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9 Seiten

Die künstliche Welt

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
Es war ein langweiliger und heißer Tag, viel zu heiß. Die ganzen Wochen war es schon so heiß, da konnte doch kein Mensch mehr klar denken. Ich war froh, als ich endlich Feierabend hatte, auf der Arbeit spielten schon alle verrückt. Zu tun hatte ich sowieso nach der Arbeit sowieso nichts, so ging ich in den Park, wo auch die anderen saßen, die nichts zu tun hatten: Bassweiler, der Säufer; Stone, seinen richtigen Namen wussten wir schon nicht mehr, aber wann er das letzte Mal nicht bekifft war auch nicht und Jürgi, den wir Doktor nannten, aber nicht weil er so schlau war, sondern weil er unbedingt Arzt werden wollte. Wie er das schaffen wollte, wusste niemand, er war auf der Hauptschule schon viermal sitzen geblieben und hatte gerade noch so eben seinen Abschluss geschafft. Jetzt war er auf einem Abendgymnasium und versucht ernsthaft sein Abitur zu machen. „Na, Doktor, was machst du denn für ein Gesicht?“, fragte ich. „Ach, mein Vater hat mir das Geld gestrichen“, sagte Jürgi. „Alles?“, fragte ich. „Nein, aber ich kriege nur noch 200, was soll ich mit 200 Euro?“ „Darf ich dich daran erinnern, dass du noch bei deinen Eltern lebst. Ich fand 500 Euro Taschengeld sowieso ein wenig viel.“ Er sagte nichts. „Was hast du überhaupt angestellt?“, fragte ich dann. „Ach, ich hab drei Klausuren zurückbekommen, alle 6“. „Hmm, ich mein, du bist jetzt 23, findest du nicht, du solltest diese Arztspinnerei mal so langsam vergessen und dir eine Arbeit suchen?“, fand ich. Allerdings wusste ich auch nicht, wer ihn einstellen sollte. „Nein, ich kann es schaffen, ich brauche einfach nur mehr Zeit“, sagte er und schien tatsächlich überzeugt davon zu sein. „Wieso bist du eigentlich hier, hast du heute keinen Kurs?“, fragte ich. „Doch, aber ich mache blau.“ Ich sagte nichts mehr darauf. Stone lag nur reglos dar. „Was ist mit ihm?“, fragte ich. „Schläft er?“ „Ja ja“, antwortete Bassweiler. „Der ist erstmal total breit.“ „Ey, guckt euch die mal an“, schrie Jürgi plötzlich. Wir alle sahen in seine Blickrichtung. Eine etwa 20-jährige Frau lief dort her, sehr attraktiv, zu attraktiv. Bei der hätte niemand von uns eine Chance. Stone bekam nichts mit. „Nicht schlecht“, meinte Bassweiler. „Aber so toll find ich sie auch nicht.“ „Aber ich“, meinte Jürgi. „Ja, dann sprich sie doch an“, sagte Bassweiler. „Wie denn, was sag ich denn?“, fragte Jürgi. „100 Euro“. „Hab ich doch nicht.“ „Wie viel hast du denn?“ „50.“ „Na, dann sag eben 50 Euro“. „Wieso denn überhaupt?“ „Ach Mensch, weil das eine Nutte ist“, erklärte Bassweiler. Der versuchte ihn zu veräppeln, ich wollte mich einmischen, aber ich dachte nicht daran, dass Jürgi, auch wenn er es mit Sicherheit glauben würde, zu ihr hingehen würde. „Ach, woher willst du das denn wissen?“, fragte Jürgi dann. „Ich hab da `nen Blick für“, sagte Bassweiler. „Und das soll ich dir glauben“, fragte Jürgi. „Vertrau mir!“ „Hm…na ja, ich glaub ich geh mal hin.“ „Na, dann mal los, Herr Doktor“, sagte Bassweiler. „Eh Jürgi, du willst das doch jetzt nicht wirklich durchziehen“, mischte ich mich dann doch ein. „Wieso, ist doch meine Sache, die 50 sind es mir wert.“ Und so ging Jürgi tatsächlich zu ihr. „Mann Bassweiler, wieso erzählst du ihm so was?“, fragte ich dann. „Weil es wirklich eine ist, das war kein blöder Scherz von mir“. Ich wollte fragen, was ihn da so sicher machte, aber Jürgi war gerade dabei sie anzusprechen. Wir beide sahen zu. Wir sahen noch, wie er etwas zu ihr sagte und sie ihm darauf eine klatschte. „Toll, Bassweiler“, sagte ich nur. „Glaub mir, ich versteh das selber nicht.“ „Was ist los?“, fragte Stone plötzlich, der wach wurde. „Ach nichts, schlaf weiter“, sagte Bassweiler. Die Frau guckte nur grimmig zu uns herüber. Es war einfach peinlich, was war aus mir nur geworden, dass ich mit solchen Versagern herumhing. Das Schlimme war nur, dass ich selbst einer war, auch wenn ich es nicht wahrhaben wollte. Immerhin war ich der einzige, der wirklich arbeitete, auch wenn es nur Lagerarbeit war. „Danke, Bassweiler“, sagte Jürgi, als er zurückkam. „Es war eine Nutte, ich weiß es, weil ich sie schon oft gesehen hab. Bei allen klappt es, nur bei dir nicht. Ich weiß es einfach nicht, woran es liegt, dass nur du immer auf die Schnauze fällst“, sprach Bassweiler. „Komm, jetzt ist gut“, sagte ich zu Bassweiler. Für einen Moment sagte keiner mehr was. „Es ist diese scheiß Hitze“, fing ich dann an. „Sie raubt uns den Verstand.“ „Ja, da hast du wohl recht“, sagte Stone, der wieder aufgewacht war. „Ich weiß zwar nicht, worum es geht, aber ich glaub es auch.“ „Glaub mir Jürgi, ich wollte dir damit keinen reinwürgen“, entschuldigte sich Bassweiler. „Schon gut, vielleicht hatte sie ja heute frei und wollte an ihrem freien Tag nicht gestört werden“, redete Jürgi sich ein. Ich wollte einfach nur ausbrechen, raus aus dieser beschissenen Welt, weg von diesen Verlierern, die es mit ihren 23 bis 26 Jahren zu nichts gebracht hatten. Es waren meine Freunde, es waren keine schlechten Menschen, aber ich gehörte einfach nicht hierher. „Hallo, entschuldigen Sie, hätten Sie vielleicht Lust etwas ganz Tolles erleben?“, sprach uns plötzlich ein etwa 60-jähriger Typ an, der aussah wie ein verrückter Professor. „Wir kaufen nichts“, sagte Bassweiler. „Das müssen Sie auch nicht“, erklärte der Typ dann. „Und was sollen wir dann Tolles erleben“, fragte Stone, der plötzlich gar nicht mehr breit wirkte. „Darf ich mich zunächst vorstellen, mein Name ist Klaus Vierstein, Vierstein wie Einstein, nur vier eben.“ Er lachte über seinen Witz. „Ich bin Ingenieur und Erfinder“, fuhr er fort. Er gab uns eine Karte. Ich nahm sie. Prof. Dr. Bernd Vierstein, las ich, tatsächlich ein Professor. Ich gab die Karte Bassweiler, der sie dann auch weiter gab. „Es ist so, ich habe eine Maschine gebaut, die eine künstliche Welt schafft. Eine Welt, die so aussieht, wie Sie wollen. Sogar Sie können so aussehen wie Sie wollen.“ Er erklärte es wie ein Vertreter. Stone fing an zu lachen. „Das gibt ´s doch nicht, der ist ja noch breiter als ich“, meinte er. „Passen Sie mal auf“, fing Bassweiler wieder an. „Diesen Schwachsinn glaubt Ihnen nicht einmal Kronstein, und der glaubt einiges.“ Damit meinte er mich. Er hatte Recht, ich glaubte wirklich einiges, deshalb fiel ich auch ständig auf Frauen herein. Irgendwie glaubte ich sogar diesem Vierstein, obwohl es wirklich der größte Schwachsinn war, den ich je gehört hatte. „Nun, ich kann es Ihnen beweisen“, bot Vierstein an. „Dann beweisen Sie es uns“, sagte ich. „Mein Labor ist gleich um die Ecke, folgen Sie mir.“ Wir alle folgten. „So, wir sind da, treten Sie ein, meine Herren“, lud er uns ein. Wir betraten das Labor. „Meine Herren, was wünschen Sie? Alles ist möglich, meine Herren, alles“, fing er wieder an zu reden. „Ich möchte gern Arzt werden, kann ich in dieser Welt Arzt sein?“, fragte Jürgi. „Nein, leider nicht“, sagte der Professor. „Sie bleiben Sie selbst, wir können nur Ihr Aussehen ändern, wenn Sie es wünschen.“ „Ist es denn möglich, mir dort meine Traumfrau zu schaffen?“, fragte Jürgi dann. „Natürlich“, antwortete Vierstein. „Kann ich mit der dann auch…na, Sie wissen schon?“ „Schach spielen?“, fragte Vierstein ganz blöd. „Nein, ich meine so richtig…“ „Ach komm, jetzt mal Schluss mit dem Gerede hier, wo ist denn jetzt diese Maschine?“, drängte Bassweiler. „Das ist sie“, sagte Vierstein und zeigte auf ein einem Raumschiff ähnliches Gehäuse. Es war nur kleiner. „Wie läuft es genau ab?“, fragte ich. „Ich mein, was passiert, läuft die Zeit parallel zur Echtzeit? „Sie bekommen einen Supervisor, der Sie einweist und Ihnen die Welt so gestaltet, wie Sie es wünschen. Probieren Sie es einfach aus!“ „Ich weiß nicht, wer weiß, was das wirklich für ein Gerät ist, wer weiß, was da passiert mit uns“, sagte Bassweiler. „Nun, wenn Sie mir nicht trauen, komme ich mit“, schlug der Professor vor. „Das ist eine gute Idee“, sagte ich. „Also ich möchte es auf jeden Fall jetzt ausprobieren.“ „Ich auch“, sagte Jürgi. „Na, dann bin ich auch dabei“, entschied Stone. „Okay“, sagte Bassweiler. Lächelnd öffnete Vierstein die Tür und stieg ein, wir folgten ihm. Die Tür schloss hinter uns. Es war dunkel. „So, einen Moment Geduld bitte“, bat Vierstein. Nach etwa zwei Sekunden ertönte plötzlich eine Stimme. „Guten Tag, mein Name ist Robert, ich bin Ihr Supervisor. Was wünschen Sie?“ Die Stimme war sehr ruhig, fast so wie die eines Hypnotiseurs. Es irritierte mich, dass ich nicht sehen konnte, wer da sprach. „Nun Robert, wäre es auch möglich, dass Sie sich uns auch zeigen?“ „Aber natürlich“, ertönte die Stimme und es erschien ein etwa 40-jähriger Mann, mit braunen Haaren und Brille. Er sah sehr vertrauenswürdig aus und mir wurde gleich viel wohler. „Danke, so ist es besser, ich heiße Jörg“, sagte ich. „Herzlich willkommen“, lächelte der Mann. „Echt abgefahren“, staunte Stone. „Danke schön“, wandte der Mann sich ihm lächelnd zu. „Nun, ich würde jetzt gern an einem Strand sein, am strahlend blauen Meer“, sagte Bassweiler. „Nichts leichter als das“, sagte Robert. Und im nächsten Moment befanden wir uns tatsächlich an einem Strand, bei strahlend blauem Himmel. „Das gibt es doch nicht“, sagte Bassweiler staunend. Professor Vierstein lächelte stolz. Dann meldete Jürgi sich zu Wort. „Wissen Sie, da war vorhin so eine Frau, sie war blond…“ Bevor er zu Ende kam, erschien plötzlich diese Frau aus dem Park und kam lächelnd auf Jürgi zu. Das war wirklich abgefahren. Sie gab Jürgi einen Kuss und ging mit ihm im selben Moment weg. „Viel Spaß beim Schach spielen“, rief Vierstein ihm hinterher. „Ich hab keinen Stoff mehr“, meinte Stone dann. „Kein Problem“, sagte Robert. Und plötzlich hatte Stone eine ganze Tüte in der Hand. „D…d…danke“, stotterte Stone verdutzt. Der dachte wirklich nur ans kiffen. „Und Sie Jörg“, fragte Robert mich. „Haben Sie auch einen Wunsch?“ Ich war unzufrieden mit meinem Leben, aber mir fiel nichts Materielles ein. Natürlich hätte ich einen ähnlichen Wunsch äußern können, wie Jürgi eben, aber irgendwie würde mir das nur kurzfristig Freude bereiten. Mir fehlte meine Schwester, die vor vier Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam. Gerade mal 19 war sie da. Sie war für mich wie eine beste Freundin. Ich hatte nie viele Freunde gehabt in meinem Leben, aber sie hat immer zu mir gehalten, mit ihr konnte ich über alles reden, sie war immer für mich da, wenn es mir schlecht ging. Ja, wir waren wie Freunde, und ich vermisste sie. Ich wusste nicht, ob es gut wäre, sie herzubitten. Robert merkte, wie nachdenklich ich wurde. „Ist alles in Ordnung mit Ihnen, Jörg?“, fragte er. „Wünschen Sie die Reise lieber zu beenden?“ „Wäre es möglich, meine tote Schwester wieder zu sehen?“, fragte ich leise. „Wenn Sie es wünschen.“ „Ja, ich möchte sie wieder sehen.“ „Möchten Sie sie so sehen, wie sie zuletzt ausgesehen hatte? Oder sollen wir sie so erscheinen lassen, als würde sie heute noch leben?“ „So, wie sie heute wäre. Sie wäre jetzt 23.“ „Dann drehen Sie sich mal um und sehen, wer da ist“, sprach er lächelnd. Ich drehte mich um und dort stand Anja, meine Schwester. Wir fielen uns in die Arme, ich hatte Freudentränen in den Augen. Lange sahen wir uns an. Es wirkte so real, sie sah auch tatsächlich wie eine 23-jährige, so wie sie heute aussehen würde, wenn sie noch leben würde. Stone bekam gar nichts mit, er war wieder total breit. Jürgi war noch beschäftigt, und wo Bassweiler war, wusste ich nicht. „Ich hab dich so vermisst“, sagte ich zu ihr. „Ich dich auch“, sagte sie. „Nun, vielleicht verschwinde ich erst mal“, bot Robert an. „Wenn Sie mich brauchen, rufen Sie mich einfach.“ „Danke Robert“, sagte ich. „Wie geht es dir denn?“, fragte sie mich. Ich schüttelte den Kopf. „Es geht mir nicht so gut, es ist alles so monoton. Jeder Tag derselbe, morgens aufstehen, arbeiten und dann blöd irgendwo rumhängen oder alleine vor dem Fernseher verbringen“, sagte ich und musste fast weinen. „Jetzt bin ich hier“, sagte sie. „Wir beide werden wieder was zusammen unternehmen wie früher“; sagte sie. „Ja, das wäre so schön“, sagte ich. „Weißt du, ich bin nicht lange hier, nur zu Besuch“, sagte ich dann. „Das weiß ich, wir werden uns bald wieder sehen, wenn du willst“, sagte ich. „Ja, das will ich“, sagte ich. Jürgi kam einen Moment später zurück. „War das geil“, rief er begeistert. Ich hatte das Gefühl, dass wir gehen mussten. Aber ich wusste, ich würde wieder kommen. „Ich glaube, ich muss jetzt gehen, aber ich werde wieder kommen“, versprach ich. „Das weiß ich“, sagte sie. Wir nahmen uns noch einmal in den Arm, dann stand ich auf und ging zu den anderen, die sich versammelt hatten. Sie winkte mir hinterher. „So, meine Herren, war das überzeugend?“, fragte Vierstein. „Oh ja“, sagte Bassweiler. „Robert“, rief Vierstein. „Das sollte für heute genügen.“ „Wie Sie wünschen“, ertönte Roberts Stimme. Nach einer Sekunde war es wieder dunkel und einen Moment später verließen wir die Maschine. Alle schwärmten laut. Ich sagte nichts, ich war zu sehr mit meinen Gedanken beschäftigt. „Meine Herren, dies hier ist ein Prototyp. Bevor ich über die Produktion weiterer Modelle entscheide, erlaube ich Ihnen den Prototyp zu Testzwecken kostenfrei zu nutzen.“ Alle jubelten, auch ich freute mich. Ich sagte den anderen, die erstmal einen trinken gehen wollten, dass ich nach Hause wolle. Aber ich ging noch am selben Tag wieder auf Reise. Robert erschien wieder. „Hallo Jörg, schön Sie wieder zu sehen, womit kann ich dienen?“ „Ich möchte die Reise fortsetzen“, sagte ich. Und schon befand ich mich wieder an dem Strand und einen Moment später sah ich meine Anja, die mir zuwinkte. „Hallo Jörg, du bist wieder zurückgekommen“, freute sie sich. „Ja, ich bin wieder zurück“, lachte ich. „Wollen wir schwimmen gehen?“, fragte sie mich. „Ja, gern, dann mal los. Sie hatte schon Badesachen an. „Eh Robert, könnten Sie mir eine Badehose zukommen lassen“, fragte ich. „Aber natürlich“, hörte ich seine Stimme und schon hatte ich eine Badehose an und rannte mit Anja zum Meer. Es war schön. „Wollen wir heute Abend was unternehmen, in eine Bar gehen oder so?“, fragte ich. „Ja“, rief sie begeistert. „Einen Moment, ich komme gleich wieder“, sagte ich zu ihr. Ich verließ das Wasser und verlangte Robert. „Ich möchte gern mit ihr in einer Disco sein und es sollen auch Freunde von ihr dabei sein.“ Eine Sekunde später befanden wir uns tatsächlich in einer Disco und waren völlig umgestylt. Sie bekam gar nichts mit von dem plötzlichen Wechsel, wie auch, sie war ja auch gar nicht real. Sie stellte mir ihre Freunde vor, alles wirkte so echt. Selbst die Getränke und der Alkohol wirkten so echt. „Ich bin künstlich betrunken“, sagte ich lachend zu Robert, der der Barkeeper war. Auch er lachte. Ich mochte ihn. Es war ein so schöner Abend mit Anja und ihren Freunden, noch nie im Leben hatte ich einen so schönen Abend. Ich wollte gar nicht mehr zurück in die wirkliche Welt.
Bassweiler und die anderen sah ich immer seltener. So wie ich mitbekam, ging Stone sich dort nur bekiffen, Bassweiler besaufen und Jürgi traf dort wahrscheinlich immer diese Frau. Ich wusste nicht, wie oft sie diese Maschine nutzen, aber nicht so oft wie ich, ich wurde immer besessener von dieser animierten Welt, ich blieb immer länger drin, die Abstände dazwischen wurden immer kürzer. Irgendwann ging ich auch nicht mehr arbeiten, sondern verbrachte die Tage in dieser Welt mit meiner Schwester und ihren Freunden. Und das Tag für Tag, schon seit Wochen. Ich verliebte mich irgendwann sogar in Kerstin, eine Freundin von Anja. Ich war so glücklich, so wunschlos glücklich. Selbst Roberts Hilfe brauchte ich nur noch selten, ich ließ einfach alles so geschehen, wie es geschah. Ich wusste irgendwann nicht mehr, wie lange ich schon die Maschine nicht mehr verlassen hatte, wahrscheinlich schon ein paar Tage nicht. Eines Tages, als ich mit Kerstin gerade intim werden wollte, erschien Vierstein plötzlich. „Jörg, wissen Sie schon, wie lange Sie hier drin sind?“, fragte er. „Nein, und wen kümmert es schon. Ich bleibe hier“, sagte ich. „Jörg, Sie müssen zurück in die wirkliche Welt, Sie verlieren den Verstand sonst.“ „Den verlier ich da draußen auch.“ „Verdammt seien Sie doch vernünftig. Alles hier ist nicht echt, auch, das was sie essen und trinken nicht. Sie sind schon über drei Tage hier drin, auch wenn Sie es hier nicht merken, aber Sie verdursten, ihr Körper trocknet aus.“ „Ach Blödsinn, verschwinden Sie, lassen Sie mich in Ruhe.“ Ich wurde aggressiv. „Robert“, sagte Vierstein. „Wir beide verlassen das Programm jetzt.“ „Nein, das werde ich nicht“, betonte ich aggressiv. „Es tut mir leid, Herr Professor Vierstein, aber ich kann das Programm nicht für ihn beenden, wenn er es nicht selber wünscht“, sagte Robert. „Ach, verdammter Mist“, schrie Vierstein. „Robert, lassen Sie ihn aus meinen Augen verschwinden“, sagte ich. Und Vierstein war verschwunden. Ich ging zurück zu Kerstin. „Tut mir leid, nur ein kleiner Zwischenfall“, entschuldigte ich mich. Dann konnten wir uns endlich ungestört lieben. Nun ja, ich wusste zwar, dass Robert überall war, aber ich vertraute ihm und ging davon aus, dass er weg sah. Doch irgendetwas schien einen Moment später zu passieren in dieser Welt, es kam mir so vor, als würde die Welt gleich untergehen. Dann hörte ich plötzlich Geräusche, es war wie ein Donnern. „Robert, was passiert hier?“, fragte ich. „Sie zerstören die Maschine“, antwortete er. „Wer?“ „Vierstein, das Programm ist außer Kontrolle geraten, er versucht Sie zu retten.“ „Tun Sie etwas“, flehte ich. „Das kann ich nicht, ich habe nach außen keinen Einfluss.“ „Wo ist meine Schwester?“ Er ließ sie erscheinen. „Du musst dich auch von ihr verabschieden, dir bleibt nicht mehr viel Zeit“, sagte Robert. Immer lauter wurde das Donnern, alles begann zu wackeln. Ich sah, wie Robert langsam blasser wurde. „Robert!“, rief ich. „Ich muss gehen, leb wohl Jörg, mein Freund.“ Ich musste weinen. Ich sah meine Schwester an. „Jörg, es ist Zeit, Lebwohl zu sagen, sie werden mich auch töten, bitte versuch, nicht so traurig zu sein.“ Ich sagte nichts, mir wurde bewusst, dass es wirklich so war. Robert war inzwischen schon nicht mehr zu sehen. Ich versuchte meine Tränen zu unterdrücken, ich fiel ihr in die Arme. „Bitte versprich mir, dass du nicht so traurig sein wirst“, sagte sie. Ich schüttelte nur den Kopf und weinte. „Nein, bitte weine nicht“, sagte sie und musste auch ein wenig weinen. Auch sie begann inzwischen zu verblassen. „Bitte, geh nicht“, flehte ich weinend. „Doch, ich muss“, antwortete sie. „Bitte versuch, nicht so traurig zu sein“, sagte sie wieder, während sie immer mehr verblasste. „Bitte, sei nicht so traurig, bitte versprich es mir.“ Auch ihre Stimme wurde immer leiser. Sie sagte es immer wieder. Bis ich sie gar nicht mehr hören konnte und alles um mich herum verschwand. Ich bekam noch gerade mit, wie ich im nächsten Moment aus der Maschine geholt wurde und von Sanitätern auf eine Krankenliege gelegt wurde. Plötzlich fühlte ich mich so unheimlich geschwächt. „Oh Mann, das ging ja gerade noch gut“, hörte ich Vierstein sagen. Dann injizierten sie mir irgendeine Flüssigkeit und ich wurde ins Krankenhaus gefahren.
Ich zog kurz, nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen war, weg, um zu vergessen. Von Bassweiler und den anderen hörte ich nichts mehr, sie hatten mich nicht einmal im Krankenhaus besucht. So lebte ich weiterhin einsam an irgendeinem anderen Ort und versuchte zu vergessen. Hin und wieder kaufte ich mir eine Zeitung aus meinem Heimatort. Irgendwann las ich Jürgis Namen in der Zeitung, er hatte tatsächlich sein Abitur geschafft, mit inzwischen 29 Jahren, sechs Jahre nachdem wir uns das letzte Mal gesehen hatten. Ich wusste nur, ich hatte mehr verloren als vorher. Ich blieb ein Versager.
 
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Kommentare  

Keine Gliederung, falsch gesetzte Satzzeichen, Bandwurmsätze, Wortwiederholungen innerhalb eines Satzes: So kann man aus einer guten Idee mit brauchbar literarischen und inhaltlichen Ansatzpunkten einen unlesbaren Einheitsbrei machen. Schade. Chance vertan.

Mein Vorschlag: üben, üben und nochmals üben. Und erst DANN publizieren. Qualität geht noch immer vor Quantität. Wann wirst du das endlich lernen oder wenigstens akzeptieren.
Michael


Michael Kuss (21.05.2007)

Hallo, mir ist eben eingefallen, dass ich diese Geschichte noch nicht gelesen hatte. Erst hatte ich keine Zeit und dann hatte ich es vergessen. Die story ist ausgefallen interessant und gerade das Ende geht Einem sehr na. Gefällt mir. lg sabine

Sabine Müller (02.05.2006)

Hallo,

danke für euren Hinweis, ich werde die Story bei Gelegenheit nochmal überarbeiten, hab dazwischen auch noch ein paar Sprachfehler gefunden :-).

lg Holger


HomoFaber (24.03.2006)

es ist so, wie christa sagt, die form ist zu kompakt, aber die geschichte witzig. haha.
lg
rosmarin


rosmarin (24.03.2006)

Interessante Geschichte. Sie würde mir noch besser gefallen, wenn ein wenig mehr Gliederung drin wäre. Absätze, damit es überschaubarer wird. Gleich am Anfang sind auch ein paar unnötige Wordwiederholungen.
LG
Christa


CC Huber (24.03.2006)

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