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2 Seiten

Anfang von "Die Gefesselten"

Schauriges · Kurzgeschichten
Die Wipfel vor der Kleinstadt schütteln im Wind Schneeschichtstückchen von ihren Ästen. Wie in Zeitlupe wehen sie zu Boden, zerfallen im Flug, zerfasern und schneien dann ins Grau.
Ein Auto älteren Baujahres brummt heran, knattert näher und saust vorbei.
Die Reifen fressen sich in den Schnee, verdrängen den Matsch zu Gebirgen und hinterlassen ein Tal, das dann wieder untergeht als sich die Gebirge nicht mehr halten können.
In dem Auto hört er einen schlechten Radiosender. Hier gibt es nur den einen. Sechs mal ließ er den automatischen Suchlauf durchrattern.
Gerade spielt ein Blasorchester und eine schrille Frauenstimme beschwört Odin. „Wagner irgendwie anders: furchteinflößend“ klopft es in seinem Kopf.
Im Kofferraum ein einziges Paket. Nichts weiter. Nicht besonders schwer, aber auch nicht besonders leicht. Man kann nicht abschätzen, was drin ist.
Da oben bekommen die Menschen wenig Post. Man nennt sie in der Stadt auch die Vergessenen. Wahrscheinlich hat das ein Postbote in die Welt gesetzt.
Die ersten Hausdächer schieben sich über die Anhöhe, dünne Rauchsäulen greifen/stechen nach den Wolken. Mit jedem Meter wachsen die Behausungen aus dem Schnee heraus. Er kann jetzt schon die grauen Hauswände sehen, die zwischen den weißen Tannen schmutzig und deplaziert dunkeln. Welche Nummer musste er noch mal suchen? Er schaute auf seinen Lieferschein. Ach ja. Hauptstraße 31. Genau in dem Moment, indem er am ersten Haus vorbeifährt, kommt der erste Bewohner aus einem Hauseingang, lächelt freundlich und winkt. Ein Haus weiter dasselbe Bild. Sogar aus dem Bäcker kommen die Leute, lächeln und winken. Andrej winkt lächelnd zurück. Trotzdem findet er es ein wenig merkwürdig.
Hauptstraße 2. Noch ein paar Häuser ziehen vorbei. Manche sind wirklich arg verfallen. Sie sehen aus, als würde sie der kleinste Windhauch in einen Schuttberg verwandeln können.
Da vorne an der Ecke. Das muss der richtige Eingang sein. Das Auto bremst einen langen Weg, schmiegt sich an den Bordstein, eine Tür klappt, dann der Kofferraum und Andrej steht mit dem Paket schon vor der Tür.
Er klingelt zweimal, klopft einmal und nichts regt sich. Im ersten Stock macht aber jemand das Fenster auf, schaut hinunter, lächelt und winkt.

„Ach Hallo, sie sind der Postmann?“
Eine ältere Frau, unmodischer Halbhaarschnitt, eine Zahnlücke und eine karierte Schürze am Leib.

„Der Kurier, ja“

„Wollen Sie zu Herrn Hukamp?“

„Ja, genau. Könnten Sie sonst das Päckchen annehmen“

„Nein, nein das würde ich mir nicht erlauben. Bringen Sie es doch in seinen Uhrenladen“.
Als sie dies sagt, hebt sie irgendwie komisch die Augenbraue. Es passt eigentlich gar nicht zum Lächeln, aber die Leute sind hier ja eh ein wenig merkwürdig.
Andrej lässt sich den Weg zum Uhrenladen beschrieben, setzt sich in sein Auto und fährt los. Im Rückspiegel sieht er diese Frau noch viel zu lange winken.
Der Uhrenladen ist ein kleines Geschäft mit riesigen Schaufenstern. Andrej fällt noch vor dem Eintreten auf, dass darin nur Uhren mit leuchtend roten Armbändern ausgestellt sind.
Vielleicht ist er darauf spezialisiert.
Die Glocke über der Tür klingt blechern, als er sie aufstößt. Auch hier, in den Vitrinen: Uhren mit roten Armbändern. Rote Armbänder scheinen jetzt modern zu sein oder so.
Ist niemand in diesem Laden? Eigentlich müsste doch der Besitzer die Glocke gehört haben. Andrej legt das Päckchen schon einmal auf die Theke. Eine riesige große Glastheke. Natürlich mit denselben Uhren.

„Sie wünschen?“

Andrej erschreckt sich, dreht sich um und schaut in das älteste Gesicht, dass er je gesehen hat. Es ist so zerfurcht, dass man Mühe hat die Augen, den Mund und die Nase darin zu finden. Er kann den Mund auch nur ausmachen, als dieser Mann anfängt zu sprechen.
 
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Kommentare  

-Die Wipfel vor der Kleinstadt schütteln im Wind Schneeschichtstückchen von ihren Ästen. Wie in Zeitlupe wehen sie zu Boden, zerfallen im Flug, zerfasern und schneien dann ins Grau. -
welche wipfel? vor der ganzen kleinstadt? wieso schütteln die wipfel? der wind schüttelt die wipfel. -sie wehen zu boden, zerfallen im flug - wie soll das gehen, wenn sie doch schon unten sind? dann zerfasern sie auch noch, schneien wieder? steigen wieder auf? ins grau? haha. sehr schön. ein leckerbissen für jeden lektor.
dein text wimmelt nur so von stilblüten. überarbeiten, überarbeiten, überlegen und vor allem, vorstellen, bevor man schreibt.
lg
rosmarin


rosmarin (03.03.2006)

ja, die geschichte verspricht spannend zu werden, stilistisch würde aber eine überarbeitung nicht schaden. auch so einige stilblüten sind zu finden.
beispiel: - Sogar aus dem Bäcker kommen die Leute, lächeln und winken - . haha, sehr interessant. ich stelle es mir gerade vor.... lol.
lg
rosmarin


rosmarin (28.02.2006)

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