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Scheuermann dysplasiert

Aktuelles und Alltägliches · Kurzgeschichten
Momentan bringt mich mein Rücken fast um. Wobei ja mein Rücken gar nicht wirklich schuld ist, denn es geht um meine krumme Wirbelsäule. Rücken an sich, ist ja nur das Fleisch drum herum. Ich habe eine total blöde Sitzhaltung und meine Brustwarzen nähern sich immer bedrohlicher meinen Knien. Es ist schon so weit, dass ich mich nicht mehr auf einen Spielplatz setzen kann. Die Kinder dort, wenn sie mich von hinten sehen, würden sofort auf mich eintreten und sich dabei dann wundern, dass dieser komische Ball gar nicht weg-, sondern ihnen eine schießt.
Auch ist blöd für mich, dass in so einer gekrümmten Sitzhaltung der Bauch nicht gerade stramm und aus Eisen ist. Der liegt eher in Falten und das Bauchfleisch küsst sich selbst an allen erdenklichen Stellen.
Da meine Mutter auch so eine Haltung hat, meine ich mal keck, dass es eine genetische Sache ist. Vom Vater kann ich nicht ausgehen, weil der ja nur betrunken im Bett lag und ich deshalb nichts über seine Haltung weiß. Verwundern würde es mich aber nicht, wenn auch er einen Rundrücken hat. So nennt man das nämlich. Also diese Wirbelsäulendysplasie. Ah wunderbar, ich konnte gerade mein neugelerntes Wort „Dysplasie“ anwenden und da das Wort rot unterstrichen wird und das Rechtschreibprogramm dieses Wort nicht kennt, bin ich damit schlauer als mein eigener Computer. Schön.

So, jetzt habe ich mal nach Rundrücken gegoogelt:

„Rundrücken = Kyphose

Ein Rundrücken mit verstärkter Ausbuchtung nach hinten kann angeboren sein, durch zu frühe Belastung der Wirbelknochen in der Kindheit, durch eine ungenügende aufrichtende Muskulatur bedingt sein oder eine Knochenerkrankung, wie z.B. Scheuermann im Wachstumsalter oder Bechterewsche Krankheit. Die im Alter auftretende Kyphose ist bedingt durch Haltungsschwäche, Bandscheibenabnützung und Osteoporose. Erkrankungsbedingt können Kyphosen auftreten bei tuberkulösem Knochenbefall, Wirbelbrüchen oder Tumor-Metastasen im Knochenbereich. „

Na super. Jetzt muss ich Angst haben, einen Scheuermann zu haben, oder wie? Wieso eigentlich Scheuermann? Da googel ich doch mal nach Scheuermann. Vorher schließe ich mit mir aber eine Wette ab. Zu 60 % schätze ich, dass der Arzt, der diese Krankheit erkannte, Dr. Scheuermann hieß und zu 40% denke ich, dass früher Kinder immer eine gescheuert bekommen haben, wenn sie keinen graden Rücken gemacht haben.
Vielleicht sogar von einen Scheuermann, der durch die Dörfer gegangen ist und nach Kindern und Jugendlichen geschaut hat, die nicht grade gegangen sind.
Na ja, ich befrage Google.

Erstes Ergebnis: Es heißt im vollen „Morbus Scheuermann“.
Jetzt muss ich nur noch wissen, was Morbus heißt! Gebe ich also nur mal Morbus ein!
Aha Morbus heißt also Krankheit!
Gut zu wissen, wenn man dann nämlich mal ganz ordinären Schnupfen hat, kann man sagen:

„He, ich hab Morbus Schnupfen oder gleich Morbus Schnupfo“

Doch meine Wette hab ich immer noch nicht entschieden. Bisher hab ich auch nirgendwo gefunden, wer der Entdecker war oder ob es wirklich einen Scheuermann gab. Die einzigen Scheuermänner, die ich bisher gefunden habe sind:

Mario Scheuermann, der ein Blogg über Saufen, Kneipen, Reisen, Fressen, Lifestyle,
Ungarn und Europa führt.

http://drinktank.blogg.de

Eine Schriftstellerin mit Namen Silke Scheuermann:

http://www.hr-online.de/website/rubriken/kultur/index.jsp?rubrik=2099&key=standard_document_795322

und dann gibt es einen Scheuermann und Partner-Internetauftritt

http://www.advokaten-hamburg.de/start.html

Aber kein Hinweis auf einen Krummrückenhasser oder einen Doktor. Vielleicht sollte ich anders bei der Suche vorgehen:

Bei Google werde ich jetzt erst einmal „Scheuermann“ eingeben und „scheuern“. Wenn dann was kommt, ist der Fall völlig klar.

Nur Lexikaseiten. Was für ein Wunder. Gut jetzt „Entdecker von Scheuermann“.

Holger W. Scheuermann, ich hab’s. Jetzt bin ich aber neugierig geworden. Was hat der denn so gemacht?

„Die Erkrankung wurde nach ihrem dänischen Entdecker benannt: Holger W. Scheuermann, Chirurg und Radiologe aus Kopenhagen, beschrieb 1921 erstmals die Symptome. „Dazu gehören keilförmige Wirbel, der charakteristische Rundrücken und Schmorl'sche Knötchen“, erklärt Henry Halm, Privatdozent des Skoliosezentrums in Neustadt. Als Schmorl'sche Knötchen bezeichnet der Mediziner kleine Knorpelknötchen der Bandscheibe, die in die Deckplatte der Wirbelkörper hineinragen. „Schmerzhaft sind diese Knötchen in den seltensten Fällen“, sagt Halm.“

Schmorl'sche Knötchen? Also, ich wette mal…………………………..
 
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Kommentare  

Witzig, humorvoll, wissensdurstig :-)
Und dennoch: Morbus Scheuermann ist eine sehr schmerzhafte Erkrankung -, ob mit oder ohne Schmorl'sche Knötchen. Nimm's nicht auf die leichte Schulter, sonst beugt es Dich noch mehr. Da hilft nur Gymnastik zur Stärkung der Rückenmuskulatur. Die röntgenologischen Veränderungen zeigen sich noch im Opa-Alter, von dem Du ja noch weit entfernt bist. Wenn Du aber nichts tust, wirst Du Dir Deine Größe (in Zentimetern und vielleicht auch sonst) nicht erhalten können :-))


Franke (30.11.2005)

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