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Omas Plauscherei

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
Damals 1944 habe ich in Bombenkratern Wäsche für meine Mutter aufgehängt. Da gab es noch keine Wäschenspinnen oder keine mehr. Man konnte glücklich sein, dass man überhaupt noch Wäsche hatte. Das Meiste war verbrannt und man hatte nur noch die Sachen, die man mit sich selbst in den Bunker retten konnte. Bedeutet, dass man auch mal einen Tag ganz nackt rumlief, weil die Sachen ja auch noch trocknen mussten. Am Körper trocknen lassen bedeutete Lungenpest oder wie das heißt.
Ach ja; Lungenentzündung. Es hat gerade in meinem Kopf gewunken und der richtige Begriff wurde eingeworfen. Gut so.
Bin ja auch nicht mehr die jüngste Dame im Lande und mein Gehirn hat viel zu viel speichern müssen, als das man jetzt noch von ihm erwarten könnte, einwandfrei zu funktionieren. Manchmal reise ich in meinen Gedanken zurück in diese chaosreiche Zeit und verirre mich in meiner Fantasie. Letztens hab ich bei einem Kaffeekränzchen mit viel Korn und Pflaumchenteilen erzählt, ich hätte Adolf Hitler als Kind ein Bein gestellt und wollte ihn so stürzen. Das war natürlich der Wunschgedanke der heutigen Zeit „Hätte ich mal“ und nicht viel mehr. Aber so im Schwadronieren kommt das dann einfach dazu und ist für mich so. Dann mischt sich alles und ich kann nichts dagegen tun. Nur wenn ich statt Kaffee Weizenbier trinke, ist es ein wenig besser. Warum, kann ich mir auch nicht erklären.
Woran ich mich am besten erinnere, Kriegszeit betreffend, ist dieser Gassenhauer, den wir alle da gesungen haben. Ich glaube, das war; „ Heute fliegt die Luzie mit einem Bauernhof Motorraaad, Motorraaad, Motooraaad“. Burschen, die uns ärgern wollten, haben dann beim letzten Motooraaad immer Luftkissenboot gerufen und uns durcheinander gebracht. Natürlich hat uns das gar nicht gejuckt, aber als junges Mädchen machen einen Jungs ja eh ein wenig dummelig und die Jungs in ihren feschen Uniformen waren ja auch schmuck anzusehen. Einer hatte es mir besonders angetan. Dieser Hitler..Ach was, sag ich. Ich meine, dieser Jürgen Schmachhoch. Ein Junge aus gutem Hause. Also einem Haus, welches noch stand und wo man gerne eingeladen wurde, weil in vier Wänden die Welt dann wieder so herrlich normal war. Mich jedoch hatte er noch nie eingeladen. Ich war nur ein Mädchen von vielen, das er mit Steinen bezwillte und einmal hatte ich sogar ein Loch im Kopf und er musste sich bei mir entschuldigen. „Spar Dir das für die Russen auf“ hatte ein einbeiniger Mann gemeint, ihn an den Ohren gepackt und dann zu mir gezerrt. Daraufhin waren alle Nachbarmädels auf mich neidisch, wie ein einbeiniger Mann auf Leute mit zwei Beinen oder ein Bein ohne Rest auf ein Bein mit Rest. Letzteres trifft es wohl am besten.
Was mir keiner glaubt, aber was wirklich so stimmt,, ist die Tatsache, dass es sogar Vorteile gab, in Bombenkratern zu wohnen. Wir haben ja damals einfach Holz über die Krater gelegt und schon hatten wir eine Höhle. Der Vorteil war, dass da nur Leute einbrachen, die es gar nicht wollten. Ha, ha, ha. Ein wenig Scherz im Ernst muss zu verkraften sein. Aber nun mal ohne. Es war nicht so kalt wie an der frischen Luft, man konnte für sich sein und wenn man sich Mühe gab, konnte man sich in die Rolle von einem Maulwurf hineindenken. Das hat Spaß gemacht und die Eltern haben das natürlich ausgenutzt und so die Höhle ausgeweitet. „Na grab doch mal!“. Ich höre das heute noch, wache schweißnassgebadet auf und schlaf dann weiter.
„Kohlrüben sind auch keine länglich, riesengroßen Kaviareier“ sagte meine Mutter immer und dann hat sie irgendwann gar nichts mehr gesagt. Dafür hab ich ganz viel gesagt und bald werd ich auch gar nichts mehr sagen. Bin mal gespannt wann, aber wenn man darauf wartet, passiert ja nichts. Also warte ich weiter. Hier mit meinem Weizenbier. Sie können sich gerne dazusetzen und mit mir ein Pläuschchen machen. Ich hätte nichts dagegen, aber sehr viel dafür.
 
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