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Fröhliches Beileid

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
Fröhliches Beileid

Stirbt ein Mensch ist er weg und kommt nicht wieder. Andere Menschen finden das blöd, weil sie ihn gerne hatten und sie ihn erst einmal nicht wieder sehen. Das ist so etwas wie Heimweh. Nur schlimmer und mit weniger Hoffnung. Gibt also Tränen, die auch ein wenig egoistisch sind und man besucht ein paar Jahre das Grab und stirbt dann selbst.
Wenn man jetzt Angehöriger ist von so einem Toten kommen schwarze Karten ins Haus geflattert oder weiße Briefe mit schwarzem Rand und da steht dann so was wie:
„Familie Klompatsch wünscht herzliches Beileid“.
Mir ist Gott sei Dank noch kein lieber Mensch gestorben, aber ich hätte, glaub ich, lieber eine bunte Karte mit „Fröhliches Beileid“ als einen Depressionsverstärker.
Eine Zeit der Trauer ist natürlich ganz normal, aber wenn ich von dieser Welt scheide, möchte ich eigentlich in lächelnde Gesichter schauen anstatt in Tränen zu schwimmen.
Und so richte ich diesen Text einmal an mein Kind oder bis dahin Kinder und beschreibe, wie ich mir die Zeit nach dem Ende wünsche.

1. Grab

Schlicht ist es mir am liebsten. Eigentlich würde ich gar kein Grab haben wollen, aber man muss ja irgendwie beerdigt wollen. Ich find es nämlich völligen Quatsch zu einem Friedhof zu fahren, dort ein paar Blumen zu gießen, den Grabstein zu putzen und das dann „Besuch“ zu nennen. Lieber ist mir, dass Du/Ihr in Euern Gedanken zurückreist zu all den schönen und tollen Sachen, die wir gemacht haben.

2. Totenfeier

Damit es auch nützlich ist, dass ich gegangen bin sollte ordentlich gefeiert, getrunken und kennen gelernt werden. Vielleicht findet sich ja ein Paar und ich kann von meinem Tod gleich in ein neues Kind inkarnieren.

3. Mein Erbe

Gerade beobachte ich ein Erbverfahren in dem es um ein Haus geht. Es ist immer nur von dem Erbe zu hören, aber gar nicht mehr von dem Toten. So, als reduziert sich alles nur noch auf dass, was er zurückgelassen hat. Manchmal wird auch über das Erbe gestritten und man hat dann auch noch einen bitteren Nachgeschmack. Wenn es also bei einem Kind bei mir bleibt hinterlasse ich etwas und bei zwei Kindern teile ich alles haarklein im Testament auf oder spende alles irgendeiner berühmten Person, so dass ich nach meinem Tod noch mal in die Presse komme.

Mehr brauche ich dazu auch gar nicht schreiben, weil ich denke, die Grundessenz des Ganzen ersieht man nun ja auch schon und wer dazu auch von meinem guten Freund dazu einmal etwas hören möchte, kann gerne zu Youtube wandern und dort die Suchbegriffe „robert zobel feuerwehr“ eingeben und das obere ist er. Hammer Typ.
 
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Kommentare  

Trotzdem sollte man den Schmerz jener Leute verstehen, die einen geliebten Mitmenschen verloren haben und ruhig daran Anteil nehmen. Denn wie heißt es doch so schön: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Ich glaube, dass es sehr erleichtert, wenn man mit ihnen trauert.

Petra (18.04.2009)

Da packst du aber ein sehr schwieriges Thema an und ich finde es ist dir geglückt, es sehr behutsam und einfühlsam rüber zu bringen.

Jochen (17.04.2009)

Mal eine Kurzgeschichte ganz besonderer Art. Welch ein Zufall, zwar bin ich evangelisch, aber ich habe zu diesem Thema genau die gleiche Meinung wie du. Wusste gar nicht, dass du so religiös bist, denn für mich ist das Religion, die du da verkündest. Toller Text, aber ich bin sicher, dass viele eine ganz andere Meinung dazu haben werden. Grund für eine Diskussion im Forum? Würde mich freuen.

doska (17.04.2009)

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