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Nachruf auf Hulle Mulle

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
Bestürzt nahm ich zur Kenntnis, dass an diesem heutigen Tage der großartige und großwüchsige Sänger Hulle Mulle ums Leben kam.
Zeit seines Lebens umgarnte er die Hörer seiner Werke mit seiner unvergleichlichen Stimme und er war, wie ein menschgewordener Beweis, dass das Wort Stimme von Stimmung kommt oder von da abgeleitet oder hingeleitet wird. Kurzum: Hörte man ihn, bekam man wundertolle Tanzwut und Heulkrämpfe. Dies zusammen war für eine gewisse Zeit in Hardcorezappellokalitäten der letzte Schrei. Man legte Hulle Mulle immer kurz vor Feierabend auf und die Discobesucher konnten sich müde zappeln und blieben dann nicht unnötig lange. Weinen macht nämlich sowieso herrlich müde. Das liegt daran, dass die Evolution sich gedacht hat, wenn man weint, dann sollte man den Kummer mal wegschlafen oder sich Gedanken beim drüberschlafen machen.
Hulle Mulle ist im Jahre 1961 in Bobitz geboren und lebte bis zu diesem heutigen Tag in einer umgebauten Scheune mitten auf einem Weizenfeld. Das Rauschen der Ähren inspirierte ihn, wie er oft sagte und Besucher mussten sich stets einen Weg durch das dichte Pflanzengestrengel bahnen. Hatten sie dies geschafft, gab es Erdbeertorte, Kaffee mit Zucker oder Honig und eine nette Umarmung. Für letzteres hatte Hulle Mulle eine Umarmdame engagiert, die in LächelWohlfühlprovision ausgezahlt wurde. Hierzu mussten die Besucher bei Ende des Treffens eine Liste ausfüllen. Wurde die Dame gut bewertet bekam sie ihr Geld und wenn sie schlecht bewertet wurde, durfte sie es bei der Verabschiedung noch mal versuchen und Druck und Brustwärme anpassen.
Das Hulle Mulle kurz nach Michael Jackson starb und noch vor Yussuf Islam kann man getrost als Zufall interpretieren. Wenn man das aber nun mal nicht will, kann man auch erfinden, dass Hulle total traurig war bei der gestrigen Beerdigungsshow von Jackson und eifersüchtig auf den Goldsarg. Vielleicht hat er sich auch den Kopf kaputtgegrübelt ob er ganz aus Gold oder nur mit Blattgold überzogen ist und ist daran vergrundet.
Bei einem Anruf bei der Bobitzer Polizei bekam ich vor einer Stunde auf jeden Fall heraus, dass er sich nicht mit einer Schrotflinte ins Genick geschossen hat. Man vermutet, er habe mit einem Stuhl gekippelt, sei dann nach hinten gestürzt, hat sich eine große Beule davon geholt und versucht diese mit einem Bügeleisen wieder zu glätten. Natürlich nicht im angeschalteten Zustand sondern mit etwas derben Schlägen mit der blanken Seite. Wäre natürlich die Umarmfrau vor Ort gewesen hätte diese ihm diesen wirklich unintelligenten Schachzug aufzeigen können, aber sie war es nicht. Sie war zu diesem Zeitpunkt Hulle Mulles Schlafanzüge bei NewYorker umtauschen. Das spart Geld und ist die beste Möglichkeit immer wieder frische und saubere Wäsche zu haben.
Er war ja auch bekannt für seine Auftritte im Schlafanzug. Nie werde ich seinen legendären liegende Auftritt in Neumünster vergessen. Acht Stunden, von denen er nur zwei schlief, sang er aus Leibeskräften und die Menge tanzte und weinte. Er trug einen hellblauen Schlafanzug mit einer Comicfigur drauf und drunter hatte er mit seiner eigenen Kotze geschrieben: „Das ist nicht meine Kotze“.
Nicht nur er ist heute von uns gegangen, auch ich bin von mir gegangen. Ein Stück weit mit ihm mit. Hulle Mulle ist einer der besten Menschen, die Bobitz je gehabt hat. Gut, es gibt da auch noch die SamaritaBerta, Karl Eulenglas und die Familie Mintzleukor, aber die haben eben keine umgebauten Scheunen bewohnt. Nicht nur in meinem Herzen wird er weiterleben. Schön, dass wir heute wieder weinen. Tschüßi.
 
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Kommentare  

Ich muss mal auch wieder in so eine Hardcorezappellokalität gehen. :))

Petra (10.07.2009)

Mensch Dokska, in deinem Herzen wird er doch weiterleben. Nebenbei, was wäre Hulle Mulle ohne eine schöne Pulle.

Jochen (10.07.2009)

Ach, Robert, *Schnief* Das wirst du vielleicht nicht wissen, aber auch ich war ein Fan von Hulle Mulle!

doska (09.07.2009)

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