129


1 Seiten

Die Hexe

Poetisches · Amüsantes/Satirisches
© doska
Vorsichtig schlich die Hexe näher. Sie durfte auf keinen Fall ein Geräusch verursachen, damit die kleine Prinzessin sie nicht bemerkte, denn sonst würde sie davonlaufen. Draußen war es kalt – sehr kalt! Die Prinzessin – von der die Hexe schon seit langem wusste, dass sie Erika hieß - schien ganz mit sich selbst beschäftigt zu sein und darum war die Gelegenheit günstig.
Prinzessin Erika hatte sich heute wieder ihr schönstes, ihr Traumkleid angezogen und summte gerade ein Liedchen, während ihre bloßen Füße in die Seidenschühchen mit den rosa Schleifen schlüpften. Der schönen, warmen Strumpfhose, die neben den Schuhen lag, gab die Kleine mit verächtlicher Miene einen Tritt.
Die alte Hexe ginste fies und zwei lange, hässliche Zähne wurden dabei sichtbar. Noch ein paar Schritte und dann würde Irmgard sich die Prinzessin geschnappt haben. Erika summte nun zufrieden die zweite Strophe ihres Liedes und befestigte dabei die kleine, goldene Krone in ihrem Blondhaar.
´Hehe`, dachte derweil die Alte, ´die Prinzessin bemerkt mich noch immer nicht. Die Sterne stehen wohl heute besonders günstig für Hexen.` Jeder ihrer Muskeln war angespannt, während sie die nächsten Schritte wagte. Und dann mit einem Male schnürte sich die Hexe das Kopftuch entschlossen fester und flitzte von hinten direkt auf die Prinzessin zu. „Hallo, süße, kleine Prinzessin.“, kreischte sie richtig hinterhältig, „es gibt kein Entweichen! Hier kommt nämlich die bitterböse Hexe Huschel angehuscht , jahahaaaah!"
Erikas Lied brach ab, die Kleine schaute sich entsetzt um. Mit großen Augen sah sie, wie die garstige Alte auf sie zujagte. Das Mädchen ahnte das Übelste, aber er gab keine Möglichkeit mehr zu entrinnen.
"Bitte packe mich nicht!“, flehte die Prinzessin verzweifelt. „Du hast doch so lange Krallenhände und nachher zerreißt du mir noch mein schönes Kleidchen!"
"Nichts da", krächzte die Hexe erbarmungslos und packte die Prinzessin derb beim seidenen Ärmel.
Es machte laut ´Ritsch´ und der Ärmel war ab.
"Wie voriges Jahr!", keuchte die Prinzessin erschüttert. "Musst du denn jedes Mal so wild sein, wenn du dich verkleidet hast, Oma?"
"Ich nähe das ja wieder an!", erklärte die Oma kleinlaut. „Aber wie soll man es dir sonst beibringen, dass man bei solch einem Wetter nicht mit nackten Füßen zum Karneval geht. Ziehe dir endlich die Strumpfhose an!“
Erika seufzte und tat wie ihr geheißen. Tja, solche schlimmen Dinge tragen sich manchmal zum Karneval zu. Schaut euch nur um.
 
Wenn du registriert und angemeldet bist und selbst eine Story veröffentlicht hast, kannst du die Stories bewerten, oder Kommentieren. Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diese Story kommentieren.
Weitere Aktionen
Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diesen Autoren abonnieren (zu deinen Favouriten hinzufügen) und / oder per Email weiterempfehlen.
Ausdrucken
Kommentare  

Es ist so schwer, in einer Kurzgeschichte eine unerwartete Wendung hinzubekommen, die als Pointe tatsächlich funktioniert und nicht zu Enttäuschung führt. Dir ist das hier ja mehr oder weniger in zwei Schritten gelungen. Erst bin ich relativ überrascht über die coole Reaktion der Prinzessin, dann lache ich über die Auflösung.
Durch das Bild dazu ist es eine wunderschöne Vorlesegeschichte geworden, finde ich. Werde das bestimmt mal ausprobieren.


Christian Dolle (21.11.2016)

Auch eine Oma kann ihre Erfahrungen in Bezug
auf die Hexerei beim Karneval sehr erfolgreich
anwenden. und mit den nackten Füßen ist ja
ohnehin nur halb so schlimm. Denn in den
späteren Jahren der Pubertät darf sich die
Prinzessin auf ganz andere nackte Sachen
einstellen, wobei die Oma mit derartigen Tricks
dann nicht mehr für Aufsehen sorgen kann!
Eine tolle kleine Geschichte, wobei die herrliche
Illustration die Lippen noch so richtig zum
Schmunzeln verführt!
LG. Michael


Michael Brushwood (14.11.2016)

Hallo Doska,

vielen Dank, dass Du Deinen Trick verraten hast. Jetzt überlege ich angestrengt, wie ich als Opa meine Enkelin überzeugen könnte und wie ich das mit den wunderschönen zwei Zähnen hinkriege ...
Der Name "Erika" gefällt mir natürlich besonders gut, wie Du an meinem Waschbär-Mädchen sehen kannst. Liebe Grüße von


Wolfgang Reuter (14.11.2016)

Login
Username: 
Passwort:   
 
Permanent 
Registrieren · Passwort anfordern
Mehr vom Autor
Eine kleine Zusatzgeschichte zu : Macht und Wahrheit  
Fletsch Fuchs und das Coronavirus   
Ach....Aaaach!  
Weihnachten ist vorbei ! (Eine Fletsch Fuchs Geschichte)   
Nicht so richtig  
Empfehlungen
Andere Leser dieser Story haben auch folgende gelesen:
---
Das Kleingedruckte | Kontakt © 2000-2006 www.webstories.eu
www.gratis-besucherzaehler.de

Counter Web De