Simon Templar am 07.04.2009 :
HÄSI und HASIPUTZI (2)
Die ganze Eulenfamilie dachte nach. Intensiv. „Das wäre wirklich doch gelacht“, sagte Opa Eule, „und noch bevor sie kommt die Nacht, die Lösung hab’ ich Euch gebracht“. Aber der Hilferuf der alten Eiche wurde nicht nur von Familie Eule aufgenommen. Nein, der Hilferuf hatte sich verbreitet wie ein Lauffeuer. Von Baumwurzel zu Baumwurzel. Und auch die gefiederten kleinen und großen Freunde der alten Eiche und alle Tiere des Waldes hatten es ebenfalls gehört.
Panik breitete sich unter den Bäumen aus. „Wenn dieser Vandale selbst bei der alten Eiche rücksichtslos, ja geradezu schamlos, sein Mörderbeil schwingt, was wird er dann erst mit uns machen“, empörte sich die vornehme Kastanienallee – und das waren immerhin achtundachtzig Bäume. Vor vielen Jahren hatte der alte Graf, der Großvater von Graf Hubertus, diese anpflanzen lassen, damit er mit seiner Braut Josephine (siehe einfach mal nach unter Bonaparte !!) irgendwann einmal dort lustwandeln konnte – was er Jahre später auch ausgiebig tat, allerdings nicht mit Josephine sondern mit der reichen Baronesse von Güldenring. (Pekunia non olet).
„Was wird er wohl tun“, meldete sich vom abschüssigen Waldrand eine Birke, die dort mit zwei anderen dünnstämmigen Birken ein mehr oder weniger unbeachtetes Walddasein führte, „wenn Hubertus das Eichenholz verkauft hat wird er aus rein ökonomischen Gründen selbstverständlich die Kastanienallee zu Kaminholz verarbeiten“. Und so, wie sie das sagte, klang es ungemein gehässig – und das sollte es auch, denn die Birke war neidisch auf die dicken, starken prächtigen Bäume des Waldes mit ihren großen Baumkronen. Hingegen war sie eben nur dünn, weißhäutig und hatte lediglich eine „Krone“ die aussah wie ein haarloser, langer Pinsel“. Den schönen, prächtigen Bäumen jetzt weh zu tun, tat ihr irgendwie gut.
Vor Empörung erhob sich Kolka, der schwarze Rabe. „Pfui“, krächzte er, „pfui, pfui und nochmals pfui. Wie kann ein Baum nur so gemein sein. Niemals mehr werde ich Dich besuchen und auch alle anderen Vögel des Waldes werde Dich meiden“. Sprachs, ließ sich vom eh viel zu dünnen und unbequemen Birkenast fallen, breitete seine Flügel aus und rief während des Fluges allen zu: „Krah, krah, hört was ich Euch allen zu sagen habe, die Birke ist ganz arg böse und freut sich diebisch, dass unsere alte Eiche und dann auch noch die wunderschöne Kastanienallee von Graf Hubertus gemeuchelt wird. Krah, krah. Wer Vogelehre besitzt wird kein Vogelbein mehr auf die Birken setzen. Krah krah.“
Und auch dieser Ruf wurde weitergegeben und von allen Vögeln und Tieren wurden ab sofort die Birken gemieden. Keine Spatz, keine Eule, kein Rabe und auch kein Rehlein besuchten die Birken. Einsam standen diese an der abschüssigen Waldesrandwiese. Und hätte nicht ein unbekannter Volksmusiker die Birken mal durch Zufall zu Gesicht bekommen und dann ein Volkslied aus diesem Eindruck heraus gemacht („Drei weisse Bi-hir-ken …), dann würde auch kein Mensch mehr von ihnen reden.
Auch Häsi und Hasiputzi hatten das Gemurmel, das Gebrummel und das Gekreische vernommen. „Hörst Du, unser schönes Heim wird bald zerstört sein“, sagte Häsi zu Hasiputzi. Hasiputzi hatte es sich in ihrem Stuhl aus Weidengeflecht und getrocknetem Laub bequem gemacht. Sie stöhnte ganz leise und Häsi bekam Angst. „Sooo schnell wird Hubertus die Vernichtung unseres Heimes nicht gelingen“ rief er. „Ich werde es verhindern“! Breitbeinig stand er vor Hasiputzi, sah sie lieb an, beugte sich dann vor, streichelte über ihr niedliches Hasenköpfchen und hauchte ihr einen ganz zarten Hasenkuß auf den süßen Hasenmund. “Du musst also keine Angst haben, ich bin Dein Ritter“!
Erwartungsfroh auf eine Antwort wartend, sah er seine kleine Frau an. „Mein mutiger Ritter“, rief Hasiputzi und lachte dabei (aber gaaanz lieb !!) „ich habe keine Angst, dass dieser Unmensch unser Heim zerstört, ich habe aber Schmerzen, denn ich befürchte, dass sie bald kommen …..“ „Wer wird kommen“, unterbrach sie Häsi, „wer wird kommen“ und sein Gesichtsausdruck war bei dieser Fragestellung keineswegs intelligent zu nennen.
„Häsi, Häsi, was glaubst Du weshalb ich so eine kleine Kugel unter mir herschiebe…..“ und dann lächelte Hasiputzi milde, so wie es alle Mamis machen, wenn ihre Männer dumme Fragen stellen. „Wir werden in ein oder zwei Tagen nicht mehr zu zweit sondern zu dritt oder zu viert oder zu fünft sein – also eine richtige große Familie“ !
Häsi zweckentfremdete eine Zuckerrübe setzte sich auf diese. „Zwei oder drei oder vier oder fünf“, flüsterte er und nur ein Hasengott konnte wissen, wie Häsi das wohl gemeint hatte. |