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Alles ist schmatzbar

Aktuelles und Alltägliches · Kurzgeschichten
Ich mag mein eigenes Schmatzen nicht. Ansonsten bin ich ein gelassener Mensch und nicht aus der Haut zu kriegen, aber wenn ich schmatze werde ich fuchsteufelswild.
Hätte ich mich dahingehend unter Kontrolle wäre das ja gar kein Problem. Dann würde ich bei Erkennen einfach aufhören und gut wäre, aber ich achte da gar nicht auf mich. Wahrscheinlich kann ich das auch gar nicht oder der Wille schafft es nicht zu den Schmatzrezeptoren.
Ich brauch nur, zum Beispiel eine Pekingente, vor mir haben und bevor ich ein Stück Fleisch zu mir führe kommen schon die MundGeräusche. Manchmal denke ich, ich bin besessen und ein Dämon will mich mit diesem Gebaren ärgern oder in den Wahnsinn treiben. Blöd für den Geist ist nur, dass ich an so einen Mumpitz nicht glaube.
Ich bin einfach zu unbeholfen wenn es ums Essen geht. Manchmal sitze ich so am Tisch und in mir kocht die Wut hoch und ich schmatze trotzdem weiter. Selbst ein lauter Schlag auf den Tisch stoppt mich nicht. Und wirklich jedes Gericht, jeder Snack und sogar Getränke sind schmatzbar. Unterschiedlich schmatzbar und doch in jeder Form ein Graus. Schweinefleisch schmatzt saftiger und lauter als Rindfleisch und bei einer Frikadelle hört man ein sanftes Rascheln der zermahlenen Knochen. Ich bin mir sicher, ich könnte damit bei WettenDass auftreten. Also am eigenen Schmatzen erkennen was ich gerade esse. Ich würde mir zu diesem Zweck dann sogar meinen Geschmackssinn zubinden lassen.
Übrigens stören andere schmatzende Menschen mich gar nicht. Die kann ich nämlich ganz leicht ausblenden oder nehm sie erst gar nicht wahr, aber meine eigenen Kaugeräusche sind meinem Gehirn nicht unfern und damit unwegblendbar.
Nun habe ich Kontakt mit einem ungarischen Schönheitschirurgen aufgenommen. Dieser kann es mir vielleicht ermöglichen irgendwann in Ruhe und Genuss zu essen.
Wenn ich nämlich meine Kopfhörer vom Ipod total laut aufdrehe ist es einigermaßen erträglich. Und damit es gut erträglich ist, wird der Mann mir die Kopfhörer direkt an den Schläfen auf die Knochen setzen damit die Schmatzschwingungen unterbrochen werden. Wir haben das in einem Test auch schon versucht. Mit einer verlängerten Plattenspielernadel stach er beim Essen einer Suppe unter mein Ohr auf die Knochen und ich hörte gar nichts. Schön übrigens, dass der Chirurg bei den Gesprächen und Untersuchungen immer einen Geiger neben sich sitzen hatte, dem er aufs Knie schlug wenn er fideln sollte. Ich weiß nicht, ob das immer so gehandhabt wird. Vielleicht nur weil ich ein Deutscher bin oder um die Behandlung bedeutungsschwanger zu untermalen. „Bald ist es ruhig, wenn Sie Schmatzen und dann hören Sie nur noch Musik. Vielleicht ja diese. Ullmer Gogowalsch CD – Der freundliche OP-Geiger kostet nur 30 Euro“.
Eine andere Möglichkeit als diese Operation sehe ich nicht. Natürlich kam mir der Gedanke, dass meine Gehirnwindungen irgendwo ausfransen, sich überlappen und deshalb mit mir etwas nicht richtig läuft, aber was soll mir das „Woher“ helfen, wenn es das „Wie“ nicht klärt?
Nächsten Monat fahr ich nach Budapest. Meine Frau kommt mit und danach essen wir richtig viel Soljanka und ich hör Musik. Das wird toll, hoffe ich.
 
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Kommentare  

Was du so für Ideen hast? An Fantasie mangelt es bei dir wirklich nicht, kann ich nur sagen.

Petra (12.12.2009)

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