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Gerichtsreporter: Jutta und die Sparkasse

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
Jutta

Jutta hat es auf die Sparkasse abgesehen. Sie ist sicher nicht die Zierde Deutschlands wenn es um Intelligenz geht, aber sie hat eine Begabung. Sie versteht es außerordentlich die Bank auf ihre schwachen Stellen abzuklopfen und sie dann ausbluten zu lassen. Natürlich in ihre eigenen Taschen.
Wenn sie in ihre eigentliche Arbeit soviel Energie gelegt und sich soviel Gedanken gemacht hätte wie um Sparbücher, Überweisungen und Kredite, man würde sie hoch ehren und sie würde wahrscheinlich eine Filiale führen.
Aber über Erfolge kann ich hier nicht berichten.
Sie ist zweiundzwanzig Jahre alt, hat zwei Kinder und lebt mit einem wechselnden Lebensgefährten zusammen, dem man wegen seiner monatlichen Austauschung leider nicht namentlich festmachen kann.
Sie hat ihr blondes Haar ganz rot gefärbt. Es ist sehr peinlich, wenn man in der Haft sitzt und nicht nachfärben kann. Dann flutschen nach einiger Zeit die blonden Haare nach und man sieht ungepflegt und unschön aus. Auch kann man dies dann schwer als neuen Modetrend verkaufen.
Das Haar dauernd anders zu tönen mag zum Beruf des Bankräubers passen, aber es ist gefährlich, es stimmt dann im Personalausweis nicht mit dem Bild überein und ein windiger Zivilbulle auf Einbuchtungsnot könnte einem Hüjahot hopps nehmen deswegen.
Abgemagert ist Jutta in der Untersuchungshaft keinesfalls. Im Gegenteil, ich glaube, das Gefängnisessen schmeckt ihr sehr gut und es schlägt gut an.
Oder ein Justizbeamter hat sie nach Verhaftung sexuell stimuliert und es trägt Früchte. Dies bleibt der Fantasie überlassen.
Wenn man gerade zur Bewährung verurteilt wurde und zwei Jahre Gefängnis angedroht sind, weil man eben gestohlen hat und wenn man in der Frist, in den paar Tagen, bis das Urteil rechtskräftig wird, noch schnell in der Mütterberatungsstelle acht Mütter zusammenschlägt, dann findet man vor Gericht keine Freunde, kein Verständnis, keine Sympathie.
Mit dem Geld, das Jutta und ihre Lebensgefährten im Monat verdienten hätte sie wirtschaften können, wenn sie hätte wirtschaften können.

Von einer Bekannten, nennen wir sie Frau Suppe, stiehlt sie in einem geeignetem Moment den Personalausweis und die EC-Karte.
Da Frau Suppe auf dem Konto nicht genügend Geld hat, wie Jutta findet, erhöht sie das Konto künstlich. Sie löscht in einem ganz anderen Konto ein paar Zahlen und fügt sie Frau Suppes Konto zu, damit die Differenz nicht auffällt. Etwas plump, muss ich sagen.
Vom 26. Oktober bis zum 6. Dezember ändert sie nun munter drauflos. Mit Leidenschaft, aber ungeschickt.
Einmal sogar legt sie ein Konto an und lässt sich die EC-Karte an die Adresse einer Hausruine senden an der noch ein Briefkasten hängt. In achtunddreißig Fällen hebt sie an verschiedenen Automaten insgesamt 5589 Euro ab.
Im Dezember 2003 fällt einem EDV-Fachmann der Sparkasse die plumpe Zahlenjonglage auf und nun geschieht das Groteske. Sie wird in das Zimmer ihres Chefs der Sparkasse gebracht und soll den Personalausweis vorlegen. Der Leiter bemerkt nicht, dass das Bild nicht Jutta darstellt, denn das Foto der Frau Suppe zeigt eine ältere Frau mit einem kurzen ungefärbtem Haarschnitt und intelligenteren Zügen, die nicht die geringste Ähnlichkeit haben mit dem Gesicht der behäbigen, etwas dümmlich aussehenden Jutta.
Dem Chef fällt aber nichts auf. Sehr wohl, weiß er, das diese Frau für ihn arbeitet, aber er bringt das nicht in Bezug. Vielleicht verdrängt er einfach, was nicht sein darf.
Er schreibt die Adresse auf, macht eine Anzeige gegen eine gewisse Frau Suppe und Jutta ist aus allem heraus.
In dieser Periode fischt sie aus mehreren Briefkästen unbewohnter Häuser weitere Briefe mit EC-Karten.
Nach der Begebenheit beim Chef hat sie nun außerordentlichen Respekt vor Geldautomaten. Sie, weiß, dass hier gefilmt wird und das man so auf sie kommen könnte. Der Personalausweis der Frau Suppe ist auch nicht mehr brauchbar. Sie benötigt einen neuen Ausweis.
Vor einer Bäckerei hat eine Frau ihre Brieftasche in einem Kinderwagen liegengelassen. Jutta bringt diese rasch an sich, die 150 Euro sind eine willkommene Beigabe, wichtiger aber ist der Personalausweis. Mit diesem eröffnet sie selbst bei sich als Sparkassenangestellte ein Gehaltskonto.
Nun konnte sie mit den anderen noch ungenutzten und zugeschickten EC-Karten und Konten sich auf dieses Konto Geld überweisen, Dispos anfordern und dann mit EC-Karte und Personalausweis auch abholen.
Mit demselben Ausweis und der Karte kauft sich Jutta auf Teilzahlung einen BMW, den will sie aber noch am selben Tage in der U-Bahn verloren haben.
Eine ganz neue Betrugsschiene entwickelte sie und ich bin erstaunt über soviel Einfallsreichtum in so einem kleinen Kopf.
Das Urteil, drei Jahre Gefängnis, dazu noch die Verbüßung der zwei Jahre, die ihr aus der Verhandlung zuvor angedroht wurden.
 
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