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Die Ulliminaten

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
In vielen wichtigen Positionen sitzen heute unsere Brüder und das Verrückte ist, dass sie manchmal gar nicht wissen, dass sie dazugehören. Im Unterbewusstsein ist das Ziel der Organisation fest verankert und sie handeln in dieser Gesellschaft natürlich auch danach, aber nur wirklich gereifte Geister bekommen bewussten Zugang dazu.
So, wie ich zum Beispiel. Denn ich heiße Ulli und bin mir meiner Bestimmung vollständig bewusst. Wir sind Ulliminaten und werden eine Gesellschaft schaffen, in der Ulliminaten (also Ullis und Ulriken) die Menschheit in die richtige Richtung lenken. Wo es dabei hingeht ist geheim, aber im Grunde soll jeder Mensch am Ende das Glück haben Ulli oder Ulrike zu heißen. Wobei der Name "Ulrike" manchen Ullis ein Dorn im Auge ist.
"Der Name Ulli reicht auch für das weibliche Geschlecht" ist ihre Meinung und die vertreten sie in manchen Ländern sogar mit Tötung von Andersbenannten. Vorzugsweise eben Ulrikes, weil diese irgendwie Verräterinnen am Namensstamm sind. Man muss das auch nicht wirklich verstehen. Ich bin da eher liberal. Die Namen Ulli, Ulrike, Ullrich sind für mich vollkommen ok.
Alle anderen Namen bezeichnen für mich nichtachtbare Menschen. Man muss nämlich wissen, dass der Name eines Menschen ihn ab Anbeginn der Geburt stark beeinflusst. Der eigene Name ist das häufigste Wort, dass ein Mensch hört und der Klang und die Betonung konstruieren das Gehirn und schaffen Verbindungen von Gehirnhälfte zu Gehirnhälfte. Es ist bewiesen, dass gerade der Name Ulli ein Netzwerk voller Neuronen bindet, dass im Enddefekt einen sehr hohen Intelligenzquotienten schafft.
Ich habe schätzungsweise einen IQ von 220, aber testen lassen werde ich das nicht. Die Leute, die den Test entwickelt haben, waren eh dümmer und so kann der Test auch nicht klappen. Ich verlass mich da lieber auf mein Gefühl. Und diesen IQ hab ich nicht weil ich irgendwie besser bin als andere Menschen sondern weil ich den richtigen Namen trage und mich das zu einem besseren Menschen gemacht hat.
Ich bin nicht für eine Tötung, aber für eine effiziente Rollenverteilung in dieser Welt. Oben sollten die stehen, die, die anderen sinnvoll lenken können. Und um die Gesellschaft dahingehen umzukrempeln muss das alles geheim ablaufen, weil es viel zu viele machthungrige Horsts und Karls gibt, die einem Knochen (die eigenen) zwischen die Beine (auch Knochen) werfen würden. Das heißt es werden immer mehr Ullis oben sitzen und diese werden dann auch Ullis befördern, Bekannte ermutigen ihre Kinder Ulli zu nennen und so für das Wohle der Menschheit sorgen.
Mit mehr Ullis in den oberen Etagen hätten wir nie so eine Umweltverschmutzung, keine Wirtschaftskrise (die mussten wir ja leider auslösen, weil wir ein paar Nichtullis auswechseln mussten) kein Aids und auch weniger Kriege. Und im eigentlichen Sinne möchte ein Ulliminat dem Andersbenannten gar nichts Böses. Er braucht ihn ja für alle anderen Aufgaben, die seinem Intellekt entsprechen. Sowieso total verrückt alle Kinder in die gleiche Schule zu stecken und auf schlau zu trimmen. Manche können eben nicht schlauer werden, als es Ihr Name dem Gehirn befiehlt. Ein Marco wird niemals so dumm wie ein Christian oder Robert sein und ein Ulliminat kann ein Land oder die Welt eben besser regieren als ein George oder ein Frank. Man müsste die Berufe nach Vornamen vergeben. Heißt, jeder Paul wird Maurer, jeder Thomas Steuerberater und Claus ist immer Tierarzt. So erübrigt sich nach der Frage "Wie heißt Du?" auch dann die Frage "Was machst Du so?".
Im Moment arbeite ich bei Edeka an der Kasse. Das entspricht meinen schulischen Leistungen, aber auch nur, weil hoch entwickelte Genies sich eben in einer Schule anfangen zu langweilen. Sie werden total unterfordert und hören dann irgendwann auf, am Unterricht teilzunehmen, berechnen im Hinterkopf den Radius eines Vierecks und folgen nur noch Ideen die für andere Leute völliger Humbug sind. Ich warte nur auf meine Abzweigung nach oben. Früher oder später wird ein anderer Ulli auftauchen, mich an die Hand nehmen und mir den Weg weisen. Das ist so Tradition bei uns und das Verrückte ist, dass die meisten Brüder das gar nicht wissen und es einfach passiert.
 
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Kommentare  

Ich kann Jochen und Doska nur zustimmen. Ein Treffer! Herrlich speilzähnig und zum Schlapplachen!

Petra (07.05.2009)

Eine sehr gute Satire. Überaus treffend für diese Gruppen und Organisationen, die nicht nur sich und ihre Mitglieder als "etwas Besseres" empfinden, auch die Heilsbringer für andere sein wollen und gar nicht dabei merken, wie Menschenverachtend sie im Grunde sind. Wirklich gelungen.

Jochen (06.05.2009)

Ganz hervorragend. Ich habe so lachen müssen- köstlicher Text. Da ist dir aber wirklich ein kleines Meisterwerk geglückt.

doska (04.05.2009)

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