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18 Seiten

Der Entwohner oder VERMIETER SUCHT MIETER

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
Die nachfolgende Geschichte ist frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen und/oder bestehenden und/oder bereits liquidierten Institutionen wären rein zufällig, sind aber nicht immer zu verhindern.
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Es begab sich zu jener Zeit, dass ich eines Tages im abgedunkelten Kirchenschiff eine erstaunliche Gestalt traf, welche in der ersten Betstuhl Reihe andächtig vor dem Kreuz vor sich hin starrend, fast bewegungslos saß, sodass ich diese erst spät erkannte. In der sonst menschenleeren Kirche, die in ein fast spirituelles gelbliches Licht getaucht war, da die Fensterputzer schon seit über 6 Monaten nicht mehr die Außenfenster gesäubert hatten und die Sonne augenscheinlich Mühe hatte ihre Strahlen ins Kircheninnere zu bringen, war nur dieser anscheinend im Gebet vertiefte Mann und ich als Pastor anwesend.

Zunächst ging ich langsam im Laufgang zwischen Altar und vorderster Sitzreihe an diesem Individuum vorbei, verbeugte mich kurz vor dem Altarkreuz und nickte diesem Mann kurz zu, auf das er erkenne, dass ich seine Anwesenheit registriert hatte.

Es blieb mir nicht verborgen, dass dieser Tränen in den Augen hatte und offenbar in diesem Moment schwer atmend mit seinen Gefühlen rang.
In solchen Momenten unterscheidet sich der engagierte Seelsorger vom Berufspastor, der nur noch darauf achtet, dass er seine Arbeitsstunden im Dienste der Mutter Kirche irgendwie bequem bis zur Rente abgearbeitet bekommt.

Ich rutschte in die vorderste Kirchenbank hinein und setzte mich direkt neben diesen.

Pauli (leise im mitfühlendem Tonfall zum Unbekannten): „Kann es sein, dass Sie reden wollen?“

Der Unbekannte, ca. 180 cm groß, mit einer ausgewaschenen Bluejeans und einem T-Shirt bekleidet, welches die Aufschrift „REM“ in Fettschrift trug, drehte seinen Kopf zu mir und gab ein „Ach, ich weiß nicht“ von sich, welches sich sehr frustriert anhörte.

Pauli: „Nur wer redet, dem kann auch geholfen werden.“

Unbekannter (mit frustriertem Tonfall):„Mir kann keiner mehr helfen!“

Pauli (in leisem bedächtigen Tonfall): „Ist es wirklich so schlimm? ….....Manche Probleme die wir in unserer heutigen Zeit zu glauben haben, verblassen zu einem Nichts, wenn wir uns unseren Herrn dort vor uns am Kreuz ansehen. .....Der hatte wirkliche Probleme damals. …...Oder will Sie auch jemand in der nächsten Zeit ans Kreuz nageln?“

Unbekannter: „Nein, ich bin aus allem an sich fein raus.“

Pauli (nach einer Weile des gemeinsamen Schweigens): „Wenn ich mal fragen darf, …........was bedeutet eigentlich das REM auf Ihrem T-Shirt. Das ist doch ein Akronym, oder?“

Unbekannter: „Das steht für Real Estate Mogul.“

Pauli: „Arbeiten Sie in der Immobilienbranche?“

Unbekannter (kurz leise auflachend und sich eine Träne aus dem Auge wischend): „Ja, dass kann man so ungefähr sagen.“

Pauli: „Sind Sie Immobilienmakler?“

Unbekannter: „Nein! Ich.....äh...übernehme nebenberuflich Spezialaufträge für Grundbesitzer mit Problemen.“

Pauli: „Was für Probleme?“

Unbekannter: „Wirtschaftliche, …...logistische, …....kalkulatorische Probleme,.... ja die richtige Berufsbezeichnung wäre wohl FACHMANN FÜR DIE BESEITIGUNG VON ÄRGERLICHEN PLANUNGSRISIKEN.“

Pauli (krampfhaft versuchend die Gesprächssituation zu erheitern): „Dann sind Sie so etwas wie ein Facility Manager, ein Hausmeister?“

Unbekannter: „Nein, das nicht gerade. Der Hausmeister arbeitet hauptsächlich am Tag. Meine Arbeit beginnt, wenn Mieter sich zum Schlafen hinlegen“.

Pauli: „Dann sind Sie wahrscheinlich Nachtwächter, oder...........?“

Unbekannter: „Man könnte mich eher als ENTWOHNER oder auch als ENTMIETER bezeichnen.“

Pauli: „Entwohner?.....Da kann ich mir gar nichts darunter vorstellen. Was ist das denn für eine Tätigkeit?“

Der Unbekannte sah mich kurz an, stand auf und drehte sich einmal mit prüfendem Blick 360 Grad um seine eigene Körperachse, wohl um zu überprüfen, ob wir in der Kirche wirklich alleine waren.

Unbekannter (sich wieder hinsetzend): „Bleibt alles, was wir besprechen unter uns Herr Pauli, oder muss ich damit rechnen, dass ich mich morgen als Schlagzeile in den Lokalnachrichten wiederfinde?“

Pauli (mit einem Finger zum Altarkreuz zeigend): „Ich bin berufsmäßig von unserem Herrn dazu auserwählt worden über solche Gespräche Stillschweigen zu bewahren. …..Wir können uns aber auch in einen Beichtstuhl setzten,.......was aber im Moment nicht nötig ist, da wir hier in der Kirche zurzeit alleine sitzen. …....Aber, was machen Sie denn genau?.....Es muss doch etwas sein, was Ihnen ordentlich auf das Gemüt schlägt. …..Was macht denn nun ein ENTWOHNER?“

Unbekannter: „Meine Aufträge beginnen z. B. mit einer Zeitungsannonce. …..........Ich schlage die Tageszeitung auf und lese unter der Rubrik „Vermietungsangebote Wohnungen“ eine Chiffre-Anzeige mit dem Wortlaut VERMIETER SUCHT MIETER. ….Auf diese melde ich mich dann als Kurzzeit Wohnungssuchender, welcher keinen Wert auf einen Mietvertrag legt, sondern dem ein Vertrag per Handschlag genügt.“

Pauli: „Also so eine Art VERTRAUEN GEGEN VERTRAUEN? ….Das es so etwas noch gibt. …...Erstaunlich! ….Wie geht die Sache weiter?“

Unbekannter: „Ich erhalte vom Vermieter eine Einladung z. B. für ein Treffen auf einer genau bezeichneten Parkbank an den Rhein-Wiesen und da trifft man sich dann halt zum Gedankenaustausch. Man vereinbart einen Wort-Code um sicher zu sein, dass sich auf der Parkbank auch die richtigen miteinander unterhalten. Zum Beispiel wird man vom Vertragspartner dort mit den Worten “KÖNNEN SIE MIR SAGEN, WIE SPÄT ES IST?“ angesprochen und man antwortet dann dem Fragenden: ES IST NIE ZU SPÄT ZU HANDELN!. “

Pauli: „Das hört sich ziemlich banal an, …........so als wenn Kleinkinder 007 spielen.“

Unbekannter (kurz leise auflachend): „Glauben Sie mir, mit dem banal ist es dann schnell zu Ende.“

Pauli: „Was kommt dann?“

Unbekannter: „Der Auftraggeber, also der Eigentümer oder in diesem Falle der verantwortliche Bauleiter des Generalbauunternehmers, teilt mir das Wohnobjekt mit und übergibt mir neben einer angemessenen Anzahlung in einem Briefumschlag auch den Wohnungsschlüssel einer dort leerstehenden Wohnung.“

Pauli: „Und was ist nun Ihr Auftrag?....Worin liegt hier der tiefere Sinn?“

Unbekannter: „Stellen Sie sich vor, Sie sind günstig an ein 10 Familienhaus gekommen, weil es renovierungsbedürftig ist. …..........Bezüglich der Renovierungskosten haben solche Auftraggeber kein größeres Problem, da diese Arbeiten Partnerfirmen von denen durchführen, die wiederum zur Durchführung der notwendigen Renovierungsarbeiten ihrerseits Subunternehmer zum Beispiel im Ostblock beauftragen, die das Wort Mindestlohn noch nie gehört haben. Oft gibt es mehrere Subunternehmer hintereinander, welche jeweils an einen anderen Subbetrieb die Aufträge weitergeben. Das ist dann oft so verschachtelt, dass keiner mehr richtig durchblickt, welcher Arbeiter nun auf der Baustelle arbeitet und in wessen Auftrag. Häufig wechseln die Arbeiter dort auch tageweise, sodass es an der Baustelle stets sehr unübersichtlich laut und hektisch zugeht. …..Dies ist für meinen Auftraggeber aber auch kein größeres Problem, wenn da nicht im 10 Familienhaus ein rechtliches Ärgernis leben würde, welches etwas dagegen hat, dass man aus dem 10 Familien Mietshaus nach der Renovierung 10 teure Eigentumswohnungen macht.“

Pauli: „Ein rechtliches Hindernis?“

Unbekannter: „Ja, nehmen wir einmal an, dass der Käufer des Hauses, also mein Auftraggeber, 9 Mieter davon überzeugt hat, dass es für diese besser und gesünder ist schnell auszuziehen, bevor die Kernsanierungsarbeiten beginnen. ….........Dabei ist er diesen durchaus bei der Suche nach einer neuen Wohnung behilflich. Das heißt, er zahlt denen sogar den Umzug in die neue Wohnung, welcher er diesen vielleicht selbst noch vermittelt hat. ….Auch bietet er den Mietern deren ehemaligen Mietwohnungen zum Kauf an, falls diese seiner Meinung nach in der Lage sind, eine Eigentumswohnung dort zukünftig bezahlen bzw. finanzieren zu können. Hierbei arbeitet er auf Provisionsbasis als Kreditvermittler mit namhaften Bankinstituten zusammen.“

Pauli: „Ja aber, das hört sich dort gar nicht so übel an, wo ist denn da der Haken?“

Unbekannter: „Der Haken ist der Mieter (m/w), welcher nicht ausziehen will, seit vielleicht 50 Jahren im Objekt auf 125 qm alleine mit dem schönsten Balkon des Hauses oder der tollsten Terrasse wohnt und auch noch 85 Jahre alt ist. ….....Oft gibt es da auch noch einen Enkel, welcher Jura studiert und sich schon mal immer mit einem Vermieter rechtlich anlegen wollte.“

Pauli: „Also ich bin kein Spezialist im Mietrecht, aber ich gehe davon aus, dass man einen solchen Mieter schlecht aus der Wohnung bekommt. ...Und wenn man den nicht rausbekommt, dann ist die gesamte Sanierungsaktion und Umwandlungsaktion in Eigentumswohnungen gefährdet.“

Unbekannter: „Nicht unbedingt gefährdet, aber es dauert dem Investor, also dem neuen Eigentümer, einfach zu lange, bis diese Mietwohnung rechtlich sauber frei gezogen ist. …..........Man muss sich mal vorstellen, dass man bei allem, was man sanierungsmäßig macht, dessen Mieterrechte ständig berücksichtigen muss. Und das geht bei einer Kernsanierung nun einmal nicht ohne beidseitiges Theater. …..........Hier kann zum Beispiel nicht einfach seitens des neuen Eigentümers mal eben über Tage das Wasser oder der Strom abgedreht werden, um Rohrleitungen auszuwechseln. Das geht schon gar nicht in der kalten Jahreszeit. Sollte der Vermieter so etwas trotzdem veranlassen, hätte er schnell eine schlechte Presse, die er beim späteren Verkauf der neuen Eigentumswohnungen nicht gebrauchen kann. Auch könnten Hypothekenbanken wegen der schlechten Presse zukünftige Finanzierungsanfragen seinerseits ablehnen.“

Pauli: „Langsam komme ich auf den Trichter. …..Und wenn solche Probleme auftauchen, kommen Leute wie Sie auf den Plan.“

Unbekannter (kopfnickend): „Genau so ist es. Ich ziehe dann kurzfristig in das fast leere Haus ein und sorge dafür, dass der noch im Haus verbliebene hartnäckige Mieter freiwillig fluchtartig nach einiger Zeit das Haus für immer verlässt. …...Das muss dann natürlich für Außenstehende stets so aussehen, dass der Auftraggeber damit, also mit sämtlichen Auszugswillen verstärkenden Maßnahmen, absolut nie in Zusammenhang gebracht werden kann. ...Manchmal genügt schon eine einzige nächtliche Aktion, in anderen Fällen kann es bei besonders abgebrühten Mietern auch schon mal 14 Sonderaktionstage lang dauern.“

Pauli: „Und wie machen Sie das vor Ort?“

Unbekannter: „Wenn ich einziehe, sind die Sanierungsarbeiten meistens schon im vollen Gange. Es wird den ganzen Tag über mit ohrenbetäubender Lautstärke, gesägt, gemeißelt, gehämmert, Beton gemischt, Kernbohrungen realisiert und in vielfältiger fremdländischer Sprache im Treppenhaus und rund ums Haus herum durch die Subunternehmer laut herumgebrüllt. Das Treppenhaus ist mit cm dickem Baustaub belegt und viele Außenfenster haben nur noch eine Notverglasung. Bei stärkerem Wind heult es Tag und Nachts durchzugsmäßig im Treppenhaus, als wünsche der Leibhaftige Einlass. ….......Irgendwo schlagen dann immer Türen von leerstehenden Wohnungen im Wind, was vor allem nachts zu einer gruseligen Geräuschkulisse führt. Oft sind im Vorfeld schon Obdachlose und/oder Abenteuersuchende Kinder ins Haus eingedrungen, mit den üblichen akustischen und optischen Begleiterscheinungen. ….........Falls die letzte Abfalltonne vor dem Haus noch nicht geklaut wurde, erledige ich das. Für viele Menschen ist das unerträglich, wenn diese nicht täglich ihren Müll aus der Wohnung schaffen können. Andere sind diesbezüglich aus härterem Holz geschnitzt und werfen alles dann ersatzweise aus dem Fenster direkt in den Hof oder auf das Baugerüst am Haus. Ich erinnere mich an einen besonders frechen Rentner, der mangels einer Mülltonne seinen stinkenden Küchenmüll einfach alternativ in die DIXI-Toilette auf der Baustelle entsorgt hat. Ein zähes Kerlchen! Aber ich kann Ihnen sagen, der hat dann nach einigen Tagen von mir eine Spezialbehandlung bekommen, just zu dem Zeitpunkt, als er zwecks Einkauf im Supermarkt seine Wohnung für kurze Zeit verlassen musste. ….Ich habe seine Wohnungstür aufgetreten und seinen Spülstein in der Küche und seinen Toilettentopf mit einem Brecheisen zerdeppert. Nach vollendeter Tat, habe ich an der Außenseite seiner Wohnungseingangstür einen Zettel mit verstellter Handschrift angeklebt auf dem stand:

SIE NIX DA!
MUSSTEN TÜR SELBST AUFMACHEN!
SPÜLSTEIN UND TOILETTE NEU KOMMT IN NÄCHSTEN WOCHEN.
BITTEN VERSTÄNDNIS!

…..........….Es ist schon erstaunlich wie lange Menschen ohne Leitungswasser, Strom und Müllentsorgung auskommen. Ich habe Kunden,....äh...also Mieter erlebt, die haben dann einfach mit Mineralwasser gekocht und sich einen Gasbrenner als Stromersatz aus dem Campingshop besorgt. …..........Bevor ich dann loslege treffe ich in der Regel also schon meist auf teil entnervte Mieter, die den "Kaffee ordentlich auf“ haben.“

Pauli: „Ich kann mir vorstellen, dass ein Mieter, welcher diesen Lärm tagsüber ertragen muss, abends erschöpft ins Bett fällt..........“

Unbekannter (Paulis Gedankengang fortsetzend): „.....und nur noch in Ruhe einschlafen will. ….Und.....und.....da hat er sich dann getäuscht, da das nächtliche Theater erst richtig losgeht, wenn er Nachts gerade im Halbschlaf liegt. Denn dann ist die Stunde des Entwohners gekommen!“

Pauli (empört, aber auch neugierig): „Und was geht dann so ab?“

Unbekannter: „Strategisch positioniert sich der Entwohner zunächst einmal in eine leere Wohnung, bestenfalls in einem Zimmer direkt über dem Schlafzimmer des sturen Mieters. …....Vorher.........tja....., da sind noch ein paar Vorarbeiten notwendig. Der Hauptverteiler des Haustelefonanschlusses muss zunächst funktionsunfähig gemacht werden, damit nicht, kaum dass man mit der Nachtvorstellung angefangen hat, die vom Mieter gerufene Polizei sogleich im Haus erscheint, vor denen man dann über ein Außengerüst diskret rechtzeitig flüchten muss. …..Weiterhin wird vorher sicherheitshalber die Strom- und Wasserversorgung über die Hauptstellen im Keller ausgeschaltet, sodass der Mieter ohne Telefon, Wasser und Strom dasteht. Für den Fall, dass der Mieter zusätzlich über ein batteriegespeistes Handy oder Smartphone verfügt, habe ich immer vorsorglich einen Jammer eingeschaltet, also einen Handy-Blocker, welcher die Wirkungsweise seiner Geräte völlig neutralisiert. Diese Geräte kann man sich für ein paar hundert Euro über das Internet problemlos besorgen.“

Pauli (die Augenbrauen entrüstet hochziehend): „Das sind doch bestimmt alles verbotene Geräte. Das ist doch kriminell. …....Was ist denn, wenn es plötzlich da mal im Haus brennt und der Mieter keine Feuerwehr dadurch anrufen kann?“

Unbekannter: „Das ist noch nie vorgekommen und echt unwahrscheinlich, dass so etwas zufällig in der gleichen Nacht geschieht. Außerdem sind fast immer Gerüste an den Außenwänden aufgebaut über die der Mieter, dann noch flüchten kann.“

Pauli (mit ernster Stimme und erhobenen Zeigefinger): „Das sind gemeingefährliche Schandtaten, welche Sie da treiben, darüber sollten Sie sich im Klaren sein! Ich stelle mir nur vor, dass ein alter Mieter oder eine greise Mieterin, welche sich nur noch mittels eines Rollators bewegen können, verzweifelt versuchen aus dem Fenster nach draußen auf das Gerüst zu klettern, geschweige denn aus eigener Kraft versuchen, sich anschließend am Gerüst runterzuhangeln. ….Das ist echt asozial, was Sie da gegen einen Judaslohn Bezahlung anstellen!“

Unbekannter (kleinlaut): „Mir ist schon bewusst, dass hier Grenzen des Anstands überschritten werden,.........aber......“

Pauli (empört den Satz des Unbekannten fortführend): „...aber....Sie verdienen sich eine goldene Nase damit und das rechtfertigt für Sie dann alles,........was? ….....Das ist ja wohl zum Kot...! …..ähäh.....Entschuldigung, fast hätte ich vergessen, wo wir hier gerade sitzen. …........Ihnen ist schon klar, dass dies, also Ihre menschenverachtenden Handlungsweisen, Futter für diejenigen ist, die regelmäßig, vor allem in Berlin, nach Verstaatlichung der Immobiliengesellschaften krakeelen, bevor sie selbst in der First Class auf die Malediven oder nach Bora Bora zum Wellness Urlaub fliegen?................Erst sozialisieren die unsere Häuser, dann unsere Autos, unser Geld und am Ende noch unsere Frauen, Kinder, Schäferhunde und andere Randgruppen der Gesellschaft. ….Zu guter Letzt müssen wir Pfarrer, sofern wir überhaupt noch predigen dürfen, statt Messwein irgendwas vom VEB Rotkäppchen herunter schlürfen.“

Unbekannter (Paulis Gedankengang ungefragt im spöttischen, ironischen Tonfall weiterführend): „..... Und unsere Villen in Saint Tropez und an der Côte d’Azur ?......... Die nehmen die uns doch bestimmt auch weg, Herr Pauli? Ebenso, wie Ihr Château nahe Monaco.“

Pauli (mit leicht verärgerter Stimme): „Mein Sohn, Ihnen wird das Spotten und die Ironie auch noch vergehen, wenn sie Ihren Studenten-VW-Bulli gegen ein Lastenfahrrad eintauschen müssen. …...........Ich sehe es schon in einer Vision bildlich vor mir, wie sie Ihren Umzug von der Uni Hamburg zur University Paris-Sorbonne mit dem Drahtesel durchführen. ….... Und hinten am Lastenrad flattert dann eine vom Komintern vorgeschriebene blutrote Propagandafahne mit den Lettern:

WIR BRAUCHEN KEINEN KATECHISMUS!
WIR STRAMPELN FÜR DEN SOZIALISMUS!

Spätestens dann, das flüstere ich Ihnen, wird Ihnen der letzte Spott und Humor für immer vergehen!
Aber zurück zum Thema. …......Wie geht’s dann weiter, wenn Sie Ihre Sabotageaktion im Hausanschlussraum erfolgreich beendigt haben?“

Unbekannter: „Dann baue ich in der Wohnung über der Mieterwohnung in einem Zimmer, was genau über dem Schlafraum des Auszugs Unwilligen liegt mein kleines technisches Equipment auf. …....Also ein Geräusch Synthesizer, welcher mit meinem Smartphone und einem Megafone gekoppelt ist. …... Das Smartphone benutze ich als Ersatz-PC, da ich auf diesem alle möglichen schaurigen Geräusche aus irgendwelchen FSK-18-Horrorfilmen gespeichert habe. …...Tja...und dann so gegen Mitternacht beginnt der Spuk dann. …....Eröffnet wird das akustische Spektakel mit einem minutenlangem höllisch lautem Angst- oder Schmerzensschrei eines Menschen aus einem dieser abartigen Horrorfilme. …..Ich kann Ihnen sagen,.......wenn das mit 140 Dezibel durch den Hausflur tönt …...9 Wohnungen sind leer......deren Türen stehen offen...., dann hat man dadurch einen riesigen Resonanzkörper. …...Für denjenigen, welcher aus dem Schlaf hochfährt scheinen die schrillen Schreie von allen Seiten gleichzeitig zu kommen. …..Den gruseligen Schreinen folgen nach einer Sekunde der Ruhe dann Lach – und Kicher Geräusche, die dem Mund eines Psychopathen entsprungen sein könnten. ….Spätestens danach tapst der Mieter zum Lichtschalter und stellt in Panik fest, dass der Strom nicht mehr funktioniert. ...Er tastet sich in seiner dunklen Wohnung zu seinem Festnetztelefon durch, welches natürlich ebenfalls wie sein durch den Jammer neutralisiertes Funktelefon auch nicht mehr funktioniert. ...Den meisten läuft dann schon der Angstschweiß die Stirn runter. …....Bei aller Panik bleibt der Mieter natürlich neugierig und tastet sich in der Dunkelheit seiner Wohnung an den Wänden entlang zu seiner Wohnungseingangstür um durch den Türspion nach draußen zu schauen. ...Das ist der Zeitpunkt, an dem mein kleines batteriebetriebenes Stroboskop-Licht im Flur vor seiner Tür zum Einsatz kommt, welches ein technischer Mischmasch aus Filmprojektor und Stroboskop ist. …..Das habe ich mal in einem Spezialgeschäft für Halloween Ausrüstungen gekauft. …...Das Besondere an diesem Gerät ist, dass es im Flacker-Flash Light an der dem Türspion gegenüberliegenden Wand eine Schattengestalt mit menschlichen Konturen erscheinen lässt, welche langsam eine Kettensäge hoch und runterbewegt. ...Dazu spukt mein Megafone noch die passenden Kettensägegeräusche mit 140 Dezibel Lautstärke aus........ Der so Erschrockene weicht dann automatisch von seinem Türspion zurück, was ich dann dazu ausnutze mit meiner Faust ein paar Mal von der Treppenhaus Flurseite her so fest gegen dessen Eingangstür zu wummern, dass dieser denkt, der Kettensägemann wollte seine Tür aufbrechen.“

Pauli (den Redeschwall verärgert und entrüstet unterbrechend): „Sind Sie eigentlich noch ganz bei Trost? Tickt es da oben bei ihnen noch richtig? Was machen Sie, wenn der so Erschrockene dadurch einen Herzinfarkt bekommt?“

Unbekannter (plötzlich laut aufschluchzend): „Ja deswegen bin ich ja hier, …....denn genau das ist letzthin geschehen. …..Da habe ich es wohl völlig überzogen!“

Pauli (den eigenen Kopf schüttelnd): „Überzogen?...Sie sind am Herzinfarkt eines Menschen unmittelbar beteiligt gewesen und nennen das nur „überzogen“?....Das darf doch alles nicht wahr sein!.......Das ist doch hier nicht etwa einer dieser zweifelhaften Fernsehspäße mit einer versteckten Kamera von diesem Fernsehfritzen Knut Helix...oder wie der heißt?“

Unbekannter (kleinlaut): „Nein,.....Leider so geschehen.“

Pauli (im Befehlston): „Sie müssen sich der Polizei stellen!.......Also eins ist sicher, von mir bekommen Sie keine Absolution!........Niemals! ......Wie heißt eigentlich dieser Generalbauunternehmer für den Sie die Drecksarbeit erledigen?“

Unbekannter: „Das ist die “B.Rutal. und S.Krupellos Schlüsselfertigbau GmbH & Co.Kg“ .............Und ich weiß, was Sie als Nächstes wissen wollen,..................nämlich wo die Baustelle ist. ….....Deshalb beichte ich es Ihnen gleich. …...........Es ist ein Teil des Teutonen Carré in der Nordstadt, welches zurzeit großflächig saniert und umgebaut wird.“

In diesem Moment verschlug es mir völlig die Sprache und im Kopf wurde es mir siedend heiß. Ich merkte, dass mein Blutdruck auf einen astronomischen Wert zu steigen schien. Auch noch das Nordstadt Teutonen Carré! Das hatte mir bzw. dem Bistum gerade noch gefehlt. Hier war das Bistum selbst Bauherr und versuchte durch geschickte Immobilieninvestitionen die derzeitige Zins-schwache Zeit am Kapitalanlagemarkt geschickt zu überbrücken. ….....Irgendwie mussten die Kirchengelder ja angelegt werden. ….......Wenn das rauskäme, dass ein von unserem Bistum beauftragter Generalunternehmer solche kriminellen unsauberen Methoden anwendet um seine Ziel- und Zeitvorgaben, koste es, was es wolle, zu realisieren, dann hätten wir einen riesigen Landesgrenzen überschreitenden Skandal par excellence. ….......Wahrscheinlich hatten die Rechtsanwälte des Bistums noch wie üblich eine ordentliche Vertrags- bzw. Konventionalstrafe in den Generalunternehmervertrag aufgenommen, was dazu führen würde, dass die “ B.Rutal. und S.Krupellos Schlüsselfertigbau GmbH & Co.Kg“ in den Medien verbreiten würde, dass sich diese durch solche Knebelklauseln zu ihrem frevelhaften Verhalten praktisch durch Mutter Kirche gezwungen sah. .....Die würden alle Schuld auf uns schieben! Wahrscheinlich hatte Bischof Dr.T.Abernakel sich auch noch mit geschwollener Brust vor Baubeginn an der Baustelle, stolz wie Oskar, mit dem Generalunternehmer auf einem gemeinsamen Pressebild medienwirksam ablichten lassen und auch auf den „Fairtrade contract agreement level” des Bistums stolz hingewiesen. Mir wurde in dieser prekären Situation klar, dass hier etwas unkonventionelles unternommen werden musste, um schlimmste Folgen für das Bistum zu verhindern. ....Nur was? ........Es gab nur eine Lösung. .........Wir benötigten schnell ein Bauernopfer, oder besser zwei. ....Einer musste dafür seinen Kopf hinhalten. .....Und mir war auch schnell klar, dass es sich dabei nur um diesen Bauunternehmer und seinen empathielosen Vollpfosten von Entwohner handeln musste, der mit Krokodilstränen neben mir saß.

Pauli (nach einiger Zeit des gemeinsamen Schweigens): „Was machen Sie eigentlich hauptberuflich, wenn Sie nicht gerade Mieter terrorisieren?“

Unbekannter: „Ich studiere Philosophie.“

Pauli (höhnisch und spöttisch): „Philosophie!? …...Aha!....Sie sind ein Freund der Weisheit!.......Ja das passt ja wie angegossen. …..Nicht das Sie mir noch gleich erzählen Ihre letzte Klausur hätte Immanuel Kants KATEGORISCHEN IMPERATIV behandelt?“

Unbekannter: „Nein, die handelte über Niccolò Machiavelli.“

Pauli: „Ich hätte es mir denken können, denn das passt besser. …....Hat der nicht mal gesagt, …..nur um beim Thema zu bleiben …... “Es ist nicht weise, das zu verteidigen, was man ohnehin aufgeben muss“?“

Unbekannter: „Ja genau, deswegen ist es auch sinnlos, wenn ein Mieter sich der Totalsanierung entgegenstellt. Er wird als wirtschaftlich schwächerer Marktteilnehmer ohnehin gegen solche mächtigen Interessengruppen wie Bauunternehmer und Stadtsanierer nicht lange durchhalten.“

Pauli: „Oho! …....Soll das nun eine wissenschaftliche Legitimation für Ihr verwerfliches Handeln sein? Hat der von Ihnen anscheinend sehr geschätzte Niccolò nicht auch mal gesagt: “Mit einem schlechten Alleinherrscher kann niemand sprechen, gegen ihn gibt es kein anderes Mittel als das Eisen“? ….......Im übertragenen Sinne ruft er damit doch zum Widerstand gegen solche Abzocker auf, welche sich ihrer eigenen politischen und/oder wirtschaftlichen Macht nicht würdig erwiesen haben, ….............oder nicht?“

Unbekannter (kopfschüttelnd): „Herr Pauli! Ich glaube, das bringt uns jetzt nicht weiter."

Pauli: „Gut, dann unterhalten wir uns mal über Lösungsmöglichkeiten. …...Kann ich davon ausgehen, dass Sie Ihre nächtliche Tätigkeit nach dem Herzinfarkt Vorfall für immer aufgeben werden?.....Erwarten Sie als gläubiger Mensch …..und ich gehe davon aus, dass Sie irgendwie gottesfürchtig sind, denn sonst wären Sie heute nicht hier in der Kirche vor dem Altar erschienen …..das unser Herr Ihnen verzeiht?“

Unbekannter: „Ja, ich würde schon einiges machen, um das alles ungeschehen zu machen. ….Zum Glück hat der Mieter das ja, wie ich später erfahren habe, überlebt.“

Pauli: „Wo wohnt der eigentlich jetzt? Doch wohl nicht mehr auf dieser Baustelle des Schreckens?“

Unbekannter: „Nein, seine Verwandten haben den wohl überzeugt, dass es ohnehin für ihn an der Zeit gewesen sei ins Altersheim zu gehen.“

Pauli (spöttisch): „So so! Tja nicht, dass der Ihnen im Nachhinein noch dankbar sein muss. …..... ….....Sind Sie mit mir der Meinung, dass wir dem Baufritzen, welcher Sie für den nächtlichen Psychoterror angeworben hat, mal eine Lektion erteilen, die diesen vielleicht davon abhält zukünftig weiterhin solche Aufträge zu vergeben?“

Unbekannter: „Also, solange es nicht zu krass wird, wäre ich dabei. …........Schon allein aufgrund der Tatsache, dass der mir, die auf der Parkbank in den Rhein-Wiesen versprochene Abschlussprovision, bis heute nicht bezahlt hat, weil der meinte, dass ich den zweiten Teil des Lohnes wegen dem Herzinfarkt nicht verdient hätte. ….....Ich wäre angeblich unprofessionell vorgegangen. …......So ein Quatsch, ich habe das schließlich nicht zum ersten Mal gemacht.“

Pauli: „Also ich habe da so einen Vorschlag. ….....Sie müssen dafür aber noch einmal auf die Baustelle und sich ein wenig umsehen und vielleicht auch einige Fotos anfertigen."

Unbekannter: „Was soll ich genau machen?“

Pauli: „Sehen Sie sich mal im schmuddeligem Blaumann Kostüm auf der Baustelle diskret um und notieren Sie, ob dort alle vorgeschriebenen Sicherheitsvorschriften, wie Schutzhelm tragen, Handschuhe tragen und dergleichen im Sinne der Baustellenverordnung bzw. Arbeitsschutzgesetze eingehalten werden. Interessant wäre es, wenn wir z. B. Bilder von den Personen bekämen, welche da ohne Helm rumlaufen und gefährliche Arbeiten verrichten. Falls aus irgendeiner Tonne, einer Planierraupe, einem Radlader oder einer anderen Quelle ölhaltige Substanzen, Hydraulikflüssigkeiten, potenzielle Gefahrstoffe oder ähnliches auslaufen und in den Baugrund sickern, wären Fotos davon sehr hilfreich. Zu klären wäre die Frage, ob die Baustelle allseitig mit einem Bauzaun umfriedet ist um Unberechtigte vom Zugang abzuhalten......Wenn morgens früh fremdländisch aussehende Arbeitskolonnen aus Kleinbussen steigen, um ihre Arbeit auf der Baustelle zu beginnen, dann notieren Sie sich mal die Kraftfahrzeugkennzeichen der Busse....Wenn zum Beispiel ein ungeschützter Maurer in direkter Nähe zu Schweißarbeiten arbeiten muss und zudem in der Nähe dieser Arbeiten überall leicht brennbares Material herumliegt........alles notieren und diskret fotografieren. ...Ganz toll wäre es, wenn Sie herausbekämen, welche Nationalitäten dort alles arbeiten. ......Einfach mal zuhören, in welcher Sprache die sich unterhalten und alles dann notieren. …..Falls Sie jemand anspricht und fragt was Sie auf der Baustelle zu suchen haben, dann erwähnen Sie einfach den Namen des Baufritzen, welcher Sie auf der Parkbank angeheuert hat und sagen, dass Sie in seinem Auftrag einige Gewerke überprüfen. Das hilft meistens. …..........Aber in der Regel wird Sie auf solchen Großbaustellen keiner ansprechen, da die sich alle gegenseitig auch nicht kennen und es da personal mäßig immer wie im Taubenschlag zugeht........Und alles was Sie festgestellt und fotografiert und/oder gefilmt haben, reichen Sie bitte dann an mich kurzfristig weiter. …..Ganz wichtig ist auch das Filmmaterial, was Sie dann noch an einem folgenden Sonderaktionstag für mich mit Ihrem Smartphone zusätzlich aufnehmen müssen! Das muss natürlich auch dabei sein.“

Unbekannter: „Ja, das bekomme ich hin, aber wenn ich dann alle Fotos und Notizen an Sie weitergeleitet habe, wie geht es dann weiter und was machen Sie damit?“

Pauli: „Ich werde zu den Aktionen, welche Sie auf der Baustelle vornehmen werden ein Dossier anlegen und es an interessierte Kreise weiterleiten.“

Unbekannter: „Mein Name bleibt dabei aber raus! Das können Sie mir garantieren?“

Pauli: „Soweit es in meiner Macht ist, erfährt niemand Ihre Identität. Und nebenbei bemerkt, ich kenne ja ohnehin nur Ihr Gesicht und habe keine weiteren Informationen über Ihre Identität. Also machen Sie sich mal keine Sorgen, welche über Ihr Seelenheil hinausgehen.“

Unbekannter: „Was soll ich noch machen?“

Pauli: „Am Sonderaktionstag positionieren Sie sich schon morgens früh vor Schichtbeginn auf dem Dach eines dort zentral günstig stehenden Hauses, welches wie viele andere in der unmittelbaren Umgebung zur Grundsanierung anstehen. …..Es dürfte in Folge der vorhandenen Gerüste an den Gebäuden ein leichtes sein von außen möglichst hoch in den Dachbereich zu kommen. ….Dort installieren Sie dann Ihr gesamtes akustisches Equipment. …...Am besten mehrere Megafone funktechnisch so koppeln, dass diese zur gleichen Sekunde los quäken und auch schon allein deswegen, dass das folgende Geräuschkonzert von allen Seiten zu gleich zu kommen zu scheint. …...Ähäh? Bekommen Sie das technisch überhaupt hin?“

Unbekannter: „Das dürfte kein Problem sein, ich bin ja schließlich vom Fach.“

Pauli: „Sehr gut! …..Also, wenn die Bauarbeiter sich kurz nach Schichtbeginn auf der Großbaustelle verteilt haben, dann spielen Sie über Ihre parallel geschalteten Megafone in der höchsten Lautstärke eine auf und abschwellende Polizeisirene ab. ...Kurze Zeit, nachdem die Sirene
verklungen ist, spielen Sie folgende Durchsage über die Tröten ab:

„ACHTUNG ACHTUNG! HIER SPRICHT DIE POLIZEI!
IN ZUSAMMENARBEIT MIT DEM DEUTSCHEN ZOLL FÜHREN WIR EINE BAUSTELLENÜBERPRÜFUNG DURCH. ALLE ARBEITSKRÄFTE DIESER BAUSTELLE HABEN SICH SOFORT, OHNE AUSNAHME......WIR WIEDERHOLEN....OHNE AUSNAHME... ZUM CONTAINER DER BAULEITUNG ZU BEGEBEN. HALTEN SIE BITTE IHRE PERSONAL- UND SOZIALVERSICHERUNGSAUSWEISE ZUR ÜBERPRÜFUNG DORT BEREIT!“

Unbekannter: „Und was ist, wenn da welche sind, die kein Deutsch verstehen?“

Pauli (sein Smartphone zückend und den Text 1:1 in eine Übersetzungsapp eingebend): „Guter Einwand, dann setzen wir noch einen Aufruf in Küchen-Englisch wie folgt nach. Also laut meiner App lautet die Lautsprecherdurchsage dann wie folgt:

ATTENTION ATTENTION! HERE THE POLICE SPEAKS!
IN COOPERATION WITH THE GERMAN ZOLL, WE CARRY OUT A SITE VERIFICATION. ALL THE WORKERS OF THIS SITE WERE IMMEDIATELY, WITHOUT EXCEPTION ...... WE RESIST .... WITHOUT EXCEPTION ... TO GIVE TO THE CONTAINER OF THE CONSTRUCTION MANAGEMENT. PLEASE KEEP YOUR PERSONNEL AND SOCIAL INSURANCE AWAY FOR REVIEW THERE

Unbekannter: „Also mein Schulenglisch war nie besonders gut, aber das hört sich schon so blöd an, das es fast authentisch wirkt. Hoffentlich versteht einer dieses Kauderwelsch dort dann auch. Da sind aber bestimmt noch welche aus dem Ostblock auf dem Bau. Was ist denn mit denen?“

Pauli (erneut die App befragend): „Also auf Rumänisch klingt das laut meiner App wie folgt:

ATEN?IE ATEN?IE! AICI POLI?IA SPEAKS!
ÎN COOPERARE CU ZOLUL GERMAN, EFECTUAM O VERIFICARE A SITE-ULUI. TO?I LUCR?TORII SITE-ULUI SUNT IMEDIAT, F?R? EXCEP?IE ...... REZISTÂND ... F?R? EXCEP?IE ... DAC? ATINGEREA CONTAINERULUI DE MANAGEMENT AL CONSTRUC?IEI. V? RUG?M S? P?STA?I PERSONALUL ?I ASIGURAREA SOCIAL? PENTRU REVIZUIREA!

Und sicherheitshalber senden wir das dann noch auf Polnisch, was laut meiner App wie folgt lautet:“

UWAGA! TUTAJ MÓWI POLICJA!
W WSPÓ?PRACY Z ZOLLAMI NIEMIECKIM WYKONUJEMY WERYFIKACJ? WITRYNY. WSZYSCY PRACOWNICY NINIEJSZEJ STRONY BY?Y NATYCHMIAST, BEZ WYJ?TKU ...... ODPOWIADAJEMY .... BEZ WYJ?TKU ... ABY PODA? KONTENEROWI ZARZ?DZANIE BUDOWL?. PROSZ? ZAPEWNI? SWOJEGO PERSONELU I UBEZPIECZENIE SPO?ECZNE ?WIADOMI DO TEGO PRZEGL?DU!

Unbekannter (zweifelnd): „Das ist doch alles russisches Roulette was wir hier machen, was ergibt sich denn, wenn Sie in Ihrer App den polnischen Ergebnistext kopieren und diesen ins Deutsche rückübersetzen?“

Pauli (mit gerunzelter Stirn auf seinem Smartphone hektisch herumtastend): „Gute Idee, das überprüfe ich gleich einmal. …..........Also wenn ich das polnische Übersetzungsergebnis zurückübersetzte kommt folgender Text raus:

ACHTUNG! HIER SAGT POLIZEI!
IN ZUSAMMENARBEIT MIT DEUTSCHEM ZOLL FÜHREN WIR DIE PRÜFUNG DER WEBSITE AUS. ALLE MITARBEITER DIESER WEBSITE WURDEN SOFORT OHNE AUSNAHME ...... ANTWORT ... KEINE AUSNAHME ... EIN CONTAINER-KONSTRUKTIONSMANAGEMENT ZU MACHEN. BITTE SICHERN SIE IHRE PERSONAL- UND SOZIALVERSICHERUNG BEWERTUNG ZU DIESER REVIEW!

Unbekannter (die Augen verdrehend): „Was ein Käse! …........Kommen Sie, vergessen Sie es. Wer weis was erst dabei rauskommt, wenn wir unser rumänisches Übersetzungsergebnis ins Deutsche zurückübersetzen lassen.“

Pauli (mit leicht verärgerter und trotziger Stimme, da seine tolle Idee so wenig Zuspruch findet): „
Moment, das habe ich noch im Zwischenspeicher. Also, wenn wir das Übersetzungsergebnis aus dem rumänischen ins Deutsche zurückübersetzen, dann kommt dann folgendes raus:

TENTIA ACHTUNG! HIER SPRECHEN POLIZEI!
In Zusammenarbeit mit der deutschen Zone führen wir einen Site-Check durch. ALLE ARBEITNEHMER AUF DER WEBSITE SIND SOFORT, OHNE AUSNAHME ... WIDERSTAND ... OHNE AUSNAHME ... WENN DER CONTAINER DES GEBÄUDEMANAGEMENTS GESCHLOSSEN IST. BITTE BEWAHREN SIE IHR PERSONAL UND SOZIALE SICHERHEIT ZUR ÜBERPRÜFUNG AUF!

Unbekannter (kopfschüttelnd und leise auflachend): „Sag ichs doch! Alles Käse!“

Pauli: „Okay! Dann nehmen wir nur die Durchsage in Deutsch und Englisch. Das muss dann reichen.“

Unbekannter: „Was erwarten Sie eigentlich als Ergebnis dieser Aktionen?“

Pauli: „Machen Sie sich mal keine Gedanken darüber. Wichtig ist, dass wir alles in Schrift, Bild, Film und Ton so gut wie möglich dokumentieren. Den Rest mache ich dann, wenn das Ergebnis verwertbar ist. …..So und nun möchte ich mich von Ihnen verabschieden. ….Ich erwarte Ihr Material innerhalb der nächsten 14 Tage. Sie können es mir gerne in meinen Briefkasten am Pfarrhaus werfen.“

Unbekannter: „Gut. Aber was ist mit meiner Absolution?“

Pauli: „Das hängt alles vom Ergebnis unserer Aktion ab. Diese kann ich Ihnen heute noch nicht versprechen.“

Daraufhin trennten sich zunächst einmal unsere Wege.

Nach ca. 7 Tagen hatte ich einen großen Briefumschlag in meinem Briefkasten liegen. Der unbekannte Büßer hatte mir neben 20 DIN-A4-Seiten Baustellenbericht auch einen USB-Stick zugeleitet. …........Als ich diesen in meinen PC steckte, erkannte ich, dass dort ein Video hinterlegt war, welches ich erwartungsvoll abspielte.
Der Unbekannte hatte sich genau an meine Anweisungen gehalten und das Filmmaterial sogar so filmtechnisch geschnitten, dass nur das Wesentliche in den Filmsequenzen zu sehen war. ….....Man konnte im Film leicht verwackelt sehen, wie jemand von einem erhöhten Standpunkt aus, dass gesamte Baugelände praktisch in einer 360 Grad Umsicht von oben abgelichtet hatte. Dann sah man unzählige Arbeiter nach und nach auf der Baustelle eintrudeln. ….......Plötzlich erschallte in ordentlicher Lautstärke und mit einem durch die Häuserwände erzeugten Echo- bzw. Nachhall Effekt die Polizeisirene und die Lautsprecherdurchsage über die Megafone auf Deutsch und Englisch. …...Kaum war die Durchsage verklungen, schien die Baustelle in hektischer Aktivität zu explodieren. …...Auf einem Filmabschnitt konnte man sehen, wie zwei Bauarbeiter mit breiten Schnäuzern aus der 2ten Etage über einen Balkon in die Tiefe auf einen Sandhaufen sprangen, sich abrollten und dann flink und schnell wie Eichhörnchen, ähnlich Parcours Sportlern, über den zwei Meter hohen Baustellenzaun flüchteten. …..Ein Kranführer seilte sich in Rekordgeschwindigkeit wie Spiderman über das frei schwingende Hubseil aus mindestens 20 Meter Höhe ab und versuchte sich in einer DIXI-Toilette zu verstecken. Dies gelang diesem aber nicht, da diese schon von zwei
anderen Arbeitern als Versteck vorher gewählt worden war und bereits bedenklich wackelte. ….Bei einem Filmschwenk konnte man drei Bauarbeiter sehen, welche sich auf einem benachbarten Flachdach hingelegt hatten in der Hoffnung, dass man diese dort nicht finden würde. …..Der aufgeschreckte Bediener einer Rüttelplatte hatte sich so blitzartig von seinem noch laufenden Arbeitsgerät getrennt, dass dieses nach 10 Metern führerlosen Hoppel Weg mit einem lauten Knall in eine Baugrube fiel, in der die Rüttelmaschine zornig noch einmal aufschnaufend im frischen Ort-Beton versank.
Der vom Unbekannten angefertigte Baustellenbericht enthielt bedenkliche Feststellungen bezüglich von Verstößen gegen Arbeits- und Umweltschutzgesetze und Richtlinien auf der Baustelle.

Noch am selben Tag verfasste ich einen anonymen Brief an meinen Bischof Dr.T.Abernakel mit folgendem Wortlaut:


Sehr geehrter Herr Dr.T.Abernakel,

ich melde mich als Whistleblower bei Ihnen und sende Ihnen in der Anlage ein Baustellendossier inklusive beweisendes Filmmaterial zu, mit der dringenden Bitte um Überprüfung, damit Schaden von unserer Mutter Kirche abgewehrt werden kann.
Es geht um einen drohenden Skandal auf der Großbaustelle des “Teutonen Carré in der Nordstadt”, bei der, wie mir bekannt ist, Mutter Kirche den Generalbauunternehmer selbst beauftragt hat. Bitte sehen Sie sich die Beweise genau an.
Falls Sie etwas gegen die dortigen Missstände unverzüglich zu unternehmen gedenken, veröffentlichen Sie bitte in der nächsten Ausgabe des Stadtanzeigers in der Rubrik Immobilien/Vermietungen folgenden einfachen Kurztext:

EIN MIETER BENÖTIGT KEINE SOLCHEN VERMIETER!

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich mich andernfalls genötigt sehe, je eine Kopie des Beweismaterials an die zuständigen Ämter, Polizei,Zoll und auch an TV und Presse zu senden.

MfG

Ihr Whistleblower



5 Tage nach Absendung dieses Briefes an unseren Bischof stand der gewünschte Kurztext im Stadtanzeiger in Fettschrift abgedruckt.
Eine Woche später berichtete der Stadtanzeiger, dass es personelle Veränderungen rund um die Großbaustelle “Teutonen Carré” gegeben hätte. Der Baustellenleiter hätte aus eigenem Entschluss fristlos gekündigt und 2 Poliere wären von Ihren Aufgaben auf eigenen Wunsch hin entbunden worden.

Ich weiß nicht, wie Sie lieber Leser und Leserin diese Geschehnisse beurteilen, aber eins hat sich für mich mal wieder gezeigt. Wenn es darauf ankommt, ist auf unseren Dr.T.Abernakel Verlass. Vielleicht sagt man ihm ja zu Unrecht nach, dass er “Hart aber ungerecht” sei.

Amen

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Weitere Bücher (EPUB) von Mike Bradfort zum Download findet man unter:
- (einfach die folgende ISBN Nummer kopieren und z. B. In GOOGLE eingeben) -

ISBN: 978-3-7396-1864-7 Beichtstuhlgeschichten (Satire-Pauli-Reihe)
ISBN: 978-3-7396-4083-9 Beichtstuhlgeschichten 2.0 "Vox Pauli" (Satire-Pauli-Reihe)
ISBN: 978-3-7396-8323-2 Beichtstuhlgeschichten 3.0 "Lumen Pauli" (Satire-Pauli-Reihe)
ISBN: 978-3-7438-8079-5 Beichtstuhlgeschichten 4.0 "Opus Pauli" (Satire-Pauli-Reihe)
ISBN: 978-3-7396-5902-2 Irgendwo in Mexiko (Satire-Pauli-Reihe)
ISBN: 978-3-7396-2478-5 SOM Supermarkt der Barmherzigkeit (Satire-Pauli-Reihe)
ISBN: 978-3-7396-2031-2 Lotterie des Todes (Esoterik)
ISBN: 978-3-7396-2494-5 Welche Rechte hat ein Alien? (Satire)
ISBN: 978-3-7396-2537-9 Der Exotenhändler (Science-Fiction)
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