... für Leser und Schreiber.  

Gefesselt unter sengender Sonne

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© Wilfried P. Teiser   
   
Die Sonne brannte unbarmherzig auf seinen fast nackten Körper. Es war der blanke Horror. Man konnte sich kaum bewegen und es gab fast kein Entrinnen. Überall war grobes Leinen und Holz. Je mehr er sich bewegte desto mehr wurde er festgehalten. Es war die perfekte Fessel. Er konnte nichts dagegen tun. Hans Briese dachte darüber nach, wie er in diese schlimme Situation gekommen war. Er war mit seinen Nerven am Ende. Was hätte er darum gegeben hier wieder heraus zu kommen. Dazu diese Affenhitze. Er hatte Durst. Die Zunge klebte ihm am Gaumen. Hans Briese, der Zeit seines Lebens stolz darauf war ein Atheist zu sein, war bereit ins Kloster zu gehen. Immer wieder sagte er sich den Spruch mit dem Lichtlein auf, das angeblich immer dann daher kam, wenn man meinte es würde nichts mehr gehen. Leider war dieses Lichtlein nicht gekommen. Überhaupt kam niemand um ihm zu helfen.

„So ist das“, dachte er verbittert, „in der größten Not bist Du allein. Keiner hilft Dir“. Wieder versuchte er angestrengt sich aus seiner misslichen Lage zu befreien. Es wollte und wollte ihm nicht gelingen. Er meinte das Bewusstsein zu verlieren. Die Fassung hatte er längst verloren. Dann hörte er wie aus dem Nebel kommend die Stimme einer Frau: „Mein Gott, Hans, wie oft habe ich Dir schon gesagt, dass Du das alte Ding wegwerfen sollst? Das ist einfach zu kompliziert. Kauf’ endlich einen neuen Liegestuhl“.
 

http://www.webstories.cc 05.05.2024 - 23:08:46