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Die Kinder von Brühl 18/Teil2/Essensmarken und Stoppelfelder/Episode11/Der Hungerwinter und der seltsame Gast

Romane/Serien · Erinnerungen
© rosmarin
Leseprobe

Wir schreiben das Jahr 1947

Episode 11

Der Hungerwinter und der seltsame Gast

Nach dem heißen Sommer folgte ein bitterkalter Winter. Dieser war noch eisiger, als der vom vorherigen Jahr. Er sollte später als kältester Winter des Jahrhunderts in die Geschichte eingehen.

Zwischen November 1946 und März 1947 sanken die Temperaturen über minus 20 Grad. Die Elbe war völlig vereist. Auch der Rhein war 60 Kilometer zugefroren. Ganz abgesehen von den vielen kleinen und großen Flüssen und Seen im Land.
Die Binnenschifffahrt war nicht mehr möglich. Die Versorgung mit Rohstoffen und Nahrung konnte nicht mehr garantiert werden.
Von Elend, Krankheit und Tod gezeichnet, sprachen die Menschen vom „Weißen Tod und Schwarzem Hunger“.
Mehr als hunderttausende Tote soll dieser schreckliche Winter Deutschland gekostet haben. Millionen Flüchtlinge suchten in Deutschland Nahrung und Wohnung.
Auch die Heimkehrerzüge nahmen noch immer kein Ende. Die Transportzüge blieben immer öfter auf offener Strecke stehen. Die Schienen waren vereist. Es gab kaum noch Kohlen. Unzählige Väter, Söhne und Brüder starben auf der Reise in die Heimat. An Auszehrung. Erschöpfung. Hunger. Durst. Ihre Leichen konnten nicht begraben werden. Die eisige Schneedecke lag wie ein unüberschaubar großer Spiegel über dem ganzen Land. Die Leichen blieben neben den Schienen liegen. Sie wurden nie identifiziert. Die Menschen galten als vermisst.




***




„Vergelt‘s Gott“, sagte Ruth dankbar. „Hoffentlich dauert der Winter nicht mehr so lange.“
Das war natürlich ein frommer Wunsch. Der Winter wurde noch eisiger. Und er dauerte bis weit in den April hinein.

***

Fortsetzung folgt
 
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Kommentare  

Herzlichen Dank für Deinen Kommentar lieber
Axel. Ja, es liegt mir sehr viel daran, dass die
Menschen, die den Grundstein für Frieden und
Wohlstand für die nächsten Generationen gelegt
haben, niemals vergessen werden dürfen.
Gruß von


rosmarin (27.01.2022)

Und wieder ein wunderbares Kapitel von dir. Du beschreibst zum Beispiel so packend diese Kälte, dass man regelrecht ein Frösteln dabei bekommt. Wunderbar, und, ja, man kann sich auch sehr genau diese entsetzliche Armut dabei vorstellen. Da kann man froh sein, dass wir diese Zeiten nicht mehr haben. War eine Freude das zu lesen.

axel (25.01.2022)

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