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3 Seiten

Der große Spender

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
Einst war mein Leben außerordentlich komfortabel. Ich hatte alles was Nachbarn beneiden können. Ein riesiges Anwesen mit Schwimmbecken, Windhunden, Koikarpfen und goldenem Briefkasten. Auch meine Frau war nicht von schlechten Eltern. Sie hätte sich sogar Prinzessin nennen können, denn sie kam aus adligem Hause und durch die Heirat war auch ich nun mit blauem Blut gefüllt.
Jedes Wochenende feierten wir eine Sonntagsfeier. So nannten wir das immer. Zu diesem Anlass kam meist der Bürgermeister, ein paar Schauspieler und Freunde und Bekannte. Ich arbeitete nur noch wenn mir langweilig war und auch ohne dies, wuchs unser Reichtum immer weiter. Schlussendlich waren die Wochenendpartys auch nur ein Notbehelf um nicht in all dem Geld zu ertrinken. Meine Frau, die Julia von Huscheck, scherzte immer:

„Wir haben soviel Geld, dass wir damit alles Geld der Welt kaufen könnten“

Ich gebe zu, das dies kein besonders intelligenter Witz ist, aber man bekommt ja meist entweder Schönheit oder Intelligenz und Julia war wunderschön.
Mit jungen Jahren hatte ich das Handwerk des Verkäufers gelernt und wusste so, wie man billig einkauft und teuer verkauft. Das hört sich sehr leicht an und es ist auch sehr leicht. Das erste Produkt, was ich billig einkaufte war ein Hecht. Der kostete auf dem Fischmarkt 4 Mark damals. Mit einem Messer schnitt ich dem Tier die Schwanzflosse ab und verkaufte das Tier dann an den Zoo.
Unter der Bezeichnung „Gezüchteter Hecht mit kopiertem Schwanz“ dümpelte er dann in einem Aquarium. Das hatte also geklappt und so belieferte ich die Zoologischen Gärten der ganzen Welt mit der neuen Hechtrasse.
Meine erste Million hatte sich auf mein Bankkonto geschleppt. Es folgten weitere Verkaufsaktionen.

Ich machte aus lapidaren Wasserpistolen, Säureabschussvorrichtungen für Terroristen. Aus Solartaschenrechnern, Solartaschenrechner plus Batterien und aus Lautsprecherboxen machte ich Lautsprecherkickboxen. Man sah mich auf den Titelseiten der Wirtschaftsmagazine, die Zeitschrift „Playgirl“ machte Aufnahmen von mir und jeden Monat standen Kamerateams von Explosiv, Extra, Bizz und Prisant vor der Einfahrt. Ständig musste ich meine Kommentare zu irgendwelchen Stars Güteklasse Z abgeben.

„Jenny Elvers hat sich von A. getrennt? Ja, das hab ich gleich gewusst. Viel Spaß dem A. Tschüß“

Meine Meinungen konnten noch so abwegig und hirnrissig sein. Man wollte sie hören.
Jedes Fleckchen Erde hab ich besucht, jedes hochkarätige Hotel minibargeleert und nun, wo stehe ich nun?

Auf meinem Konto liegt nun nur noch ein Minusstrich und der hat sich mit ein paar Ziffern vereinigt, die ich nicht in Form von Geldscheinen abholen kann.
Mein Haus ist nun nicht mehr meines und ich bewohne ohne Julia ein Dachgeschoss ohne Dach.
Das heißt, ich habe ein paar Pappkartons auf einem Dach platziert und schlafe hier in ihnen. Auf der Straße wäre mir das ganze dann doch ein wenig peinlich.
Es ist zwar mühsam auf das Dach zu klettern, aber man gewöhnt sich an alles auch an die Nachbarn aus Tauben. All mein Reichtum ist nun hinfort und wenn ich jetzt noch irgendwo eine Million liegen hätte wäre sie auch sofort weg.

Ich hab mein gesamtes Vermögen weggespendet. Es ist wie eine Sucht. Alles hat, mit der Flut in Ostdeutschland und dem Anschlag auf das WorldTradeCenter angefangen. Es hat mich überglücklich gemacht das Geld auf alle die Spendenkontos zu verteilen. Die Presse hat mich als Retter auf die Gazetten gedruckt und das Publikum hat mich beklatscht wie ein langwährendes Gewitter.
Das hat mir so sehr gefallen, dass ich da irgendwie hängen geblieben bin.
Durch die Publikmachung meiner sozialen Bemühungen wurden dann auch Hilfsorganisationen auf mich aufmerksam.
Ich spendete Tausende für den Bau einer Satanistenkirche, warf nur so die Scheine in die Hüte irgendwelcher Bettler und natürlich gedachte ich finanziell auch den bekannten Vereinigungen.

Greenpeace hat mit meiner Hilfe eine Biertränke für Salamander auf Neuseeland bauen können. Aktion Sorgenkind änderte nach einer meiner Spenden seinen Namen in Aktion Mensch und die SOS-Kinderdörfer haben endlich ein Telefon bekommen und können jetzt den Notruf ganz ohne SOS betätigen.

Es dauerte nicht so lange, da war mein Geld hinfort gespendet. Auch mein Haus war belastet und die meisten Wertgegenstände hatte ich zum Pfandhaus gebracht. Das Geld dass ich dann erhielt trug ich gleich zu den Pennern oder ich lief in irgendein Geschäft und packte es in ein Seenotrettungskästchen.
Julia war genau in dem Moment weg, als der Kühlschrank immer leerer wurde. Niemand füllte ihn wieder. Julia weil sie dachte es geht automatisch und ich, weil ich kein Geld mehr hatte. Ab da wusste ich, dass sie ein geldgeiles Luder war.

Und nun dieses schreckliche Seebebenwellenchaos in Thailand und etc.. Liebend gerne würde ich noch mal mein Geld spenden. Ich würde mit einem Flugzeug hinfliegen und den Leuten dort Euros in die Hand drücken. Doch es geht und geht nicht.

In meiner jetzigen Lage bin ich selber auf Spenden angewiesen. Ich sitze von 09:00 Uhr – 14:00 Uhr vor dem C&A und schaue traurig. Meine ausgemergelte Gestalt gewinnt Mitleid und meine Plastikschachtel Münzen. Dieses Geld nehme ich dann und gebe es an einen anderen Bettler weiter. So kann ich meine Sucht ein wenig stillen.

Ich bin kurz davor in irgendein Geschäft einzubrechen und dort Geld zum spenden zu stehlen. Oder ich überfalle eine Bank. Es ist echt ausweglos.

Doch jetzt hab ich eine gute Idee um nicht kriminell werden zu müssen. Mein Haupttalent scheint das Spenden zu sein. Das kann ich besonders gut und wenn man es mal nicht als Sucht sieht, ist es eine schöne Arbeit. Ein/mein Traumjob sozusagen.
Hingegen gibt es sicher viele Menschen, die spenden wollen, aber es mühsam finden irgendwelche Überweisungen auszufüllen und in die Fußgängerzonen zu pilgern. Und hier komme vielleicht ich ins Spiel.

Gleich morgen werde ich den erstbesten Schachtelwerfer ansprechen und meine Dienste anbieten. Ja, das mache ich.

Sechs Monate nach diesem Text hat die Polizei ihn festgenommen. Sie verhafteten ihn in einem Wald in Potsdam. Er war gerade dabei sich von einem Baum mit einem Strick um den Hals zu stürzen. Man konnte ihn retten und fand noch einen Brief im Laub. Darauf geschrieben: „Hiermit spende ich meinen Körper der Wissenschaft“.
Grund der Verhaftung:
Ein Großindustrieller hat ihn tatsächlich beauftragt, in seinem Namen zu spenden. Er gab dem Süchtigen alle Vollmachten über seine Konten und nun ist all sein Vermögen auf mysteriöse Weise weggespendet.
 
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