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Schwarze Schwäne - Weiße Schwäne, Teil 28 - SEXZÄRTLICHKEITEN -*-*- VERSCHWUNDENE TÜREN

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© Ingrid Alias I   
   
Hardy ist wach, als ich zu ihm ins Bett krieche. Ich lege mich natürlich weit weg von ihm hin.
„Erzähl mir mehr von dir“, sagt er.
Was will er? Noch mehr Einsicht in Frauenseelen bekommen? Ist mir egal, ich werde ihm nur das erzählen, was ich für nötig halte, und ich will ihn jetzt schockieren! Also beginne ich:
„Ich bin noch nie vergewaltigt worden, und falls es doch irgendwann passiert, dann wäre es mir egal. Hältst mich deswegen für kaputt?“ Ich sage natürlich nicht, dass körperliche Grausamkeiten mich nicht beeindrucken können, die stecke ich weg, dafür habe ich mir einen dicken Panzer zugelegt, leider können Gefühle von innen aber auch nicht heraus ...
„Nein, ich halte dich absolut nicht für kaputt, na ja, für ein bisschen vielleicht ...“ Hardy überlegt, und ich schaue ihm gespannt dabei zu. Er ist so attraktiv, so verdammt anziehend, und ich sollte meine Finger von ihm lassen - außer natürlich von seinen sexuellen Zonen, also Schwanz, mehr sexuelle Zonen haben die Männer wohl nicht. Blöderweise möchte ich auch anderes von ihm streicheln, aber ich halte mich zurück. Er tut es nicht bei mir - und ich tue es nicht bei ihm.
„Du bist nur ...“ er macht eine Pause, „so total geil, und ich liebe es, wenn du kommst.“
Hat er das auch schon festgestellt? Na klar, ich kann es nicht leugnen, und ich würde Hardy im Augenblick alles zugestehen, auch die Sachen, die ich mit Parker ekelhaft fand, denn Hardy ist anders, er riecht gut und er schmeckt auch gut. Und irgendwie vertraue ich ihm, nur körperlich natürlich.
Also tue ich es, ich krieche nach unten und fange an ihn zu streicheln, bis ich schließlich meinen Mund zu Hilfe nehme. Es fühlt sich gut an. Hardy hebt den Kopf und sieht zu, wie ich seinen Schwanz in meinem Mund habe, ich lasse es langsam angehen, mache kurze Pausen dazwischen und schaue ihn dabei an. Er soll sich heute nur wie ein Schwanz fühlen, genauso wie ich mich immer fühle, wenn er mich fickt, egal ob es mit dem Mund oder mit der Hand oder mit dem Schwanz ist. Ich fühle mich dann nur wie eine Mischung aus Titten und Scham, alles andere ist weg - Hirn hält das Maul - und mein Körper und ich lassen uns dann vollkommen gehen.
Und das soll Hardy auch mal zu spüren kriegen. Also massiere ich ihn abwechselnd mit der Hand und mit dem Mund und erzähle ihm irgendwas darüber, wie die Schwänze anderer Männer gebaut wären. Klar hab ich nicht viel Erfahrung mit denen, aber ich könnte es ja mal behaupten. Also flüstere ich ihm zu: „Es gibt strukturlose und es gibt gegliederte ...“ Und dann kommt wieder mein Mund zum Einsatz. Er fängt an zu stöhnen. Und das Stöhnen wird lauter. Ich höre auf mit dem Mund und sage: „Die strukturlosen sollen zwar gut sein, aber nicht so gut wie die gegliederten.“ Er stöhnt noch lauter, es hört sich fast wie eine Klage, fast wie ein Wimmern an. „Ich kann das bestätigen, denn du hast so einen!“, sage ich und nehme wieder meinen Mund zu Hilfe und meine Hände. „Und er bereitet mir sehr viel Vergnügen, unglaublich viel Vergnügen.“
Es stimmt, das ist nicht gelogen. Er stöhnt laut vor sich und lässt sich zurückfallen. Bäumt sich noch einmal auf und ich spüre unter meiner Zunge, wie sein wunderbares Glied pulsiert und anfängt zu zucken.
Als er kommt, ist es wie eine Explosion. Ich bekomme fast alles in den Mund, zuerst will ich es aus meinem Mund raus haben, eigentlich ekele ich mich vor Sperma, aber dann behalte ich doch ein bisschen davon, denn es schmeckt nicht so unangenehm, wie ich es aus alten Erinnerungen habe. Hardy riecht gut, und er schmeckt auch gut ...
Er sieht jetzt aus wie ein kleiner Junge, und eigentlich will ich ihn auf den Mund küssen, tu ich aber nicht, stattdessen umfasse ich sanft und beschützend seine Hoden. Warum - verdammt noch mal - habe ich das Gefühl, ihn beschützen zu müssen?
Hirn sagt: ‚Vorsicht Tony, du darfst dich nicht von seinem hilflosen Jungengesicht reinlegen lassen, du musst aufpassen! Er ist einer, der das bestimmt nicht nötig hat.’ Ich gebe Hirn keine Antwort.
‚Brauchst du keine Zärtlichkeit?’ Das hat Robert mich gefragt, als unser Verhältnis schon längst in die tote Saison abgedriftet war. ‚Nein’, gab ich zur Antwort. Zumindest brauchte ich sie nicht von Robert. Ich weiß nicht, ob ich Zärtlichkeit brauche, aber ich kann sie selber verteilen. An die Katzen zum Beispiel. Hardy guckt immer seltsam, wenn ich mit dem schwarzen Pascha herumschmuse. Oder der Kater mit mir. Ein Fremder würde bestimmt denken, Hardy wäre eifersüchtig auf den Kater. Dass ich nicht lache, der und eifersüchtig, dazu ist er zu sehr von sich eingenommen.
Aber vielleicht holt er sich die Streicheleinheiten von anderen Frauen ... ‚Danach habe ich meinen Arm um sie gelegt, und sie hat mir von ihren Problemen erzählt und das fand ich toll.’ Diesen Spruch kann ich nicht vergessen, der hat sich in mein Gehirn eingeätzt. Und deswegen brauche ich keine Zärtlichkeiten vom ihm, es reicht schon, dass er im Bett so gnadenlos gut ist.
Ich glaube, Hardy mag nur unsere Beziehung, purer Sex gepaart mit Gefühlsarmut und keinerlei Verpflichtungen. Das ist doch seine Devise.
Aber warum lasse ich mir das bieten? Der Vorteil dabei ist unser recht konstantes Verhältnis. Ohne Sentimentalitäten, kein Gefühlskram. Vielleicht hätte ich schon die Nase voll von ihm, wenn alles normal abgelaufen wäre. So wie mit Robert, der anfing von Liebe, Ehe und Kindern zu faseln. Vielleicht aber auch nicht, ist egal, ich werde es nicht erfahren. Denn mit Hardy könnte ich nie so umspringen wie mit Robert. Ich habe reichlich Respekt vor Hardy, wie der Proff ja schon festgestellt hat. Ist Respekt besser als Liebe? Oder gar die Vorstufe dazu? Nein, mit so was wie Liebe möchte ich mich nicht abgeben. Liebe kann ich nicht, Liebe habe ich nicht gelernt, weder von Mutter, noch von Vater.
Weiter: Ich habe mit Hardy ziemlich viele Freiheiten. Ich kann die Wochenenden gestalten wie ich will, wenn er mit seinem Mob in der Natur unterwegs ist. Super, ich unternehme ja kaum noch was in dieser Richtung, aber er bestimmt schon bei diesen Ausflügen in die ‚Natur’. Da lernt man doch bestimmt Frauen kennen. Aber viele von den Cobbers haben jetzt schon feste Freundinnen (bis auf Hardy natürlich!), und irgendwann wird es aus sein mit den Ausflügen. Dann wird er es schwer bereuen, mich nie in sein Leben gelassen zu haben.
Was für ein Quatsch! Hardy wird immer ein williges Weib finden, um nicht alleine zu sein. Und will ich in sein Leben? Bis jetzt habe ich es konstant vermieden, denn er will das sicher auch nicht.
Doch wie soll es in Zukunft weitergehen? Ich glaube nicht, dass ich mich in einer rein sexuellen Beziehung auf Dauer glücklich fühlen könnte – und da ich von Hardy nicht mehr bekommen werde, muss ich mir das woanders suchen. Und dann komme ich bestimmt wieder an einen wie Robert. Nein, das geht gar nicht.
Also bleibe ich hier bei Hardy und liebkose seine Eier, verdammt noch mal, wieso ist er so schön, wieso hat er so eine Anziehungskraft auf mich? Ich liege hier zusammengekrümmt und streichle ihn. Ich, die überhaupt keine Zärtlichkeiten braucht? Ich höre schließlich auf damit und lege mich neben ihn, natürlich weit von ihm entfernt.
-*-*-
Er scheint ein wenig abwesend zu sein. Hardy, was ist los mit dir? War es nicht gut? Du hast bestimmt schon Besseres erlebt mit anderen Frauen, da mache ich mir keinerlei Illusionen. Ich muss mir was einfallen lassen.
„Hab ich dir eigentlich schon von Madames Psychologen erzählt?“
Er schreckt zusammen, aber dann schaut er mich aufmerksam an. „Nein“, sagt er.
„Also, Madames Psychologe – wo ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Psychiater und einem Psychologen? Ach was soll's ... Jedenfalls behandelt er sie umsonst. Wie findest du das?“
„Weiß nicht ...“
„Also, ich finde es unangemessen. Wer sich mit der abgibt, sollte Geld dafür kriegen und nicht seine kostbare Zeit opfern. Und es bringt ja auch gar nix!“ Ich bin froh, dass ich kaum noch was mit Madame zu tun habe, kriege aber trotzdem mit, dass sie einige Verehrer hat. Wahrscheinlich irgendwelche anderen Irren. Aber ich habe auch einen: Als ich am Mittwoch im Klonk war, da habe ich einen Typen kennen gelernt, er war groß, dünn, sehr intelligent und sehr viel jünger als ich. Und er brachte mich und mein Fahrrad mit seinem Lieferwagen nach Hause. Ich lud ihn noch auf eine Tasse Kaffee ein, und er war total fasziniert von meiner Musik und vielleicht auch ein bisschen von mir. Außer Kaffeetrinken ist natürlich nix gewesen.
„Wo war ich? Ach ja Madame ... Die ist mit ihrem Psychologen durch die Innenstadt marschiert und sie haben alte Leute angerempelt. Er hat es ihr befohlen, meinte, es wäre gut für sie und ihr Selbstbewusstsein. Wie findest du das?“
Hardy schweigt. Es ist ungewohnt, dass er mir nicht zuhört.
„Hardy?“ Was hat er? Warum sagt er nichts?
„Das ist ja wohl ein Ding“, sagt er nach einer Weile. „Alte Leute anzurempeln ... Was ist denn das für ein Psychologe?“
Seit wann ist er von meinem Geschwätz gelangweilt? Bis jetzt hat er sich immer gut darüber amüsiert. Egal ob ich ihm über die Zustände in meiner Firma berichtet habe, über den Geiz des Chefs oder über ähnlich bescheuerte Vorkommnisse. Allmählich wird's mir ein bisschen seltsam zumute.
„Und was machen die wohl als nächstes? Vielleicht 'ne Bank überfallen?“, sage ich, nur um etwas zu sagen.
„Natürlich nur zur Stärkung des Selbstbewusstseins“, meint Hardy nach einer Pause.
„Natürlich ... Und außerdem weiß ich jetzt, wo man in Europa am billigsten saufen kann“, ich lasse das Thema über Madames Psychologen fallen und fange was Neues an, „außer vielleicht auf Mallorca* ...“
Hardy schaut mich mit einem Funken von Interesse an. Klar, er ist ein Geizhals, nicht nur in geldmäßiger, sondern auch in gefühlsmäßiger Beziehung zu mir. „Und wo bitte soll das sein?“, fragt er.
„Das rätst du nie!“
„Na, sag's schon!“
„Es sind die Hundeplätze!“ Ich entschließe mich, sparsam mit meinen Enthüllungen über die billigsten Saufplätze Europas zu sein.
„Häääh?!“
„Ja tatsächlich! Da gibt es immer ein Vereinshaus mit Theke, und während die Kampfdackel draußen abgerichtet werden, kann man im Vereinslokal was zu sich nehmen. Und zwar ganz billig!“
„Is nich wahr!“ Immerhin scheint er geistig wieder da zu sein.
„Ein Pils kostet fünfzig Pfennig und ein Schnaps auch nur fünfzig Pfennig. Leider haben die nur so ekliges Zeug wie Korn!“, verkünde ich ihm.
„Das ist wirklich sagenhaft billig. Und man benötigt keinen Hund dazu?“
„Na gut, Madame hatte die Venus dabei. Aber sie ist nicht Mitglied geworden. Also Madame, nicht die Venus. Sie hat sich nur beraten lassen."
Hardy schweigt wieder. Das ist ja nicht zum Aushalten! Vielleicht sollte ich ihm ein Geheimnis verraten, das ich eigentlich ungern preisgebe. „Hab ich dir eigentlich schon meinen wahren Namen verraten?“
Hardy stutzt, schaut mich verblüfft an und sagt dann: „Was soll denn das für ein Name sein? So was wie Rumpelstilzchen?“
„Nein, schlimmer! Ich heiße nämlich Antonie Wilma. Die Wilma, die will maa ... Ist das nicht furchtbaa?“
„Das hört sich äääh... nett an“, sagt er spöttisch lächelnd und fällt dann wieder zurück ins Schweigen. Allmählich wird mir die Sache unheimlich. Für irgendwas muss ich ihn doch interessieren können, aber mir fällt absolut nichts mehr ein. Also schweige ich auch.
Zwei Minuten später fängt er dann doch an zu reden - dem Himmel sei Dank - und erzählt mir die Geschichte von Onkel Günner:
Sie wollten mit Onkel Günner vor drei Jahren zum Camping nach Spanien fahren. Der Einzelgänger Günner hatte in seinem Auto das Zelt untergebracht und den Gasherd, während Hardy und sein Cobber die Heringe, das Kochgeschirr und die Schlafsäcke transportierten. Tolle Aufteilung. Nur was passiert, wenn's schief geht? Kurz hinter Basel verloren sich die beiden Autos, Onkel Günner war links über die Schweiz gefahren, und Hardy und sein Cobber waren auf den unausweichlich teuren Autobahnen von Frankreich gelandet. Zelt und Gasherd waren futsch, und man stellte sich auf einen teuren Urlaub in einem Hotel ein.
Aber vierundzwanzig Stunden später - nach einer Nacht im Auto - und mitten im Trubel des französischen Hochgeschwindigkeitsrausches überholten sie – oh Wunder – Onkel Günner. Er trug schon ein Hawaiihemd. Das Zelt, der Gasherd und vor allem der Urlaub, es war alles gerettet.
Ich finde es lustig, obwohl mich andere Gedanken plagen: Was macht man als junger Stier so in Spanien? Wie oft hat Hardy wohl reingehalten? Und warum hält er sich dann mit einer wie mir auf, die doch relativ unerfahren in dieser Beziehung ist? Und auf einmal bin ich es, die eine seltsam abwesende Phase hat und merkwürdig uninteressiert ist.
Kurz danach dusele ich ein.

-*-*- VERSCHWUNDENE TÜREN

Ich bin in einem Gebäude.
Es ist ein Hochhaus, das weiß ich genau, ich muss es ja wissen, denn ich arbeite hier. Könnte eine Behörde sein, vielleicht das Rathaus, ja, es ist das Rathaus, denn es ist hoch, sehr hoch. Jedenfalls muss ich zur Arbeit und ich bin viel zu spät dran.
Viele Leute laufen zielstrebig in Gänge hinein und verschwinden in irgendwelchen Büros. Auch ich gehe zielstrebig zu meinem Büro.
Aber als ich die Tür öffnen will, ist da keine Tür mehr, sondern nur noch eine nackte Wand. Ich wundere mich: Eben ist doch noch jemand da hineingegangen mit Aktenordnern in der Hand.
Vielleicht bin ich in der falschen Etage ...
Ich sehe wieder einige Leute, die in einem Büro verschwinden. Als ich in dieses Zimmer eintreten will, stehe ich wieder vor einer nackten Wand. Merkwürdig. Alles.
Eine Rolltreppe führt nach oben in die nächste Etage. Zwei Frauen lassen sich gerade nach oben fahren. Sie unterhalten sich.
Als ich hoch schaue, sehe ich, dass die Rolltreppe in der Decke endet. Ich würde zerquetscht werden, wenn ich damit fahren würde. Aber die Frauen sind doch damit gefahren.
Allmählich leert sich der Korridor. Fast alle Leute haben ihre Büros gefunden, nur ich nicht. Ich bin bestimmt wieder in der falschen Etage.
Ich sehe einen Fahrstuhl und gehe auf ihn zu. Als ich auf den Knopf drücken will, ist da kein Knopf mehr und auch kein Fahrstuhl. Ich stehe wieder vor einer nackten Wand.
Ich irre durch die verzweigten Gänge, und mittlerweile habe ich Angst, dass ich zu spät zur Arbeit komme.
Jetzt ist kein Mensch mehr zu sehen. Ich gehe wieder auf einige Türen zu, aber jetzt verflüchtigen sie sich schon von weitem, und es gibt jetzt nur noch nackte Wände. Ich werde ganz bestimmt nicht pünktlich zur Arbeit kommen.
Plötzlich sehe ich am Ende des Korridors ein schwarzes Loch. Beim Näherkommen erkenne ich, dass es sich um eine Öffnung nach draußen handelt. Die war vorhin noch nicht da. Vielleicht ist es ja eine offene Tür.
Ich gehe auf die Öffnung zu - und stehe auf einer großen balkonartigen Plattform. Draußen ist es dunkel. Die Großstadt liegt tief unter mir. Viel zu tief!
Am Himmel strahlt Orion, der Himmelsjäger. Ich kann sein Schwertgehänge ganz deutlich erkennen und auch die beiden Hunde, die ihm folgen. Es muss im Winter sein. Die Plattform liegt mindestens im achtzehnten Stock, also ganz weit oben, das weiß ich genau. Und sie hat kein Geländer ... Kein Geländer! Grauenhaft. Ich will weg von hier. Ich habe Angst vor der Höhe.
Ich will wieder zurückgehen in das Gebäude, aber die Öffnung hat sich mittlerweile verwandelt. In was? In eine Wand.
Ich kann nicht mehr zurück. Ich werfe mich auf die Plattform, so weit wie möglich von ihrem äußeren Rand entfernt und versuche mich mit den Händen im Beton festzukrallen. Es geht nicht, ich werde immer leichter, steige nach oben, sinke herab und steige wieder nach oben. Jedes Mal höher, jedes Mal schneller ...
Irgendwann werde ich beim Hinuntersinken die Plattform verfehlen. Und dann werde ich abstürzen. Nein! HILFE! Ich glaube, ich schreie. Ich habe Angst, furchtbare Angst!
-*-*-
Ich wache auf und bin immer noch entsetzt. Bin auch schweißgetränkt. Was für ein blöder Traum! Liebes Unterbewusstsein, da hast du dir aber einen zusammengesponnen! Türen, die sich in Wände verwandeln. Plattformen ohne Geländer und vor allem diese Angst. Es war nur ein Traum, aber ein furchtbarer, ich bin froh, wieder wach zu sein, und ich fühle mich auch irgendwie getröstet, aber warum?
Ich schaue neben mich: Seltsamerweise befinde ich mich ganz nahe bei Hardy, ich liege tatsächlich in seinen Armen und ich habe es wohl als angenehm empfunden. Jetzt kriege ich wirklich einen Schrecken. Ich werde stocksteif und überlege was hier los ist. Habe ich mich etwa bereitwillig in seine Arme begeben? Das wäre fatal, das geht gar nicht! Langsam, ganz langsam ziehe ich mich auf meine Seite des Bettes zurück, ohne zu atmen, ohne ein Geräusch zu verursachen. Und hoffentlich hat er nichts davon gemerkt.
Wenn ich zuhause wäre, dann könnte ich mir den Kater Pascha greifen, er würde sich bereitwillig in meine Arme legen und mich trösten. Pascha ist ein sehr sensibler Kater, er liebt mich und versteht mich. Er ist viel netter als Hardy.
Ein paar Stunden später, so um elf Uhr verabschiede ich mich von Hardy. Ich fühle mich verlegen, muss immer noch daran denken, dass ich in seinen Armen lag. Was ist da passiert? Ich will das gar nicht wissen!

*Mallorca war bis in die 80er Jahre berühmt für seine billigen alkoholischen Getränke.
 

http://www.webstories.cc 28.11.2021 - 15:55:36