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Jetzt ham wa den Salat!

Poetisches · Amüsantes/Satirisches
Wir Ossis träumten immer schon
vom Schönsten, Größten, Besten,
von Reisen, Westgeld, hohem Lohn
und Schweinkram wie im Westen.

Drum rissen wir die Mauer weg,
damit der Wohlstand naht.
Da riss die Arbeit aus, oh Schreck! –
Jetzt ham wa den Salat!


Wir sahn den Osten untergehn
dereinst im kalten Krieg.
Als Sühne nahmen sie uns den
Palast der Republik.

Wir sind das Volk? – Mann, bist Du still?!
Was soll denn dies Zitat?
Wir baun jetzt, was der Kaiser will. –
Jetzt ham wa den Salat!


'ne Krise kriselt durch die Welt,
wird Deutschland nicht verschonen.
Und die Regierung pumpt sich Geld,
schon über zwei Billionen.

Und dabei sehnten wir so sehr
uns nach dem reichen Staat
statt der bankrotten DDR. –
Jetzt ham wa den Salat!

http://www.wolfgang-reuter.com, 01. 03. 2009
 
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Kommentare  

Hallo Wolfgang,

habe dein Gedicht jetzt erst gelesen.
Sehr passend finde ich den Titel "Jetzt ham wir den Salat."
Natürlich hat es auch Unrecht und Menschenrechtsverletzungen in der ehemaligen DDR gegeben und die DDR sollte auch nicht verklärt werden.

Unrecht ist allerdings auch eine Politik, die nur die Schwächsten in unserer Gesellschaft, diejenigen, die nur schwer imstande sind sich zu wehren, ihrer Rechte beraubt, und die Verursacher dieser Krise ungeschoren davonkommen lässt.

LG. Michael


Michael Brushwood (29.06.2010)

wie immer triffst du den nagel volle kanne auf den kopf
vielleicht sollten wir aber auch mal an die nordis und südis denken
die bleiben immer außen vor


Regenwolke (15.03.2009)

hallo, wolfgang, ich will es mal ganz krass ausdrücken und sage: ein staat, der nicht in der lage ist, seinen menschen arbeit zu geben und sie stattdessen mit almosen abfüttert, sie also weder leben noch sterben lässt, geht eines tages unter, löst sich auf. die zeichen sind unübersehbar.

rosmarin (03.03.2009)

Hallo Jochen, hallo Rosmarin,

zunächst mal vielen Dank für die Anteilnahme. Es wäre ja auch ein Wunder,
wenn 20 Jahre „danach“ schon „Ruhe im Karton“ wäre.

Weil aber mal wieder die uralten Zeiten in den Vordergrund der Diskussion zu rücken drohen,
will ich hier ganz deutlich sagen: Ich habe nicht was zum „20. Jahrestag“ schreiben wollen,
sondern zur aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise des Weltkapitalismus
und seines Bestandteiles BRD.
Und diesbezüglich entfährt mir ein sehr entsetztes „Jetzt ham wa den Salat!“
Darin steckt meine ganze Wut und Enttäuschung über das kapitalistische System,
das uns an gefährliche Abgründe treibt und das offensichtlich nicht in der Lage ist,
die menschliche Gesellschaft vernünftig zu organisieren –
beispielsweise in Sachen Arbeitslosigkeit (1. Strophe),
in Sachen Volkes Wille (2. Strophe)
und in Sachen Krise (3. Strophe).

Insofern also melde ich mich durchaus als Ossi mit Ostbiografie und frage:
Was bleibt uns noch von den Hoffnungen und Wünschen, die wir in die „Wende“ gesetzt hatten?
Sind wir in den existenziellen Fragen der Menschen womöglich vom Regen in die Traufe geraten?
Wie bankrott ist denn die BRD mit gegenwärtig
(falls ich schnell genug schreibe, ehe der Berg weiter wächst)
ca. 1.594 Milliarden € Staatsverschuldung?
So viel hätte der DDR übrigens nie jemand geliehen.

Was in den letzten Monaten an galoppierender Krise passiert ängstigt mich sehr, und ich sage mir:
Da ham wa den Salat!


Wolfgang Reuter (03.03.2009)

hallo, wolfgang,
wenn ich das gedicht pur nehmen würde, könnte ich mich natürlich nicht mit der aussage identifizieren, ich habe nie in dieser art geträumt. denn ich habe oft meine verwandten im westen besucht und wusste in etwa, was nach der wende auf uns zukommt. aber du meinst ja die große masse, und weil der text unter satire läuft, und diese immer überzogen sein sollte, finde ich es sehr treffend. ich für mein teil esse sehr gern salat, fische mir aber, was mir nicht passt, heraus und ab damit in die tonne. und zu dem kaisersagen möchte ich sagen, dann möchte ich auch den kaiser wieder haben, denn eins ohne das andere finde ich absurd. viel spaß beim salatvertilgen.
gruß von rosmarin


rosmarin (03.03.2009)

Hallo Wolfgang,
da sind wir uns ja schon fast einig.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: ich war immer und bin heute noch ein begeisterter Anhänger der Wiedervereinigung, auch wenn das viele wirtschaftliche Probleme gebracht hat. Anfangs habe ich mich selbst als „Wossi“ bezeichnet.
Was mich heute nervt, ist die nostalgische Verklärung der DDR (bewusst nicht in Anführungszeichen) und die Verdrängung der entscheidenden Unterschiede der politischen Systeme der DDR und der BRD und der für mich existenziell wichtigste Unterschied ist der zwischen einem demokratischen Gesellschaftssystem und einem Willkürstaat.
Deshalb ist in meinem Beitrag auch dieses Thema die einzige Zielrichtung.
Ansonsten kann ich dir nur zustimmen zu deiner Aussage.


Jochen (03.03.2009)

Hallo Jochen,

sicher hast Du Recht mit kritischen Gedanken zur „Ostalgie“.
Andererseits weißt Du so gut wie ich, dass sich die DDR
nicht auf Negativa wie Stasi oder „Gelbes Elend“ reduzieren lässt.
Deshalb will ich auch nicht mit Dir rechten,
ob die von Dir zitierte heutige „große Fresse“ schwerer wiegt
als der feste Arbeitsplatz –
und wie Arbeitslose darüber denken mögen.

In meinem Text „Jetzt ham wa den Salat“ ging es mir
weniger um ein nachträgliches Heiligenbild von der DDR,
als vielmehr darum, mit kräftigem(!) Augenzwinkern(!!!)
dem ewigen „An der DDR war nicht alles schlecht“
ein kräftiges „An der BRD ist nicht alles gut“ entgegen zu setzen.

Und natürlich stehe ich zu dem Gedanken,
dass so manche Illusion aus Wendezeiten
längst durch die bundesdeutsche Wirklichkeit
gründlich widerlegt wurde: Jetzt ham wa den Salat!


Wolfgang Reuter (03.03.2009)

Hallo Wolfgang,
dein Gedicht hat mir gut gefallen, Versmaß gut gelungen.
Nur mit deiner Nachricht gehe ich nicht konform. Deswegen habe ich mir erlaubt, mal meine Gedanken zu dieser deutsch-deutschen Vergangenheit unter dem Titel "Ostalgie" zu Papier zu bringen.


Jochen (03.03.2009)

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