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Ich kann nicht lieben, Rosalina.

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
„ Ich kann nicht lieben, Rosalina.“
Obwohl ich eine beinahe innige Beziehung zu meinem Mac habe und ihn manchmal kumpelhaft mon mac à moi nenne, hat mich diese Aussage von ihm fast umgehauen. So weit sind wir also mittlerweile. Mit deutlicher, wenn auch etwas monotoner Frauenstimme und zusätzlich mit klarer Computerschrift auf dem Bildschirm:
„Ich kann nicht lieben, Rosalina.“
Bis dahin habe ich Roboter als etwas für die fernere Zukunft gehalten, mit dieser Aussage, die mich so freundlich bei meinem Namen nennt, sind sie mir einen ganz grossen Schritt näher gekommen. Bedrohlich nahe. Ich muss an den Zauberlehrling denken, muss meiner Experimentierlust vielleicht besser früh genug einen Riegel vorschieben.
Siri heisst die Frau, die sich in dem kleinen Gerät mit dem angebissenen Apfel verborgen hält. Sie versteht jedes Wort von mir und zaubert mir jeden Wunsch auf den Bildschirm, kaum ist das letzte Wort aus meinem Mund verklungen.
„Öffne nochmals das Dokument von heute Morgen“, schwupp erscheint es auf dem Bildschirm.
„Wann fährt der nächste Zug nach Genf?“ Schwupp die Antwort: „14.25 Uhr.“ Ich bin, das gebe ich ehrlich zu, fasziniert.
„Schau dir dies mal an“, sage ich ganz begeistert zu meinem Freund und präsentiere ihm stolz Siris Fähigkeiten. Siri lässt sich nicht lumpen, schafft jeden Befehl, antwortet auf jede Frage.
Er schüttelt den Kopf, bleibt skeptisch.
„Dann frag doch mal, ob ich dich liebe.“
„Gut“, sage ich, und so klar als möglich zu meinem Computer: „Liebt er mich?“
Die Frage ist aber vermutlich doch etwas zu undeutlich ausgesprochen, Siri versteht ein liebst du mich und antwortet umgehend:
„Ich kann nicht lieben, Rosalina“.
Die Zukunft hat schon begonnen.
 
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