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SCHIMMER DER HOFFNUNG, Kap. 1, Teil 4 - ANGEL UND BUFFY

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
Storybild
Morgan und Gwydion waren eingeschlafen und Buffy machte sich auf die Suche nach Angel. Er war schließlich der einzige, den sie hier richtig kannte, mit Ausnahme von Spike natürlich. Natürlich kannte sie auch Cordelia, aber mit der wollte sie sich nicht gerne unterhalten. Cordelia war auch gar nicht da. Angel hatte irgendwas von Krankenhaus gesagt und dabei schmerzlich sein Gesicht verzogen. Hatten die beiden was miteinander? Falls ja, dann musste es ihr egal sein.
Er stand in der Empfangshalle des Hyperion. Und er war allein.
Angel hatte einen guten Riecher für die Verzweiflung, die Buffy ausstrahlte. Und er war froh, dass er sie trösten konnte. Aber es schien nicht leicht zu sein.
„Er behandelt mich wie Dreck“, klagte Buffy nicht ganz wahrheitsgetreu, „und ich weiß nicht, was ich machen soll ...“
„Dann schick ihn weg“, schlug Angel vor. „Du brauchst ihn nicht.“
„Doch ich brauche ihn, aber...“
„Ich könnte auch für Morgan sorgen“, sagte Angel, obwohl er so seine Bedenken hatte. Morgan war Spikes und Buffys Kind, das würde Angel nie vergessen können, und Morgan war ihm nicht besonders zugeneigt – sie liebte nur Spike – während er, Angel, seltsamerweise eine innige Liebe zu Gwydion entwickelt hatte, der ja der Sohn seiner ehemaligen Feindin Lilah war. Kompliziert alles.
„Du verstehst das nicht“, sagte Buffy, während ihr Tränen in die Augen stiegen und sie sich an ihn klammerte.
„Was ist daran so schwer. Schick ihn in die Wüste!“ Angel sprach dies eindringlich, legte seine Arme um Buffy und zog sie an sich, bis ihr Kopf an seiner Schulter lag.
„Wir haben geheiratet“, schluchzte Buffy an seiner Schulter, „aber es war nur wegen der Kinder. Für ihn war es nur wegen der Kinder.“
Sie trat einen Schritt zurück, so dass Angel seine Hände von ihr nehmen musste.
„Und wieso trägst du keinen Ring?“, fragte Angel nach einer Weile des Schweigens.
„Er trägt ihn ja auch nicht“, sagte Buffy, und ihre Unterlippe schob sich trotzig vor. „Es war nur so eine proforma Heirat.“
„Aber warum?“
„Du weißt doch, dass W&H irgendwie an den Kindern interessiert sind, ich glaube, ich weiß auch warum. Es hat mit einer keltischen Sage zu tun, und dazu brauchen sie die Kinder. Spike meinte, wenn einem von uns beiden was passieren sollte, dann wären die Kinder ungeschützt.“
„Was soll das heißen? Ungeschützt?“
„Wenn sie Spike erwischen“, erklärte Buffy ihm geduldig, „dann hätte Gwydion keine Verwandten mehr, die sich um ihn kümmern könnten. Das ist der Punkt.“
„Gut, das verstehe ich. Aber DU hast doch Verwandte ...“
„Ich habe zwar Verwandte, aber Schwesterchen Dawn ist zu jung, um offiziell für ein Kind sorgen zu können und mein Vater ... Du weißt ja, dass ich nicht so ein gutes Verhältnis zu ihm habe“, erklärte Buffy ihm geduldig.
„Stimmt ja, du hast ihm nie verziehen, dass er sich von deiner Mutter hat scheiden lassen“, sagte Angel nachdenklich.
„Ja, das war auch ein Grund, aber eigentlich halte ich meinen Vater für zu alt, um mit einem Kind klarzukommen, und seine neue Lebensgefährtin würde sich schön bedanken, wenn sie auf einmal so einen Wurm aufziehen müsste. Nein, es wären ja zwei Würmer. Denn die Kinder dürfen nicht getrennt werden! Auf keinen Fall! Das ist die Hauptsache!“ Buffy überlegte ein paar Sekunden und sagte dann: „Außerdem weiß mein Vater noch gar nicht, dass ich ein Kind habe und verheiratet bin. Aua, und wir wollen ihn in den nächsten Tagen besuchen.“ Buffy sagte Angel nicht, dass sie eine Riesenangst vor diesem Besuch hatte. Denn sie würde ihrem Vater einiges erklären müssen.
„Und Spike wollte also mit dieser Heirat...“
„Nur wegen der Kinder! Die liebt er. Mich mag er nicht einmal.“
„Aber ich dachte, ihr versteht euch, das hast mir doch sagen wollen, damals, bevor Spike starb.“
„Wir haben uns verstanden. Sogar gut verstanden. Aber jetzt erinnert er sich nur an unsere schlechteren Zeiten, in denen ich ihn beschimpft und beleidigt habe. Es ist, als hätte ihn jemand umprogrammiert. Ach Mist!“ Buffy starrte einen Augenblick gedankenverloren an Angel vorbei, bevor sie weitersprach: „Jedenfalls glaubt er mir nicht, dass ich ihn liebe. Er denkt, es ist seine Seele, die ich liebe und nicht ihn selber.“ Buffy trat noch einen Schritt zurück.
„Und ich dachte schon, ihr hättet...“ stöhnte Angel.
„Wenn es nach mir ginge, jederzeit“, sagte Buffy hart und sah Angel an, als wäre er ein Fremder für sie. Was tat sie überhaupt hier? Spike würde möglicherweise bald kommen. Und sie war seine Frau, zwar nur dem Namen nach, aber es bedeutete ihr trotzdem viel, seine Frau zu sein.
Denn er hatte ihr immerhin versprochen, alles mögliche zu tun, damit sie gut zusammen leben konnten, im Augenblick wäre er zwar nicht der romantische Liebhaber, er wäre eben Witwer, ein ganz frischer Witwer, und er hätte keine Ahnung, wie lange er noch um Lilah trauern würde. Das hatte er gesagt.
Mittlerweile zweifelte Buffy allerdings an der Wahrheit seiner Worte. Natürlich trauerte er um Lilah, das war so was von wahr, aber ob er jemals ein romantischer Liebhaber sein würde ... Buffy schüttelte den Kopf, und Angel schaute sie verwundert an – das war nicht die Frage. Die Frage war, ob er überhaupt jemals ein Liebhaber sein würde. Er lässt keine Gefühle zu, dachte sie, und damals habe ICH keine zugelassen. Sie erinnerte sich noch gut an seine verzweifelten Worte in ihrem Badezimmer: Lass es zu! Lass es zu! Und dann war er außer Kontrolle geraten und es war aus gewesen. Total aus gewesen. Irgendwann, als er seine Seele wieder besaß, hatte sie ihm seinen gewaltsamen Übergriff verziehen. Sie hatte sich über Vergewaltigungen informiert und herausgefunden, dass sie eigentlich nichts mit Sex zu tun hatten, sondern eher mit der Demütigung von Frauen. Und Spike wollte sie damals bestimmt nicht demütigen, sondern nur... Ach Mist! Und jetzt glaubte er natürlich, dass sie ihn nie geliebt hatte.
Nach Lilahs Tod hatte er sie zurückgewiesen und war einfach verschwunden. Nachdem er mit ihr geschlafen hatte. Aber er hatte sich um sie gekümmert, als sie im Gefängnis saß wegen Mordes. Er hatte ihre Unschuld bewiesen mit der Hilfe von Morgaine. Und er war bei ihr geblieben.
Wie auch immer, sie hatte sich einlullen lassen, und sie hatten die Ehe geschlossen. Sie hatte gewusst, worauf sie sich da einließ. Voller Hoffnung einließ, doch jetzt war es so, als ob diese verdammte Stadt ihn noch weiter von ihr entfernen würde. Oder war es vielleicht die Nähe zu Angel? Obwohl die beiden sich doch gut vertragen hatten, als sie in Cleveland aufkreuzten, um sie aus dem Gefängnis zu holen.
Sie schob den Gedanken beiseite und dachte an ihre Hochzeit:
Nichts bei dieser Hochzeit war so, wie Buffy sich als junges Mädchen ihre Hochzeit vorgestellt hatte.
Natürlich gab es Trauzeugen, nämlich Dawn und Willow. Natürlich gab es einen Standesbeamten. Natürlich gab es das übliche Eheversprechen, Spike hatte natürlich dabei gelogen ...
Natürlich gab es zwei Ringe, aber Spike nahm seinen kurz nach der Hochzeit wieder ab. Immerhin hatte er, wie Buffy erleichtert registrierte, seinen alten Ehering und den von Lilah, den er bis zu diesem Zeitpunkt am kleinen Finger getragen hatte, auch abgenommen. Jetzt war er absolut ringlos.
Und um nicht als total bescheuert zu gelten, nahm sie einen Tag später auch ihren Ehering ab, verwahrte ihn in einer Schublade, holte ihn alle paar Tage heraus, um ihn zu bewundern. Und legte ihn dann traurig wieder in die Schublade zurück.
Weiter: Es gab keinen Kuss, es gab keine Feier, keine Flitterwochen, kein Überdietürschwelletragen. Und vor allem gab es keine Hochzeitsnacht.
Das war alles nichts, womit ein Mädel angeben könnte, dachte Buffy resignierend. Bis auf den Bräutigam natürlich ...
Weiter: Er wohnte immer noch wie ein Gast im Keller des Hauses in Woodcape an den großen Seen. Was Willow und Kennedy schon recht seltsam fanden, aber Buffy hatte nicht den Nerv, den beiden irgendwas zu erklären. Was hätte sie ihnen auch schon erklären können. Buffy wusste ja selber nicht, was mit ihm los war.
Von wegen Ehe und Zusammenleben ...
 
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