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Stargirl Leonie - Kapitel 31

Romane/Serien · Romantisches
Konzert in Barcelona. Die Halle kochte. Die Halle tobte. Die Peoples heizten den Fans ordentlich ein.
Bis die Stimmung überkochte. Es kam zu Tumulten. Jannik war froh, als das Konzert zu Ende war.
„Scheiße!“, fluchte er hinter der Bühne. Es war selten, dass er solche Ausdrücke gebrauchte. „Das kann doch nicht sein! Habe ich denen nicht gesagt, dass es das nicht mehr geben darf? Wenn das nochmal passiert, ist Sense! Dann hör ich auf!“
„Mann, komm runter“, meinte Timo. „Die Fans haben ein bisschen durchgedreht, das ist alles.“
„Ein bisschen?“, rief Jannik. „Verdammt, da wurden Leute auf Tragbahren abtransportiert!“
„Wo gehobelt wird, fallen Späne“, sagte Florian. Ausnahmsweise war er nüchtern und stand nicht unter dem Einfluss von Chemikalien. „So was kommt immer wieder mal vor. Sag auf der Pressekonferenz morgen Mittag, dass das nicht wieder passieren darf. Kannst du ja gut mit deinem ernsten Blick. Verpass ihnen einen Anschiss und gut iss! Musst ja nicht gleich die Band auflösen wegen so eines Vorkommnisses.“
Timo gab seinem Kumpel recht: „Genau, Mann! Einen Schuss vor den Bug kannst du ihnen ruhig geben, aber bitte nicht überreagieren. Auch wenn du es damals öffentlich von dir gegeben hast. Mitten auf der Bühne. Direkt vorm nächsten Konzert. Musst die Leute halt wieder dran erinnern. Sind eben Fans. Vor allem die Mädels drehen leicht durch, wenn die Peoples live spielen. Weißt du doch.“
Wenn die Peoples live spielen, dachte Jannik. Er schaute Timo und Florian an. Ja, wenn die Peoples live auftreten. So, so.
Mit einem Mal wurde ihm klar, dass Timo und Florian ihre Felle davonschwimmen sahen. Sie verstanden, dass ihnen nicht mehr fiel blieb, wenn die Band nicht mehr öffentlich auftreten würde. Die Peoples und keine Liveshows mehr? Dann hätten die beiden nicht mehr viel gehabt. Es waren die Liveacts, die dem Gitarristen und dem Bass der Band das meiste Geld einbrachten. An den verkauften CDs verdienten sie lange nicht so viel wie Maximilian und erst recht Jannik. Timo und Florian trugen nichts zu den Songs der Peoples bei. Sie lernten die Gitarrengriffe und den Gesang. Noch nie hatte einer von den beiden auch nur eine einzige Liedzeile komponiert.
Wenn die Peoples nicht mehr live auftreten, könnte man die zwei glatt durch Studiomusiker ersetzen, überlegte Jannik. Der Dreiklang der Stimmen von Jannik, Timo und Florian war das Markenzeichen der Peoples, aber auch das könnte man mit Studiomusikern hinbiegen.
Vielleicht kommt Florian jetzt von seinem hohen Ross runter, dachte Jannik. Wo ihm klar geworden ist, was Sache ist. Schön wär‘s ja.

*

Leonie war zurück in der Schule. Die Grippe war überstanden.
Sie hatten Mathematik und die Kappler gab die Klassenarbeit zurück, die sie zwei Tage zuvor geschrieben hatten. Das war typisch für die Mathematiklehrerin - haute den Leuten noch kurz vor Ende des Schuljahres eine Klassenarbeit um die Ohren.
Die Kappler lief an den Bankreihen auf und ab und teilte die Hefte aus. Meist sagte sie nichts dazu. Bei Leonie gab sie einen Kommentar ab: „Eine Drei plus, Leonie. Gerade noch so. Ein Punkt weniger und das Plus wäre weggewesen.“ Die Lehrerin schaute auf Leonie hinunter: „Hattest wohl keine Zeit zum Lernen, Stargirl? Ja, wenn man mit Popstars um die Häuser zieht …“ Spöttisch sagte sie das. Ihr Blick war voller Verachtung.
Leonie schaute ruhig zu der fiesen Lehrerin auf: „Frau Kappler, falls Sie es nicht mitbekommen haben: Ich hatte eine Virusgrippe und habe länger als eine Woche gefehlt.“ Sie tippte auf das aufgeschlagene Heft und zeigte zwei Aufgaben, die sie mangelhaft gelöst hatte. „Genau als das hier durchgenommen wurde! Ich lag mit hohem Fieber im Bett und konnte nicht lernen. Ich bin noch am Nachholen.“
Die Kappler zog ein Gesicht: „Dazu wirst du ja wohl kaum Zeit haben, bei deinem neuen Leben als Stargirl, was? Was unternehmt ihr denn Tolles, du und dein Superstar?“
Leonie reichte es. Sie richtete sich kerzengerade auf: „Ich habe hier in diesem Klassenzimmer die Aufgabe, Mathematikaufgaben zu lösen und nicht, ein Referat über mein Privatleben zu halten, das Sie im übrigen ebenso wenig angeht wie mich das Ihre! Was ich privat tue, geht Sie nichts an!“
Die Kappler schluckte eine böse Antwort hinunter. Man sah ihr an, dass sie vor Wut kochte. Wortlos drehte sie sich um und marschierte nach vorne zur Tafel.
„Du musst wissen, was du tust“, sagte sie schnippisch. „Es ist dein Leben.“
„Ganz genau!“, schoss Leonie zurück.
Sie sah den unterdrückten Zorn in den Augen der Lehrerin. Die Kappler hatte sie jetzt auf dem Kieker, das war ihr klar, aber Leonie war nicht bereit, sich länger die dummen Bemerkungen der Frau gefallen zu lassen. Ihr Privatleben ging die Mathelehrerin nichts an.
Wenn du nicht aufhörst, sage ich es Mutti. Die kommt dann in die Schule und wird dir was erzählen, du miese Kuh!

In der Pause nach der Mathestunde, kam Isabell Schneider aus der Parallelklasse zu Leonie.
„Du Leonie?“, fragte sie schüchtern. „Könntest du vielleicht Nik fragen, ob er mir was ins Poesiealbum schreibt?“ Sie hielt Leonie das Album hin.
Eigentlich hatte Leonie absolut keine Lust, aber Isabell tat ihr leid. Das Mädchen war eine ganz Stille. Isabell war fast krankhaft schüchtern.
Sie nahm das Poesiealbum: „Geht in Ordnung, Isabell. Aber das kann dauern. Sie sind ja auf Tournee. Jannik hat nur selten mal frei. Aber wenn die Peoples wieder zu Hause sind, lege ich ihm dein Album vor. Versprochen.“
Sophie Schubert baute sich vor Leonie auf. „Versprochen“, flötete sie. „Ich besorge dir dein Autogramm, Isabellchen und zwar ganz schnellchen! Ich die tolle Prinzessin Leonie!“ Sie starrte Leonie an: „Angeberin!“
„Was bitteschön ist angeberisch daran, wenn ich jemandem einen kleinen Gefallen tue?“, fragte Leonie.
Sophie zog eine Grimasse: „Klar doch, Stargirl! Du lässt gerne raushängen wie toll und cool du bist, die tolle Freundin vom tollen Nik!“
„Dicht geht’s ja nichts an!“, gab Leonie zurück. Sie drehte sich um und ließ Sophie stehen.
Das Mädchen starrte wütend hinter ihr her. „Arrogante Pissnelke!“, fauchte sie.
Leonie tat, als hätte sie nichts gehört.
Drei Tage noch, dann ist die Schule aus, dachte sie. Dann bin ich die alle für sechs Wochen los.
Und Jan würde bald wieder bei ihr sein. Die Tournee endete in der zweiten Ferienwoche. Leonie konnte es kaum erwarten.

*

Die Tournee war zu Ende. Jannik dankte Gott auf Knien. Endlich konnte er wieder mit Leonie zusammen sein. Er war oft bei Ammons und half, das Grundstück hinter dem neuen Haus herzurichten. Die Arbeit machte ihm Spaß. Er grub Pflanzlöcher für die neuen Obstbäume, half dabei, aus Bausätzen Hochbeete zusammenzuschrauben und zu befüllen und er brachte mit Max eine Motorhacke mit, die normalerweise zum Umpflügen von Weinbergsegmenten da war, die man nicht mit großen Maschinen bearbeiten konnte.
An zwei Nachmittagen rissen sie mit der Hacke den Boden auf, wo der Bauerngarten entstehen sollte. Er fuhr mit Leonie in Beule zur Kompostieranlage und holte kofferraumweise Kompost, um die Gartenerde zu verbessern. Manchmal saßen sie bei Kaffee und Kuchen hinterm Haus.
Natürlich zog er auch alleine mit Leonie los. Sie radelten durch die Gegend und sammelten Kapellen und Brunnen oder sie fuhren zum Reiterhof. Sie waren häufig zu Gast bei Luigi und taten sich an den berühmten Eisbomben des italienischen Eisdielers gütlich.
Zwischendurch wartete Arbeit auf Jannik. Rolf Geiger wollte unbedingt eine neue CD einspielen.
Sie hockten sie im Studio und wer fehlte? Natürlich Florian. Wieder einmal.
Der Gitarrist trudelte mit einer halben Stunde Verspätung ein. Wenigstens war er zur Abwechslung mal nicht angetrunken.
„Wo kommst du her?“, wollte Rollie wissen. „Wir warten seit dreißig Minuten!“
Florian wedelte abwehrend mit der Hand: „Ja, ja! Jetzt bin ich ja da. Bin aufgehalten worden.“
„Dir ist schon klar, dass die Zeit im Studio Geld kostet?“, fragte der Manager. „Auch, wenn kein einziger Ton aufgenommen wird!“
„Oh Mann, was soll das?“, maulte Florian. „Mensch, wir sind gerade von einer anstrengenden Tournee zurück! Lass es mal locker angehen! Was sollen wir schon gleich eine neue CD einspielen? Wir haben erst vor kurzem eine rausgebracht!“
„Und die Neue wird folgen“, sagte Rollie. Er klang missmutig. „So ist das nun mal im Showgeschäft. Man muss ständig am Ball bleiben. Da musst du durch!“
Es wird immer mieser, dachte Jannik. So langsam habe ich echt keinen Bock mehr! Das kann so nicht weitergehen mit Florian. Auch Timo hängt durch. Der hat genauso wenig Lust. Ständig fehlt er und kommt zu spät. Als ob er sich bei Florian angesteckt hätte.
Sie spielten A Dream Comes True. Zum dritten Mal. Und zum dritten Mal machte Florian Fehler. Fast kam es Jannik vor, als mache der Gitarrist das absichtlich.
„Da waren schon wieder zwei Akkorde falsch!“, monierte Jan. „Immer die Akkordfolge direkt vor dem Refrain.“
Florian verdrehte die Augen. „Wen interessiert das?! So wie ich es spiele, passt es! Auf dem Konzert hört das keiner raus.“
„Es passt nicht!“, sagte Jannik. „Es stört die Liedharmonie! Beim Gravy-Song spielst du es in Konzerten auch immer falsch. Das habe ich dir schon mehrmals gesagt! Das klingt beschissen! Hast wohl keinen Bock auf zwei hintereinander folgende Barrégriffe?“
Florian fuhr wütend auf.
Bevor er etwas sagen konnte, packte Rollie ihn bei den Schultern: „Ruhe jetzt! Wir sind hier, um Musikaufnahmen zu machen und nicht zum Streiten! Du wirst es so spielen, wie Nik es sagt! Verstanden?“
„Ja, ja“, knurrte Florian. „Wie seine Majestät es verlangt, der Kinderliebhaber!“
Jan machte einen Schritt auf Florian zu. Sofort packte ihn Rollie mit einer freien Hand. „Auseinander! Ihr habt sie wohl nicht alle! Zurück ans Mikrofon!“ Er trieb Florian zu seinem Mikro: „Gib Ruhe und spiel es gefälligst richtig! Und lass Nik in Frieden!“
„Schon klar, Mann!“, brummte Florian. „Nimm die Primadonna in Schutz, den Composer-Star mit seinem kleinen Schulmädchen.“
Rollie warf Jannik einen warnenden Blick zu. Der winkte nur ab und nahm hinterm Mikro Aufstellung. Eine neue Aufnahme des Songs begann. Es war nicht die letzte für diesen Tag.
 
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