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Das Weinen durchs Wurmloch

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
Herr Schnolle?

Ja?

Ist bei Ihnen alles in Ordnung?

Ja, natürlich. Was soll nicht in Ordnung sein?

Ich habe gestern Schreie aus Ihrer Wohnung gehört!

Oh, Sie auch?

Sie auch?

Ja, ich hab Sie auch gehört. Ich dachte zuerst, dass kommt von Ihnen, aber dann hab ich es auch bei mir in der Wohnung geortet.

Und was war es?

Ein Geräusch. Ein menschlicher Schrei, eben.

Und wer hat ihn aus sich herausgebracht?

Welcher Mensch?

Welcher Mensch!

Das ist ja das Verwunderliche. Der Schrei lag auf dem Bett. Also er kam von meinem Bett und jetzt winselt es nur noch, aber da liegt keiner.

Aber ich hab es doch gehört!

Ja, ich ja auch.

Und da ist nur das Geräusch und sonst kein Mensch?

Genau. Vielleicht endet da ein Wurmloch und fängt in einer anderen Dimension an in der ich traurig bin oder ein anderer Mensch der in meinem Bett liegt.

Sie sind ja verrückt. Wahrscheinlich sind sie einfach nur traurig.

Ich?

Ja.

Klar macht mich das Schreien traurig.

Also schreien sie?

Nein, ich werde vom Zuhören traurig.

Ich glaube Ihnen das sogar, aber denke, dass sie so weit Abstand von Ihrem eigenen Gefühl nehmen, dass Ihnen sogar das eigene Schreien und Schluchzen außerhalb Ihres Körpers erscheint.

Denken Sie?

Es ist eine bessere Erklärung als ein Wurmloch.

Vielleicht kommen wir ja auf einen Nenner.

Wie meinen Sie das?

Vielleicht haben Sie ja Recht. Ich fühl mich eh so merkwürdig. Und vielleicht hab ich eine gespaltene Persönlichkeit. Jetzt verstehen Sie mich aber nicht falsch. Ich meine damit keine Psychose. Vielleicht ist ein Teil von mir einfach durch ein Wurmloch gesaugt worden und dieser Teil ist jetzt irgendwo total traurig, dass er ohne mich ist und ich selbst fühl mich einfach nur merkwürdig. Ich weiß, es fehlt etwas, aber befinde mich noch in meiner gewohnten Umgebung. Mein anderer Teil ist jedoch in irgendeiner verrückten Dimension und unsere Verbindung hat ein Wurmloch geschaffen, das in meinem Bett endet.

Und das erste Wurmloch?

Gott.

Gott?

Ja, Gott hat uns eins geschickt.

Ihnen als gespaltene Persönlichkeit?

Nein Ihnen und mir.

Was hab ich denn davon? Das ist ja alles völlig absurd.

Nun ja, liebe Frau Kwagt. Wir haben nun das erste Mal miteinander gesprochen und leben doch nun schon drei Jahre unter einem Dach. Finden Sie das nicht irgendwie toll?

Die Umstände sind nicht so schön.

Aber es wird Früchte tragen und in unser beider Lebensverlauf noch eine riesige Rolle spielen.

Das meinen Sie!

Gott will es so. Wie soll das Wurmloch sonst entstanden sein?
 
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Kommentare  

Ganz niedlich, aber umwerfend ist das nicht. Was dir so alles einfällt:=)

Petra (30.09.2009)

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