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4 Seiten

Verboten

Romane/Serien · Romantisches
III Schmetterlinge in der Nacht

„Konzentration!“ ermahnte ich mich selber, wieder auf dem Bett sitzend und auf mein Tagebuch schielend.
Krampfhaft klammerte ich mich an die letzten Fetzen meines Tagtraumes und wünschte, ich könnte wieder hinab tauchen in die vielschichtigen und atemberaubenden Emotionen.
Wütend auf mich selber knallte ich das Buch zu und versuchte es mir bequem zu machen. Hing einer Weile meinen Gedanken nach und versuchte mir vorzustellen wie das alles weiter gehen sollte.
Ich versuchte mir vorzustellen, wer ich sein musste um jemanden wie Daniel zu verdienen und malte mir Wege aus, zu dieser Person zu werden.
Gut genug für jemanden wie ihn? Wie sollte ich an seine Erfahrungen und an sein Leben heranreichen?
Selbst wenn ich meine Fassade bröckeln liesse, wenn ich versuchen würde jemand ganz anderes zu werden, konnte ich je genug für ihn sein?

Die ersten Schatten legten sich schon über mein Zimmer, als ich die Augen wieder aufschlug.
„Verdammt!“ murrend setzte ich mich auf und gab mir selber ein paar halbherzige Ohrfeigen um wieder wach zu werden.
„Wie kann man nur so verschlafen sein?“ Nicht zum ersten Mal redete mich mit mir selber, als wäre ich meine Mutter.
Meine Mutter! Ich hatte schon tagelang nichts von mir hören lassen. Sicher würde sie sich keine grossen Sorgen machen, sonst stünde sie schon längst vor der Tür, aber ich konnte mich auf eine Ansprache gefasst machen, wenn ich mich nicht bald melden würde.
Sie tat sich zwar nicht sehr schwer damit, mich ziehen zu lassen, aber verlangte doch eine gewisse Regelmässigkeit in meinen Besuchen und Meldungen.
Für sie war es jetzt ein neues Leben, das sie mit ihrem neuen Mann verbringen konnte. Ohne Kinder, oder besser, ohne pupertierende Teenies im Haus.
Mit dem Versprechen die Schule vernünftig zu beenden und nicht ein Leben als wildes Mädchen zu führen, liess sie mich bereitwillig ziehen.
Schlurfend zockelte ich in die Küche, um mir einen frischen Tee zu kochen. Während der Wasserkocher monoton in die Lautlosigkeit brummte, versank ich abermals in meinem wunderschönen Tagtraum, hiess ihn willkommen und hielt ihn fest.

Seine Augen schienen mich zu suchen, obwohl ich sie nicht sehen konnte. Mich packte das schlechte Gewissen. Saß er dort auf der Bank, weil ich ihm doch so sehr wehgetan hatte? Das er sich aus Scham vor den anderen hier versteckte?
Schamgebeugt näherte ich mich der Bank, auf der er noch immer saß.
„Daniel?“ Ich flüsterte und hoffte keine sehr wütende Antwort zu erhalten. „Alles ok? Es tut mir leid, hab ich dir echt so wehgetan?“
„Hmm mhhh.“ Ein leises räuspern entfuhr ihm, als er mich ansah.
„Nein, es ist.... es ist etwas anderes.“ Er wich meinem Blick aus. Ich bekam ich das Gefühl, ihm helfen zu müssen und setzte mich neben ihn.
„Hey... was ist los?“ Mit meinem Ellbogen stiess ich ihm leicht in die Seite, also Aufforderung mit mir zu sprechen.

Als wir sprachen, war es nicht mehr als ein leises Flüstern. Bedacht darauf von keinem fremden Ohr erfasst zu werden, galten unsere Worte scheinbar nur uns selbst. Wir sprachen über alles und nichts, jedoch sagte er noch immer nicht, weshalb er sich zurück gezogen hatte.
Es lag Vertrautheit in unseren Stimmen, obwohl wir uns kaum kannten.
Diese Situation war für mich so neu, so unbekannt das ich verlegen an der Bank nestelte. Versuchte mich nicht in seinen Augen zu verlieren, nicht auf dieses merkwürdige Gefühl zu achten, das mir aus dem Bauch aufstieg, mein Herz umfasste und dieses bis zu meiner Kehle schlagen liess.
Als ob er meine Gedanken, meine Sorge verstanden hätte, änderte er seinen Ton leicht und schlug wieder in die mich sehr reizende Kerbe.
Obwohl diesmal eine andere Spannung zwischen uns lag, die Luft zu flimmern schien und unser Gespräch noch immer nicht mehr war als ein leises Flüstern, traf er die richtigen Worte. Es schien als wolle er meine Reaktionen steuern.
„Ich weiss, dass du dich nicht trauen würdest, länger mit mir allein zu sein“ lächelte er mich an.
„Warum sollte ich das nicht?“
„Wer weiss, was passiert, wenn wir zwei allein sind? Nicht das du mir meine Unschuld raubst. Schliesslich weiss jeder, was du für ein böses Mädchen bist.“ Er gluckste leise.
„Hör mal, wenn das jetzt ne Anmache werden soll...“ Sein lautes Lachen unterbrach meinen Satz.
„Eine Anmache? Mel, was glaubst du was ich seit Wochen versuche?“
Ungläubig starrte ich ihn an, was wollte er mir sagen? Das seine Neckerei heute Abend der erste Schritt auf mich zu war?
Das seine Annährungsversuche genauso unbeholfen sein konnten wie meine?
„Daniel, hör auf mich zu verarschen, das ist nicht witzig.“ Ich konnte den Anblick seines Gesichtes jetzt nicht ertragen, also nestelte ich weiter verlegen an der Holzbank herum.
Zu viel war in dieser Nacht schon in mir passiert, Dinge die ich noch nicht begreifen konnte.
„Hmmmm... es hat doch eh keinen Sinn mehr.“ nachdenklich schaute er mich von der Seite an und schien zu überlegen, was er mit mir anfangen soll. „Dann machen wir es anders.“
Ehe ich reagieren konnte, ehe ich einen Laut von mir geben konnte schwang er sein Bein über meinen Schoss und sass auf dem Selbigen, jedoch ohne sein volles Gewicht auf meinen Beinen lasten zu lassen.
Ich muss ihn völlig verdutzt angestiert haben, denn er lachte kurz und leise auf ehe er mein Gesicht in seine Hände nahm, sein Gesicht zu mir herunter beugte und seine Lippen auf meine legte.
Vorsichtig, als wäre ich zerbrechlich, schmiegte er seine vollen Lippen an die meinen.
In diesem Moment passierte es. Mein Inneres schien zu explodieren, mein Kopf schwirrte und ich nahm nichts mehr war ausser IHN.
Ich atmete seinen Duft ein, spürte seine warmen Hände auf meinem Gesicht, seine vorsichtigen Lippen auf meinen, die zaghafte Zunge die nach meiner suchte. Tauchte ein in diesen Kuss, der trotz aller Zurückhaltung die in ihm lag, doch begierig war. Als hätte man ihn nach langer Zeit endlich frei gelassen.
Die Welt versank um mich herum, nichts hatte mehr Bedeutung als dieser Moment.
Mir wackelten die Beine, als Daniel mich hoch zog. Zärtlich nahm er meine Hand und führte mich den Pfad entlang Richtung See.
Stumm gingen wir bis zu einer kleinen Wiese direkt am Wasser, noch immer wortlos liessen wir uns nieder.
Wie leicht Daniel sich über mir hielt, wie zärtlich er mich berührte und wie wenig ich wahrnahm. Lediglich das strahlen seiner Augen und den liebevollen Zug seines Lächelns schienen den Weg zu meinem Sehnerv zu finden.
Die Zeit stand still und verging doch zu schnell, als wir nebeneinander im Gras lagen.
„Mel, ist dir kalt?“ ein kurzer sorgenvoller Blick streifte meinen Körper.
„Nein... nicht kalt.“ Mehr brachte ich nicht heraus, lag doch mein zittern nicht an der Kälte, die ich ohnehin nicht spürte, sondern vielmehr an seinen Berührungen.
Wie seine Hände leicht und warm über meine Seite glitten, unbefangen als gäbe es schon immer nur uns zwei.

Ich versuchte die Sterne zu erkennen, meinen Blick nicht allzu sehr von seinem gefangen halten zu lassen.
Störend empfand ich die Rufe aus dem Hintergrund, die ich nicht einzuordnen vermochte.
„Mel? Sie suchen nach uns. Wir sollten gehen.“
Alles in mir schrie auf. Gehen? Wohin? Allein? Wo ich ihn gerade gefunden hatte, sollte ich ihn wieder gehen lassen?
Ungläubig schaute ich ihn an, ängstlich dieses Gefühl wieder zu verlieren.
„Mel, wir sollten wirklich. Wenn sie uns so finden, bricht die Hölle aus.“
Ich verstand. Ich fand mich wieder in der Realität, in der ich ein 16jähriges Mädchen war und Daniel ein Mann von Mitte 20.
Kein guter Eindruck würde entstehen, wir zwei allein im Gras.
Dennoch widerwillig erhob ich mich, wütend auf die Realität sicher das dies der Anfang von etwas Grossem war.
Und so gingen wir, uns an den Händen haltend, in die Dunkelheit.
„Ich wusste es!“ entfuhr es mir leise.

Das Wasser blubberte schon nicht mehr, als ich endlich wieder aus meinem Tagtraum erwachte.
Wieder schaltete ich ihn ein, kramte eine Tasse aus dem Schrank und hing den Teebeutel hinein.
Ich wollte die Milch aus dem Kühlschrank holen, doch als ich vor diesem stand hatte ich das schon wieder vergessen.
„Jetzt reiss dich mal zusammen.“ Meckerte ich mich an. „Du kannst hier nicht rumlaufen wie ein Zombie und auf wirrer Teenie machen.“

Ein letzter Gedanke zog wie ein schweres Gewitter durch mich hindurch. Wann sehe ich ihn wieder?
Doch dann unterdrückte ich alle Regungen die in diese Richtung ausbrechen wollten und versuchte ein Abendessen für meinen Vater und mich auf die Beine zu stellen.
Heute Abend würde ich mit Valerie etwas trinken, würde ihren Fragen ausweichend antworten und nicht erahnen lassen, was passiert war.
Vielleicht..... mit ganz viel Glück... war ER auch da und ich konnte wenigstens für einen kurzen Moment wieder in seine strahlenden Augen eintauchen.
Meine Unsicherheit, ob er den gestrigen Abend wirklich so empfand wie ich, könnte ich ablegen, sobald ich nur in seine Augen blicken würde.
 
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Kommentare  

War süß, wie die zwei sich ihre Liebe eingestehn. Eines ist mir aber dabei nicht klar. Wieso ist das verboten? Denn der Titel heißt ja verboten oder hat das damit gar nichts zu tun?

Petra (03.11.2009)

Schön, wie du die junge Liebe der beiden beschreibst. Wie sie sich gefunden und einander genähert haben. Leider ist das Kapitel schon zu Ende.

doska (02.11.2009)

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