
„Zumindest können wir uns schnell verdrücken,“ sagte Spike, während er den Van geschickt durch den Nachmittagsverkehr von L.A. steuerte, und zwar in Richtung von Hank Summers Haus.
Spike war dezent gekleidet, er trug nicht seine übliche Fliegerjacke sondern eine schlichte schwarze Lederjacke zu seinen Jeans. Und das alles, um seinem Schwiegervater zu gefallen. Na ja, zumindest optisch zu gefallen.
Buffy sagte nichts. Sie hatte beharrlich geschwiegen, seitdem sie das Hyperion verlassen hatten. Eigentlich hatte sie vorher auch schon geschwiegen.
„Ist doch 'ne gute Idee, wenig Windeln und Futter für die Kleinen mitzunehmen, dann hat man immer einen Vorwand, eher abzuhauen“, versuchte Spike es noch einmal. Er hatte tatsächlich ein bisschen schlechtes Gewissen wegen gestern Abend und versuchte, Buffy zum Reden zu bringen. Er hatte - wie er jetzt in Gwydions Gegenwart erkannte – ein wenig überreagiert. Gwydion, oder little Buddha, wie Spike ihn scherzhaft wegen seiner friedlichen Ausstrahlung nannte, war wie ein Geigerzähler, aber nicht um Radioaktivität zu messen, sondern um die Wahrheit zu sondieren. Und Tatsache war, dass Spike überreagiert hatte.
Buffy sagte immer noch nichts. In ihr kochte es seit gestern Abend, und sie dachte weniger an ihren Vater und wie man ihm schnell entkommen konnte, als an die Szene, die sie gestern Abend hatte ertragen müssen: Als ihr Ehemann, elegant gekleidet, wie sie es ihm gar nicht zugetraut hatte, mit einer ebenso eleganten attraktiven Blondine in ein nicht minder elegantes, attraktives Porsche-Cabriolet gestiegen war. Ihr Ehemann hatte nicht im geringsten den Versuch unternommen, diesen Tripp vor seiner Ehefrau zu verheimlichen, ganz im Gegenteil, er hatte es drauf angelegt, dass sie ihn mit Maja sah. Buffy war stinksauer!
Als Spike bemerkte, dass sie anscheinend stinksauer auf ihn war, da wurde er auch wieder sauer. Schließlich hatte er nicht mit Maja rumgemacht so wie Buffy mit Angel rumgemacht hatte. Er war schließlich mit Maja nur in die Oper gegangen und sofort danach wieder ins Hotel gefahren, und zwar alleine. Maja hatte ihn gebeten, sie in der Wohnung, die sie mit Ehemann Karel teilte, abgesetzt zu werden. Das gibt bestimmt 'ne Aussprache, hatte Spike noch gedacht. Aber er wollte sich nicht in fremde Angelegenheit einmischen. Wenn Maja ihn allerdings um Hilfe bitten würde, dann würde er Karel ohne weiteres was aufs Maul hauen.
Er hatte noch kurz nach den Kindern geschaut, die beide friedlich schliefen, und Buffy musste bemerkt haben, dass er wieder da war, aber sie war wohl trotzdem sauer. Ach was, sollte sie doch sauer sein!
-*-*-*-*-*-*-
Hank Summers wohnte mit seiner neuen Frau in einem Reihenhaus, das so typisch amerikanisch aussah, dass man E.T. erwartete, der sich in einem Wandschrank versteckt hatte. Die Frau war allerdings nicht da.
Buffy hatte ihren Vater schon telefonisch mit den gröbsten Neuigkeiten bekannt gemacht, nämlich dass sie ein Kind hatte, den Vater des Kindes vor kurzen geheiratet hatte, und dass der wiederum Witwer war und auch ein Kind mit in die Ehe gebracht hatte. In der Tat eine üppige Geschichte.
„Meine Frau musste heute zu ihrer Mutter ins Krankenhaus“, sagte Buffys Vater entschuldigend zu seinen Gästen. Das war natürlich gelogen, seine Frau hatte es vorgezogen, den Besuch seiner Tochter zu verpassen, denn aus früheren Besuchen von Buffy hatte sie messerscharf geschlossen, dass Buffy sie als die neue Frau ihres Vaters nicht mochte.
„Irgendwie kommen Sie mir bekannt vor“, sagte Hank Summers zu Spike, nachdem Buffy und Spike auf dem Sofa Platz genommen hatten. Buffy hielt Gwydion, der immer wieder nach ihrer zarten Goldkette griff, im Arm und Spike hatte Morgan neben sich gesetzt. Morgan beobachtete aufmerksam diesen anderen Daddy, aber der hatte überhaupt keine Ähnlichkeit mit ihrem richtigen Daddy. Morgan drückte sich eng an Spike, schaute ihn fragend an, und er nickte ihr beruhigend zu.
Woraufhin sie ihre Befangenheit verlor, sich von Sofa hinabgleiten ließ und einen kleinen Erkundungsausflug durch das Zimmer machte. Spike behielt sie dabei im Auge.
„Wahrscheinlich aus der Zeitung“, gab er Buffys Vater zur Antwort. „Die Geschichte ging ja fast durchs ganze Land.“
„Jetzt erinnere ich mich. Sie waren verheiratet mit dieser.. Wie hieß sie noch?“
„Lilah, sie hieß Lilah Morgan Castaway“, Spike half ihm gerne auf die Sprünge, er liebte es nämlich, Lilahs Namen auszusprechen.
„Ja genau, und sie ist umgekommen. Und das“, Buffys Vater deutete auf Gwydion, „ist wohl das Kind aus dieser Ehe.“
„Sie haben es erfasst, Mister Summers.“ Spike versuchte, seine Stimme nicht allzu aufsässig klingen zu lassen, denn er verstand sehr wohl, dass der alte Herr ein wenig verblüfft war ob der Tatsache, dass er auf einmal ein Enkelkind – oder sogar zwei – und dazu noch einen Schwiegersohn bekommen hatte. Einen Schwiegersohn, der nebenbei noch ein recht frischer Witwer war. Er machte sich bestimmt Gedanken, wie das alles zusammenpasste.
„Ich frage mich“, sagte Hank Summers nachdenklich, „wie das alles zusammenpasst.“
„Ich wusste, dass Sie das fragen würden“, sagte Spike und hub zu einer längeren Erklärung an, während er gleichzeitig Buffys Arm streichelte, erstens weil es ein seltsamer Reflex war, und zweitens, weil er den guten Ehemann spielen wollte.
Buffy rückte automatisch näher an ihn heran und schmiegte sich fast an ihn, bis sie realisierte, dass sie in Wirklichkeit doch verdammt sauer auf ihn war. Mit Schrecken stellte sie jedoch fest, dass sie ihm sofort verzeihen würde, falls er nur ein Quäntchen an Reue...
„Wir kennen uns eigentlich schon seit Ewigkeiten“, seine wohltönende Stimme riss sie aus ihren Gedanken. „Nicht wahr, Schatz?“
„Hmmm, ja“, sagte Buffy.
„Und eigentlich konnte Buffy mich früher nicht ausstehen, nicht wahr, mein Schatz?“
„Ich habe dich verabscheut“, gab Buffy lächelnd zu und wünschte sich, sie könnte ihn in seinen attraktiven Hintern treten, oder besser noch... Nein auf was für unanständige Gedanken sie doch kam. Sie schaute unauffällig zu Morgan hin, aber die war von dem riesigen Stoffdelphin abgelenkt, der auf einem Sessel neben einem etwas kleineren Stoffdelphin lag, und sie hatte die unanständigen Gedanken ihrer Mutter wohl nicht aufgefangen. Dem Himmel sei Dank dafür! Außerdem hatte er so wahnsinnig attraktive Beine, die er lässig von sich gestreckt hatte, und es verlangte sie danach, die Innenflächen seiner Oberschenkel zu streicheln... Buffy merkte, wie eine zarte Röte in ihr Gesicht stieg und sie bedeckte unauffällig ihre Stirn mit der Hand, um sich ein wenig abzukühlen.
„Es lag wahrscheinlich daran, dass sie in diesen anderen Kerl verliebt war“, plauderte Spike locker weiter. „Jedenfalls hatte ich absolut keine Chancen bei ihr.“
„Hmmm,“ sagte Buffy.
„Irgendwann, das muss jetzt schon drei Jahre oder noch länger her sein, da hat es dann doch bei uns... äääh gefunkt. Nicht wahr Liebling?“ Spike schaute ihr wieder tief in die Augen, und seine eigenen Augen funkelten boshaft.
„Hmmm, gefunkt, ja das hat es. Irgendwie ...“, sagte Buffy.
„Dann kam dieses Erdbeben“, Spikes Stimme wurde leiser, „und wir haben uns verloren.“
„Wie das?“, fragte Hank Summers und beugte sich interessiert vor.
„Nun, Buffy dachte, ich wäre tot.“
„Aber wieso ...“
„Sie hatte gesehen, wie ich verschüttet wurde – es gab keinen Zweifel dran, eigentlich hätte ich mausetot sein müssen.“
„Aber Sie waren es nicht“, stellte Hank Summers fest.
„Nein, war ich nicht. Ich wurde gerettet. Ich hatte wohl in einem Hohlraum überlebt und wurde erst Tage später geborgen. Ich lag ein halbes Jahr im Koma, und auch nachdem ich aus dem Koma aufwachte, hatte ich keinerlei Erinnerung an das, was vorher gewesen war...“ Spikes Stimme verstummte nun ganz, denn er war selber so hingerissen von seiner Geschichte, dass ihm fast die Tränen kamen. Und eigentlich war die Geschichte gar nicht so unwahr.
„Und Buffy? Sie war von Ihnen schwanger?“ Hank Summers war das ganze sichtlich peinlich. Sein kleines Mädchen, wie er sie immer noch bei sich nannte, hatte auf einmal ein Kind. Und war verheiratet mit diesem Mann, der ihm allerdings, Hank gab es zu, nicht unsympathisch war.
„Wenn ich es gewusst hätte...“, stöhnte Spike und entschloss sich, ab jetzt brutal zu sein, „aber ich wusste es nicht, stattdessen verliebte ich mich neu. Und zwar in Lilah. Und das ist mein Sohn Gwydion.“ Er deutete auf Gwydion, der mittlerweile auf Buffys Schoß eingeschlafen war. Buffy legte ihn vorsichtig in die Ecke des Sofas.
„Und dann geschah das Unglück.“ Hank Summers Stimme klang mitleidig.
„Dadurch habe ich dann erfahren, dass er lebt.“ Buffy mischte sich nun in das Gespräch der beiden Männer ein, „und bin zu ihm gegangen...“ Auch das entsprach nicht ganz der Wahrheit. In Wirklichkeit hatte sie ihn schon vorher im TV gesehen, als er ein Konzert mit seiner Band ‚THE BIG BAD THING’ gab. Und sie war drei Monate später nach L.A. geflogen, um ihn zu sehen. Sie hatte aber nicht ihn, sondern die hochschwangere Lilah angetroffen. Woraufhin sie L.A. fluchtartig und ziemlich frustriert verlassen hatte.
Aber diese neue Wirklichkeit war doch so viel romantischer!!! Nur leider nicht wahr, dachte Buffy ärgerlich.
„Als ich dann meine kleine Tochter sah, war es um mich geschehen“, scherzte Spike und blickte zu Morgan hinunter, die von ihrem Streifgang zum Ausgangspunkt zurückgekehrt war, und bei ihrem Daddy energisch am Hosenbein rüttelte und verlangte, hochgenommen zu werden. Die beiden Delphine hatte sie hinter sich her geschleift. „Darfst du die denn behalten, Fee?“, fragte Spike seine Tochter.
Morgan sah den fremden Daddy fragend an, woraufhin der lächelnd sagte: „Natürlich kann sie die behalten. Der kleine ist für das Brüderchen.“ Was Morgan aber anders verstand und den kleineren an sich drückte und den größeren auf ihr Brüderchen hochhievte. Der Delphin war größer als Gwydion.
„Und auf einmal konnte ich mich an die Vergangenheit erinnern. Zuerst nur ein bisschen, aber nach ein paar Tagen war alles wieder da“, fuhr Spike mit seiner Erzählung fort, nachdem er über den mit einem riesigen Delphin bedeckten Gwydion gelächelt hatte.
„Das hört sich alles tragisch an“, meinte Hank Summers erschüttert und schwieg für eine Weile. Alle schwiegen für eine Weile.
„Übrigens, wo wohnt ihr eigentlich? Ihr könntet doch hier wohnen.“
„Nun, wir wohnen bei einem Freund von Buffy“, sagte Spike verschwörerisch zu seinem Schwiegervater. „Genauer gesagt handelt es sich um diesen ersten.... äääh Freund, von dem ich vorhin erzählt habe.“
„Und das geht gut?“ Hank Summers beugte sich interessiert vor.
„Nun es muss, Mister Summers...“
„Nennen Sie mich doch Hank. Und ich werde Sie Bill nennen“, schlug Hank Summers vor. „Natürlich nur, wenn Sie wollen.“
„Das will ich wirklich gerne, Hank. Also was ich eben sagen wollte, ist, manchmal habe ich das Gefühl“, wieder lächelte Spike seinem Schwiegervater verschwörerisch zu, „dass Buffy diesen Typen immer noch liebt. Und zwar mehr als mich.“
„Das ist gut, Bill!“ Hank Summers musste herzhaft lachen. Sein Schwiegersohn hatte Humor, und einen netten britischen Akzent hatte er auch. Er mochte ihn irgendwie.
„Sag mal, Buffy“, er wandte sich vorwurfsvoll an seine Tochter, „eigentlich hast du doch gar nichts gelernt. Wirst du denn irgendwann studieren?“
Buffy war verblüfft und verlegen. Sie hatte wirklich nichts gelernt, aber wie konnte sie ihrem Vater das erklären. Er wusste ja absolut nichts von ihrem Jägerinnendasein und den damit verbundenen Pflichten.
„Sie hat viel für ihre Mutter getan, als sie krank war“, sagte Spike, der hoffte, sein Tonfall würde sich nicht wie eine Anklage gegen seinen mutmaßlichen Schwiegervater anhören. Denn immerhin hatte Hank sich verpisst, ein neues Leben begonnen, Buffy ein Trauma beschert und vermutlich ihr Verhältnis gegenüber Männern fürs Leben geprägt. Tja ... Andererseits, sagte sich Spike, lassen viele Leute sich scheiden, und viele Kinder müssen damit leben.
„Aber sie hat nichts gelernt“, Buffys Vaters, der offenkundig um die Zukunft seiner Tochter besorgt war, hackte weiter stur auf diesem Thema herum.
„Ich werde dafür sorgen, dass sie etwas lernt“, sagte Spike gelassen, aber bestimmt. „Wie Sie vielleicht wissen, bin ich finanziell ziemlich unabhängig...“ Das war zwar ein wenig geflunkert, denn Spike wollte sein Vermögen Gwydion hinterlassen, aber die Andeutung von Geld hatte noch nie seine Wirkung verfehlt, und auch in Hank Summers Augen zeigte sich langsam der Abglanz des Goldes.
„Sie wird demnächst studieren. Dafür werde ich schon sorgen, Hank“, bekräftigte Spike seine vorherige Aussage noch einmal.
„Das ist sehr gut, Bill“, sagte sein Schwiegervater besänftigt.
„Wenn sie nur schon wüsste, was.“ Spike rollte mit den Augen. „Aber du wirst wird es schon herausfinden. Nicht wahr, Liebling?“ Er schaute Buffy lächelnd an, dann wandte er sich wieder seinem Schwiegervater zu.
Hank Summers konnte nicht anders, als ihn lieb zu haben, diesen Schwiegersohn, denn der würde mit Buffy fertig werden, er würde sie leiten, und er würde sie beraten. Und das Wichtigste an der Sache war: Er würde sie finanzieren. Allerdings mussten da vorher noch ein paar Kleinigkeiten geklärt werden.
„Und Bill – was machst du beruflich?“ Hank Summers war flink zum Du übergegangen, und nun wurden Bills Fähigkeiten geprüft, seine Familie zu ernähren. Spike hatte vorher lange überlegt, was er denn so erzählen sollte und sich dann entschlossen, ein wenig anzugeben. Nicht ganz untypisch für ihn, zumindest für den früheren prahlerischen Spike.
„Eigentlich habe ich Geschichte studiert, konnte aber nicht oft in diesem Fach unterrichten, weil ich sehr lange krank war. Diese Krankheit, es war wohl eine Virusinfektion, ist aber jetzt ausgestanden und wird nie mehr zurückkommen.“ Ja hoffentlich, dachte Spike sarkastisch, bevor er fortfuhr: „Sie wissen ja, dass ich einigen Erfolg mit meiner Band hatte. Und demnächst werde ich in einem Film mitspielen. In einem Film über Rudolf Valentino. Die Dreharbeiten fangen nächsten Monat an, und zwar in der Nähe von New York.“
Buffy hatte interessiert zugehört und versuchte, ihre Überraschung über das Gehörte zu verbergen. Spike hatte ihr natürlich noch nichts über den Beginn der Dreharbeiten erzählt, natürlich nicht, vermutlich war sie die Letzte, die es erfahren würde. Maja hatte er es mit Sicherheit schon erzählt. Maja... Wieder packte Buffy der Groll und hielt sie fest umklammert.
„Schauspieler?“ Hank Summers‘ Stimme klang nicht gerade begeistert, und es war herauszuhören, dass er einen ‚Schauspieler’ als Schwiegersohn nicht seriös genug für seine Tochter hielt.
„Das mit der Schauspielerei ist natürlich nur vorübergehend“, Spike lächelte. „In ein paar Monaten werde ich Jura studieren ...“ Und das war wirklich nicht gelogen. Er hatte mit dem Gedanken gespielt, ein Fernstudium durchzuziehen, denn auf eine Uni zu gehen, das wäre denn doch zu bescheuert. Außerdem könnte er sich zuhause dann mehr um die Kinder kümmern.
Jura war natürlich ganz was anderes als die Schauspielerei, und Hank Summers sah überaus zufrieden aus. Anwälte werden nämlich immer gebraucht - im Gegensatz zu Schauspielern.
„Vielleicht weiß Buffy bis dahin ja auch, was sie studieren will. Wir würden dann natürlich ein Kindermädchen einstellen. Schatz, was meinst du?“ Spike stupste Buffy zart an, denn sie sah aus, als würde sie an ganz was anderes denken. Sie hatte so einen glasigen Blick.
Du verdammter Heuchler, dachte Buffy, sie beugte sich zu ihm herüber, streichelte Morgan, die zwischen ihnen saß, über das lockige Haar und küsste Spike auf den Mund, was für ihn doch recht überraschend kam. Er verbarg seine Überraschung geschickt und zog sie näher an sich heran, bis er dann merkte, dass sie ihm in die Unterlippe biss, zwar nicht sehr fest, aber es tat doch ein wenig weh. Er schob sie sanft von sich. „Zügele deine Leidenschaft, mein Liebling. Wir können doch hier nicht...“
Sie schaute ihn an, und in ihrem Blick war eine Mischung aus Zorn und Verlangen zu lesen. Aber sie beherrschte sich und lächelte erst Spike und dann ihren Vater glücklich an. Wenn sie in Wirklichkeit auch nur so glücklich wäre ...
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„Ihr versteht euch ja blendend!“ Endlich saßen sie im Van - die Kinder hinten in ihren Kinderwagenoberteilen angeschnallt – und das Treffen mit Hank Summers war dem Himmel sei Dank vorbei.
„Er ist mein Schwiegervater“, sagte Spike grinsend, „und so schlimm ist der alte Knabe nicht. Irgendwie mag ich ihn.“
„Für jemanden, der noch nicht mal wusste, dass ich tot war, macht er sich verdammt viel Sorgen um mich“, sagte Buffy zornig.
„Er weiß eben nicht viel von dir. Das kannst du ihm doch nicht zum Vorwurf machen.“
„Er ist nicht zur Beerdigung gekommen.“
„Aber er wusste doch gar nicht, dass...“
„Ich meine, zur Beerdigung meiner Mutter.“ Buffys Stimme klang anklagend.
„Bitte, Buffy, hör doch auf mit diesen alten Geschichten! Sie waren geschieden!“
„Ich verstehe das nicht. Sie haben sich doch mal geliebt. Wie kann das einfach aufhören?“ Buffy meinte ihren Vater, aber sie meinte auch Spike, der sie wohl auch nicht mehr liebte.
„Man gibt heutzutage viel zu früh auf. Man muss sich mehr Mühe geben“, sagte Spike unbestimmt und bezog Buffys Frust offenkundig nicht auf sich selber.
Klar, mein Vater und Spike, sie sind sich beide keiner Schuld bewusst, dachte Buffy empört. Sie passen gut zueinander.
„Ihr seid beide chauvinistische Schweine!“
„Wie meinst du das, Herzchen?“ Nach kurzer Verwunderung über den plötzlichen Wechsel des Themas amüsierte Spike sich köstlich.
„Na wie ihr über meine Zukunft bestimmt habt. Das war doch wohl die Höhe!“
„Das verstehe ich nicht“, sagte Spike heimtückisch. „Er macht sich doch nur Sorgen um dich, weil du als Ehefrau und Hausmütterchen enden könntest.“
„Er hat sich früher nicht um mich gekümmert, also soll er es jetzt auch sein lassen!“ Buffys Wut wuchs mit jeder Sekunde, was vielleicht auch damit zusammenhängen konnte, dass sie absolut kein Idee hatte, was sie studieren sollte.
„Du MUSST überhaupt nichts studieren“, sagte Spike belustigt, „falls du damit zufrieden bist, Hausfrau und Mutter zu sein. Aber ich möchte nicht eines Tages das vor den Latz geknallt kriegen“, Spike imitierte Spike hervorragend Buffys etwas quäkige Mädchenstimme: Ich habe mich nie verwirklicht. Ich muss jetzt irgendwas studieren, ach was, besser noch: Ich verlasse dich jetzt und ziehe in ein Apartment in der Nähe der Uni.“ Und der wirkliche Grund dafür wäre, dass du mit einem Jugendfreund ficken willst.“
Buffy schwieg immer noch. Sie musste ein Kichern nach dieser hervorragenden Imitation ihrer Stimme unterdrücken. Andererseits... Sprach sie wirklich so? Ach was. Fast alle Amerikanerinnen sprachen so. Und zugegebenermaßen war das nicht sehr erotisch.
„Du hast nicht den leisesten Schimmer, was du studieren könntest?“ Spikes Stimme klang amüsiert.
Und du hast nicht das leiseste Recht, mir das vorzuwerfen, dachte Buffy. Dann schweifte sie in Gedanken ab zu seinen Worten: Ehrlich gesagt möchte ich nicht eines Tages vor den Latz geknallt kriegen: Ich habe mich noch nie verwirklicht... Eines Tages, er wollte also mit ihr zusammen bleiben...
„Keinen Schimmer?“ Spike bohrte gnadenlos nach und unterbrach somit brutal Buffys Gedankengänge, in denen sie über ihre gemeinsame Zukunft sinnierte.
„Eine Virusinfektion! Du hast echt Fantasie!“ Sie wechselte schnell das Thema.
„Ist mir spontan eingefallen. Und es könnte ja auch möglich sein. Wer weiß schon, wie das mit den Vampiren funktioniert, vielleicht ist es ja nur eine Krankheit, Herzchen.“
„Und Professor der Geschichte? Ich muss lachen!“
„Ich kenn' mich eben aus in Geschichte“, sagte Spike grinsend.
„Du BIST Geschichte! Ach übrigens, nett zu erfahren, wann die Dreharbeiten anfangen.“
„Ich wollte es dir heute Abend sagen. Ich weiß auch nicht, wie wir es machen sollen. Kommst du alleine mit den Kindern klar? Oder willst du mitkommen? Wir müssten dann allerdings in einem Container wohnen. Und das im Winter.“
„Ich glaube nicht, dass das gut für die Kinder wäre.“
„Da stimme ich dir voll und ganz zu“, sagte Spike. „Es gibt allerdings noch eine andere Möglichkeit. Du könntest hier in L.A. bleiben. Bei Angel.“ Er blickte sie prüfend an, und sein blauer Blick kam Buffy sehr intensiv vor.
„Nein“, sagte sie ohne zu zögern. „Ich muss mich um Dawn kümmern. Sie ist zwar nicht mehr lange zu Hause, aber die letzten Monate, bis sie aufs College geht, möchte ich sie um mich haben.“
„Gut“, meinte Spike nachdenklich. „Dann habe ich nur noch eine Frage...“
„Was für eine Frage?“
„Warum hast du mich eben gebissen?“ Spikes Stimme hatte einen hinterhältigen Tonfall angenommen.
„Pfffff...“, Buffy zuckte verächtlich mit den Schultern und zog es vor, zu schweigen.