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2 Seiten

Der Traum im Traum

Poetisches · Schauriges
Eisig Wind umhüllt den Wald
kein Mond für diese Nacht geboren
Das dünne Kleidchen bloß
hätt sie fast erfroren.

Die Lippen blau die Hände taub
die Knie fest an die Brust gedrückt
Die Nacht die hält den Wind im Schoß
die Angst macht sie verrückt.

Schon schlägt in weiter Fern
die Turmuhr ihre Pflicht
Sie flehet in die dunkle Nacht
das werdet endlich Licht.

Statt des Lichtes eine Stimme
Erzähl mir deine Mär
Was dir geschah und dich bedrückt
ich dir gern behilflich wär.

Hunger quält mich, kalt mein Blut
allein und auch vergessen.
Die Stimme lacht und sagt mein Kind
Ich geb dir Wärme und zu Essen.

Doch hoch mein Preis, ich habe meine Regeln.
Die Furcht ist groß, jetzt höret sie gar Schritte.
Wir spieln ein Spiel, wenn du gewinnst
erspar ich dir den Stich, in des Herzens Mitte.

Sie schreit: Ich spiele nicht mein Herr.
Es tut mir Leid mein Kind du hast gar keine Wahl
ein Spiel nach meiner Kunst
ersparet dir die Qual.

Lieber will ich tot, im Schnee
gestorben, ganz allein
als das ich geh mit ihnen
auf ihren Handel ein.

Ein Vogel schreit laut in der Nacht
plötzlich wärmend Feuer erhellt der Stimm' Gesicht
Starr vor Entsetzen sieht sie es
und wünscht es wäre nie mehr Licht.

Was bist du für ein Monster
Gelähmt vor Angst sieht sie das lange Messer.
Hab keine Angst und wärme dich
trink diesen Wein dann geht es dir schon besser.

Die Augen leuchtend grün
die Haut ganz garstig rot
Doch groß ist ihre Hungersqual
sie trinkt den Wein und isst vom Brot.

Schon hält er ihr das Messer
an ihre zarte Brust
sein gieriges Verlangen
erstarret ihre Lebenslust

Fallend in ein tiefen Schlaf
all ihre Sinne schwinden
der Schnee verweht ihr dünnes Kleid
kein Mensch wird sie je finden

Doch schon im selben Augenschlag
ihr Kleid aus Gold und Edelstein
sie tanzt auf tausend Festen
sie würd gar wohl die Fürstin sein

Nun erwachet sie vom Fieber
hält den Wein und sitzt am Feuer
beide Träume nur gemacht
von diesem Ungeheuer

Du siehst mein Kind du kannst entscheiden
sie spürt den Dolch an ihrer Kehle
Der Tod im Schnee ist frei
doch der Reichtum kostet deine Seele

Ich will nicht spiel'n es ist ein fauler Handel
Du wärest mein Verderben
eh ich gebe meine Seele
will ich lieber sterben

Du bist kein Mensch du bist ein Monster
ersparet mir den Schmerz
nicht länger will ich sehen dich
stech den Dolch nun in mein Herz!

Von Zorn gepackt schreiet nun das Monster
was hast du für ein Leben?
Was bist du für ein töricht Kind
Ich wöllt dir Reichtum geben

Ewig Leben nach dem Tod
als Fürstin neu geboren
gibst du deine Seele mir
ich hätt es dir geschworen

Schon dringt in ihre Kammer
erstes Sonnenlicht
Mutters Hand an ihrer Stirn
Monster gibt es nicht

Im Arm der Mutter
Wärme ihren Geist erweckt
Weine nicht mein Kind
Nur ein Traum hat dich erschreckt

Nur manchmal reist sie in der Nacht
an jenen schaurig Ort
sie suchet doch sie findet nicht
das Monster ist längst fort

Doch stehen da in Stein gehau'n
Zehn Kinder ganz erfroren
die ihre Seele gaben
ihr Leben ha'm verloren

Vielleicht als Sterne nun
an Himmelszelten
oder gar als Monster neu gebor'n
in fernen fremden Welten
 
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Kommentare  

thumbs up :)!!!

Faris Alvarez (23.12.2010)

Spannendes Schauermärchengedicht. Schön düster und so romantisch wie in guter alter Zeit. Toll!

Petra (19.06.2010)

Sehr hübsch, ein spannendes Gruselmärchen als Gedicht. Sehr gelungen und ausgesprochen melodisch.

Jochen (18.06.2010)

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