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17 Seiten

Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma - Kapitel 20, 21, 22 u. 23

Romane/Serien · Spannendes
© Palifin
Kapitel 20

„Scheußlich!“, entfuhr es Margrit. „Wie kann Munjafkurin das wissen, wo doch alle seine Kameraden an Herzversagen gestorben sind?“
„Nicht alle, Margrit. Andoraine lebte noch ein Weilchen, wahrscheinlich hatte einer der Jisken Skrupel bekommen und ihr daher nicht zu viel gegeben.“
„Doch die Viren haben sich dann vermehrt und ...“
„Richtig, es war zufälligerweise die richtige Menge, wodurch sie so funktionierte, wie es sich Balsaton gedacht hatte. Andoraine stürzte sich sofort auf Munjafkurin. Gott sei Dank war er schon misstrauisch geworden. Es war ein mörderischer Kampf, bei dem Munjafkurin nichts anderes übrig blieb, als seine Freundin zu töten.“
„Ganz furchtbar! Also, das ist wohl das Schrecklichste, was einem passieren kann ...“
„Das sage ich Ihnen!“
„Munjafkurin hat Andoraine sehr geliebt, nicht wahr?“
„Keine Ahnung! Hajeps behaupten immer wieder, dass sie nicht lieben können. Es gibt in ihrer Sprache nicht mal eine Vokabel dafür!“
„Aber wissen die Hajeps nicht längst von diesem Mittel? Sie sind doch hochintelligent und haben bestimmt auch sehr gute Spione!“
„Unterschätzen Sie die Jisken nicht. Die können es durchaus mit den Hajeps aufnehmen. Natürlich waren die Jisken sehr vorsichtig. Nachdem das Attentat auf die Hajeps missglückt war, versteckten sie das Refenin erst einmal für längere Zeit in einem Schubor - einem Tresor. Sie hoben es für ihre Erzfeinde über Jahre dort auf.“
„Warum? Weshalb bringen die Jisken erst jetzt dieses Mittel zum Einsatz? Das hätten sie doch schon längst tun können!“
„Wohl nicht! Sie sollen sich erst bei diesem Streit um unsere Erde wieder sehr ´nahe´“, er grinste wegen dieses Wortes, „gekommen sein!“
„Außerdem sind die Hajeps inzwischen auch recht leichtsinnig geworden“, fügte Margrit noch hinzu, „tragen keine Helme mehr, sind kontaktfreudiger!“, zählte sie weiter auf.
„Richtig! Aber das sind die Jisken inzwischen auch. Übrigens, sämtliche Leute, die einst an Refenin gearbeitet hatten, einschließlich Balsaton, wurden nach und nach getötet, damit die Hajeps von diesem Geheimnis nichts erfahren konnten.“ Er räusperte sich feierlich und warf dabei wieder einen fast verliebten Blick auf das kleine Fläschchen. „Und nun ist endlich die Zeit gekommen, wo Refenin für uns alle arbeiten wird, für die Jisken, für die Loteken, für all die unterjochten Völker und für uns, Margrit!“
„Aber“ warf Margrit wieder ein „können die Asabs und Howane der Hajeps denn nicht sofort ein Gegenmittel erfinden?“
„Es ist wahnsinnig schwer, in so kurzer Zeit das Verhalten und den Aufbau eines derart komplizierten Virus zu erkennen. Bedenken Sie, Refenin tötet innerhalb eines Tages.“ Seine nervösen Finger spielten dabei mit der Pappschachtel herum. „Dann muss noch das sicher ebenfalls komplizierte Gegenmittel erfunden und rechtzeitig dem Patienten verabreicht werden.“
„Gibt es etwa noch gar kein Mittel dagegen? Haben denn die Jisken auch keins?“
Er ließ die Pappschachtel endlich los und zuckte ratlos mit den Schultern. „Keine Ahnung. Aber nach allem, was mir Munjafkurin über Gesine mitgeteilt hat, wohl nicht!“
„Aber dann ist es doch nicht nur für die Jastra gefährlich, sondern auch für uns, für die Loteken, für die entflohenen Sklaven, für alle!“
„Niemand von den Infizierten wird aus Lakeme, dem Regierungspalast, entfliehen können. Wir nennen das prächtige Gebäude im Herzen Zarakumas deshalb schon jetzt Todespalast. Sollte das Virus dennoch verbreitet werden, dann ist das halt unser Risiko, Margrit, denn bald kommen aus der ganzen Welt die Oberhäupter aus der Kaste der Jastra nach Lakeme. Ein großer Kongress findet dort statt, um gemeinsam den Tod des Rebellen Gisterupa und seiner Getreuen hautnah mitzuerleben. Wenn sämtliche Jastra von uns infiziert sind, wird Scolo von Munjafkurin und seinen Getreuen zerstört, damit die Türen von Lakeme nicht mehr geöffnet werden und die Jastra keinen Kontakt nach draußen aufnehmen können. Sie werden alle elendiglich an Refenin sterben.“
„Aber“, Margrit presste ihre kalt gewordenen Hände an die vor Aufregung heißen Wangen, „das hört sich alles unvorstellbar grausam an.“
„Ich weiß nicht, was Sie haben, Margrit. Die Jastra selbst sind doch furchtbar und grausam. Die haben das doch verdient!“ Günther Arendts Blick flackerte plötzlich seltsam. „Zuerst muss natürlich Atabulaka mit Refenin infiziert werden! Der Kopf der Schlange soll abgeschlagen sein! Erst dann sollte Oworlotep die tödlichen Viren erhalten, denn der ist hinterhältig.“
„Und wie genau soll das vonstatten gehen?“, keuchte sie. „Ich meine, das mit dem Infizieren? Denn wie Sie das so geschildert haben, wollen die Jastra keinen Sex mit Lumantis.“
„Nun, ich dachte mir, zum Beispiel durch einen Kuss!“ Günther Arendt zögerte für einen Sekundenbruchteil und sah dabei prüfend in Margrits Augen. „Ja, ich weiß, denen scheint ein Austausch von Zärtlichkeiten kaum bekannt zu sein. Es hat sich aber gezeigt, dass zumindest die unterste Kaste sehr interessiert daran war, so etwas zu erlernen! Doch die Jastra scheinen sich wesentlich schneller zu ekeln als die unterste Kaste. Außerdem haben sie eine geradezu höllische Angst vor Schmutz und Bakterien. Daher empfinden sie das Küssen als einen äußerst unhygienischen Akt. Andererseits scheint gerade die höchste Kaste extrem neugierig und verspielt zu sein. Die Jastra kennen zwar Sex, ihre Art Sex zu haben eben, aber wir haben eine Chance, sie neugierig auf Zärtlichkeiten, auf heiße Küsse zu machen.“
„Wie soll das gehen, wo bisher noch keines Lumantis Fuß den großen Palast Zarakumas betreten durfte?“
„In diesem Fall schon, denn ich habe über Munjafkurin die-sem ... ha!“, rief er erleichtert. „Jetzt habe ich endlich seinen Namen! Quanzhulon heißt der neue Undasubo, der aber wieder nur eine Strohpuppe für Atabulaka ist. Aber genau dem habe ich eine Überraschung versprochen!“
„Ach ... äh ... wie?“ Margrit war plötzlich wieder irgendwie furchtbar mulmig um die Magengegend herum. „Wie soll ich das verstehen?“
„Keine Angst, das habe ich doch nur Quanzhulon bestellen lassen, um die Neugierde der Jastra auf uns Lumantis zu entfa-chen! Quanzhulon ist sehr an Menschen interessiert. Er war ganz begeistert und kann Atabulaka gewiss überreden“, setzte er hastig hinzu. „Daher glaube ich, dass es tatsächlich klappen wird.“
„Wie klappen? Wenn die Jastra von Lumantis geküsst werden sollen, dann müssen diese Menschen doch vorher mit diesem Virus infiziert worden sein. Doch es wird wohl kaum jemand so etwas mörderisches freiwillig einnehmen“, sprudelte es aus Margrit hervor und sie konnte nicht verhindern, dass ihr die Knie zitterten.
„Nun, dass das Ganze mörderisch sein wird, werde ich be-stimmt nicht den neunzehn jungen Frauen und Männern vorher auf die Nase binden, die sich heute bei mir gemeldet haben.“ Günther Arendt zwinkerte dabei Margrit schelmisch zu.
Doch die saß jetzt da, als hätte sie einen Stock verschluckt.
„Mensch Margrit, gucken sie nicht so komisch! Es gibt halt keinen anderen Weg für mich. Irgendetwas müssen wir schon für diese Idee opfern, aber ich verspreche ihnen, dass das garantiert die letzten Menschen sein werden, die ich nach Zarakuma schicke. Und diese zwanzig Menschen werden, noch ehe der Tag anbricht, vor Zarakuma warten.“
„Zwanzig? Eben sagten sie noch neunzehn!“
Er überging diese Frage und grinste nur seltsam. „Ein Asab und eine kleine Einheit Jimaros werden sie in Empfang nehmen.“
„Ein Asab ist auch dabei?“, ächzte sie verdutzt. „Ich denke, die Asabs und Howane sind Ärzte?“
Diesmal ging er wieder auf ihre Frage ein. „Das sind sie auch. Die Jastra sind eben sehr misstrauisch, haben eine höllische Angst vor Bakterien, darum werden diese Menschen zuvor von diesem Asab genauestens untersucht.“
„Direkt vor Zarakuma?“
„Richtig!“
„Und trotzdem wird der Asab dieses Refenin nicht entdecken?“
„Nein, denn wir wissen nun, wie viel die Menschen bekom-men dürfen. Es muss eine solch winzig kleine Menge sein, dass man sie selbst mit diesen hervorragenden Apparaten nicht sehen kann.“
„Reichlich riskant!“, bemerkte sie skeptisch.
„Wenn dann die ersten hajeptischen Politiker in Zarakuma eintreffen, können die sich bereits am frühen Morgen mit diesen Menschen amüsieren.“ Günther Arendt konnte jetzt sein zynisches Lächeln kaum unterdrücken. „Machen Sie nicht so ein Gesicht. Die neunzehn Menschen werden kaum dabei leiden, denn gleichzeitig mit einigen Tropfen des tödlichen Serums bekommen sie auch ein Schmerzmittel in Vene gespritzt. Wir nennen das einen Muntermacher!
„Was?“, kreischte Margrit aufgebracht und diesmal gelang es ihr sogar, mit dem Sessel vom Schreibtisch abzurücken. „Sie spritzen diesen Menschen das Giftzeug einfach in die Vene?“
„Aber, wie soll es denn sonst gehen? Du meine Güte, Sie sind ja schon wieder ganz blass!“ Er tätschelte beruhigend ihre Hand. „Wir tun dies doch für eine wirklich gute Sache.“ Günther Arendt wirkte irgendwie hilflos. „Und wenn die Menschen es nicht wissen, ist es doch besser, nicht wahr?“
„Das finde ich aber gar nicht!“, schnaufte sie zornig.
„Dennoch ist das völlig in Ordnung.“ Er räusperte sich. „Diese Leute müssen dadurch nichts geheim halten! Nur Sie Margrit, kennen jetzt die volle Wahrheit, da ich Ihnen vertraue und fest daran glaube, dass Sie ein besonderer Mensch sind, jemand, der bereit ist, wissentlich sein Leben für die Menschheit zu opfern, da es keinen anderen Ausweg für uns gibt. Sie sind nämlich dieser zwanzigste Mensch!“
„Danke für diese Ehre!“, fauchte sie entsetzt. „Aber da haben Sie sich geschnitten, denn ich“, sie konnte plötzlich nicht mehr weitersprechen, sondern tippte sich nur verzweifelt an die Brust, dann gab sie sich einen Ruck, „mache ganz gewiss nicht dabei mit und das wissen Sie ganz genau!“
Günther Arendt nickte. „Ich weiß doch, dass Sie das nicht wollen, meine Liebe! Und nach dem, was ich Ihnen alles geschildert habe, natürlich erst recht nicht. Ich hatte gehofft, dass Sie das Refenin nicht wieder erkennen würden. Schade, so konnte ich Sie nicht mehr belügen und musste mit der vollen Wahrheit heraus. Atabulaka und Oworlotep und all die anderen aus der Kaste der Jastra werden einen Krieg gegen die Loteken und Jisken beginnen, um sie aus den eroberten Gebieten wieder zu vertreiben. Bevor sie das tun können, sollten sie mit Refenin infiziert sein! Selbst wenn die Jastra später die Türen Lakemes aufbrechen sollten, werden sie nur damit beschäftigt sein, Hilfe von Ärzten zu bekommen oder vielleicht nur nach Sex gieren oder um sich beißen und andere infizieren. Scolo und Pasua werden mit einem Schlage kampfunfähig sein. Das wird unsere Chance und die Chance sämtlicher unterdrückten Kasten und Völker!“
„Aber nicht meine!“, erklärte sie verzweifelt und schon war sie von ihrem Sessel aufgesprungen und jagte durch den riesigen Salon Richtung Ausgang. Günther Arendt hingegen blieb ruhig, holte eine kleine Glocke aus dem Schubfach und läutete. „Herbert, Achim!“, brüllte er und erst dann schob er sich am Schreibtisch vorbei.
„Halt!“, brüllte er Margrit hinterher. „Margrit, das ist ein Befehl! Sie bleiben sofort stehen!“
„Denke nicht daran!“, keuchte sie und schon drückte sie die Türklinke hinunter.
„Aber Margrit, warum wollen Sie nicht einsehen, dass Sie auf diese Weise auch Ihre eigene Familie retten werden. Es war doch vorauszusehen, dass die Hajeps uns eines Tages völlig ausrotten wollen. Und so können wir das wirklich noch verhindern! Sie werden feststellen, das Ganze tut nicht einmal weh!“, versuchte Günther Arendt sie irgendwie zu beruhigen. Margrits entsetzte Augen gewahrten nun sogar eine Spritze, welche er aus der schmalen Pappschachtel holte, die neben dem Fläschchen gelegen hatte. „Nur ein kleiner Pieks, weiter nichts!“
Kaum hatte Margrit die Tür aufgerissen, da entdeckte sie in der Dunkelheit des Flurs zwei Schattengestalten. Die beiden Kerle packten Margrit sofort, drehten ihr die Arme auf den Rücken und schon befand sie sich wieder im Salon.
„Ihr könnt sie ruhig weiter festhalten, damit es leichter geht.“ Günther Arendt strich nachdenklich mit den Fingern über die noch leere Spritze. „Meine liebe Margrit“, krächzte er, ein wenig heiser vor Aufregung geworden, „niemand sonst wird wissen, was mit Ihnen geschehen ist und diese Tat wird nicht sinnlos sein. Ich habe Refenin gestern Abend getestet. Die Krankheit verläuft tatsächlich so, wie es Munjafkurin geschildert hat.“ Er ließ sich nun in den Sessel zurückfallen und seine Augen schimmerten feucht. „Bronko und Aida, meine treuen Boxer sind heute Mittag an Refenin verendet. Ich konnte leider keine anderen Tiere nehmen, das wäre aufgefallen. Meine Leute haben sich zwar ein wenig über deren Verhalten gewundert, aber schließlich nahmen sie an, sie hätten die Tollwut.“ Er hielt den Atem an, ehe er weiter sprach. „Ich hoffe, dass sich ihr Opfer gelohnt haben wird.“
„Ihre Hunde bedauern Sie!“ Margrit zitterte am ganzen Körper, während man sie mit aller Macht in den Sessel drückte. „Aber über Menschen wird hier gesprochen, als wären sie nur Marionetten, die man wegschmeißen und morgen durch andere ersetzen kann!“
„Ja, das könnte vielleicht sein“, grinste er. „Klappt es nicht, schicke ich vielleicht weitere Infizierte nach Zarakuma. Ich habe schließlich genügend Refenin, weil nur winzigste Mengen genügen.“
„Ich möchte nicht wissen, wie viele Leben Sie in Wahrheit bereits auf dem Gewissen haben, Sie ... Sie Arschgesicht!“
„Aber Margrit, wie reden Sie denn plötzlich mit mir. Das ist aber ganz und gar nicht das brave Mädchen, das wir bisher kannten. Tja, so ändern sich manchmal die Leute“, sagte er mit einem leichten Bedauern und drückte dabei von oben mit dem Daumen auf die Flasche und dadurch kroch ein kleines Röhrchen an der Seite des komischen Behälters hervor. „So Leid es mir tut, meine liebe Margrit!“, sagte er mit einem schwermütig klingenden Unterton und steckte die Nadel der Spritze in dieses feine Röhrchen und saugte damit einige Tröpfchen auf. „Aber, wie heißt es doch so schön: Wo gehobelt wird fallen Späne!“
„All diese Menschen werden ihnen blind vertrauen. Man kann Menschen sehr gut belügen, besonders wenn sie idealistisch denken.“
„So und nun halten wir unser Plappermäulchen und machen den rechten Arm frei.“ Er hielt die Spritze gegen das Licht und überprüfte den Inhalt. „Es darf nicht zu viel sein, sonst wirkt es zu früh!“
In diesem Moment stieß sie ihre Beine mit einer derartigen Wucht gegen den Schreibtisch, dass der gegen Günther Arendts Bauch kippte und er vor Schreck beinahe die Spritze mit dem kostbaren Inhalt zu Boden fallen gelassen hätte. Doch dann kippte er den Schreibtisch, übers ganze Gesicht grinsend, einfach wieder zurück.
Einer der Männer wollte Margrit dafür eine Ohrfeige geben, doch Günther Arendt winkte ab. „Ist eben eine echte Guerillera“, sagte er anerkennend, „die sich nicht so einfach ergibt!“
„Das stimmt!“, fauchte sie. „Und darum sage ich Ihnen auch folgendes: Wenn Sie mir diese Spritze gegen meinen Willen verabreichen, werde ich den Hajeps alles über dieses Refenin erzählen.“
Er jappste verdutzt nach Luft, aber dann sagte er: „Meine beste Margrit, das würde Ihren Tod bedeuten. Wollen Sie so schnell sterben?“
„Sie meinen, entweder ich lasse mich spritzen oder sie bringen mich um?“
„Nun, so scharf will ich das nicht ausdrücken.“ Er hüstelte vorsichtig. „Doch das, was Sie hier machen, ist eine Befehlsverweigerung in einer lebensbedrohlichen Situation. Immerhin sind wir Guerillas und daher herrschen bei uns nicht gerade die sanftesten Sitten.“
„Wissen Sie was, es ist mir völlig Wurst, ob ich nun heute oder morgen sterbe!“
„Man kann auf verschiedene Art und Weise sterben! Zum Beispiel auch qualvoll!“
„Schön, dann haben Sie gesiegt und ich lasse mich spritzen, aber wer sagt Ihnen, dass ich nicht gelogen habe und vielleicht doch alles den Hajeps erzählen werde?“
„Das werden Sie nicht tun!“
„Und wenn doch?“
Er sah ihr scharf in die Augen, aber sie zuckte mit keiner Wimper, schließlich keuchte er fassungslos.
„Okay“, ächzte er. „Lasst sie los!“
„Aber Chef?“, stammelten die beiden Kerle fassungslos. „Sie werden doch nicht ...“
„Nachgeben? Doch das werde ich! Margrit muss wirklich wollen! Sie hat Recht, denn sie ist leider die wichtigste Person bei dieser ganzen Sache.“
Nur sehr unwillig gehorchten die beiden muskelbepackten Guerillas.
Mit immer noch zitternden Knien erhob sich Margrit vom Sessel. Ein wenig taumelig griff sie sich ihre Jacke vom Kleiderhaken, hatte es aber viel zu eilig, um sich diese noch anzuziehen und daher legte sie sich die nur über den Arm. Drei funkelnde Augenpaare verfolgten sie dabei. Kaum hatte sie die schwere, verschnörkelte Tür aufgerissen, hörte sie Günther Arendt vom Schreibtisch her: „Aber Margrit, wollen Sie mir denn nicht `Auf Wiedersehen´ sagen? Wo bleiben die Höflichkeiten?“
Erschrocken wandte sie sich nach ihm um. „Leben Sie wohl!“, nuschelte sie etwas undeutlich, denn ihre Zähne klapperten noch immer.
„Kaum“, erwiderte er kühl, „denn ich habe mir soeben etwas ausgedacht, womit ich Sie doch noch für diese Sache gewinnen werde!“
„Schön, dass Sie das glauben!“, gab sie ebenso spitz zurück.
„Chef, sollen wir ihr nicht endlich was vor den frechen Latz geben?“, maulte einer der Männer, doch abermals winkte Günther Arendt ab.
Margrit hatte die letzten Sätze kaum gehört, denn schon war sie im Flur und donnerte, immer schneller werdend, die Stufen hinab. Unten angekommen stieß sie keuchend die schwere Eichentür auf, lief ins Freie und rannte beinahe an George vorbei, der schon seit einem ganzen Weilchen auf Margrit gewartet hatte. „Ich muss zu meiner Familie und zwar schnellstens!“, keuchte sie aufgeregt. Mit entschlossenem Gesichtsausdruck nahm Margrit neben ihm Platz.
„Aber willst du nicht erst zu uns? Was ist passiert?“, erkundigte er sich verdutzt. „Du siehst ja aus, als wäre der Teufel hinter dir her?“
„Keine Zeit mehr für Erklärungen, George!“, schnaufte Marg-rit. „Gott, ist mir schlecht!“
„Dir ist schlecht? Hast du denn etwas Verdorbenes gegessen?“ Und schon heulte der Motor auf.
Günther Arendt stand indes am Fenster des prächtigen Flurs und schaute dem alten Jambo kopfschüttelnd hinterher.
„Chef, ist ja mächtig frech, diese Margrit Schramm“, mokierte sich Achim, der eine der beiden Guerillas. „Ich will mich ja nicht einmischen, aber wollen wir sie nicht einfach zurückholen?“
„Ich will Ihnen da auch nicht dreinreden, aber das wäre wirklich besser!“, stimmte ihm Herbert zu. „Nachher bleibt sie nicht bei den Maden und läuft noch weg. Dann ist es mit unserer großen Chance vorbei!“
„Nein, ganz und gar nicht“, sagte Günther Arendt in ruhiger Tonlage, aber innerlich ärgerte er sich über Margrit ebenso, „denn sie wird noch heute freiwillig wiederkommen, das verspreche ich euch.“ Und dann holte er sein Sprechfunkgerät hervor. „Norbert“, sprach er ins Mikro. „Nooorbert! Himmel, sein Gerät ist einfach schrecklich! Wie bitte? Sprich lauter, kann kaum was hören! Nein, das sollst du jetzt nicht machen. Ver-dammte Nebengeräusche! Was? Nein, habe ich gesagt, verfolge lieber unauffällig George und Margrit. Die fahren gerade mit diesem alten Jambo weg und sage Mike Bescheid. Es soll irgendwo in seiner Nähe eine Hütte in den Wäldern geben, zu der die beiden euch hinführen werden. Ihr müsst es nur geschickt genug anstellen. Und dann bringt ihr mir die alte Frau mit den Kindern!“ Er grinste hämisch, als er sein Handy ausstellte.

Kapitel 21

Missmutig lief Gesine die Straße entlang. Das war jetzt das dritte Mal, dass man sie so behandelte. Dabei war sie so fleißig gewesen! Sie wollte nach Kitzingen, weil sie sich dort etwas Net-tes zu erhandeln erhoffte und dabei natürlich auch wieder mal eine Kleinigkeit mitgehen lassen konnte. Deshalb hatte sie das Babysitten Ilse überlassen und mitgeholfen, ein Feld mit jungen Salatpflänzchen zu bepflanzen. Das Kreuz tat ihr noch immer davon weh und die Hände waren rissig und rau geworden. Aber als Gesine darum gebettelt hatte, in einem der Jambutos mitge-nommen zu werden, die Richtung Kitzingen fuhren, war sie im-mer wieder auf taube Ohren gestoßen.
Das war richtig fies. So etwas würde sie sich merken, denn zu Fuß war es ein bisschen schlecht, bis dort hin zu kommen. Gerade als sie über diese Gemeinheit mit den Tränen am kämpfen war, sah sie in der Ferne einen weiteren Jambuto kommen. Zunächst hüpfte ihr Herz freudevoll, aber dann warf sie mit trotziger Miene die Zöpfe zurück und machte für den Jambuto Platz, denn bestimmt war auch dieser Wagen völlig überfüllt.
Je näher der Jambuto kam um so mehr hatte sie Mühe, ihre Tränen zurück zu halten, denn der Wagen war tatsächlich wieder überladen. Die ganze Zeit schon hatte sie sich so auf Kitzingen gefreut und nun war alles für die `Katz` gewesen. Plötzlich bremste der Jambuto neben ihr und Rita, die hinter dem Steuer saß, lehnte sich zu Gesine hinaus.
„Was ist denn los?“, fragte sie. „Was hat dir denn die Petersilie verhagelt?“
„Och, nichts! Ich darf nur wieder nicht nach Kitzingen!“, schniefte Gesine und wischte sich dabei eine Träne weg, die ihr nun doch gekommen war.
„Was, schon wieder durftest du nicht?“, empörte sich Rita.
Gesine nickte und wischte sich dabei mit dem Handrücken über die Nase.
„Also, wenn es weiter nichts ist. Wir wollen zum Hegershof, das ist nicht weit von Kitzingen entfernt. Wir rücken alle etwas zusammen, nicht wahr Leute?“
„Mann, noch enger?“, murrte Erkan, der sich mit Gesine seit Zarakuma noch immer nicht richtig versöhnt hatte, doch die anderen jammerten auch.
„Habt euch nicht so!“, schimpfte Rita. “So ein bisschen enger sitzen ist ja wohl nicht das Allerschlimmste!“

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„Danke!“, sagte Gesine etwa eine dreiviertel Stunde später, als der Wagen hielt, um auch die letzte Person abzusetzen. „Das war wieder richtig lieb von dir, Rita!“
„Du hast mich doch während der Fahrt nett unterhalten! Das reicht schon als Entschädigung“, erklärte Rita lachend. Gesine gab ihr einen Kuss zum Dank auf die Wange und dann sprang sie vom Jambuto.
„Ich verspreche dir trotzdem, dass ich mich revanchieren werde!“, versicherte Gesine und winkte Rita noch zum Abschied zu.
Als Rita in die nächste Straße hinter einem dicht bewachsenen Hügel eingebogen war, holte sie das Handy hervor. „Hallo Frank, ich habe alles so gemacht, wie du mir geraten hattest und nun?“
„Was heißt hier gemacht, verdammt noch mal, drück dich doch mal genauer aus, Rita“, hörte sie ihn zu ihrer Überraschung ziemlich ungehalten durchs Mikro. „Hast du Gesine aufgelesen?“
„Ja, du hattest Recht“, wisperte Rita aufgeregt. „Sie wollte so gerne nach Kitzingen. Keiner hatte sie mitgenommen.“
Frank holte vor Erleichterung tief Atem. „Da wird sie dir sicher vor lauter Dank aus der Hand gefressen haben!“
„Sehr richtig, Frankilein!“
„Frankilein, Frankilein!“, äffte er sie ungeduldig nach. „Und hast du sie nun gefragt?“
„Was gefragt?“
„Na, was ich dir vorhin gesagt habe! Gesine schleicht doch immer um diese Glugge herum, und da ist ihr bestimmt nicht entgangen, wo deren Familie ihre Bleibe hat. Also, hat sie nun darüber geplappert oder nicht?“
„Ich weiß nicht!“ Rita überkamen auf einmal Gewissensbisse. Obwohl sie für den muskelbepackten Frank schwärmte und dieser in letzter Zeit Anspielungen gemacht hatte, dass er dasselbe für sie empfinden würde, fand sie ihn doch ein wenig rau im Umgang mit Menschen. Er gehörte eben zu den Spinnen und die waren schon etwas anderes als die Maden, halt richtig verwegene Guerillas. Aber heute war er so mürrisch und sie hatte mit einem Mal kein rechtes Vertrauen zu ihm. Was war, wenn er alles, was sie von Gesine erfahren hatte, an Mike weiter erzählen würde? Weshalb wollte er überhaupt so viel über Margrits Familie wissen. Was ging ihn das eigentlich an? Diese Fragen stellte sie ihm dann auch.
„Aber Ritalein, meine Süße“, sagte er mit wesentlich sanfterer Stimme, kaum dass sie geendet hatte. „Du brauchst mir gegenüber wirklich nicht so misstrauisch zu sein! Wir kennen uns doch schon ein bisschen, oder? Außerdem mache ich nicht alles, was Mike sagt, bin doch nicht sein Sklave. Und du glaubst doch wohl nicht im Ernst, dass Mike sich ausgerechnet wieder das alte Muttchen und die zwei unternährten Kinder einfangen würde!“ Rita hörte ihn jetzt amüsiert auflachen. Ach, er hatte so eine süße Lache! „Es ist nur so“, erklärte er weiter, „dass ich hier ein paar Decken und Kleidung habe, die ich dieser Familie bringen würde. Wann könnten wir zwei Hübschen uns eigentlich wieder mal treffen?“
„Du willst dich mit mir treffen?“, keuchte sie mit hochrotem Kopf.
„Nur mit dir, Süße, und mit sonst niemandem!“, flötete er.
„Nun übertreib mal nicht so sehr, Sklave!“, wisperte ihm Mike zu, neben welchem Frank gerade im Jambo saß. „Und vor allem, mach schnell. Es wäre schon besser, diese verrückten Hammel zu fangen, bevor Margrit und George bei ihnen sind. Die leisten bestimmt Gegenwehr!“

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Worgulmpf zerhackte das Holz sorgfältig in kleine Stückchen. Bei Ubeka, das würde abends ein schönes Feuerchen im Kamin abgeben. Die Sonne ging schon rot hinter den Wipfeln des wunderschönen Waldes unter, in welchem die kleine Hütte stand. Kontriglus, es war gut, nach allem, was sie ausgestanden hatten, ein solch geräumiges Häuschen zu finden, denn es bot nicht nur für ihn und seinen Sohn Gulmur sondern auch für alle seine mit ihm befreiten Freunde Bagala, Orgoro und Djebawa genügend Platz.
Xorr, leider war es dem tapferen und wagemutigen Gulmur nicht geglückt, auch noch Trukir und dessen Mutter zu befreien. Obwohl Worgulmpf glücklich war, endlich wieder frei sein zu dürfen und auch Chiunatra aufrichtig dafür dankbar war, bereitete es ihm doch großen Kummer, seinen jüngsten Sohn und seine Frau noch immer unter entsetzlichen Bedingungen gefangen zu wissen, zumal in Aussicht stand, dass die beiden sowie einige Jisken und Loteken und etliche sogenannte Volksverräter, dazu gehörten sogar drei der einstigen Montios und der Undasubo Gisterupa, morgen hingerichtet werden sollten. Hajeps waren grausam, nicht einmal auf Kinder nahmen sie Rücksicht und daher würde wohl bei Trukir keine Ausnahme gemacht werden.
Worgulmpf packte mit seinen kräftigen Pranken das Holz in die Kiepe. Der Sabber lief ihm dabei aus seinem breiten Maul. Hoffentlich hatten Gulmur, Bagala und Orgoro schon Beute gemacht, denn er verspürte einen mächtigen Hunger. In den letzten Tagen hatten sie reingehauen wie die Millike, wenn sich etwas Essbares fand, denn sie hatten bei den Hajeps kaum Nahrung bekommen. Wie mochte es wohl seinem kleinen Trukir gerade ergehen? Er seufzte bei diesem Gedanken tief bekümmert, während er sich die Kiepe auf den Rücken wuchtete und dann lief er los. Geschickt hob er dabei die krallenbewehrten Füße über Würzelchen und Gestein, denn er wollte leise sein. Diese Vorsichtsmaßnahme hatte sich schon gelohnt. So hatten sie sich alle gemeinschaftlich anschleichen können, als gerade zwei große, muskelbepackte Männer – einer mit gelben, langen Haaren, der andere eher dunkler - eine laut jammernde alte Frau mit zwei Kindern aus diesem Häuschen getrieben hatten. Zwar besaßen Worgulmpf und Gulmur seit dem Überfall auf Zarakuma wieder recht gute Waffen, aber sie hatten keine Lust auf eine Schießerei gehabt und daher in aller Ruhe gewartet, bis diese Männer die Familie in ihr merkwürdiges Fahrzeug verfrachtet hatten, und dann waren sie einfach in die Hütte eingezogen, denn es hatte nicht so ausgesehen, als ob diese Familie so schnell wiederkommen würde.
Jedoch nach ungefähr einer halben Stunde nach menschlicher Zeitrechnung war plötzlich ein Jisk erschienen. Worgulmpf hatte sich zunächst auf diesen stürzen wollen, um die Hütte zu verteidigen, doch Gulmur hatte sie alle gebremst und ihnen dabei leise erklärt, dass Jisken hochgefährlich wären. Der Jisk, welcher erstaunlicherweise recht verhutzelt aussah, war wohl ziemlich schlau und kampferprobt, hatte schnell die neue Situation erkannt, die Gefahr gewittert und sich dem Haus nicht weiter genähert, aber immerzu die Namen der ehemaligen Bewohner mit leiser Stimme gerufen. Dann hatte er die Spuren des seltsamen Fahrzeugs im Erdreich und Moos entdeckt und kehrt gemacht. Er war der Reifenspur gefolgt und seitdem nicht wiedergekommen.
Xorr, Worgulmpf wollte weiterhin vorsichtig sein, denn wer wusste schon, wer sonst noch alles kommen konnte? Bei den Göttern des Alls, leichtsinnig waren er und seine Freunde schon, einfach im Hajepgebiet nächtigen zu wollen, aber das taten sie alle, auch die Loteken. Chiunatra hatte Worgulmpf prophezeit, dass die Zeit der Hajeps bald vorbei sein würde, denn sie würden mit der Unterstützung der Jisken rechnen und die Gebiete kämen in die Hand aller freien Lebewesen.
Außerdem war es für Worgulmpf noch ein sehr langer Weg, um in lotekische Gebiete zu kommen und irgendwie traute er Chiunatra trotz der großartigen Prophezeiungen nicht so recht über den Weg. Er würde über alles noch viel nachdenken und darüber mit Gulmur sprechen müssen, mit seinem guten Sohn! Bei Ubeka, was war jetzt? Er hielt verdutzt inne. Der alte, zerfledderte Gürtel war durchgerissen, nur weil er sich damit in einem der herabhängenden Zweige verhakt hatte und jetzt polterte das ganze Zeugs zu Boden. Er knurrte laut und verärgert darüber und fletschte die langen, gelben Zähne.

Kapitel 22

Margrit verharrte entsetzt und duckte sich plötzlich im Dickicht. „Bloß nicht weiterlaufen George!“
„Wieso? Hast du etwa Angst, dass ich deine Mutter beim Baden überrasche?“
„Hä, hä, George! Wie gut, dass wir diese Abkürzung genommen haben statt den normalen Weg!“
George duckte sich nur unwillig neben Margrit. „Du bist ganz schön schreckhaft in letzter Zeit, Margrit, denn ich sehe nichts!“
„Aber ich habe eben etwas gehört!“
„Gehört, sehr schön!“ Er grinste schief. „Wird sicher ein Wildschwein gewesen sein, das wir hochgescheucht haben. Hoffentlich keine Bache mit Frischlingen, sonst sage ich dir nur: Viel Spaß!“
„Ich weiß gar nicht, ob die Bachen im Frühling schon Junge haben, George. Außerdem habe ich bessere Ohren als du.“
„Lauf doch endlich weiter Margrit. Da war nichts, glaube mir!“
„Schscht! Nimm dein Fernrohr und guck mal nach links!“
„Links!“, äffte er sie unwillig nach, holte aber dennoch den Jawubani hervor.
„Du bist heute wirklich zu witzig, George! Nur einen Schatten, der ...“
„Oh verdammt, jetzt muss ich Abbitte leisten. Da vorne sammelt gerade ein Trowe irgendetwas ein und packt es in einen Behälter.“
„Gib mir mal auch das Fernrohr.“
„Das ist kein normales Fernrohr sondern ein Jawubani, aber du kriegst das gute Stück trotzdem!“
Margrit schaute nun auch in die Richtung und schluckte schließlich. „Himmel, das ist ja Muttschs Kiepe! Und jetzt nimmt er auch noch den Weg zum Haus!“
„Verdammt!“, schnaufte George und holte dabei seine Pistole aus dem Gürtel. „Wo ein Trowe ist, da sind meist mehrere. Wir müssen zusehen, dass wir von hier abhauen ...“
„Nein, womöglich können wir Muttsch und die Kinder noch retten! Schade, dass sie kein Handy hat, so kann man sie nicht warnen!“
„Quatsch, die ist doch gar nicht mehr in dem Haus. Sie ist doch pfiffig!“
„Pfiffig? So ein altes Frauchen! Woher soll die wissen, dass Trowes im Anmarsch sind!“
„Also Margrit, gib mir noch mal den Jawubani rüber ... danke!“ Er blickte wieder durch die Linsen. „Dieser Trowe, den kenne ich doch! Ich glaube, das ist Worgulmpf! Bin mir aber nicht sicher, da ich ihn nur von hinten sehe. Also, wenn der sich bereits diese Kiepe geholt hat, welche sich bestimmt in der Nähe des Hauses befunden hatte, dann war der schon längst dort!“
„Meinst du ... äh ...Worgulmpf ist meiner Familie gefährlich geworden?“
„Ich weiß nicht, habe von irgendwo gehört, dass sich die Trowes sehr verändert hätten. Damals, als ich dich gemeinsam mit Gesine gesucht habe, da haben Trowes wahllos auf uns gefeuert und sind hinter uns her gewesen. Sie sollen jetzt sogar Fleisch fressen!“
„Könntest du den hier nicht mal ansprechen, wenn du ihn kennst?“
„Ansprechen? Du bist niedlich! Was mache ich, wenn ich mich geirrt habe und es ist gar nicht Worgulmpf? Mit Trowes ist in letzter Zeit wirklich nicht zu spaßen und sie tragen inzwischen ebenfalls außerirdische Waffen. Hast du mir nicht selber erzählt, dass einer von denen Oworlotep den Kopf absäbeln wollte?“
„Das stimmt, es soll Gulmur, ein Sohn von Worgulmpf gewesen sein.“
„Ich glaube“, ächzte George betreten, „der mich und Gesine damals verfolgt hatte, war auch dieser Gulmur gewesen. War schrecklich scharf auf den Jambuto. Also, wenn das hier nur ein einziger Trowe ist, könnte das vielleicht noch gehen“, George ließ den Jawubani am Band hinab baumeln, „aber mit einer ganzen Horde lege ich mich nicht an. Da kommt ja noch jemand von der anderen Seite!“, ächzte er entsetzt und hatte sofort wieder den Feldstecher vor Augen.

#

Norbert war verärgert. Nicht nur, dass er sich mit seinem dämlichen Handy hatte herumquälen müssen und zuletzt Mike nicht hatte verstehen können, hinzu kam jetzt auch noch diese Lauferei durch den Wald. Er hielt erst mal an, um kurz zu verschnaufen. Wo war jetzt diese verrückte Margrit?
Er hatte sie wieder aus den Augen verloren, und wo befand sich dieses Weichei George? Er verstand das ganze Theater überhaupt nicht. Warum machte Günther Arendt die beiden nicht gleich dingfest und verprügelte sie, dann würden die schon gefügiger werden. Er kannte Methoden, mit denen er aus den zweien schon ... huch? Was war denn das? „Aaaaarrgh!“, schrie Norbert plötzlich gellend und schmerzerfüllt. Es war der letzte Schrei seines Lebens, der seinen blassen Lippen entwich, dann stürzte er erschlafft zu Boden.
Gulmur kostete das Blut. Eigentlich lecker! Sie hatten heute nicht gerade reiche Beute heimgebracht. Aber so ein appetitlicher Lumanti tat es vielleicht auch und würde gewiss für sie alle reichen! Der Sabber lief Gulmur aus dem Maul, als er Bagala und Orgoro herbeirief um sie zu fragen, was sie von dieser Idee hielten.

Kapitel 23

„Noch ein Trowe!“, keuchte George.
„Entsetzlich!“, wisperte Margrit. „Gib mir mal das Fernrohr rüber ... Tatsache! Von der anderen Seite kommt auch so ein Viech geschlichen, und hast du diesen Schrei gehört?“
„Ja, habe ich, siehst du nicht, wie ich gerade kehrt mache? Sei vernünftig, Margrit, kehre auch um!“
„Feigling!“, schnaufte sie.
„Es gibt da einen alten Spruch Margrit, du bist doch so für Sprüche!“, knurrte er, während er vorsichtig weiter schlich. „Und der lautet: Die Angst der anderen nennt man Feigheit, seine eigene Vorsicht. Also“, er wendete um und verharrte für einen Moment, „schieß doch selber, wenn du dich so gerne mit denen anlegen willst. Hier hast du meine Pistole!“ Und er gab ihr tatsächlich die Waffe, dann schlich er weiter Richtung Jambo. „Schade, die Trowes scheinen sich inzwischen wirklich mächtig verändert zu haben!“, murrte er noch, während er einige Äste zur Seite bog, die im Weg waren. „Ich traue selbst Worgulmpf nicht mehr über den Weg. Sind wohl inzwischen völlig verwildert!“
„Du redest von ihnen als wären es Tiere, George!“, knurrte sie ziemlich dicht hinter ihm.
Er wendete sich wieder nach ihr um und grinste übers ganze Gesicht. „Ach nein, wen haben wir denn da?“ Und dann huschte er vorsichtig weiter. „Hat wohl doch plötzlich Muffensausen bekommen, unsere tapfere Kämpferin.“
„Hä hä, was haben wir gelacht!“, zischelte sie erbost, musste sich aber Mühe geben, seinen langen Beinen zu folgen.
Schließlich standen sie wieder vor dem Jambo „Hopp, rein mit dir in den Sitz!“, krächzte er keck.
„Nein George, guck mal da hinten, sind das nicht Reifenspuren im Sand?“ Sie schaute sich suchend um. „Da im Gebüsch steht ja auch der Mercedes. Günther Arendts Chauffeur hat uns also verfolgt! Dein lieber Skorpion will wohl doch meine Familie haben und du hast ihn die ganze Zeit vor mir verteidigt.“ Sie stemmte bei dieser Feststellung traurig und zornig ihre Fäuste in die Hüften.
„Meinst du wirklich“, er wagte auf einmal nicht, in den Jambo zu klettern, „dass der Günther so fies sein könnte und ...?“ Tief betroffen brach er ab.
„Ja, ja, und nochmals ja!“, fauchte sie unter Tränen. „Aber du glaubst mir ja diese ganze Geschichte mit dem Refe ... na, Dings nicht! Du erzählst mir immer wieder, ich wäre nur hysterisch gewesen, hätte mich bestimmt verhört. Aber, halt mal, ob das wohl dieser Chauffeur war, der eben so laut und schrecklich ...“, die letzten Worte blieben ihr fast im Hals stecken, „... geschrien hat?“
„Mensch, ja“, ächzte jetzt George ebenso betroffen, „wenn ich mir diesen Todesschrei in Erinnerung rufe, das war ganz sicher seine Stimme!“
„Puh, ist mir schlecht ... ich glaube, ich muss kotzen!“
„Reiß dich zusammen Margrit, spring lieber in den Jambo.“ George riss für Margrit die Tür auf und flitzte dann um den Jambo herum, weil er schnellstens hinter dem Lenkrad Platz nehmen wollte.
„Aber warum?“, keuchte sie, immer noch käseweiß im Gesicht als sie neben ihm saß.
„Ich habe keine Lust, auch noch erwischt zu werden.“

#

Also, das war so ziemlich der Gipfel! Munk schaute fassungslos drein und ließ dabei die Schnurrhaare hängen. Wie gut, dass er ihnen die dritte Maus nicht gebracht sondern lieber selbst gefressen hatte. Einfach, ohne ihm etwas zu sagen, wegzulaufen und ihn hier alleine zurückzulassen. Tja, so waren eben Zweibeiner, immer hektisch und daher machten sie auch nie etwas Vernünftiges!
Nanu? Wer hatte denn jetzt die schöne Hütte bezogen? Er hörte Stimmen, den Lärm von anderen Zweibeinern. Munk machte einen langen Hals, schaute hinter einem Busch hervor und witterte. Es waren wohl dieselben felligen Zweibeiner, mit denen er schon einmal sehr unangenehmen Kontakt gehabt hatte. Wie das merkwürdig aus dem Küchenfenster stank! Die hatten da wohl irgendetwas Fleischiges gekocht, welches sie gerade verspeisten. Aber was konnte das sein? Er hatte noch nie dergleichen gerochen und ihm war dabei irgendwie ekelig zumute, er wusste auch nicht weshalb. Wo sollte er jetzt nur hin, so mutterseelenallein?

#

Gulmur schaute Richtung Fenster und sein grünes Gesicht erhellte sich freudevoll. Zwar hat das Fleisch des Lumanti gar nicht mal so übel geschmeckt, aber so ein kleiner Nachtisch wie der, welcher gerade hinter dem Busch hervorkam, war vielleicht gar nicht mal so schlecht! Der Sabber lief ihm schon wieder aus seiner breiten Schnauze, während er seinen Vater in die Seite stupste, der gerade mit seinen rasiermesserscharfen Zähnen einen Knochen des Lumanti benagte.

#

Munk war ein wenig unschlüssig. Er lief zum nächsten Busch. Sollte er nun zum Haus laufen um nachzuschauen, ob seine Zweibeiner auch in dem Haus waren, denn es roch hier plötzlich so nach ihnen, oder ...? Er kam nicht mehr weiter, denn schon schnellte eine kräftige Hand hinter ihm aus dem Busch hervor und packte ihn beim Genick.
Er zappelte erschrocken, fauchte, versuchte zu kratzen, doch er konnte nicht mehr entkommen. Schon fühlte er sich emporgehoben, die Pfoten wirbelten dabei hilflos durch die Luft, und dann stopfte die schreckliche Faust den armen Munk einfach in einen dunklen, schwarzen Behälter.
„Mauuu?“, brüllte er verzweifelt von innen, als sich der Deckel unbarmherzig über ihm schloss.

Fortsetzung folgt:
 
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Kommentare  

Na, wann kommt das nächste Kapitel? Ich freue mich schon auf den nächsten Teil, denn der hier war wieder klasse.

Marco Polo (24.10.2019)

Jaja, ich weiß, es geht bei dir nichts ohne Kommi. Den hast du auch wieder verdient für all den Fleiß und die schönen Cover. Tolle Fortsetzung, ich könnte Hajepsüchtig werden. Ach, ich glaube, das bin ich vielleicht schon.

Evi Apfel (21.10.2019)

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