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Altenheim Tagebuch 1

Trauriges · Kurzgeschichten
Vor ein paar Stunden befand ich mich in der Diakonie, in der ich ab jetzt ehrenamtlich eine ältere Frau betreue. Ich hatte nach mehreren Negativmeldungen über Altenheime in den Gazetten und dem Fernsehen mich dazu entschlossen nicht nur erbost zu sein sondern auch was zu tun. Ich finde, es gehört dazu, die älteren Menschen zu tragen. Auch, wenn es nicht die eigenen Großeltern und Verwandten sind. Jeder der älteren Menschen hat dazu beigetragen, dass es uns jetzt so geht, wie es uns geht und wer nun sagt, „Toll, mir geht es aber beschissen“ den wünsche ich schnurstracks in ein Land wie Somalia oder ein gepflegtes Konzentrationslager im irgendwo.
Und es regt mich auf, dass Angehörige Ihre Verwandten vernachlässigen. Das kommt mir so benutzt vor. Irgendwie so: Ihr habt mich großgezogen, ich hab euch abgeschoben.

Nach der Lektüre des Buches „Totgepflegt und abgezockt“ hatte ich Schlimmeres erwartet als ich heute durch automatisierten Schiebetüren der Diakonie eilte. Ich hatte um 15 Uhr einen Termin bei der Pflegedienstleitung und war knapp dran. Es war 14:59 Uhr. Doch ich hatte Glück denn die Leitung befand sich in einem Meeting. Deshalb setzte ich mich in eine beige Sofagruppe, die direkt im Eingangsbereich stand. Eine ältere Frau saß da, mit einem leichten Schnurrbart, würdigte mich keines Blickes und las in einer Illustrierten. Dieses Sofa und auch die Anbauwand stammten aus dem Nachlass eines früheren Bewohners. Das sah man und das fühlte man sogar. Das hatte ein früheres normales Leben und wirkte in der übrigen Weißheit und Sterilität ein wenig abstrakt und falsch.
Ein Auszubildender sah mich, fragte was ich möchte, ich sagte es ihm und er bot mir einen Saft an, den ich dankend entgegennahm. Ich hätte fragen sollen, was für einen Saft. Ananassaft mag ich nämlich gar nicht und ließ ihn stehen. Als er das sah bekam ich eine riesigen Pott Kaffee. Ich fühlte mich sofort aufgehoben.
Um 15:20 Uhr war dann das Meeting wohl auch aus, man befragte mich um des Warums und ich erklärte mein Anliegen. „Respekt vor dem Alter, keine eigenen Großeltern mehr da, ich will nicht das die Geschichten und Erfahrungen ungenutzt vergehen, ich habe vieles gutzumachen und ich weiß, dass die Pfleger sehr unter Zeitdruck sind“.
Das reichte, ich wurde genommen.

Zugeteilt wurde mir eine Frau Schmidt (ich hab den Namen geändert). Frau Schmidt hat sich selbst aufgegeben sagt der Arzt. Sie könnte mehr, sie könnte noch laufen und liegt doch immer nur depressiv im Bett. Das Einzige was sie je geliebt hätte, war ein Hund und der sei letztes Jahr gestorben. Und dann war da noch die Sache mit der ambulanten Pflegekraft, die sich das Vertrauen dieser alten Frau erschlich und mit einer Vollmacht das Konto leerräumte. Natürlich wurde das angezeigt aber das Geld war längst weg. Frau Schmidt hat keine Angehörigen und das merkt man wenn man in das Zimmer kommt. An der Wand über ihrem Bett hängen Fotos von ihr selbst und auf dem riesigen Fernseher stehen auch Bilder aus vergangenen Zeiten. Alles nur Portraitaufnahmen. Einzig und allein dieser Hund hat es dazwischen geschafft. Darunter das Jahr 2006 geschrieben. Kein Name und nichts weiter.
Der Pflegedienstleiter, ein freundlicher Mann, der zu mir meinte, er fühle sich als Gast der Menschen hier, war mir sofort sympathisch und stellte mich dieser Frau vor. Sie sagte ganz verschüchtert immer nur kurz „Ja“ und als ich lächelnd meinte, sei ja sonst auch blöd immer nur Fernseher (der lief gerade) zu schauen, meinte sie leise „Ist ja auch nur Geräuschkulisse“. Beim Verabschieden, sagte Sie „Tschüß Herr Zobel“. Sie hatte sich meinen Namen gleich gemerkt. Ein gutes Zeichen wie man meinte.

Ich ging mit einem Auftrag. Ich werde sie nicht dazu bringen, dass sie Bäume ausreißt oder sich wieder neuen Lebensmut angetraut aber ich werde sie zum Lachen bringen und ich werde es ihr am Ende noch ein wenig schön ist. Ich habe auch vor nach und nach meinen kleinen einjährigen Sohn mit hinzunehmen. Ich denke, er wird sie noch viel besser auftauen können als ich.

Ich freu mich auf sie und hoffe Sie sich auch auf mich. Nächsten Dienstag geht es los.
 
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Kommentare  

hallo, ich glaube, hier wird eher die gute tat bewertet, als die literarische verarbeitung dieser. es sind noch zu viele grammatikalische, rechtschreib - und kommatafehler in dem kurzen text. ich finde, du solltest etwas sorgfältiger arbeiten.
gruß von rosmarin


rosmarin (04.03.2007)

Robert, alle Achtung, ich verneige mich vor Dir! Habe Dir zum "Sterbeheim" schon was dazu geschrieben und noch Tipps zum Wandern im Internet. Lass Dich nicht entmutigen, es ist so kostbar, was Du da begonnen hast. Du wirst sehen, vieles strahlt ganz warm ins Herz zurück, auch in das Deines Sohnes. Leider kann ich Dir jetzt nur fünf Punkte geben - es wäre mir erheblich viel mehr Wert!

kalliope-ues (02.03.2007)

eine ausgewogene mischung aus anfänglichem zynismus und einfühlungsvermögen. die personen im altenheim sind schön detailliert gezeichnet. nun bin ich gespannt, wie es mit frau schmidt weitergeht!

lg

nicolas

PS Auch die Gesellschaftskritik am Rande ('Totgepflegt und abgezockt') finde ich gut. Es ist ein wichtiges Thema, das unsere Gesellschaft oft verdrängt.


Nicolas van Bruenen (01.03.2007)

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