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DER NOTFALL, Teil 2 von 3 - Schnorren und Sammeln

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
Das Frühstück ist okay, ähnelt dem Abendessen.
Und ich warte auf die Messungen, denn mein Puls ist mittlerweile abgeklungen. Das stellt auch die Messende fest.
"Dann ist der Eingriff nicht mehr angebracht", sagt sie. Das glaube ich auch, denn wieso sollte man ein normal schlagendes Herz elektroschocken.
Hoffentlich sagt sie das auch den Ärzten. Die kommen wenig später, reden von einer spontanen Rücksetzung, oder so ähnlich und dass der Eingriff nicht mehr nötig wäre.
Ich freue mich schon, aber ...
"Wir sollten noch ein Echokardiogramm machen zur Sicherheit."
Merde! Also noch einen Tag länger hier!
Leihe mir das Handy von der ollen Beißzange und rufe den Gatten an. Der wollte heute kommen. Aber muss er nicht. Ich habe mittlerweile alles zusammengeschnorrt, was ich brauche. Handtuch gab es nicht, dafür aber ein OP-Engelhemd, das geht zur Not als Waschlappen. Jede Menge Papier habe ich besorgt, um alles abzuwischen. Einen Kamm schenkte mir die Oberschwester und eine Schachtel mit toll aussehenden Ölen dazu. Ich schmierte mir ein bisschen was davon ins Gesicht. War gar nicht schlecht und besser als nix.
Später dann schnallte ich, dass es Shampoo war. Hat mir aber nicht geschadet, und ich konnte mir endlich die Haare waschen mit einem kostbaren Öl.
Ich schaue nach draußen. Da gibt es nicht viel zu sehen. Nur ein Hochhaus, ein sehr hohes Hochhaus. Und es steht sehr nahe, circa sieben Meter entfernt. Oder noch weniger?
"Hier kommt nie ein Sonnenstrahl rein", sage ich zu meiner Bettnachbarin.
"Ja", sagt sie und seufzt leise vor sich hin.
Zum Mittagessen gibt es eine leckere Suppe aus Kartoffeln, Möhren und Würstchen darin, alles kleingeschnitten. Für Klinikverhältnisse ist sie sehr würzig und sogar mit Salz!!!! Unglaublich.
Hoffentlich ist dieses Echokardiogramm noch heute. Dann wäre ich am Mittwoch hier raus.
Gewartet ... Wieder ferngesehen, wieder Bobfahren, Eislaufen und Curling. Und eine sonderbare Sportart namens Freestyle Skispringen. Die springen da nicht nur runter, sondern drehen noch Pirouetten dabei. Der weiße Wahnsinn!!! ;-)
Bin nicht bei der Sache. Mittlerweile ist es schon früher Nachmittag und ich warte immer noch. Hoffe, dass ich morgen entlassen werde. Und warte, dass sie mich heute noch zum Echokardiogramm holen.
Juchhu!!! Ich habe Glück: Ich werde abgeholt und hoffe, dass ich den Weg zurück finde. Dieser Kasten ist sowas von verschachtelt: Verschiedene Ebenen, tausend Türen, die ich zuerst nicht öffnen kann, bis ich ihr Geheimnis entdecke. Jede Menge Stationen gibt es und ich werde mich dann einfach durchfragen.
Ein furchtbar mürrisches, aber bildschönes Mädel macht die Untersuchung. Dauert an die 20 Minuten. Als ich hinterher so ein auf die Haut geklebtes Plastikteil mitnehmen will als Souvenir, da nimmt sie mir das einfach weg. Wäre OP-Schrott. Na gut, Hauptsache ich habe es hinter mir. Hoffentlich kommt nix Schlimmes zu Tage.
Im Krankenzimmer verabschiede ich mich von der Frau aus Bosnien. Sie wird endlich durch einen Krankentransport nach Dorsten gebracht. Winke ihr bis zuletzt zu. Und hoffe, dass ihre Schmerzen bald Legende sind.

Fortsetzung folgt
 
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