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Spülkasten, Radiowecker und Fantasie

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
Der Spülkasten unseres Klos hängt nicht über dem Klosett in schwindelerregender Höhe, sondern direkt über der Toilette so dass man sich bei der Verrichtung locker dagegenlehnen kann. Ich hab mir schon überlegt vor jedem Gang Wasser zu erhitzen um es dann in diesen Spülkasten zu füllen. Dann wäre es beim Urinieren immer schön kuschelig im Rücken. Vielleicht würde das sogar total gesund für einen sein, weil damals die Urmenschen auch immer mit dem Rücken zur Sonne in den Wald oder vor die Höhle gekackt haben. Azteken, Inkas und Mayas haben das sicher so gemacht. Da war ja die Sonne ein Gott und jeder Sonnenstrahl ein Himmelskuss. Aber ich fahre mit den Buchstaben schon wieder in die falsche Richtung.
Seit kurzem steht auf diesem Spülkasten nun ein Radiowecker. Den hat meine Verlobte in die Beziehung gebracht, erst in der Garage gelagert und nun wieder gefunden. Das ist so ein LCD-Ding mit einem Display vom Boden bis zur Decke (Übertreibungspotenzial 12). Vier riesige Ziffern die einem nicht nur sagen, wie spät es ist sondern wie dominierend die Zeit auf den Menschen wirkt. Auf jeden Fall hab ich heute das erste Mal zur Musik mein Geschäft gemacht und fand es äußerst witzig mir vorzustellen, dass es vielleicht Menschen gibt, die nur so kacken oder pullern können. Vielleicht urinieren sie mit einem Strahl sogar den Takt oder machen auf andere Weise einen Bass. Gut, das soll jetzt auch gar kein Fäkalhumor sein oder werden. Viel mehr ein Ausblick in die Geheimnisse anderer Menschen. Jeder hat ja so seine AlltagsGeheimnisse. Ich hab sicher auch ganz viele. Die werde ich hier natürlich nicht zum Besten geben. Außerdem interessiert es auch keine Sau, aber ich erstelle jetzt mal eine Fantasiewelt, nehme sie mit und zeige Ihnen meine Alltagsgeheimnisse die ich mir vorstellen kann, dass sie jemand hat:

Wenn meine Freundin schläft stecke ich ihr heimlich Reiskörner in die Ohren. Das hat keinen Sinn, aber am Morgen hört sie dann nicht den Wecker und verschläft, geht nicht zur Arbeit und ich hab sie den ganzen Tag. Dann mache ich Kaffee irgendwann um 11 Uhr, hole Brötchen und wecke sie mit der Bettpfanne die ich dann ganz laut in die Toilette ausschütte. Dazu mache ich das Radio an und schütte immer im Takt. Schlaftrunken steht sie dann im Bad, geht an mir vorbei, nimmt sich die Zahnbürste und die hab ich heimlich vorher schon geküsst. Das ist dann ein indirekter Kuss für Sie. Das weiß sie nicht, aber das ist so.
Der Küchentisch ist mit Frühstück dann schon gedeckt wenn sie ihre Zähne gesäubert hat und die Brötchen sind ein wenig dunkler als normal. Ich vergesse nämlich ständig alles um mich herum und natürlich auch die Brötchen im Ofen, aber es ist ein erfolgreicher Backvorgang wenn die Feuerwehr nicht die Wohnung stürmt. Während sie dann isst, nehme ich meine Hand hoch, und zerdrücke ihren Kopf zwischen Daumen und Zeigefinger. Natürlich aus der Distanz heraus und immer wenn sie mich anschaut, fasse ich mich im Gesicht an.
Nachdem Sie fertig gegessen hat, fange ich zu essen an. Ich hab es mir zur Passion gemacht Menschen satt zu bekommen und esse das was übrig bleibt. Es bleibt immer genug übrig und wenn zum Beispiel an einem Tag Nudeln übrig bleiben, lasse ich den Rest so lange stehen bis daraus Pilze werden und dann gibt es ein paar Wochen später halt wieder ein anderes Gericht. Damit man dies als Essenseinnehmer nicht bemerkt, verrühre ich das immer alles mit ganz viel Soja oder Ketchup. Manchmal bin ich selbst überrascht, dass es schmeckt.
Mittags schauen wir nur Talkshows und lästern über Leute im Studio, die dahin gehen. Wären wir im Studio würden wir über die Leute lästern die es sich im Fernseher anschauen. Ab und zu nippen wir an unserem Weizenbier, dass wir immer irgendwo stehen haben müssen. Ohne geht gar nicht und ohne würde es uns gar nicht gut gehen. Wir nippen nur, weil wir es nicht übertreiben wollen. Kokain, Crack und dann noch Bier macht der Körper nämlich nicht so mit. Wir lassen es ruhig angehen. Gegen Abend trinken wir dann wieder mehr Alkohol, weil die Wirkung der Drogen dann wieder nachgelassen hat. Dann wird man ganz traurelig davon und gibt seine Traurigkeit in den Magen und geht dann wieder auf die Toilette. Muss man Kotzen sucht man mit dem Radiowecker einen Schlagersender und für den ganz normalen Blasenauslass kann man dann variieren. Wenn sich einer von uns mal irgendwas spritzt und eine Vene suchen muss wird Klassik angemacht. Das beruhigt und schützt vor zu hektischen Bewegungen. Ein Freund hat mal beide Augen durch so was verloren. Vorher hatte er Speed genommen und war total fahrig. Macht man ja auch nicht. Gibt ja gewissen Verhaltensregeln beim Konsum. Eine davon lautet zum Beispiel: Versuche nie einen schnellen Rausch mit einem anderen Rausch zu toppen.
Wenn wir mal nüchtern sind, weil am fünften des Monats zum Ballspiel das Geld knapp wird, rufen wir aus Quatsch in Altersheimen an und erzählen den Alten wir sind die Enkel und kommen sie besuchen. Die freuen sich dann die Köpfe bunt und wir notieren die Freude auf einer Skala von 1-10 in ein dafür vorgesehenes Heft. Jetzt ist ja bald Ostern und da werden wir dann mal echt früh aufstehen um Ostergeschenke im Park vor den eigentlichen Findern zu finden. Das macht genauso viel Spaß wie nach Silvester loszuziehen und von Betrunkenen verlorene Brieftaschen zu finden.
Langeweile bekämpfen wir mit Karriere machen. Bedeutet, wir werfen die Playstation an und spielen Streetfighter. Wer dann gewinnt hat bis zum nächsten Kampf die Hosen an.
Wenn es 15:00 Uhr ist, schreit irgendwer von uns die genaue Uhrzeit aus dem Fenster. Das ist eine Marotte von uns. Is auch gar nicht schlimm, dass unsere Uhren bei der Pfandleihe liegen, denn die Nachbarn schließen wegen uns alle 5 Minuten vor 15 Uhr die Fenster und so wissen wir Bescheid.
Ja und dann haben wir zwei Minuten Sex miteinander, acht Minuten Sex nur mit uns selbst und dann gehen wir zu den Nachbarn. Abends schauen wir „Wer wird Millionär“ und schaffen die erste Frage nicht und wenn es an der Tür klingelt werfen wir uns hinter das Sofa, weil wir noch an den Buhlemann glauben. Schlafen tun wir mit Socken aber ohne Bettdecke. Die liegt nämlich unter dem Katzenfressnapf damit der Boden nicht dreckig wird. Die Katze ist jedoch schon solange tot wie wir keine haben. Wir hatten noch nie eine Katze, aber man weiß ja nie, wann es an der Tür klingelt und eine Babykatze nach einem Zuhause fragt. Wir haben dann schon alles vorbereitet. Wir haben sogar einen Kratzbaum aus Bierdosen in jeder Ecke von jedem Zimmer in unserer Wohnung. Muss man nur noch zusammenkleben so, dass es hält. Ansonsten springt die Katze rauf und ertrinkt im Blech. Kann ja auch sein, dass da eine Dose mit bei ist die ich zerbeult habe und die jetzt Kanten hat. Man will ja keine Katze ins Haus holen, wenn man weiß dass sie demnächst wieder geht und zwar tot. Nee, nee.
Im Schlaf murmeln wir beide so gekonnt, dass Beischlafbesucher uns am nächsten Morgen erzählen wir hätten uns miteinander unterhalten. Einmal meinte ein Freund wir hätten über die nahende Klimakatastrophe gelästert. „Die kann ja sowieso nichts und wenn die kommt, sind wir längst weg. Ätsch Bätsch“
Der Freund wollte dann irgendwie in den Dialog eingreifen, aber ging nicht, er hat ja nicht geschlafen.

Das ist ein Tag von uns. Ich hab zwar null Wahrheit hineingepackt, aber das ist ja gar nicht so wichtig. Wahrheit ist sowieso überbewettert. Soll bedeuten, dass die Wahrheit und Realität viel zu dominierend auf unsere Gesellschaft einwirkt. Halt wie das Wetter. Das ja auch in aller Munde ist, das man vorhersagt und das man einfach so annehmen sollte wie es kommt.
Man sollte sich zu täglichen Sitzungen von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr in Gruppen zu 3 Millionen treffen und gemeinsam fabulieren. Sich einfach Sachen erzählen, die man sich erträumt oder die man lustig findet. Sich gehen lassen von der Realität. Hört sich das nicht fein an? Wenn man nicht neidisch sein brauch, weil das sowieso nicht stimmt was der Gegenüber einem erzählt und weil man das mit Fantasie sowieso toppen kann? Ich schreibe sofort der Volkshochschule und rufe eine Fantasiegruppe ins Leben. Hurra. Und das alles nur wegen diesem Radiowecker. Ich geh Wasser kochen.
 
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