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Marzahn-Loblied: ICH MAG DIE PLATTE!

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© Wolfgang Reuter   
   
Wie hat’s mir damals gut getan;
da sprach mein BGLer*:
„Du kriegst ’ne Wohnung in Marzahn
mit Vollkomfort und Keller.“

Da hab ich einen drauf gemacht
und schnallte spät erst in der Nacht,
was für ein großes Glück ich hatte:
Ich mag die Platte!


Zwar ham wir weder KaDeWe,
noch ’ne Elite-Schule;
doch dafür einen Bagger-See
und unser Flüsschen Wuhle.

Mein Nachbar kommt gern auf ein Bier,
und viele sagen „du“ zu mir.
Hier bin dein Mann ich, nicht dein „Gatte“.
Ich mag die Platte!


Von Hellersdorf und von Marzahn
kommt man ratz-batz nach Mitte
mit S-Bahn, U-Bahn, Straßenbahn
und Fahrrad auch – na bitte!

Und raus ins Grüne geht’s hier leicht,
weil Wald und Flur man schnell erreicht.
Die Landluft lockt, die satte, glatte ...
Ich mag die Platte!


Wir haben manchmal wenig Geld
und leben gern mit Hunden.
Die Gärten aus der ganzen Welt
kann man bei uns erkunden.

Auch Arbeitslose gibt es hier,
die leben mühsam von „Hartz IV“,
doch niemals in der Hängematte.
Ich mag die Platte!


Wir sind der Osten von Berlin,
wie damals – so auch heute.
Minister zieht’s hier selten hin,
hier leben kleine Leute ...

... und mancher, der gut russisch spricht.
Wer neureich ist, der wohnt hier nicht,
packt lieber westwärts sich in Watte! -
Ich mag die Platte!


Wolfgang Reuter, 16. 05. 2010

* „BGLer“ nannte man den Chef der Betriebs-Gewerkschafts-Leitung, die auch die damals begehrten Neubau-Wohnungen vergab (Plattenbauten mit Fernheizung, fließend Heißwasser, Einbauküchen ...)
Zum vorliegenden Text gibt es eine Vertonung, die ich bei meinen „Lesungen am Klavier“ oft vortrage.
 

http://www.webstories.cc 15.07.2020 - 00:46:50