... für Leser und Schreiber.  

Als hättest Du mich niemals belogen

27
27 Stimmen
   
©  kalliope-ues   
   
fremd
ungewohnt
fühlt es sich an
dieses Herzfernsein
so plötzlich eingezogen in die Seele
sich allmählich ausbreitend
von Tag zu Tag
mehr

unangenehme
Kühle verströmend
wenn ich höre
wie wenig
Bedürfnisse
Du hegst
daran
heilend zu wirken

meine Nähe
zu vermissen
wieder zu suchen
wieder haben zu wollen
dass ich da bin

mitteilen
mit Dir teilen
was Dich bewegt

Spielzeug
in die Ecke gestellt
kann man wieder hervorholen
auch nach Jahrzehnten
manchmal ist es dann
kaputt

Herzblut
braucht Nähe
braucht Wärme
will gepflegt sein
es gibt tatsächlich
diese andere Möglichkeit
dass jemand fort ist
wenn man sich
zu lange
nicht
sorgt

Irgendwie ist es ja schon eine merkwürdige Sache mit mir. Da mache ich nun also die Erfahrung, dass ich selber total allergisch immer reagiert habe in meinem Leben, wenn mir jemand mit Erwartungshaltung begegnet ist, diesem unerträglichen Druck eigener Bedürfnisbefriedigung eines in sich selber unausgegorenen Menschen. Habe ich doch für mich den Anspruch erhoben, willensfrei selber zu gestalten, was ich wann und wie lernen will, Entwicklungsfreiheit. Natürlich stelle ich da an mich selber die allerhöchsten Ansprüche, aber es muss aus mir selber heraus und aus eigenem Wollen entstehen - wehe wenn da jemand mit Nachdruck nachhelfen will/wollte -

Und dann muss ich nun aber an mir entdecken, wie intolerant ich genau in diesem Punkt Dir gegenüber mich verhalte, wie ausgesprochen kindisch beleidigt, als würdest Du mir etwas zufügen, wenn Du für Dich - ähnlich wie wir uns wohl auch in diesem Wesenszug sind - genauso allergisch auf meinen Erwartungsdruck reagierst.

Ich denke, es steht mir nicht gut an, von Dir zu erwarten, dass Du perfekt sein sollst und logisch funktionieren. Schließlich hast Du das gleiche Recht wie ich und jeder andere Mensch dieser Welt, Dich nach Deinem Maße, in Deiner Art weiter zu entwickeln, oder auch dies nicht zu tun. Ich empfinde es als anmaßend von mir zu erwarten, dass Du dies "gefälligst" jetzt, am liebsten sofort, und noch lieber auf meine Art zu tun.

Dafür möchte ich mich entschuldigen. Ich habe kein Recht, dies von Dir zu erwarten.

Ich habe nur das Recht, auf meine Art auf das zu reagieren, was Du tust oder unterlässt. Und meine Art ist momentan äußerst kindisch, gar nicht erwachsen, sie ist trotzig. Bitte verzeih mir diesen Ausflug ins Dreijährigen-Dasein, es ist wirklich nicht, weil ich Dich damit verletzen oder "strafen" will, sondern weil ich in diesem Punkt wohl im Moment nicht anders kann, als es mir immer wieder anzuschauen, vor Augen zu halten wie unreif ich reagiere und daraus zu lernen.

Ob es nun gut und förderlich für unsere Beziehung ist oder nicht, wenn ich nun versuche, Dich in allen Deinen Elementen so zu lassen wie Du bist und mir "nur die Rosinen herauspicke" für unser Zusammensein, kann ich im Moment noch gar nicht erkennen, und ob vielleicht auch in dieser Art des "So-lassens" mit einem Gefühl von Gleich-Gültigkeit ein Denk- und Empfindungsfehler sich eingeschlichen hat und neue Lernschritte von mir fordert, weiß ich auch noch nicht.

Ich weiß nur, dass ich daran arbeiten werde, dahin zu finden, meine Liebe reifen zu lassen, sie nicht an Bedingungen zu knüpfen. Vor allem nicht an solche, die ich selber - umgekehrt mir entgegengebracht - auf gar keinen Fall tolerieren würde.

Nun habe ich Tage damit gerungen, ob es gut und richtig ist, Dir dies zu sagen. Eigentlich war ich bereits zu der Entscheidung gekommen, es nicht zu tun, Dich nicht damit zu behelligen jetzt, zumal Du jetzt einiges in Dir bewegen willst. Diese Einstellung in mir ist aber “Opferhaltung”, Rücksichtnahme auf Dich, ohne auf mich selbst Rücksicht zu nehmen. Weißt Du, wenn man sich gegenseitig innerlich ganz herzwarm nahe ist, dann geht es ausgesprochen gut, die räumliche Distanz zu tragen, zu gewähren, dann ist man sich auch dann nahe, wenn man ganz lange nichts voneinander hört und sieht. Denn die Nähe wäre dann ja trotzdem spürbar. Diese Nähe ist aber zurzeit nicht einmal dann spürbar, wenn wir im selben Raum sind, ja nicht einmal dann, wenn wir uns küssen, wie gestern -, da ist dann nur physische Nähe da, nicht Herzwarmnähe. Deshalb habe ich mich entschlossen, Dir all dies zu sagen, auch wenn es Deine Kreise stört. So hast Du wenigstens die Chance zu wissen, was in mir vorgeht, die Chance zu reagieren, bevor es zu spät ist. So habe ich vielleicht auch die Chance zu erfahren, ob Du das alles wirklich willst, wirklich so willst.

Für mich ist diese Herzwarmnähe jetzt gar nicht spürbar. Spürbar ist vielmehr, dass Du Deine eigenen Kreise um Dich ziehst, hin und wieder, aber eher selten, mal an mich denkst, aber auch dies eher in einer Herzferne; eher so, wie man an etwas zurückdenkt, was einem früher einmal recht viel bedeutet hat; Wärme eher in der Erinnerung als im Hier-und-Jetzt wurzelnd; nicht Sehnsucht nach Erneuerung und Pflege und Intensivierung, nach Heilung, sondern ein "gut dass es gewesen ist"-Gefühl als Impuls an mich zu denken. Es ist nicht ein an mich denken in der Art: "da ist ein Mensch, den ich gerne um mich fühlen möchte, mit dem ich Freude und Leid teilen möchte, der mir fehlt, den ich vermisse wenn er nicht da ist, den ich liebe", denn wenn dies so wäre, dann würdest Du Dich ja bemühen, es herbeizuführen statt mich weg zu schieben und auszugrenzen.

Ich vermisse Dich sehr, vermisse die Nähe, die mal da war, vermisse die Innigkeit, die es gab. Es macht mich unendlich traurig, dass dies nun nicht mehr so ist. In dieser Woche bin ausschließlich ich diejenige gewesen, die jeden Kontakt zwischen uns - egal ob am Telefon oder persönlich - impulsiert hatte. Das hinterlässt den faden Geschmack von “ich bin Dir lästig“. Dabei sind es eher Vorwürfe gegen mich, die Du aussprichst, mein Schmerz über meine Wunden findet in Dir keine Beachtung, sie heilen zu lassen scheint Dir keine Notwendigkeit zu haben. Du brauchst jetzt Zeit und Abstand für Dich, mein Fühlen, mein Schmerz, mein Verletztsein berühren Dich nicht, wie es scheint. Und dies in einer Situation, in der ich eigentlich der Meinung bin, dass allein schon aus den Wunden, die Du mir zugefügt hast, Du derjenige sein müsstest, der sich darum bemühen sollte, Nähe herzustellen und Wärme zu spenden, um heilen zu lassen, um gemeinsame Zukunft möglich zu machen.

Es tut mir weh, wenn Du mir recht deutlich sagst, "da ist jetzt so viel zu tun, da will ich mit Dir auch gar nicht drüber reden, das will ich jetzt lieber alleine machen, ich schau dann schon mal wieder bei Dir vorbei". So wie man's vielleicht unter Freunden macht, aber ganz bestimmt nicht mit einem Herz- und Seelenpartner. Oder auch "vielleicht können wir uns ja mal draußen in der Natur begegnen", so wie man's mit jemanden macht, dem man nicht zu Nahe begegnen will, mit dem die Begegnung “bei mir oder bei dir“ viel zu nah und intim ist, den man erst beschnuppern muss, bevor man weiß, ob man ihn näher an sich heranlassen möchte. Das fühlt sich nicht gut an. Das würdest Du selber, wenn ich umgekehrt mit Dir so umgehen würde in einer Phase, in der Du mich ganz besonders brauchst, ganz sicher auch verletzend empfinden, dieses Gefühl "auf Abruf bereit" sein zu sollen, dieses auf Distanz gehalten werden obwohl man nach Seelennahrung hungert. Es berührt mich auch sehr unangenehm, dass Du jetzt in den Wochen seit Ostern nur ein einziges Mal im Meeting warst. Und auch, dass Du am Dienstag schon zweimal für mich keine Zeit hattest mit der Begründung, dass ja Meeting sei, und dann gar nicht hingegangen bist.

Seltsam ist allerdings Dein Erstaunen darüber, dass es ja vielleicht auch die Möglichkeit gibt, dass ich nicht mehr da sein könnte, wenn es Dir dann irgendwann mal wieder einfällt, mich sehen zu wollen. Ich beginne bereits wieder, meine Zeit anderweitig zu planen. Dies scheint Dir gerade recht zu sein. Was Du derzeit machst, ist nicht Pflege einer Beziehung, die ohnehin schon wegen all der ungeheilten Verletzungen am seidenen Faden hängt, sondern vielmehr Pflege einer allmählichen Trennung von mir. Ist es Dir tatsächlich schon so gleichgültig, wie und wie oft und womit Du mir weh tust? Mit jeder neuen Wunde schiebst Du mich ein Stück weiter weg von Dir, und dabei spielt es inzwischen keine Rolle mehr, ob die Verletzung einzeln betrachtet klein und unbedeutend oder groß ist, die Summe, die Addition bewirkt dies, und indem Du immer mehr die Distanz zu mir pflegst, wird auch mein Wollen zur Beziehungspflege immer kleiner, mein Abstand immer größer. Meine Selbstheilungskräfte setzen ein.

Bisher hast Du mit mir in diesem Leben immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Du mir antun konntest was auch immer es war, ich war ja hinterher trotzdem immer noch und immer wieder da, nach 20 Jahren, nach weiteren 10, und auch in diesen acht Monaten schon ein paar Mal. Dies wird nicht immer so sein. Es kann durchaus so sein, dass ich auf einmal nicht mehr da bin, wenn es Dir einfällt, zurückkommen zu wollen. Ich bin auf dem besten Wege dahin. Wenn Dir wirklich daran liegt, dass ich nicht irgendwann ganz weg bin, unwiederbringlich, dann solltest Du allmählich beginnen, unsere Beziehung zu pflegen, solltest Dich bemühen, meine Wunden zu heilen, die Du mir zugefügt hast, solltest Dich um Zuverlässigkeit und Verlässlichkeit bemühen, solltest Dich auch um Verständnis für mich bemühen und nicht nur immer wieder Verständnis für Dich erwarten und einfordern. Vielleicht kann sich dann in meinem Herzen die Wärme wieder einstellen, die schon abgekühlt ist, vielleicht kann dann wieder Nähe wachsen.

Ich muss sehen und hören und fühlen können, dass es Dir Wert ist, dass Du es wertschätzt, was meine Liebe geben kann. Ohne diese Wertschätzung wird sich mein Schutzpanzer nicht mehr öffnen können, der sich vor Wochen um mich gelegt hatte, der an einer Ecke aufgebrochen war durch Deine Umarmung, der gerade angefangen hatte, sich allmählich zu lösen durch meine Willenskraft, und der nun wieder dicht um mich geschlossen ist, weil nichts und niemand ihn daran hindert, mich einzuhüllen, weder Du noch ich. Zur Heilung der Wunden unter dem Panzer hast Du seither nicht allzu viel beigetragen. Es reicht nicht aus, relativ selbstverständlich ins Vorherige eintauchen zu wollen als wäre nichts geschehen, Heilung von Wunden braucht mehr Zuwendung als vorher, nicht weniger, so wie Du es handhabst. In Dein Tun und lassen hast Du mich auch während der letzten Wochen schon recht wenig einbezogen, bis Du mich nun gänzlich ausgegrenzt hast. Du gibst mir nicht das Gefühl, dass es für Dich eine sonderliche Bedeutung hat, mich als Gefährtin zu haben. Du gibst mir eher das Gefühl, dass ich gut und gerne nebenher laufen darf, aber besondere Bedeutsamkeit für Dich zu haben, die Wertschätzung verdient, vermittelst Du mir zur Zeit kaum, obwohl gerade dies eine der beiden Hauptwunden ist, die ich in diesen Monaten davongetragen habe, nämlich wie schnell und achtlos Du mich und unsere Beziehung schon hast fallen lassen.


Manchmal denke ich beinahe, Du willst ausprobieren im Laufe der Zeit, wieviel unmögliches, verletzendes Verhalten von Dir ich aushalten kann, bevor ich endgültig gehe; ausprobieren, wo meine Grenzen des erträglichen sind bis ich aufgebe; ausprobieren, was nötig ist, dass ich aufhöre Dich zu lieben. Heute ist wieder so ein Tag, an dem ich annehmen könnte, dass Du das tatsächlich willst.

Merkwürdig ist diese Zeit jetzt. Merk¬würdig auch, dass es immer wieder so ist, dass von Dir eine Verletzung kommt, wenn ich darauf aber dann verletzt reagiere, bin ich es, die von Dir angegriffen wird. Hast Du tatsächlich die Erwartungshaltung, dass etwas, was Du machst oder sagst oder nicht machst, in mir möglichst keine Reaktion auslösen soll?!

Ich bin nicht dafür geschaffen, mit einer Partnerbeziehung so umzugehen, dass ich wirklich von Herzen denken kann "es ist mir egal"; es ist mir nicht gleichgültig ob Du da bist oder nicht, es ist mir auch nicht gleichgültig ob Du zu Vereinbarungen stehst oder nicht, es ist mir überhaupt nichts davon gleichgültig, was Dich und mich betrifft, es ist mir ernst. Und ich empfinde es auch nicht erstrebenswert, diese Art von Gleichgültigkeit in mir zu entwickeln. Denn wenn ich mal in dieser Art gleichgültig empfinde, dann ist das, was für mich Freundschaft, was für mich Partnerschaft bedeutet, längst den Bach runter. Wenn mir das alles nämlich irgendwann egal wird, dann bist auch Du mir egal. Und so lange Du mir nicht egal bist, bist Du und alles was mit uns beiden zu tun hat, so lange ist mir das alles ernst und wichtig. Alarmstufe rot herrscht dann, wenn ich aufhöre, über alles reden zu wollen. Also empfinde es bitte nie als heilsamen Frieden, wenn ich irgendwann einmal nicht mehr über alles und jedes sprechen will und es in Details zerpflücke. So lange ich dies tue - denn dieses ist die mir mitgegebene Fähigkeit, Schmerz zu verarbeiten - so lange bin ich da und bin liebende Partnerin. Im Schweigen ist bereits der Anfang vom Ende sichtbar.

Ich glaube Dir gern, dass es hart ist, immer wieder mit den Folgen dessen, was Du mir zugefügt hast, konfrontiert zu werden. Aber ich habe diese Wunden, und ich habe sie mir nicht selbst zugefügt, sie sind von Dir, und Du tust momentan nicht sehr viel, sie heilen zu lassen, sondern fügst neue hinzu. Und Du erwartest auch noch, dass ich mich so verhalten soll, als hätte ich diese Wunden nicht, als wäre ich nie verletzt worden, als wärst Du immer ehrlich gewesen, als wärst Du immer offen und voller Vertrauen gewesen, als hättest Du mir alles gesagt und anvertraut was Dich bewegt, als wäre es ganz unmöglich, dass ich plötzlich ohne Dich dastehe. Ist Dir wirklich nicht klar, dass Du damit ganz und gar Unmögliches erwartest?!

Wenn Du Vertrauen schon ein paar Mal enttäuscht hast, dann musst Du damit rechnen, dass es einiges braucht, bevor dieses Vertrauen wieder da ist. Und wenn Dir die Mühe, diese Folge Deines Handelns der letzten Monate auszuhalten, es mit Sicherheit, Zuverlässigkeit, Verlässlichkeit, Geborgenheit, Wärme und Nähe aufzuwiegen, wenn Dir diese Mühe zu groß ist, dann sage es mir lieber gleich, denn dann werde ich meine Wunden alleine lecken. Dass ich dies kann, auch wenn es sehr weh tut, weiß ich aus der Erfahrung mit mir.

Ich bin absolut nicht in einer Lebensphase, in der ich es gut aushalten kann, immer wieder aufs Neue verletzt zu werden. Und es ist auch eine Verletzung, wenn Du mir nicht zugestehst, dass ich verletzt wurde von Dir und Wunden davon getragen habe und entsprechend reagiere. Es ist auch eine Verletzung, wenn Du erwartest, ich sollte mich möglichst so verhalten, als wäre all dies nicht geschehen.

Vertrauen muss erst wieder wachsen, und damit es wachsen kann, braucht es Sicherheit, und mit dem Verhalten, mich immer wieder weg und vor den Kopf stoßen, indem Du Dich nicht an Vereinbartes hältst, heilt es ganz gewiss nicht, sondern es wird immer mehr der Boden für Vertrauen unterhöhlt. Du hast in zu vielen Situationen mein Vertrauen in Dich enttäuscht, so dass Du wirklich, um es wieder herzustellen, Dich nicht so verhalten kannst, wie es möglich war, als ich noch vorbehaltlos vertraute. Das reicht zum Heilen nicht aus! Um ein vorhandenes Vertrauen lebendig zu erhalten braucht es bei mir nicht allzu viel, und ich hatte es Dir als Vorschuss-Vertrauen geschenkt ohne überhaupt zu wissen, ob es pfleglich behandelt werden wird, so wie ich Menschen eben immer und immer wieder Vorschuss-Vertrauen schenke. Um aber missbrauchtes Vertrauen wiederzugewinnen, braucht es notwendigerweise, dieses Vertrauen eben nicht mehr zu enttäuschen, braucht es auch in den kleinen Dingen ein stehen zum Wort. Wie soll ich sonst wieder darauf vertrauen lernen können, dass Du auch in den großen Dingen zum Wort stehst?!

Du hast mich im Verlauf der Zeit immer wieder, wiederholt, getäuscht. Und nun wunderst Du Dich und bist vor den Kopf gestoßen, wenn ich Dir nicht mehr vorbehaltlos glaube und vertraue sondern rückfrage?! Du hast im Verlauf dieser Monate auch mehrmals gesagt, dass es Dir nicht gut geht, und es war meist nachdem Du getrunken hattest. Und mehrmals hast Du mir erst Wochen später gesagt, dass es so war. Da war es auch so, dass Du Dich dafür aus einer Situation heraus plötzlich zurückgezogen hast, um dafür allein zu Hause zu sein. Wie kannst Du erwarten, dass mein erster Gedanke, meine erste Sorge, meine erste Frage nicht nachbohrt und immer wieder gleich ist?! Wie kannst Du erwarten, dass ich Dir genauso vorbehaltlos, vertrauensvoll Glauben schenke, wie es war, bevor Du versprochen und nicht gehalten hast?! Wie kannst Du erwarten, dass ich Dir genauso vorbehaltlos, vertrauensvoll Glauben schenke, wie es war, bevor Du Dir Gelegenheiten des Alleinseins geschaffen hast?! Hast Du vergessen, dass so eine Situation auch schon vor drei Monaten wieder da war, und ich Dir danach wieder und wieder vertraut habe? Woher soll ich denn dieses Vertrauen nehmen? Aus Deiner Zuverlässigkeit, zu Deinem Wort zu stehen? Und dies in einer Situation, in einem Moment, wo Du gerade eben dieses Dein Wort nicht hältst, heimfährst, nicht kommst, mich nicht wie vereinbart sehen willst,

Aber durchs Verzeihen wird es nicht ungeschehen, durchs Verzeihen wird auch Vertrauen nicht nahtlos wiederhergestellt, es braucht Heils-Balsam, braucht Verlässlichkeit. Es braucht von Dir dasselbe unbedingte, vorbehaltlose Da-Sein, wie ich es vordem Dir gegeben habe, um auch in mir sich wieder zu entwickeln. Die Wunden sind da und brauchen diesen Balsam, um heilen zu können. Es reicht nicht, dass ich all Deine guten Seiten daneben stelle, auch wenn das nicht wenige sind. Die Unsicherheiten, die Deine dunklen Seiten mir abverlangen, könnte ich gut mit-tragen, wenn diese Wunden nicht wären. Und Du gestehst mir noch nicht einmal zu, dass ich sie habe, diese Wunden. Es reicht nicht, einfach nur so zu tun, als wäre alles “ganz normal”, es reicht nicht, da weitermachen zu wollen, wo wir vorher waren, als wäre nichts geschehen. Es ist etwas geschehen, und das lässt sich nicht ungeschehen machen, es lässt sich nur heilen. Es ist geschehen, und ich habe es Dir verziehen.

Ich hoffe auch, dass Du lernen kannst, nicht zu erwarten, dass ich so bin und reagiere, wie ich ohne diese Wunden war, dass es Dir gelingt, das Du heilen, was Du verletzt hast. Denn ohne Dir die Mühe zu machen, meine Wunden mit mir gemeinsam zu lecken, fangen sie an zu eitern und zu stinken. Ich habe ja auch versucht, Wunden, die nicht ich Dir zugefügt habe, mit Dir gemeinsam zu lecken, ist es da wirklich zu viel erwartet, dass Du mit mir gemeinsam jene Wunden leckst, die von Dir sind?

Du hast Wichtigkeiten vorgegeben und Dich zurückgezogen, fadenscheinige Begründungen gesucht, genau so wie es jedes Mal dann war, wenn Du getrunken hattest und nicht wolltest, dass ich es merke. Du hast immer wieder mit Nachdruck betont, dass Du nichts mehr trinken wirst - und es dennoch immer wieder getan. Es ist leider so, dass Du viele Jahre immer wieder den Vorsatz hattest, nicht mehr zu trinken und es doch immer wieder getan hast, und ich kann leider nicht so reagieren, wie es wäre, wenn Du seit vielen Jahren durchgängig trocken gewesen wärst. Es ist leider so, dass Du im Zusammenhang mit Alkohol nicht immer ehrlich warst, und ich kann nicht so reagieren, als hättest Du mich niemals belogen.
 

http://www.webstories.cc 17.04.2021 - 08:09:20