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Brusthaare und Drohbriefe

Aktuelles und Alltägliches · Kurzgeschichten
Fensterglas im Winter hat vielleicht die Farbe meines Gesichtes in diesem Moment. Habe gestern vielleicht wieder zu viel Weinbrand getrunken, aber wenn eine Flasche vor mir steht, befinde ich es für einen Frevel auch nur einen Schluck in der Flasche zu lassen. Die Flüssigkeit wurde in einem Stück abgefüllt und sollte auch in diesem Zustand verbraucht werden. Die Tropfen könnten traurig sein und ich hätte ganze Tropfenfamilien zerrissen, wenn ich nur einen Teil getrunken hätte. So aber sind alle miteinander in meinem Bauch verbunden und verwandeln sich bald in Urin. Für den weiteren Lebensweg kann ich dann aber nichts. Sie entfliehen meiner Obhut mit dem letzten Tropfen meines nächsten Toilettenbesuchs.
Meine Hand reibt über die Stoppeln meiner Haut und ich denke ans Rasieren und wie unsinnig es ist, wenn man keinen Bart haben möchte. Wieso gibt es keinen Schalter den man mit 18 Jahren umlegen kann? Mit der Aufschrift „Bart“ und „Ichwillniebart“ und wenn man sich für das zweite Ding entschieden hat, dann wächst niemals ein Bart und die Haut ist rein und ohne diese kleinen Punkte die mich mehr an Fliegenscheiße erinnern als an Höhlen für geköpfte Haare. Ein Bart macht älter, dies ist bewiesen und wäre es nicht so, würden sich nicht Kinder aus der zweiten Klasse diese Punkte ins Gesicht malen, wenn sie in einem Theaterstück ältere Männer darstellen müssen. Ja, genau, müssen. Wer wollte in der Schule schon irgendwas mit der Theatergruppe machen? Ich jedenfalls nicht. Ich hab mich da gedrückt, wo ich nur konnte und dankte jedes Mal Gott, wenn es geklappt hatte. Nichts gegen meine Deutschlehrerin, die es sicher gut meinte, aber ich glaube, sie benutzte uns nur als selbst zusammenstellbares Fernsehprogramm. Hatte sie Lust auf „König Midas“, wurde das Stück gespielt und so weiter und so fort. Hätte die Lehrerin uns gefragt, was wir spielen wollen und man wäre auch zu mir gekommen, hätte ich laut „Kabale und Liebe“ geschrieen. Ein wahrlich meisterhaftes Stück und nichts ist damit vergleichbar. Aber so schreibt er halt unser Brecht.
Ahh, welcher Schlaumeier ist da eben in Gedanken aufgefahren? Natürlich nicht Brecht, sondern Schiller. Hi hi, kleines Probemanöver. Ich entschuldige mich höflichst für diesen Zwischenfall. Necke gerne, wenn nicht ich der Geneckte bin. Man kann sich aber auch selber necken. Zum Beispiel versteckt man in der Wohnung Drohbriefe und verreist dann für zwei Monate nach Australien. Dann hat man vergessen wo diese Briefe sind und erst Jahre später findet man sie und erschrickt sich über diese. Übrigens sollte man nicht vergessen, irgendwo in diesen Brief zu schreiben, dass man sich selber geneckt hat.
Seit kurzem beobachte ich des Öfteren aufmerksam meine Haut und habe festgestellt, dass ich mehr Leberflecke bekommen habe und das auch meine Brustbehaarung bedrohlich in seiner Anzahl von Haaren zugenommen hat. Was ist der Grund? Der vielfältige Verkehr mit Frauen? Oder bin ich körperlich am Abkacken und schon in 10 Jahren werde ich schwarz von Leberflecken sein und mehr Haare mit mir rumschleppen als 80 Yetis und 5 kleine Babyratten. Aus Leberflecken kann ja auch Krebs rausgucken und sich dann ausbreiten, und dann ist man ja sowieso am Arsch. Vielleicht schaue ich deswegen alles ganz genau an. Manche Leberfleckenansammlungen ergeben Sternenbilder und manche sehen wieder aus wie aufgeklebter Dreck. Doch wer klebt sich Dreck auf die Haut? Vielleicht hat man diese Zeichen wirklich nicht umsonst und man könnte daraus mehr lesen über einen Menschen als aus der Hand, wie die Zigeuner tun.
Sehen wir uns einmal ganz spezielle Ansammlungen meines Körpers an und schauen mal, ob wir daraus auf etwas schließen können. Ach nee, is mir jetzt auch zu blöd. Müsste ja Hemd und Hose ausziehen und danach wieder anziehen. Das wäre für diese Zeit ein wenig zuviel Stress. Trotzdem aber glaube ich, dass man wirklich etwas erkennen könnte. Alles in der Natur hat doch seinen Platz und an diesem Platz ist dann dieses nicht umsonst. Der Frosch lebt wegen Fliegenfressen, Muscheln produzieren Perlen für fette Frauen und aus Leberflecken kann man eben lesen, was geschehen wird und geschah. Dies haben sicher auch Nostradamus und Edgar Cayce entdeckt.

Da ich jetzt auf die Toilette muss und ich danach sicher keinen Bock habe, mich noch einmal hier ran zu setzen, beende ich diese Geschichte und rate allen Menschen, sich einmal ihren Körper genauer anzusehen. Sie werden sich wundern, was man da alles findet.
 
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Kommentare  

Hat mich wieder richtig gefreut, allein schon der Titel ist das erste Mal seit langem wieder so, dass man das Geschreibsel sofort lesen muss.

Benedikt Julian Behnke (22.12.2005)

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