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Eingegrabene Wildschweine

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
Im März 1982 sah ein Vorgarten nahe der mecklenburgischen Landeshauptstadt Schwerin wie nach einem Bombenanschlag aus: 258 Wildschweine lagen verfault zwischen den Stiefmütterchen. Sie waren gestorben, weil sie ihrem Rudelschwein gefolgt und in die Stadt gekommen waren, in der sie sich verirrt und nicht mehr herausgefunden haben. Den Garten hielten sie hoffnungsvoll für einen Waldausläufer. Sie blieben einfach still liegen, kauerten sich fest in die Blumenerde und wurden so erst entdeckt als sie anfingen zu stinken.
Diese merkwürdige selbstmörderische Handlungsweise ist bei Wildschweinen schon oft beobachtet worden. So entdeckte man im Januar 1970 in einem Schreppergarten in Brandenburg 116 Wildschweine. Im März 1988 buddelten sich im Osten Bayerns 85 Schweine unter ein Beet Mohrrüben ohne diese anzurühren. Und zwischen 1963 und 1980 fanden allein an der innerdeutschen Grenze mindestens 15 000 Schweine den Tod. Manchmal starben Sie einfach so, mal trafen sie auf Minen.
Ein solches Verhalten von Schweinen ist also bekannt, und die Wissenschaftler suchen nach einer Erklärung, warum diese sonst so intelligenten Tiere auf diese Weise absichtlich oder sich versehentlich in den Tod graben.
Schon der germanische Kriegsfürst Helmarak berichtete im 2. Jahrhundert v. Chr. von verendeten Borstentieren, äußerte sich aber nicht über den Grund für ihr Verhalten. Im 2. Jahrhundert n. Chr. mutmaßte der Dichter Dad poetisch, die Schweine hätten die Hoffnung, „dass die Menschen sie als Opfergaben für die Welt nehmen würden, die sie verschonen sollten“. Seitdem sind viele wissenschaftliche Theorien entwickelt worden, die aber bisher noch nicht bewiesen werden konnten.

Viele Laien vertreten die Ansicht, dass sich die Schweine vorsätzlich umbringen, da sie auch bei Rettungsversuchen wild um sich beißen. Die Wissenschaftler halten jedoch wenig von dieser Suizidgeschichte.
Forschungsergebnisse der Universität zu Ludwigslust lassen vermuten, dass dies Vergraben und Verweilen eine Reaktion auf Stress sein könnte, dass die Wildschweine, wenn sie sich in Gefahr wähnen, instinktiv in die Höhle des Löwen einkehren wollen. Andere Wissenschaftler sehen in dem todbringendem Benehmen der Tiere einen Ausdruck von Schizophrenie bei Waldtieren. Sie denken, sie seien Menschen und verfallen dann einer typischen Depression in der sie nicht einmal mehr Lust haben sich zu bewegen.

1998 rief man eine Arbeitsgruppe ins Leben, die dieses Phänomen untersuchen soll. An Theorien herrscht kein Mangel.
 
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Kommentare  

Robert Zobel streift hier ein wirklich wichtiges Thema. In der Tat scheinen sich merkwürdige Verhaltensweisen bei Wildschweinen zu häufen.

Erst letzte Woche lief ein Wildschwein in Bad Gandersheim durch einen Getränkemarkt (Quelle: shortnews.stern.de). Da aber die Bundesliga-Rückrunde läuft, würde ich dies als "normales" Verhalten ansehen. (Ich kann immer nur von mir auf andere schließen).

Bedrückend ist die Meldung der BZ, daß im November in Berlin ein Wildschwein-Baby in einer Telefonzelle gefunden wurde. Wen wollte es anrufen? Ich fürchte, es wollte sich über die Umweltverschmutzung beschweren. Es hat uns wohl als Schweine bezeichnet. Von wegen depressiv!


Nicolas van Bruenen (14.02.2007)

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