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11 Seiten

Mortal Sin 2006- Killer Instinct

Romane/Serien · Spannendes
© JoHo24
Ich lehne Gewalt ab, denn wenn sie gut zu sein scheint, ist das Gute nur vorübergehend. Das Böse, das sie hervorbringt, ist von Dauer.
- Ghandi


Der schwarze Lexus bewegte sich geschmeidig und elegant wie ein Panther den Weg die Auf-fahrt zur imposanten Luxusvilla hinauf.
Ophelia Monroe hatte ihn heute Morgen kontaktiert und gebeten vorbeizukommen, da sie ihm etwas Wichtiges zu sagen hatte, dass nicht warten konnte und sie persönlich mit ihm klären wollte. Sie hatte sich mit Informationen sehr zurückgehalten, er wusste bloß, dass es um das Treffen mit dem neuen Auftraggeber in der vergangenen Nacht ging.
Seit dem Telefonat mit ihr zermarterte William Cunningham sich das Hirn. Was war geschehen, dass Ophelia ihn zu sich bat? Warum kam sie nicht in sein Büro, wie sie es sonst tat? Diese und hundert andere Fragen geisterten auch noch in seinem Kopf herum, als er vor dem Haupteingang Halt gemacht und ausgestiegen war.
Die Villa wurde vom morgendlichen feuchten Nebel eingeschlossen, der den baldigen Einzug des Herbstes ankündigte. William fröstelte und bekam eine Gänsehaut. Daraufhin zog er sei-nen dunkelblauen Mantel enger um seinen Körper, ehe er zur Tür schritt und klingelte.
Es dauerte nicht lange bis ihm, zu seiner großen Verwunderung, von Brolin Delaney die Tür geöffnet wurde. Etwas perplex stand er vor dem Schwarzhaarigen, der ganz offensichtlich einen Kampf hinter sich hatte. Denn er trug rechts ein ordentliches Veilchen zur Schau und hatte dazu eine aufgeplatzte Unterlippe und mehrere Hämatome.
„Was machen Sie denn hier, Delaney? Und wie sehen Sie überhaupt aus?“, war seine unhöfliche Begrüßung an seinen Mitarbeiter, der, wie üblich, still blieb, bis William ihn einen düsteren Blick zuwarf, der ihn, mehr oder weniger, zum Reden brachte.
„Es gab Pro…Probleme“, stotterte Brolin, was ihm überaus peinlich war, obwohl er als sein Boss über seine Redeflussstörung Bescheid wusste.
„Was für Probleme?“
Erneutes Schweigen und eine unsichere Miene waren seine Reaktionen, die ihn rasend machen.
„Verdammt, reden Sie mit mir, Delaney!“ Doch das tat er nicht, stattdessen ging er einfach an ihm vorbei und verließ den Eingangsbereich, sodass er gezwungen war ihm zu folgen. Willi-am Cunningham kochte bei diesem respektlosen Verhalten vor Wut. Unglaublich, wie Brolin ihn einfach stehen ließ. Was war heute bloß los mit ihm? Sonst hörte er stets auf ihn und folgte seinen Befehlen. Er war in keinster Weise aufsässig, wie die übrigen Killer…
Mit einer enormen Wut im Bauch und den Kopf voller Gedanken betrat er nach Brolin Dela-ney den Wohnraum der Villa, wo er auf Ophelia Monroe traf.
Mit überschlagenen Beinen saß die brünette Schönheit auf einer Designerledercouch und rauchte eine ihrer verfluchten Zigaretten, deren Geruch er verabscheute. Er näherte sich ihr und hielt dabei starr die graublauen Augen auf sie gerichtet.
Auf den ersten Blick sah sie wie immer umwerfend und mondän aus. Der tief ausgeschnittene und ärmellose Metallic Jumpsuit in Bronze, den sie trug, stand ihr fabelhaft und ließ ihre blasse, glatte Haut wunderschön schimmern. Doch in ihrem Gesicht erkannte er, trotz ihres Make ups, ebenfalls Hämatome, wie bei Brolin. Bei ihr waren sie allerdings um die Nase herum verteilt und einen hatte sie auf der Stirn, genau unterhalb ihres Haaransatzes.
Als er sie erreichte, umfasste er wortlos und ohne Hemmung mit der rechten Hand ihr Kinn und hob es an, sodass er ihre Verletzungen inspizieren konnte.
„Was ist passiert?“, wollte er umgehend von Ophelia wissen, in der Hoffnung, dass er von ihr endlich die gewünschten Informationen erhalten würde. Anstatt ihm jedoch zu antworten, befeuchtete sie sinnlich ihre vollen Lippen, was eine ihrer bekannten Provokationen ihm gegenüber war. William behielt die professionelle Distanz zu der Killerin und ignorierte ihre Verführungsversuche, die schon beinahe an der Tagesordnung waren.
„Warum sind Sie und Delaney verletzt?“ Sein Ton wurde drängend und roh, dementsprechend zickig war Ophelias Antwort.
„Regen Sie sich ab, William“, schnauzte sie ihn ungehalten an, ehe sie ihren Kopf zurückzog. „Ich werde Ihnen schon alles erklären.“ Sie war aufgrund seiner Umgangsform und Ablehnung gegen ihre Avancen extrem angepisst. Übellaunig zog sie an ihrem Glimmstängel und wartete darauf, dass er sich von ihr entfernte. William stieß ihre störrische und unverschämte Art übel auf, doch er war gekommen, um herauszufinden, was in der vergangenen Nacht geschehen war. Aus diesem Grund ließ er sich auf das gegenüberliegende Pendant zur Couch nieder und wartete darauf, dass sie begann.
„Der Auftrag ist anders verlaufen, als erwartet“, äußerte die junge Killerin mit grenzenloser Wut, aber auch mit einer Prise Scham, die er zuerst für eine Täuschung hielt. Doch dann sah er sie auch in ihren großen blaugrünen Augen. Für ihn eröffnete sich in diesem Moment eine neue Facette seiner Mitarbeiterin, die auf die taffe, arrogante und gnadenlose Ophelia Monroe ein anderes Licht warf.
„Was bedeutet das im Detail?“ Eisern verschränkte er die Arme vor der Brust, indes stellte sich Brolin Delaney wortwörtlich hinter seine Kollegin, als wolle er ihr beistehen und den Rücken stärken. Was für ein merkwürdiges Bild die beiden boten!
William bemerkte eine Veränderung, die zwischen Ophelia und Brolin vorgegangen war. Er spürte, dass etwas passiert war, das die beiden von nun an miteinander verband und Verständ-nis für den jeweils anderen ausgelöst hatte. Es war erstaunlich zu sehen, wie dieses unsichtbare Band zwischen ihnen einen starken positiven Einfluss hatte.
„Franklin Palmer, wenn das überhaupt sein richtiger Name war, war nicht der, für den er sich ausgegeben hat. Er war nicht daran interessiert mich für einen Auftragsmord anzuheuern. Dies war nur ein Vorwand, um mich zu treffen“, äußerte sie verärgert. „Von Anfang an hatte er es auf mich abgesehen. Ich war sein Ziel, weil sein Boss eine Rechnung mit mir offen hat.“ Dämonisch starrte sie William an, als gebe sie ihm die Schuld an der Täuschung, die ihr ge-genüber vorgenommen worden war. Er öffnet den Mund, um etwas zu sagen, doch sie war schneller und führte ihre Erzählung weiter fort.
„Als ich dann während meines Gespräches mit ihm kurz zur Toilette gegangen bin, ist dieser Dreckskerl mir gefolgt und hat mich angegriffen. Er sagte, er sei gekommen, um mich im Auftrag von Mr. McIntyre zu töten.“ Als er diesen Namen hörte, brach in ihm die Hölle los. Sein Puls erhöhte sich rapide und seine Eingeweide verkrampften sich vor zügelloser Wut und grenzenlosem Hass. Williams Hände ballten sich zu Fäusten, mit denen er Walker McIntyre in diesem Augenblick am liebsten die Fresse poliert hätte. Sein Körper fing heftig an zu beben, aber er musste sich unter Kontrolle halten. Er konnte es sich nicht erlauben den Kopf zu verlieren. Immerhin…
„Es war ein Racheakt. Ich sollte dafür büßen, dass ich McIntyres Männer im Parasite umgebracht habe“, brachte Ophelias, von Bitterkeit durchzogene, Stimme ihn gedanklich zurück zu ihrem Gespräch. Als er sich wieder auf die Killerin vor sich konzentrierte, fielen ihm ihre kränklich anmutende Blässe und eingefallenen Wangen auf.
„Geht es Ihnen gut, Ophelia?“ Zunächst schien es, als sei sie nicht im Stande ihm zu antworten. Ihre Atmung war auffällig laut und flach geworden, was ihm Sorgen bereitete. William Cunningham fragte sich erst jetzt, zu seiner eigenen Schande, welche Verletzungen sie durch den Angriff in der vergangenen Nacht davongetragen hatte.
„Ja, es ist alles in bester Ordnung“, zischte sie. Sie schien beleidigt zu sein, weil er sich nach ihrer Gesundheit erkundigte. Seine Aufmerksamkeit galt allerdings nicht mehr ihr, sondern ihrem Kollegen Brolin, dessen plötzlich veränderter Gesichtsausdruck mehr sagte, als tausend Worte. Bis eben hatte es noch keinerlei Regungen bei ihm gegeben, doch nun schaute er die Brünette irritiert an und machte allgemein einen verunsicherten Eindruck. Nervös trat er von einem Bein aufs andere und fuhr sich immer wieder durch das schwarze Haar. Auf ihn wirkte es, als wolle er etwas zu dem Thema beitragen, traue sich aber nicht. Daher beschloss er seinem Verdacht nachzugehen und nachzuforschen.
„Sind Sie derselben Meinung, Delaney?“ Es überraschte ihn sichtlich, dass sein Boss ihn an-sprach. Leicht zuckte er zusammen und ließ seine braunen Augen von Ophelia zu ihm wandern.
„Was soll das denn jetzt?“, regte sie sich empört über seine Befragung von Brolin auf. „Glau-ben Sie mir etwa nicht, William?“ Er beschloss nicht auf ihren Einwand einzugehen, stattdessen würde er den Druck auf seinen Mitarbeiter erhöhen.
„Ich verlange von Ihnen, dass Sie mir antworten und zwar sofort!“, sprach er sogleich ein Machtwort. Brolin Delaney war hin und her gerissen zwischen dem Befehl seines Bosses und dem Ehrgefühl gegenüber seiner Kollegin. Minutenlang verharrte er in seinem Schweigen, bis er sich dafür entschied das einzig Richtige zu tun: seinem Boss loyal zu sein.
„Sie ist ver…verletzt.“ Der Killer klang schuldig, als habe er Ophelia hintergangen, dennoch sprach er weiter.
„Gehirn…er…erschütterung und ge…gebrochene Rippen“, hielt er sich kurz, wie gewöhnlich, was ihm allerdings ausreichte.
„Ich rufe Peter an.“ William zückte sein Handy und war im Begriff den Arzt anzurufen, als Ophelias rechter Arm blitzschnell nach vorne schoss und sie ihm allen Ernstes das Handy wegnahm.
„Was fällt Ihnen ein?!“, brüllte er fassungslos und sprang auf.
„Ich sagte bereits, dass es mir gut geht. Ich werde das wohl besser beurteilen können, als Sie oder Delaney.“ Sie warf ihrem Kollegen im Anschluss einen giftigen Blick zu, der ihn hart schlucken ließ und ihm ein schlechtes Gewissen machte.
„Meine Verletzungen sind bloß Lappalien, daher ist es nicht nötig Pete damit zu belästigen“, sagte sie in einem herrischen Ton, der keine Widerrede zuließ. „Ich werde nicht weiter dar-über diskutieren.“ Trotzig und wütend zerdrückte sie ihre Zigarette in einem Aschenbecher, der neben ihr auf der Armlehne der Couch stand, und lehnte sich mit verschränkten Armen zurück in das weiche Leder.
So kannte William Cunningham die junge Killerin, die immer ihren Dickkopf durchsetzen musste. Daher beschloss er, es auf sich beruhen zu lassen. Zumindest vorerst.
„Ich werde Peter nicht anrufen. Ich verspreche es“, versicherte er ihr, damit sie sich beruhigte und ihm sein Handy wieder aushändigte. Dies tat sie dann auch nach einigen Minuten Bedenkzeit und hatte dazu noch ein Anliegen.
„Ich möchte mit Ihnen alleine sprechen, William.“ Ihr plötzlicher Wunsch nach einem Vieraugengespräch weckte Misstrauen in ihm, dennoch stimmte er zu.
„Natürlich.“ Seine graublauen Augen schweiften zu Brolin Delaney, welcher enttäuscht und wie ein getretener Welpe drein schaute. Für ihn war sein Ausschluss Ophelias Bestrafung, weil er ihr, ihrer Ansicht nach, in den Rücken gefallen war. Sie zeigte ihm demonstrativ die kalte Schulter, aber nicht mit der sonstigen Abgebrühtheit und Härte, sondern mit einer gewissen Bedrücktheit. Ophelia Monroe gab ihm immer mehr Rätsel auf, insbesondere die ge-wandelte Beziehung zu ihrem Kollegen machte ihn stutzig. Was ging da bloß vor?
Fragend und neugierig sah er zwischen den beiden hin und her, als würde er allein dadurch das Geheimnis lüften.
Während er bewegungslos vor seinen Mitarbeitern saß und weiter seine Gedanken wälzte, drehte sich Brolin in seiner Niedergeschlagenheit wie mechanisch um und verließ den Raum. Nachdem seine plumpen Schritte verhallt und nicht mehr zu hören waren, richtete er das Wort an sein Gegenüber.
„Warum wollten Sie auf einmal mit mir alleine sprechen? Geht es Ihnen doch nicht gut? Soll ich Peter anrufen?“, steigerte sich William in seine Annahmen hinein, die Ophelia irritierten und rasend machten.
„Ach, was! Machen Sie sich nicht lächerlich“, war ihre unsensible Reaktion. Als mein Vater noch lebte, waren Blessuren, wie Gehirnerschütterungen und gebrochene Rippen, an der Tagesordnung. Das ist nicht Neues für mich, William. Ich brauche also keinen verfluchten Arzt!“ Ihre Ansage war überdeutlich, aber auch so vorlaut und unverschämt, wie üblich.
„Aber lassen wir das Thema“, winkte sie ab und gab ihm gar nicht erst die Möglichkeit noch etwas dazu zu sagen. „Reden wir darüber, warum ich mit Ihnen alleine sein wollte.“
William wurde hellhörig. Ophelia überschlug ihre langen Beine, bevor sie sich die zweite Zigarette anzündete und fortfuhr.
„Ich wollte vor Delaney nicht zugeben, wie sehr mich mein Versagen in der letzten Nacht quält. Das muss er wirklich nicht wissen. Es ist schon schlimm genug, dass er eingeschritten ist, um mein Leben zu retten“, war sie stetig leiser geworden, bis ihre Stimme erbärmlich er-starb. Jetzt offenbarte sich der Grund für die Scham, die er zu Anfang in ihren Augen gesehen hatte und für die gewandelte Beziehung zwischen Ophelia und Brolin, auf die er sich bisher keinen Reim hatte machen können.
Delaney war eingeschritten, als sie angegriffen worden war und hatte sich so seine Wunden zugezogen. Nun musste die Killerin das Gefühl haben ihm etwas schuldig zu sein.
„Verstehen Sie mich nicht falsch, William. Ich bin ihm dankbar für das, was er getan hat“, wisperte sie hingegen seiner Vermutung, was William Cunningham erstaunte und zeitgleich überforderte. Es war tatsächlich nichts Hinterhältiges, Falsches oder Zynisches hinter ihren Worten oder in ihrer Miene zu entdecken. Ophelia Monroe saß, eingehüllt in vollkommener und reiner Aufrichtigkeit, vor ihm und schüttete ihr Herz aus.
„Aber das alles hätte nicht passieren dürfen. Scheiße, ich bin auf diesen Wichser hereingefallen, dabei hatte ich die ganze Zeit über ein merkwürdiges Gefühl bei ihm. Ich hätte auf mei-nen Instinkt hören sollen!“, strafte sie sich selbst mit schweren Vorwürfen. Die Brünette zog kräftig an ihrer Zigarette, die in Rekordzeit immer kürzer wurde. In diesem Moment verspürte er tatsächlich Mitleid mit ihr. Mit einer Frau, die sonst niemals Schwäche zeigte oder sich Fehler eingestand.
„Sagen Sie das nicht, Ophelia. Sie hätten unmöglich wissen können, dass…“
„Versuchen Sie bloß nicht mir gut zuzureden, klar? Das ist das Letzte, was ich jetzt brauche“, fiel sie ihm rau ins Wort. „Ich bin meiner Ahnung nicht nachgegangen. Stattdessen habe ich die Augen verschlossen und ignoriert, dass mit diesem Typ etwas nicht stimmt“, steigerte sie sich in ihren Ärger hinein. William konnte es, trotz seines anhaltenden Mitleids, nicht verhindern, dass ein Teil von ihm es genoss sie so verzweifelt zu sehen.
Schließlich hatte er stets ihren riskanten und übertriebenen Hochmut kritisiert und bemängelt. Nun hatte die Killerin auf die harte Tour die Quittung dafür bekommen. Insgeheim hoffte er, dass dieses Erlebnis sie nicht nur für die nächsten Tage wachrüttelte, sondern auf Dauer als mahnendes Beispiel bei ihr hängen bleiben würde.
„Und? Wie sehr genießen Sie mein Versagen? Wie sehr genießen Sie es mich leiden zu sehen, William?“, durchschaute ihn Ophelia problemlos. William fühlte sich augenblicklich ertappt, doch er tat alles, um dies vor ihr zu verschleiern.
„Ich weiß nicht, was Sie meinen“, war es sein bejammernswerter Versuch zu leugnen, dass sie den Nagel auf den Kopf getroffen hatte.
„Mein Gott, William, Sie sind ein verdammt miserabler Lügner!“, ächzte sie gehässig. „Warum können Sie das Offensichtliche nicht einfach zugeben?“ Provokant lehnte sie sich nach vorne und näherte sich ihm.
„Für Sie ist es ein wahr gewordener Traum, dass ich hier sitze und meine Schwäche und Feh-ler vor Ihnen ausbreite. Vermutlich aalen Sie sich in meinem Leid und gönnen mir die Schläge und Schmerzen, die ich ertragen musste.“ Ihre knallharten Unterstellungen schockten William, auch, wenn er ihr teilweise recht gab.
„Ich gebe zu, dass es für mich eine angenehme Abwechslung ist, zu hören, wie Sie einmal nicht versuchen sich in absolutem Perfektionismus zu präsentieren“, offenbarte er der Killerin und konnte sich dabei ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. „Es ist immerhin kein Geheimnis, dass Ihre überhebliche Art mich regelmäßig zur Weißglut bringt.“ Bei dieser Aussage nickte sie bestätigend, ehe sie ansetzte etwas zu sagen, aber er war noch nicht fertig.
„Aber ich habe Ihnen niemals gewünscht, dass Sie verletzt werden, Ophelia“, setzte er eindrücklich nach. „Keinem meiner Killer wünsche ich Schmerzen. Ich will auch nicht, dass ei-ner von ihnen so schwer verletzt wird, dass er um sein Leben kämpfen muss, doch unser Business ist knallhart.“ Unter Strom stehend, lehnte er sich ebenfalls nach vorne und kam ihr so nahe, dass er ihren warmen Atem auf seiner Haut spüren konnte. Ophelias wunderschönen Lippen lagen verführerisch auf seiner Höhe und er kam tatsächlich in Versuchung sie zu küssen.
Die Atmosphäre war elektrisierend, was William Cunninghams Standhaftigkeit auf die Probe stellte. Insbesondere, als ihr einzigartiger Duft in seine Nase stieg und seinen Verstand vernebelte.
„Ich glaube Ihnen, William, und Sie haben völlig Recht: Das Business ist knallhart“, hauchte sie gegen seine Lippen. „Das habe ich noch vor wenigen Stunden am eigenen Leib zu spüren bekommen.“ Ihre Augen blitzten wild und gefährlich. „Ich weiß, wie es ist, wenn man in den Krieg zweier Geschäftsmänner gerät.
„Das ist kein Krieg, Ophelia. Das ist lediglich ein Gegenangriff, weil ich seine Männer von Ihnen habe töten lassen. Und das war mein gutes Recht, schließlich wollte ich mein Geld zu-rück, das ich ihm in meiner Gutmütigkeit geliehen habe, und dessen Zahlung er mit Absicht aufgeschoben hat. Walker McIntyre ist selbst Schuld, an dem, was geschehen ist. Er hätte meine Gutmütigkeit nicht ausnutzen dürfen.“
William dachte in diesem Moment daran, dass seine brutalen Maßnahmen ihre Wirkung nicht verfehlt und tatsächlich ihren Zweck erfüllt hatten, denn Walker hatte keine 24 Stunden später die gesamte geforderte Summe gezahlt. Wer nicht hören will, muss fühlen und gnadenlos die Konsequenzen für sein Handeln tragen. Während er sich in seinem Erfolg sonnte, betrachtete Ophelia ihn aufmerksam und eindringlich.
„Gutmütigkeit“, wiederholte sie amüsiert und hob den rechten Mundwinkel. „Dass sich dieses Wort überhaupt in Ihrem Wortschatz befindet, hätte ich nicht erwartet.“ Ihre Augen wanderten begierig zu seinen Lippen und sie schien angetan von diesem Anblick.
Verträumt legte sie den Kopf zur Seite und machte sich bereit, dass er die Initiative ergriff und sie endlich küsste. William Cunningham war hin und her gerissen und die atemberaubende Schönheit der Killerin machte ihm die Entscheidung nicht leichter. Vor allem, als sein Verstand von Erinnerungen an ihr erstes Kennenlernen überflutet wurde. Damals hatte es hei-ße Küsse zwischen ihnen gegeben. Sie hätten sogar beinahe miteinander geschlafen, wenn er in letzter Sekunde keinen Rückzieher gemacht hätte.
„Ich bin voller Überraschungen, Miss Monroe“, wisperte er in einem Tonfall, der erregender klang, als beabsichtigt.
„Dann beweisen Sie es, William.“ Pure Lust strahlte ihm entgegen, die ihn herausforderte. Ja, sie wollte ihn und er…
Er konnte sich Ophelias starker Anziehungskraft nicht mehr entziehen. So überwand er kurzerhand die letzten Zentimeter und küsste sie. Ihr Geschmack berauschte ihn, trotz der leichten Nikotinnote. Er wurde gierig und intensivierte den Kuss, denn er wollte mehr und mehr und…
Plötzlich, und zu seiner grenzenlosen Frustration, entzog sie ihm die Freuden ihrer lieblichen Lippen, als sie sich zurücklehnte und es genoss, was sie bei ihm anrichtete. Sie lächelte sadistisch und William wurde klar, dass die Killerin eines ihrer Machtspielchen mit ihm trieb. Und er hatte dabei den Kürzeren gezogen; er war der Verlierer. Er ärgerte sich maßlos über sich und seine Inkonsequenz. Seit er knapp dem Fehler entgangen war, Sex mit ihr zu haben, hatte er sie, bei jedem weiteren Annäherungsversuch, strikt zurückgewiesen. Aber heute war er schwach geworden. William hatte seine Prinzipien über Bord geworfen und völlig vergessen, wem er gegenüber saß: Einer blutjungen, manipulativen Frau, die für ihn arbeitete und keinerlei Skrupel besaß.
Vor Wut schäumend ließ er sich in die Couch fallen und vermied es die Dunkelhaarige anzusehen.
„Schämen Sie sich, William?“ Der Klang ihrer melodischen Stimme veranlasste seine Nackenhaare dazu sich aufzustellen. Mein Gott, warum konnte sie ihn nicht in Frieden lassen? Wieso ließ sie ihn nicht eine Sekunde lang durchatmen? Das Schlimme an der Sache war, dass sie nicht locker lassen würde, bis sie ihm eine Reaktion entlockt hatte.
„Ich weiß, dass Sie über mich triumphieren wollen, Ophelia. Und ich weiß auch, dass Sie es sich in Zukunft nicht nehmen lassen werden, mich auf meine Fehlentscheidung aufmerksam zu machen“, brummte er mürrisch. „Also überspringen wir diesen, für mich, erniedrigenden Teil und kommen auf das vorherige Thema zurück.“
Nachdem er dies losgeworden war, wagte er es wieder zu der Killerin herüberzusehen, deren unzufriedener Gesichtsausdruck ihm verriet, dass er sie ihres Vergnügens, ihren Sieg über ihn auszukosten, beraubt hatte und sie ihm das nicht verzeihen würde.
„Sie haben alles unter Kontrolle, wie es sein sollte“, spottete sie zynisch und zog seinen Stand als ihr Boss in den Dreck. Trotz ansteigendem Zorn, überging er ihren Ausspruch und nahm die Richtung des Gesprächs aktiv in die Hand.
„Ich sage es nicht gerne, aber der Hass Walker McIntyres gegen Sie wird weiter anhalten. Er wird nicht aufhören Sie zu jagen. Besonders jetzt nicht, nachdem noch einer seiner Männer wegen Ihnen gestorben ist.“
„Delaney hat ihn getötet, nicht ich“, korrigierte Ophelia ihn gelangweilt. „Außerdem kann ich nichts dafür, wenn dieser Mann nur miese Versager in seiner Riege beschäftigt.“
„Auch wenn Sie in der vergangen Nacht diesen Kerl nicht getötet haben, haben Sie dennoch mit der Sache zu tun und Walker McIntyre vergisst so etwas nicht. Er wird nicht locker las-sen, bis er Sie zur Strecke gebracht hat. Genauer gesagt wird er nicht locker lassen, bis er mein Geschäft und mich zur Strecke gebracht hat.“
Kaum hatte er diese Erkenntnis laut ausgesprochen, traf sie ihn wie ein Schlag, obwohl sie die ganze Zeit in seinem Bewusstsein präsent gewesen war. Aufregung und Stress vermischten sich in seinem Magen zu einem schweren Klumpen und ließen sein Puls rasen. Vor seinem inneren Auge sah er die ganze Arbeit der letzten Jahre; sein Imperium vor sich zusammenbrechen. Regelrecht panisch sprang er von der Couch und lief hektisch auf und ab, was Ophelia skeptisch beobachtete. William Cunningham begann zu schwitzen und sein Verstand wurde pausenlos überflutet von schrecklichen Szenarien, die er nicht stoppen konnte.
„Ich kann das unmöglich zulassen!“, brüllte er aus heiterem Himmel mit hochrotem Gesicht.
„Wovon zum Teufel reden Sie?“ Die Brünette stierte ihn an, als sei sein Verhalten ihr nicht geheuer. Abrupt blieb er stocksteif stehen, doch sein Kopf schnellte zu ihr.
„Ich kann nicht zulassen, dass er mein Geschäft zerstört; dass er meine Killer tötet und mich stürzt“, erklärte er ihr Speichel spuckend, als habe er die Tollwut.
„Ah ja, und Sie sagten, dass es kein Krieg zwischen Ihnen gäbe“, kam sie nicht umhin ihn auf seine vorangegangene Aussage hinzuweisen, die wohl nichts weiter als eine Lüge gewesen war. Walker McIntyre und er befanden sich im Krieg. Einem blutrünstigen und gnadenlosen Krieg, in dem nur der Stärkere; der Bessere von ihnen überleben und als Sieger hervorgehen würde.
„Offen gestanden, habe ich Ihnen und mir selbst bloß etwas vorgemacht, Ophelia. Wir sind mitten im Krieg und nun ist es an mir diesen Scheißkerl zu Fall zu bringen.“
„Sie wollen das erledigen?“, höhnte sie. „Sie meinen wohl eher, dass wir die Drecksarbeit erledigen werden, nicht wahr? Sie schicken uns in ihren Krieg.“
„Ich…“
Die Killerin hob energisch die rechte Hand, um ihn zum Schweigen zu bringen.
„Verschonen Sie mich mit irgendwelchen fadenscheinigen Ausreden, Ausflüchte oder Erklärungen, William. Sie sind der Boss und wenn der Boss Befehle gibt, dann tun seine Killer ihre Pflicht.“ Er vermochte nicht zu sagen, ob Ernsthaftigkeit oder doch Sarkasmus aus ihr sprach. Indes fuhr sie fort.
„Also, was haben Sie vor? Was gedenken Sie gegen Walker McIntyre zu unternehmen?“ Vol-ler Neugierde beäugte sie ihn, denn sie war erpicht darauf zu erfahren, wie er diesen Krieg zu gewinnen gedachte.
„Ich kann Ihnen diese Fragen nicht beantworten, Ophelia. Noch nicht“, betonte er. „Ich werde in den nächsten Stunden einen Plan entwickeln, der Erfolg versprechend sein wird. Vertrauen Sie mir. Ich habe alles unter Kontrolle.“
„Da bin ich ja beruhigt, William“, flüsterte sie anrüchig und kehrte wieder zurück zu der erotischen Atmosphäre, die er so sehr fürchtete. „Und schließlich weiß ich aus Erfahrung, dass Ihre Pläne immer funktionieren.“
William Cunningham beschloss in diesem Moment, dass es an Zeit war zu gehen. Nicht nur, weil er seinen Schlag gegen Walker planen musste, sondern auch, um Ophelia zu entfliehen.
„Wie Sie hören, habe ich viel zu tun und werde daher gehen. Ich lasse Sie in den Händen von Delaney, auch wenn ich weiß, dass das nicht nötig ist“, schob er hinterher, da er ihre empörte Miene bemerkte.
„Melden Sie sich, wenn noch etwas sein sollte.“ Auffälliger konnte seine Flucht vor ihr nicht sein, aber das war ihm gleichgültig. Er wollte nur noch raus und sich seine kommenden Schritte gegen Walker McIntyre überlegen. Und dafür brauchte er einen freien Kopf und nicht Ophelia, die ihn durcheinanderbrachte. Ehe sie etwas darauf erwidern konnte, verließ er Hals über Kopf das Wohnzimmer. Ihrem lauten und klangvollen Hohngelächter konnte er allerdings nicht entkommen, sodass es ihn den ganzen Tag verfolgte.
 
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