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Tröpfchen fängt das Leuchten ein

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©  Siehdichfuer   
   
Tröpfchen war heute wieder einmal mit einer großen Wolke am Himmel unterwegs und wartete auf das, was da kommen würde.
Es war der Tag, den die Menschen „Heiliger Abend“ nennen und die Sonne hatte sich längst schon auf die andere Seite der Erde verzogen.
Es war aber nicht nur ganz finster dort oben in der Wolke, es war auch bitter kalt. Tröpfchen zog gerade, auf dem Rücken liegend,
am Himmel seine Bahn und bewunderte mit großer Freude die Sternenpracht am Firmament. Mancher etwas größere und heller leuchtende Stern,
schien viele kleinere hinter sich her zu ziehen, gerade so, als wären es seine Kinderchen. Ab und zu konnte Tröpfchen auch mal einen ganz
kleinen Ausreißer sehen, dem alles zurufen, bitten und selbst lautes schimpfen schnuppe war und wie es nun einmal im Leben so ist,
so bewahrheitete sich wieder einmal, dass der, der nicht hören kann, eben fühlen muss.

Just in diesem Augenblick stieß wieder einmal ein solcher Ausreißer an die große runde Hülle von Mutter Erde.
Sofort spürte dieser, dass er ganz plötzlich abgebremst wurde und er in etwas immer dichter werdendes eintauchte.
Nicht nur, das es immer enger um ihn wurde, nein es war ihm auf einmal auch furchtbar heiß.
Hättest du doch nur gehört, dachte sich unser Ausreißer gerade und versuchte nun mit aller Kraft wieder umzukehren,
doch es war längst zu spät. Die Hitze war inzwischen immer toller geworden und er merkte das sein Ende gekommen war.
Ich muss wenigstens die anderen Ausreißer warnen, indem ich ein helles Leuchtfeuer entfache. So sah Tröpfchen, einen wunderschönen,
in hellen Farben leuchtenden Schweif am Himmelsrund seine Bahn ziehen, bis er letztendlich für immer verlosch.
Tröpfchen versuchte ihn auch jetzt noch weiter zu verfolgen, doch es war leider nichts mehr zu sehen. Doch was war das?
Tröpfchen hatte sich gerade so umgedreht, das es nun direkt auf die Erde runter schaute und es traute seinen Augen kaum,
da unten leuchteten ja auch viele tausend, kleiner Sterne. Tröpfchen wusste einen kurzen Augenblick gar nicht mehr was nun Himmel
und was nun Erde war. Er drehte sich nach Oben, dann wieder nach Unten und das so lange, bis ihm ganz schwindelig geworden war.
Er verlor den Halt in seiner Wolke und fiel immer schneller werdend nach unten, doch schon bald tauchte Tröpfchen in eine sehr,
sehr kalte Luftschicht ein. Tröpfchen merkte wie er sich veränderte und schon wenige Augenblicke später war aus ihm eine wunderschöne
Schneeflocke geworden. Jetzt war es kein schnelles Fallen, sondern ein wunderschönes langsames Schweben, bei dem man spielend und tanzend
sich von der Hand des Windes nach Unten tragen ließ.
Je näher er der Erde kam, um so deutlicher konnte er erkennen, dass das, was er für Sterne gehalten hatte, gar keine Sterne waren.
Vielmehr konnte er das Funkeln und Leuchten von tausend und abertausend Kinderaugen sehen, die aus dem Fenster schauten und auf das
Christkind warteten. Sie hatten ebenfalls die Sternschnuppe am Himmel leuchten sehen und ganz aufgeregt ihre Eltern oder Großeltern gefragt:
„Was war denn das?“. Diese antworteten: „Das ist das Weihnachtlicht, das den Menschen das Kommen des Christkindes verkünden soll.
Zündet die Kerzen an und singt frohe Weihnachtslieder, damit euch das Christkind auch finden kann“. Die Menschen taten auch gleich,
alles was notwendig war, damit das Christkind zu ihnen finden konnte. Hier und da, da und dort, und wer weiß nicht wo noch überall,
erst ganz leise und dann etwas lauter, ein süßer Glockenklang zu hören war und als die Kinder sich umdrehten und in die festlich geschmückte
Stube schauten, da lagen unter dem Weihnachtsbaum viele wunderschön verpackte Geschenke.
„Wo kommen die denn auf einmal her?“, wollten die Kinder wissen.
„Die hat das Christkind gebracht“, antworteten daraufhin die Eltern. Die Kinder wiederum entgegneten: „Geht ja gar nicht, wir haben ja gar
kein Christkind kommen sehen“. Die Eltern gaben den Kindern ein Zeichen, sie mögen ganz schnell noch mal zum Fenster kommen und sagten dann:
„Seht dort die Schneeflocken, wie sie plötzlich ganz toll umher wirbeln, das kommt von dem Schlitten der dort gerade lang gefahren ist,
er hat sie alle aufgewirbelt, damit sie voller Freude vom Kommen des Christkindes erzählen können“.
„Oh ja, oh ja, sieh jetzt ist der Schlitten schon dort hinten. Ja, ja ich habe es gesehen“ riefen die Kinder begeistert und ein unbeschreibliches
Leuchten funkelte in ihren Augen.
Einige Strahlen dieses Leuchtens trafen auch unser zur Schneeflocke gewordenem Tröpfchen und Tröpfchen musste
sehr aufpassen, dass die Wärme, die diese Strahlen mitbrachten, sein Eiskristallkleidchen nicht zum schmelzen bringen würde.
Schnell fing er die funkelnden Strahlen ein und ließ sich dann sofort auf die eiskalte Erde fallen. Hier schloss er das eingefangene Leuchten
ganz vorsichtig in sein Herz und schlief dann ganz sanft ein.
Am nächsten Morgen wurde er ganz zärtlich von der Sonne und dem Wind geweckt. Bald schon kamen die Kinder aus dem Haus gelaufen,
um den neuen Schlitten oder die neuen Skier auszuprobieren. Eben waren sie noch gerannt, doch jetzt blieben sie auf einmal ganz fasziniert stehen.
Überall funkelte und leuchtete es, gerade so wie gestern Abend.
„Oh ist das schön“ hörte man sie aller Orts rufen und einige wollten diese wunderschöne Schauspiel auch ihren Eltern zeigen.
Auch diese waren sofort von all der funkelnden Pracht ergriffen. „Seht nur!“, sprach da einer der Väter, „die Schneeflocken haben das Funkeln
eurer Augen gestern Abend in sich aufgenommen, um es euch heute noch einmal zeigen zu können“.
Die Kinder bedankten sich, indem sie den ganzen Tag mit all den vielen Flocken spielten und nicht nur Tröpfchen war sehr froh darüber.
Voller Stolz ließen sie sich immer wieder in Luft werfen, um dann erneut zur Erde hernieder zu schweben. Als es dann dunkel wurde,
waren alle ganz müde und als sie sich zum schlafen hinlegten, da dachten sie noch einmal an einen wunderschönen Abend und einen herrlichen
fröhlichen Tag zurück. Manch eines der Kinder träumte sogar, das es selber eine dieser herrlichen Schneeflocken sei und einige Kinder
konnten dann auch die Wärme des Leuchtens in ihren Herzen spüren.
 

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