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Unterschicht

Poetisches · Amüsantes/Satirisches
Unlängst erklärte man ganz oben:
Für alle reicht der Wohlstand nicht.
Sind erst mal Fremde abgeschoben,
bleibt noch ein Rest: die Unterschicht.

Koalition! Nun gib dir Mühe,
bekämpfe den sozialen Gnatz!
Fett schwimmt (wie du) auf jeder Brühe.
Doch was wird aus dem Bodensatz?

Wer oben schwimmt, der lässt es laufen,
steht auch das Wasser bis zum Hals.
Wer unten ist, der muss ersaufen.
Löst das die Krise – schlimmstenfalls?

Das Deutsche Haus ist am Vibrieren,
sein Fundament ist schlecht gesetzt.
Schnell aber kann sein Haus verlieren,
wer Unterschichten unterschätzt.

www.wolfgang-reuter.com, 25. 10. 2006
 
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Kommentare  

Tja, lieber Herr Reuter, je mehr ich heute früh lese,
desto begeisteter bin ich. Das sollte mir kleinem
WS-Licht als Anstoss dienlich sein, vielleicht doch
auch mal etwas politischer zu schreiben. Herzlichen
Dank für diese Inspiration.
Stephan F Punkt


Stephan F Punkt (07.09.2014)

Hallo Michael + Michael,

der Begriff "Unterschicht" wurde - für mich überraschend - 2006 plötzlich von den Regierenden und den Medien ins Gespräch gebracht. Zu DDR-Zeiten hatte ich mit Klassen und Schichten wie "Arbeiterklasse" und "Schicht der werktätigen Intelligenz" zu denken gelernt - aber "Unterschicht"? - Auch das damals auftauchende Wort "Prekariat" war für mich als Begriff neu.

Und so wollte ich mit meinem Text dem etwas überheblich klingenden Wort "Unterschicht" (wer es ausspricht, meint wohl, er stünde "höher"?) zu mehr Bedeutungsschwere verhelfen, entschuldigt sich ...


Wolfgang Reuter (14.04.2013)

Hallo Wolfgang,
auch ich sehe diese gegenwärtige Situation, die du mit sehr treffenden Worten hast aufleben gelassen, mit größter Sorge!
Ganz toll geschrieben!


Michael Brushwood (13.04.2013)

Treffend! Allerdings hätte ich im letzten Satz statt "Unterschichten" den Begriff "Unterbauten" eingesetzt. Denn letztlich sind es die arbeitenden "Unterschichten", die Substanz und "Unterbau" eines Hauses schaffen und gewährleisten. Es ist dieser "Unterbau", der - besonders von Schwarz-Gelb - mit der ständigen Umverteilung von unten nach oben unverantwortlich ausgehöhlt und zerbröselt wird, meint

Michael Kuss (13.04.2013)

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