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4 Seiten

Gegensätze zieh'n sich an?

Aktuelles und Alltägliches · Kurzgeschichten · Winter/Weihnachten/Silvester
...Und Gelegenheit macht Liebe!...
Herr Winter und Frau Frühling hatten diesen althergebrachten Spruch, über den es sich gründlichst streiten ließe, sich zu Herzen genommen. Der ruhige, zurückhaltende Herr Winter schien seinem Namen alle Ehre zu machen. Denn nicht nur rein äußerlich machte er einen sehr müden Eindruck.
Wen wunderte es, dass Herr Winter auf die Hilfe des World Wide Web bauen musste, um bei der Suche nach dem passenden Gegen(schätz)sätzchen, fündig zu werden. Und siehe da – jene stolze, schicke Frau, die es stets verstanden hatte, mit ihrem überschäumendem Temperament, die Blicke aller stolzen Männer auf sich zu ziehen, biss gleich nach dem ersten Chat an. Den Umgang mit diesen eingebildeten, affektierten Machos, das alles wollte sich die vom Schicksal gepeinigte Frau nicht noch länger antun, was auch ein gewichtiger Grund war, weshalb sie sich auf dieses ein wenig riskante Experiment einlassen wollte. Dass dieses einer gehörigen Portion Geduld bedurfte, war ihr von vornherein klar gewesen.

Denn es galt nicht nur, einen müden Traumwandler aus seiner stillen Reserve zu locken und Worte seinem Schweigemund zu entlocken.Vieles, was in den vergangenen Jahren, in denen er fast nur Trübsal geblasen hatte, aus dem Ruder gelaufen war, galt es wieder ins rechte Lot zu rücken. Wäre da dieses gute Stück pulsierenden Frühlings etwa nicht wie geschaffen für diesen schüchternen Herrn Winter. Diese ihm frischen, lauen Wind einhauchende Vorzeigefrau, würde, mit all den ihr zur Verfügung stehenden Trümpfen in den Händen, schon dafür sorgen, um den kalten Winden des Winters, die immer noch unverdrossen durch sein Gemüt bliesen, ein für allemal den Garaus zu machen.
Und diese smarte Frau Frühling, die, obwohl ihrer erst fünfundzwanzig Lenze, bereits unzähligen Stürmen des Lebens Paroli bieten musste, sollte es endlich richten. Erfahrungsgemäß eine Herkulesaufgabe. Sollte sie sich dieser stellen?
Die Antwort des Frühlings in Gestalt dieser bildschönen Strahlefrau, die gut und gern auch in einem mohammedanischen Paradies hätte Zuflucht finden können, ließ nicht lange auf sich warten.

„Ach mein süßes Winterchen! Wie wäre es denn, wenn wir es uns heute so mal so richtig gemütlich machen?“ machte Conny ihm ein verheißungsvolles Angebot.
Doch Eisi – so hieß Herr Winter, dieses oft missmutig gestimmte Gesellchen, schien nicht so recht begeistert von dieser Idee der „Gemütlichkeit” zu sein. Er ahnte schon, was da wohl dahinterstecken könnte. Die tief gekerbten Sorgenfalten auf seiner Stirn machten dies unmissverständlich deutlich.

„Wir kennen uns doch noch nicht mal vierzehn Tage!”, wisperte Eisi, der einen verdammt unruhigen Eindruck machte, mit fragendem Blick. Und das Zittern, das sich durch sämtliche Knochen, Adern und Zellen seines Leibes zog, wurde noch stärker, als diese zarten, weichen Frauenhände begannen, den obersten Knopf seines schicken, schneeweißen Baumwollhemdes durch diesen schmalen Schlitz zu ziehen, der sich allerdings besonders hartnäckig dagegen sträubte.
„Du kennst wohl noch nicht den Spruch von den Gegensätzen, die sich anziehen?” fragte sie mit einem siegessicheren Lächeln, das ihr zuckersüßes Schleckermäulchen sehnsuchtsvoll umspielte.
Unverdrossen machte sie sich an den weiteren Knöpfen seines Hemdes zu schaffen und genoss den visuellen Schmaus, den die ans Tageslicht getretene zarte Bräune seiner nackten Haut bietete, die den athletischen Körper dieses jungen Mannes noch einen Tick schöner machte, ausgiebig .
Eisi kam es so vor, als würde sein Herz gleich ein ganzes Repertoire an Purzelbäumen auf einmal schlagen.
Doch dann fasste sich Eisi ein Herz und begann ebenfalls an den Knöpfen ihrer schicken orangegelben Bluse Hand anzulegen. Einer Antwort auf die Frage seines Frühchens – Pardon, Frühlingchens, müsste es normalerweise heißen, blieb er ihr allerdings noch immer schuldig.
Als ihre unsäglich erhitzten Hände sich schon bis zum Bund seiner schmucken Cordhose vorgearbeitet hatten, um dessen Knopf und den darunter liegenden, doofen Reißverschluss zu verarzten, kamen ihm doch noch ein paar belanglos scheinende Wörtchen in den Sinn.
„Ach mein liebes Schätzchen! Rede doch nicht so dummes Zeug! Gegensätze, die zieh'n sich doch nicht an, sondern lediglich nur aus!“, platzte es urplötzlich aus dem Mund dieses ansonsten so stummen Herrn Winter, der sein wildes Frühlingchen mit einem breiten Lächeln sichtlich überraschte, als wolle er zu ihr sagen:
„Mein Liebling! Du siehst, ich habe den Winter auf- und davon gejagt! Der Frühling hat jetzt auch in meinem Herzen Einzug gehalten!”
Connys Bauchgefühl sagte natürlich, dass ihre Rede von dem dummen Zeug nicht so bierernst gemeint sein konnte.

Ein weiterer ansehnlicher Bote dieses neuen Frühlings lauerte bereits in Gestalt einer hammerharten Beule unter seinem grauen Unterhöschen, das sich bereits derart gewölbt hatte, dass Conny nicht zu Unrecht die Befürchtung hegte, dass der Gummi - so wie bei einem dünnen Häutchen eines Liebestöters schon des Öfteren geschehen - plötzlich seinen Geist aufgeben könnte.
Doch so weit sollte es letztlich doch nicht kommen.
Frühlingchens Hände ließen von ihm ab, obwohl das heiße Kribbeln, das nahezu alle Fasern ihres Körpers erobert hatte, immer unerträglicher wurde.
Stattdessen entschlüpften zärtliche Worte ihrem sinnlich geschwungenen Mund, der sehnsuchtsvoll auf heiße Küsse wartete.

„Gänzlich Unrecht habe ich wiederum auch nicht. Gegensätze zieh'n sich schon an, aber das, was ich meine, das hat doch noch sooo, sooo viel Zeit. Wir zwei sind ja noch nicht mal mit dem Ausziehen so richtig fertig geworden! Erst nachdem unsere Energieflüsse versiegt sind, können wir über das Anziehen mal ein paar ernsthafte Worte wechseln!“
Energisch, aber mit einem herzzerreißenden Lächeln, wirkte Conny ganz im Stile einer geschickten Pädagogin auf Eisi ein.
„Damals, in der Schule, hatte uns der Physiklehrer eingetrichtert, dass Energie die Fähigkeit eines Körpers aufzeigt, Arbeit zu verrichten. Also dann mein Liebling – nischt wie ran, an die Arbeit! Wie heißt es doch so schön: Faulheit macht das Leben süß und Arbeit stärkt die Glieder oder besser gesagt das Glied! Du hast ja nun mal nur dieses eine – leider! Und wenn ich es nicht pflege?”...
Eisi überließ Conny die passende Antwort. Ihre Schlagfertigkeit musste sie ihm erst noch antrainieren.
„Dann erschlafft es leider und ermüdet wie ein nasser Sack, stellte sie nach einem kurzen Augenblick des Zögerns klar, und zauberte das dazu passende herzhaft-scheckige Lächeln auf ihre glänzenden Lippen.

„Hast Recht, mein Schatzi”, applaudierte der Winter, der eben erst sein Feld geräumt hatte, um dem echten Frühling mit all seinen Düften und Lüften Einlass zu gewähren, vergnüglich. Eisi, der faktisch kein Eisi mehr war, holte sogar noch ein Stück weiter aus:
„Erst während wir uns wieder anziehen und natürlich auch noch danach, genießen und pflegen wir unsere Gegensätze in vollen Zügen, um diese beim nächsten Ausziehen neuerlich über Bord zu werfen!”
„Ist doch gar nicht schlecht, was da in deinem klugen Kopf vor sich geht. Doch mir ist soeben noch eine viel genialere Idee in den Kopf gestiegen!”
„Ich höre!”
„Das beste mein Liebling,...das wäre doch, wenn wir uns nur noch auf das Ausziehen beschränken würden“, warf Conny in ihrer typisch-unnachahmlichen Art ein. Natürlich durfte dieses verstohlene Lächeln, das in den verflossenen Jahren zu einem ihrer vielen Markenzeichen herangereift war, auch diesmal nicht fehlen.
„Dann stünde uns nicht mal mehr genügend Zeit zur Verfügung, die wir dringendst bräuchten, um unsere Gegensätze zu pflegen”, gab Eisi, der sich zu Recht Sorgen machte, zu bedenken.
„ Ach mein Sonnenschein! Das will ich doch damit nur bezwecken! So blieben wir beide wenigstens nicht auf den Kosten einer möglichen Trennung sitzen, da so eine Pflege unserer Gegensätze nicht mehr möglich wäre“, meldete Conny Zweifel an. Eisi ließ sich das nicht zwei Mal sagen. Naturgemäß legte er gefühlvoll Hand an, um den knappen Mini, unter dem ihr von der Hitze dieser tropischen Grotte so schrecklich leidende Slip förmlich klebte, dem Teppich des Schlafgemachs zu überlassen.

Keine Gegensätze mehr! Welch ein Wunder! Möge dies für immer und ewig so bleiben!
Wenn es doch nur so einfach wäre!
 
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Kommentare  

Hallo Petra,
auch dir vielen Dank für die lieben Worte!
Österliche Grüße sendet dir Michael


Michael Brushwood (08.04.2012)

Hihi, herrlich, ja, Gegensätze können manchmal äußerst anziehend sein. Wird wirklich Zeit dass die Kälte von der Natur weicht, damit sich diese ungehemmt entfalten kann.

Petra (05.04.2012)

Hallo Else, Doska und Ingrid,
vielen Dank für die süßen Kommis,
Else: Auch ich hoffe natürlich, Petrus möge endlich ein Einsehen haben, und die winterliche Kälte von uns treiben.
Doska: Ich gebe dir recht. Topf und Deckel sind zwar zwei grundverschiedene Dinge, aber die beiden bemühen sich redlich, um diese Gegensätze in ihrer Wirkung abzuschwächen. Dieses geschieht freilich mit einem besonders wirksamen Mittel.
Ingrid: Einen eisigen Typen - von denen es leider auch eine ganze Menge gibt - meine ich diesmal natürlich nicht, zumal aus dem Anfangsteil hervorgeht, dass es sich lediglich um einen sehr schweigsamen, schüchternen Typen handelt. Die Frau hatte sich nur die extrem anspruchsvoll scheinende Aufgabe, ihm das Eis aus seinen Knochen zu ziehen, auf ihre Fahnen geschrieben. Und der überwältigende Erfolg, der ja nicht lange auf sich warten ließ, hatte ihr bewiesen, dass sie richtig handelte.
Wie heißt es doch so schön?
Stille Wasser sind tief!
LG. Michael


Michael Brushwood (04.04.2012)

Bezaubernd, die beiden. Ja, klar, die winterliche Kälte musste einfach fortgetrieben werden. Das kann man auch für das derzeitige Wetter nur hoffen.

Else08 (02.04.2012)

Charmant und süß geschrieben. Na, ich glaube die beiden passen zusammen wie ...und jetzt kommt ein uraltes Sprichwort... der Topf und der Deckel. Die ja auch zwei völlig unterschiedliche Dinge sind und sich hervorragend ergänzen. Schön, dass der Frühling das Eis vertrieben hat und du so humorvoll schreiben kannst.

doska (30.03.2012)

eine schöne metapher, die man so oder so anwenden kann, denn es gibt auch eisige menschliche typen... ;-)

Ingrid Alias I (30.03.2012)

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