbrennungsopfer!“, meldete sich nun auch der dritte Mann, welcher immer noch in großem Abstand von Margrit stehen geblieben war und Margrit meinte, in ihm Martin zu erkennen. „Du scheinst plötzlich Arzt geworden zu sein, George, aber das ist wirklich hochgefährlich, was wir hier machen!“
„... und mich hat sie nicht geküsst!“, erklärte der kräftige Kerl beleidigt und Margrit war sich ziemlich sicher, dass das nur Paul sein konnte.
„Kannst das ja noch nachholen, du Dämel!“, brüllte Martin fassungslos. „Aber das wäre dann der Abschiedskuss. Ein derart kranker Mensch kommt mir nämlich nicht in den Jambuto!“
„Hallo?“ George hatte sich wieder aufgerichtet und wendete sich zu ihm herum. „Vielleicht habe ich dabei auch noch ein Wörtchen mitzureden?“
„Und ich auch!“, erklärte Paul. „ich werde Margrit hier nie zurück lassen!“
Martin stand breitbeinig da und verschränkte nur seelenruhig die Arme vor der Brust. „Ihr kennt unsere Gesetze, also stellt euch nicht so an!“
„Aber du bist nicht unser Gesetzeshüter!“, fauchte George nun richtig böse. „Bei Krankheiten, die wir nicht kennen, pflegen wir alle abzustimmen. Und ich sage, dieser Haarausfall und diese Pellungen sind nicht ansteckend!“
„Und welchen Beweis hast du dafür?“ Martin hatte George einfach den Rücken zugewendet und bewegte sich wieder Richtung Ausgang.
„Den Kater!“, rief ihm George mit fester Stimme hinterher.
„Welchen Kater?“, wiederholte Martin unlustig und lief noch schneller dem Licht entgegen.
„Okay, lasst uns erst einmal dieser Dunkelheit entweichen“, räumte George ein, „denn es rumpelt hier seit einiger Zeit wirklich bedenklich!“ Er schaute sich dabei nach allen Seiten um.
„Tatsache!“, entfuhr es Paul. „Verdammt, hier krümelt ja einiges von oben herunter. Wir müssen machen, dass wir von hier wegkommen!“
„Nun, für mich ist das kein Problem!“, feixte Martin spöttisch, denn er war inzwischen schon fast zum Ausgang hinaus. „Aber wer von euch zweien trägt nun eure Margrit?“ Er lachte nun boshaft. „Denn die scheint mir doch recht schlapp zu sein! Vielleicht wirft George dafür einfach seine Krücke weg?“
„Danke für den tollen Ratschlag!“, gab George bissig zurück.
„Ach, lass dich von dem doch nicht ärgern!“, knurrte Paul.
„Ich habe den Hautlappen endlich aus meinem Ohr!“, jubelte Margrit einfach dazwischen.
Die Männer tauschten verdutzte Blicke miteinander aus. Dann halfen sie Margrit, wieder auf die Beine zu kommen und mit Pauls Unterstützung, wenn auch sehr langsam, dem Licht entgegen zu laufen.
Paul stützte Margrit dabei geduldig und hatte ihr sogar seine Jacke um die Schultern gelegt, da sie so sehr zitterte. Er wollte sie auf keinen Fall im Stich lassen, obwohl sie so furchtbar hässlich und wohl auch völlig zahnlos geworden war, denn insgeheim schämte er sich noch immer, dass er damals sie und die Kinder verlassen hatte.
Während sie ins Freie traten, machte Margrit eine überraschende Entdeckung. War nicht bei dem einen dieser beiden kleinen Felsbrocken, die hinter ihr am Ausgang lagen, eine schwarze, schlangenähnliche Gravur zu sehen gewesen? Aber wie sollten die Teile bis zum Ausgang gekommen sein?
„Ich muss noch einmal zurück!“, wandte sie sich an Paul, kaum dass sie im Freien waren.
„Wieso?“, fragte dieser verstört. „Mach das nicht! Dieser komische Stollen kann doch jeden Augenblick zusammenbrechen!“
Doch schon hatte sie sich von seinem kräftigen Arm gelöst, taumelte zurück und noch während die Steine von oben herunter prasselten und die Stützen des Einganges zu wanken begannen, hob Margrit das kleine Stück auf, betrachtet es lächelnd von allen Seiten und ließ es dann in der Innentasche von Pauls Jacke verschwinden.
„Was hast du da gefunden?“, wollte Martin wissen. Er war sogar deswegen umgekehrt und kam nun auf sie zu gelaufen.
Margrits Finger zitterten, als sie auch noch das zweite Teil erkannt und ebenfalls, flink wie ein Eichhörnchen, in die Jacke zu dem anderen gepackt hatte. „Och, nichts Besonderes! Ich nehme mir von hier bloß noch ein paar Steine mit, bevor der Tunnel völlig einstürzt!“
„Du begibst dich in Lebensgefahr, nur um irgendwelche Steine mit zu nehmen?“ Er lachte verdutzt auf, kam aber noch näher.
„Ja, klar!“ Margrit versuchte ein wenig zu schielen, während sie seinem forschenden Blick begegnete. „Wegen der Hajeps, weißt du! Die Steine sind nämlich meine Waffen!“ Sie bückte sich und griff sich noch welche, die hier herum lagen. „Schmeiß ich denen nämlich später an den Kopf ... huch!“ Sie machte einen Satz nach vorn, denn zu ihrem großen Schrecken fiel der Eingang nun endgültig mit lautem Getöse hinter ihr zusammen. Margrit war dabei irgendwie nach vorne geworfen worden oder auch nur gestolpert, jedenfalls lag sie plötzlich bäuchlings am Boden und blickte dabei zu Martin hinauf. Der viele Staub, der dabei aufwallte, brachte sie wieder zum husten.
„Oh Gott!“, seufzte Martin genervt. „Ja, ja, schon gut!“ Er machte eine wegwerfende Handbewegung in ihre Richtung, während er sich wieder von ihr abwandte. Paul kam Margrit mit besorgter Miene entgegen, hinter ihm humpelte George, nicht minder beunruhigt.
„Na, dann viel Spaß mit eurer Margrit“, wünschte Martin Paul und George beim Vorübergehen, „die sicher nicht nur von einer Seuche befallen, sondern auch noch völlig Hacke ist!“, setzte er eisig hinzu und schüttelte wild den Kopf.
„Ach, halt das Maul!“, knurrte Paul, lief entschlossen zu Margrit rüber und half ihr hoch. „Nur ruhig ... gaanz ruhig!“ Und er strich ihr dabei zaghaft über die staubige Schulter. Hier im Hellen konnte man erst richtig erkennen, wie schrecklich heruntergekommen Margrit aussah. „Lass dich nicht fertig machen!“
„Sehr richtig!“, knurrte auch George zur Bestätigung, der die beiden endlich erreicht hatte. „Margrit, wir verstehen dich! Nimm ruhig deine Steine mit!“
„Ja, darf ich?“, krächzte Margrit und versuchte, dabei wieder ein möglichst dummes Gesicht zu machen. Sie schämte sich, dass sie auch diese treuen Freunde anschmieren musste und ihnen deshalb noch mehr Ärger einbrachte. Aber sie hatte kein richtiges Zutrauen, dass sie nicht doch irgendwann etwas über diesen sonderbaren Fund ausplappern würden.
„Aber sicher!“, meldete sich Paul und bot ihr den Arm, damit sie sich bei ihm einhaken konnte. „Du kannst auch ruhig noch ein paar Steine von hier draußen sammeln und in meine Jacke tun, wenn du das unbedingt möchtest!“ Er versuchte, ihr dabei Mut machend zuzugrinsen, aber irgendwie gelang ihm das nicht so richtig.
„Sie steht lediglich unter Schock!“, mühte sich daher George Paul zu beruhigen. „Du weißt, ich bin Profiler und kenne mich in psychologischen Dingen aus!“
„Ja, der kennt sich darin aus!“, echote Margrit aufgeregt und erreichte damit leider nur, dass Pauls linkes Auge noch mehr zu zucken begann.
„Martin muss sich immer irgendwie als unser Chef aufführen.“ George klopfte im Vorübergehen Paul so heftig auf die Schulter, dass dieser zusammenfuhr.
„Na klar“, krächzte Paul dennoch wacker, „ich lass mich doch von dem nicht verunsichern!“
Margrit stocherte wieder wie verrückt in dem anderen Ohr herum. „Vielleicht krieg ich diesen zweiten Lappen auch endlich heraus! Ach, hat leider doch nicht geklappt!“
Paul nickte mit langem Gesicht. War das alles ekelig!
George wankte zwar immer noch arg, auf einem kräftigen Ast gestützt, einher und hatte Schmerzen, aber das machte ihm nicht allzu viel aus. Er runzelte die Stirn. Was war schon so ein Bänderriss im Vergleich zu dem, was Margrit offensichtlich erlebt hatte! Sie sah furchtbar aus durch diese Verbrennungen - so richtig entstellt. Ja, die Waffen der Hajeps waren nicht nur seltsam, sondern auch tückisch! Aber er hatte sein Ziel erreicht und Margrit endlich wiedergefunden. Im Stillen dankte er nochmals den Zigeunern, dass sie Margrit noch rechtzeitig mit dem Löschschaum besprüht hatten. Komisch, dass Margrit das nicht zugeben wollte! Es würde sich später schon irgendeine Perücke auftreiben lassen, damit sie nicht ständig mit dieser Glatze herumlaufen musste. Nur mit einem passenden Gebiss würde er sie kaum versorgen können. Leider stand es mit solchen Dingen wirklich schlecht.
„Und wo ist nun diese Katze?“, wollte Martin wissen, kaum dass sie die beiden Jambutos erreicht hatten, welche man in der Nähe vom alten Stollen geparkt hatte.
George antworte ihm nicht. „Gesine?“, rief er stattdessen.
Sofort ging die Tür auf der Fahrerseite auf und ein fettes, nacktes Tier sprang ziemlich elegant vom Schoß der jungen Frau auf die Erde. Gesine lachte. „Mann, der ist ja richtig geschmeidig, George! Wie alt ist er doch gleich?“
„Zwanzig!“, sagte George schmunzelnd.
„Mäauuu?“, machte Munk und schaute sich verdutzt nach allen Seiten um. Warum starrten ihn denn hier alle so komisch an, statt ihm endlich Fresschen zu geben? Schließlich hatte er mordsmäßigen Hunger!
„Oh Gott, diese Katze hat ja gar kein Fell mehr!“, entfuhr es Martin verdutzt. „Warum haben wir das fette Tier auf dem Hinweg nicht gesehen?“
„Da war Munk in eine Decke gewickelt und eingepennt!“, erklärte George.
„Sieht aber grässlich aus, so was Nacktes. Der Fellausfall kommt wohl vom Alter, was? Rechnet man bei so einer Mieze nicht alles Mal sieben?“
George nickte schmunzelnd. „Aber das kommt bestimmt nicht daher, sondern ...“
„Oh, wer ist denn das?“, wurde George von Gesine unterbrochen und ihre Stimme hatte dabei ziemlich erschrocken geklungen. Ihr Blick war auf Margrit gefallen, die gestützt von Paul nun auch näher gekommen war. „Sieht ja entsetzlich aus, der kranke Kerl!“
„Hallo, Gesine!“, krächzte ihr Margrit freundlich zu. Sie war wegen des vielen Staubs immer noch etwas heiser. „Danke, dass du George bei der ganzen Sucherei unterstützt hast!“
Gesine öffnete den Mund, aber es kam kein Ton über ihre Lippen. Ihre Augen weiteten sich. Sie machte immer noch kein schlaueres Gesicht!
„Danke übrigens auch dir, Martin, dass du beim Suchen mitgeholfen hast!“ Margrit zwinkerte Martin mit ihren wimpernlosen Augen dankbar an.
Der schaute einfach weg.
„Hat Martin gar nicht!“, erklärte George mürrisch. „Er war nur unterwegs zur Grünkohlernte, kam uns zufällig in dem Moment entgegen, als uns die Zigeuner begegneten. Die haben ihm dringend davon abgeraten, weiter in Richtung Kohlfelder zu fahren und so hat er uns nur aus dem Grund begleitet, um erst einmal aus respektvoller Entfernung zu sehen, ob dort noch immer Hajeps herum spuken!“
„Okay, okay ... he, Munk!“, rief Margrit verdutzt zu dem jämmerlich maunzenden Kater hinunter, der sich gerade an ihren Beinen rieb – ach, was fühlte sich das komisch an! „Man, wie schaust du denn plötzlich aus, du schrecklich nacktes Tier?“ Und sie streichelte ihm den kahlen Rücken. „Ach, du armer Kleiner!“
Munk jammerte gleich noch viel lauter. Er mochte es ja so gerne, wenn er bedauert wurde.
Gesine hatte zwar endlich Margrits Stimme wieder erkannt, konnte sich jedoch trotzdem nicht dazu durchringen, aus dem Jambuto zu klettern, um Margrit zu begrüßen. Irgendwie war sie wie gelähmt.
„Aber Gesine, das ist doch nur Margrit!“, erklärten George und Paul wie aus einem Munde und grinsten dabei Mut machend.
Gesine schluckte.
„Ha, ich habe es endlich geschafft!“, jubelte Margrit begeistert und hielt dabei einen feinen Hautlappen in die Höhe. „Dieser Pfropfen ist nun auch raus! Mein anderes Ohr ist jetzt ebenfalls frei! Seht doch mal, wie ekelig so was aussieht, so eine bleiche Haut mit Ohrenschmalz drin und so richtig mit Staub vollgedreckt ... bäh!“ Sie schnipste den kleinen Kringel mit angeekelter Miene von sich.
„Das ist wirklich Margrit?“ Gesine blieb immer noch wie angewurzelt hinter dem Steuer sitzen. „Wo sind denn ihre langen Haare geblieben? Was ist denn nur mit der passiert?“
„Ja ... hm ... das frage ich mich auch!“, hörte man plötzlich Erkan. Dieser lugte mit einer keineswegs frischeren Gesichtsfarbe als Gesine hinter dem Jambuto hervor.
„Hallo Erkan!“, grüßte ihn Margrit freundlich und zupfte sich dabei noch einen feinen Hautlappen von ihrer linken Augenbraue.
Im Gegensatz zu Gesine war Erkan in seiner Arglosigkeit bereits aus dem Wagen geklettert. „Hm ... tja ... äh ... hallo!“, schnaufte er hinter seinem Jambuto hervor.
Margrit winkte mit ihrer grauen, staubigen Hand. Er erwiderte jedoch den Gruß nicht sondern wurde zornig. „Martin, was soll denn das jetzt alles?“, kam es über seine bebenden Lippen.
Der Angesprochene hob daraufhin recht provokativ die Schultern an. „Tja, ich habe den beiden bereits gesagt, dass es ausgesprochen leichtsinnig ist, was sie da machen.“
„Lass das nicht zu, Martin!“, fauchte Erkan und sprang blitzartig zurück in den Wagen. Drinnen kurbelte er hektisch die Scheibe herunter. „Eine richtige Schweinerei, das ganze!“, brüllte er vom Jambuto aus weiter zu ihnen runter. „Als ob wir nicht wüssten, dass die Hajeps schon oft Menschen mit irgendwelchen Seuchen infiziert haben!“
„Aber Erkan, das ist doch überhaupt nicht nachgewiesen!“, konterte George in ebensolcher Lautstärke wie der.
Munk plärrte indes zu Erkan hinauf und zeigte ihm dabei sein zahnloses Maul. Ihm war kalt und er wollte endlich wieder in irgendeines dieser Autos.
„Iiihgitt!“, ächzte Erkan zu Munk hinunter, dann wendete er sich wieder George zu. „Du bist ja so ein Traumtänzer, George, solch ein Traumtänzer! Das wird dir noch das Genick brechen! Aber nicht das meinige, das sage ich dir!“ Munk versuchte jetzt zu Erkan in den Jambuto zu klettern, aber er rutschte leider immer wieder hinab.
„Aber Erkan, so warte doch“, begann George von neuem, da er sah, dass Erkan die Scheibe hoch kurbeln wollte. „Das sind doch nur Verbrennungen!“ George nahm Munk einfach auf den Arm, weil dieser es tatsächlich mit einem gewaltigen Sprung bis auf den riesigen Vorderreifen hinauf geschafft hatte, um dann zu Erkan durch das Fenster zu springen.
„Verdammt, George, jetzt spielst du dich schon als Arzt auf! Merkst du das nicht?“ Und dann kurbelte Erkan schnaufend und wild dabei mit dem Kopf schüttelnd die Scheibe wieder hoch, da sich Munk inzwischen aus Georges Arm geschlängelt hatte.
„Und was ist nun Interessantes mit dieser Mieze!“, verlangte Martin zu wissen und beobachtete George mit skeptischer Miene, wie der, auf den Stock gestützt, die Katze wieder zu erhaschen versuchte.
„Es ist keine ´sie` sondern ein ´er` und dieser Kater häutet sich genauso wie Margrit! Also ist er auch irgendwie mit außerirdischen Waffen in Berührung gekommen.“
„Ja, armer Munk!“, krächzte Margrit mitleidig. „Du häutest dich, nicht wahr?“ Und schon hatte sie den verärgert fauchenden Munk eingefangen. „Bleib lieber bei mir, Leidensgenosse!“ Und sie küsste Munk auf die dicke Nase.
„Ja und?“, fragte Martin missmutig. „Er könnte ja auch die gleiche Krankheit wie Margrit haben. Was macht das schon. Damit haben wir noch lange keinen Beweis, dass die nicht ansteckend ist.“
„Munk macht aber überhaupt keinen leidenden Eindruck!“, beharrte George und guckte dabei zu, wie sich der Kater nun auch Margrits zärtlichen Griffen zu entwinden suchte. „Er scheint nicht einmal Schmerzen wegen seiner Verbrennungen zu haben. Diese Auswirkung ist zwar seltsam, aber es sind ja schließlich auch außerirdische Waffen! Und wenn es denn eine Krankheit wäre, dann hätten Gesine und ich uns schon von ihm angesteckt. Sämtliche Bakterien oder Viren dürften außerdem bereits in diesem Jambuto herum schwirren und ...“
„Also, das letzte Argument will ich noch gelten lassen“, unterbrach ihn Martin und seine braunen Augen funkelten dabei boshaft. „Alle, die bereits mit diesem Viech oder Margrit Kontakt hatten, klettern oder bleiben in eurem Jambuto und nur ich und Erkan“, dieser nickte ihm hinter der Scheibe zu und hielt grinsend den Daumen runter, „bleiben in dem Jambuto, okay? Was bedeutet, dass Paul zu euch rüberkommt. Aber wohin wollt ihr mit Margrit? Zu den Maden kommt die bestimmt nicht! Weder sie noch der Kater! Das steht schon mal fest!“
„Wir werden ja sehen, was hier fest steht und was nicht!“, knurrte George. „Ich werde die anderen befragen!“
„Okay, okay, mach, was du denkst!“ Martin zuckte mit den Schultern. Wütend stieg Martin zu Erkan in den Jambuto.
Margrit kam mit Munk nach hinten in den Laderaum, wo es sich auch George auf einer alten Kiste gemütlich gemacht hatte, da Paul es nun doch mit der Angst zu tun bekommen hatte und daher lieber vorne neben Gesine sitzen wollte. Seine Jacke hatte er Margrit allerdings gelassen, weil er gemeint hatte, dass sie die Steine darin beruhigen dürften. Zwar begann Margrit, kaum dass die Schiebetür geschlossen worden war, erneut zu schreien, aber George und Munk gelang es schließlich, sie einigermaßen zu beruhigen.

Fortsetzung folgt:
 
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Kommentare  

Wieder mal ein ganz tolles Kapitel. Mir gefallen ganz besonders die verschiedenen Charaktere, in die man sich sehr gut hinein versetzen kann. Selbst wie eine Katze zu denken, ist mir möglich gewesen. Ein ganz toller Roman.

Evi Apfel (22.02.2019)

Was für Haken du schlägst? Wie immer einfach spitze!

Marco Polo (21.02.2019)

Da sind sie schon, die nächsten zwei Kapitel, ihr Quengelratten.

Palifin (20.02.2019)

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